Mwanza

Stadt in Tansania

Mwanza ist die zweitgrößte Stadt in Tansania. Sie ist Hauptstadt der Region Mwanza und liegt am Victoriasee.

Mwanza
Mwanza (Tansania)
(2° 31′ 18″ S, 32° 54′ 4″O)
Koordinaten 2° 31′ S, 32° 54′ OKoordinaten: 2° 31′ S, 32° 54′ O
Basisdaten
Staat Tansania

Region

Mwanza
Höhe 1144 m
Einwohner 706.453 (2012)
Postleitzahl 33101
Kultur
Partnerstädte DeutschlandDeutschland Würzburg, Deutschland
FinnlandFinnland Tampere, Finnland
Mwanza, 2005
Mwanza, 2005
Blick auf Mwanza vom Capri Point.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Mwanza liegt am Südufer des Victoriasees in einer Seehöhe von 1144 Metern. Die Stadt hat über 700.000 Einwohner (Stand 2012)[1] und ist das wirtschaftliche Zentrum der Seenregion. Sie ist umgeben von Hügeln und riesigen Felsblöcken.[2]

GliederungBearbeiten

Die Stadt besteht aus einer Division mit Namen Nyamagana und aus 18 Gemeinden (Wards).[3]

KlimaBearbeiten

In Mwanza regnet es rund 1000 Millimeter im Jahr. Die Durchschnittstemperatur schwankt von unter 18 Grad Celsius in der kühlen Jahreszeit bis zu 30 Grad.[3]

Mwanza
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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18
 
 
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86
 
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139
 
27
18
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Tanzania Meteorological Agency, Daten: 1971–2000[4]; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mwanza
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 27,6 27,9 28,5 27,8 28,1 28,4 28,3 28,7 29,0 28,5 27,5 27,3 Ø 28,1
Min. Temperatur (°C) 17,7 17,8 18,0 18,2 17,7 16,2 15,4 16,4 17,3 18,1 18,1 17,9 Ø 17,4
Niederschlag (mm) 103,69 108,04 139,82 168,19 72,86 21,12 11,88 20,55 22,87 85,64 157,15 138,92 Σ 1.050,73
Sonnenstunden (h/d) 7,4 7,5 7,6 7,7 8,2 9,4 9,2 8,6 8,4 7,8 7,0 7,2 Ø 8
Regentage (d) 10 8 11 14 8 2 1 2 3 8 13 12 Σ 92
Luftfeuchtigkeit (%) 71 71 69 74 70 66 58 58 59 61 71 73 Ø 66,7
T
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18,1
27,3
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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22,87
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138,92
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Tanzania Meteorological Agency, Daten: 1971–2000[4]; wetterkontor.de

GeschichteBearbeiten

 
Panorama vom Mwanza zur deutschen Kolonialzeit, vor 1910.

Gründung und deutsche KolonialzeitBearbeiten

Die Stadt liegt unterhalb des Hügels, von dem aus John Hanning Speke im Jahr 1858 als erster Europäer den Victoriasee für die westliche Welt entdeckte. Die Behörden von Deutsch-Ostafrika entschlossen sich 1890 zur Gründung einer Bezirksnebenstelle auf dem Hügel in der heutigen Stadtmitte und gaben diesem den Namen Muansa[5] – vermutlich als Missverständnis aus dem Wort „Nyanza“ aus der Sprache der hier ansässigen Sukuma, welches einfach nur „See“ bedeutet. Ab 1892 begannen die Kolonialbehörden dann mit dem planmäßigen Aufbau der Stadt und des Hafens zu Füßen der Boma.[6] Um die Jahrhundertwende begann der Aufbau größerer Baumwollplantagen am Ufer des Sees. Im Beobachtungszeitraum zwischen 1894 und 1915 war bei Mwanza eine Wetterstation der Deutschen Seewarte aktiv.[7] 1910 wurde mit dem Bau einer Funkstation zur drahtlosen Telegrafie begonnen, die am 20. März 1911 ihre Arbeit aufnahm.[6] Bei Reichweitenversuchen im April desselben Jahres kamen Verbindungen mit den Dampfern Bürgermeister und General im Indischen Ozean zustande.[8] Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt 1916 von britischen Truppen eingenommen.

Britische Kolonialzeit und UnabhängigkeitBearbeiten

Durch die Entdeckung von Gold in den 1920er Jahren und die Fertigstellung der Verbindung zur Tanganjikabahn von Tabora 1928 erlebte die Stadt einen erheblichen Aufschwung und eine Bevölkerungsexplosion. Nach dem Versiegen der Goldvorkommen und während der Zeit des afrikanischen Sozialismus in den 1970er Jahren fiel die Region am Victoriasee wirtschaftlich weit zurück. Hinzu kamen die Bombardierungen durch die ugandische Luftwaffe im Rahmen des 2. ugandisch-tansanischen Krieges 1978, die im Stadtzentrum und am Hafen erhebliche Zerstörungen anrichteten. Erst durch die Goldfunde Anfang der 1990er Jahre in der benachbarten Region Geita, wo unter anderem das Unternehmen Anglogold Ashanti den Tagebau Geita betreibt, erlebte die Stadt wieder einen Aufschwung. Die Bürgerkriege im nahen Ruanda und Burundi führten zur Nutzung der Infrastruktur von Mwanza als Drehkreuz der humanitären Hilfe der staatlichen und nichtstaatlichen Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt und zu einem kleinen Wirtschaftswunder in der ganzen Region.

Bukoba-KatastropheBearbeiten

Bekannt wurde die Stadt auch bei der Bukoba-Katastrophe als etwa 30 Kilometer nördlich der Stadt am 21. Mai 1996 die Bukoba auf der Fahrt von Bukoba nach Mwanza kenterte und später sank. Dabei kamen zwischen 600 und 800 Menschen ums Leben. Der Untergang der Bukoba war das größte Schiffsunglück in der Geschichte Ostafrikas und weltweit eine der größten Schiffskatastrophen auf Süßwasserseen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand seit der Volkszählung 1978.

        Jahr        Einwohnerzahl[9]
1978 (Zensus) 110.553
1988 (Zensus) 172.287
2002 (Zensus) 385.810
2012 (Zensus) 706.453

ReligionBearbeiten

Mwanza ist Sitz des Erzbistums Mwanza.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Mwanza hat sich aufgrund seiner vorteilhaften Lage am Victoriasee zum größten Industrie- und Wirtschaftszentrum im Westen Tansanias entwickelt. Am wichtigsten sind Fischverarbeitungs- und Bergbau-Unternehmen.

  • Fischerei: In der Stadt befinden sich dreizehn Fischverarbeitungsfabriken mit einer Gesamtkapazität von 1.000 Tonnen Fisch pro Tag. Illegales Fischen hat die tägliche Fangquote auf 171 Tonnen gesenkt (Stand 2018).
  • Baumwolle: In Mwanza werden jährlich 57.000 Tonnen Baumwolle erzeugt. Dies trägt mehr als ein Viertel zum Einkommen der Bauern bei.[10]
 
Die Felsformation "Rock City" im Victoriasee.

TourismusBearbeiten

Die rund 5000 Besuchern im Jahr besuchen die Sehenswürdigkeiten:[11]

  • Victoriasee: Mit beinahe 70.000 Quadratkilometer ist er der größte See Afrikas und Wasserspeicher des Nil.[12]
  • Saanane-Nationalpark: Der kleinste Nationalpark von Tansania auf der Insel Saanane im Victoriasee vor Mwanza.[13]
  • Felsformationen: Rund um Mwanza liegen für die Gegend typische Felsformationen.[14]

BildungBearbeiten

Nyegezi-Malimbe bei Mwanza ist Sitz der 1998 zur Katholischen Universität ernannten St.-Augustinus-Universität Tansania (SAUT). Das 2003 gegründete Weil-Bugando University College of Health Sciences (BUCHS) hat ihren Sitz Mwanza-Stadt. Die Catholic University of Health and Allied Sciences wurde 1994 gegründet.

 
Der Bahnhof in Mwanza.
 
Fähren im Hafen von Mwanza.

VerkehrBearbeiten

PolitikBearbeiten

Mwanza ist ein Wahlbezirk (City Council), in dem alle fünf Jahre ein Stadtrat gewählt wird. Die Vorsitzenden seit 1985 sind:[19][20]

Name von bis
Costantine Sima 1985 1995
Selemani Khamese 1995 2000
Leonard Bihondo 2000 2010
Josephat Manyerere 2011 2012
Stanslaus S. Mabula 2012 2015
James M. Bwire 2015

StädtepartnerschaftBearbeiten

 
Der Mwanza-Weg in Würzburg.
  Würzburg, Deutschland[21]
  Tampere, Finnland[22]

1966 wurde Mwanza zur Partnerstadt Würzburgs.[23] Dieses Bündnis geriet in der Folgezeit immer mehr in Vergessenheit, bis 1986 eine Wählerinitiative die Partnerschaft wieder ankurbeln wollte. Sechs Jahre später wurde die Städtepartnerschaft offiziell erneuert.

VariaBearbeiten

Der 2005 erschienene, preisgekrönte Dokumentarfilm Darwin’s Nightmare von Hubert Sauper setzt sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Nilbarsch-Ökonomie in Mwanza und illegalen Waffenlieferungen aus Russland auseinander.[24]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tanzania: Regions and Cities - Population Statistics, Maps, Charts, Weather and Web Information. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  2. Mwanza travel. Abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
  3. a b Mwanza City Council, Strategic Plan 2016/1017–2020/2021. (PDF) Mwanza City Council, November 2017, S. 13–14, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  4. Tanzania Meteorological Agency: Klimainformationen Mwanza. World Meteorological Organization, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  5. Eintrag “Muansa” im Deutschen Koloniallexikon von 1920
  6. a b Tansanisch-deutsche Beziehungen - pangloss.de. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  7. Status der Überseestationen. Deutscher Wetterdienst, 23. Juni 2020, S. 17, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  8. Reinhard Klein-Arendt: "Kamina ruft Nauen!" Die Funkstellen in den deutschen Kolonien 1904-1918. 3. Aufl., Köln: Wilhelm Herbst Verlag, 1999, S. 130ff., ISBN 3-923925-58-1.
  9. Tansania: Regionen und Städte - Einwohnerzahlen in Karten und Tabellen. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  10. Mwanza’s grows its lakeside economy. 15. November 2018, abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
  11. Mwanza City Council, Tourism Attratctions Report. (PDF) 15. Mai 2017, S. 2, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  12. Lake Victoria | Size, Map, Countries, & Facts. In: Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
  13. Saanane Island National Park — Marve (T) Holidays. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  14. Bismarck Rock in Mwanza, Tanzania | Africantourer. Abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
  15. Scheduled airlines operating at Mwanza airport. Tanzania Airports Authority, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  16. Mwanza Airport Statistics. Tanzania Airports Authority, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  17. Trunk Roads Network. (PDF) Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  18. Lake Victoria Ports. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  19. Siegfried Schröder und Elke Kuhne: Wahlen in Tansania 2015. (PDF) Rosa-Luxemburg-Stiftung, 9. November 2015, S. 3, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  20. Wenyeviti wa Halmashauri | Mwanza City Council. Abgerufen am 22. Oktober 2020 (Suaheli).
  21. Mwanza City Council, Strategic Plan 2016/1017–2020/2021. (PDF) Mwanza City Council, November 2017, S. 47, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  22. Twin Cities. 15. Februar 2016, abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
  23. Stadt Wuerzburg: - Partnerstädte. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  24. Ian Cook: Follow the Things. Abgerufen am 22. Oktober 2020.

WeblinksBearbeiten

Commons: Mwanza – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien