Muggensturm

Gemeinde in Deutschland

Muggensturm ist eine Gemeinde im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Muggensturm
Muggensturm
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Muggensturm hervorgehoben

Koordinaten: 48° 52′ N, 8° 17′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Höhe: 122 m ü. NHN
Fläche: 11,56 km2
Einwohner: 6222 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 538 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76461
Vorwahl: 07222
Kfz-Kennzeichen: RA, BH
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 033
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 33–37
76461 Muggensturm
Website: www.muggensturm.de
Bürgermeister: Dietmar Späth
Lage der Gemeinde Muggensturm im Landkreis Rastatt
RheinFrankreichRheinland-PfalzEnzkreisSinzheimSinzheimSinzheimBaden-BadenBaden-BadenBaden-BadenBaden-BadenBaden-BadenKarlsruheLandkreis CalwLandkreis FreudenstadtLandkreis KarlsruheLandkreis KarlsruheOrtenaukreisOrtenaukreisOrtenaukreisAu am RheinBietigheimBischweierBühlertalBühlertalBühlertalBühl (Baden)DurmersheimElchesheim-IllingenForbach (Baden)GaggenauGernsbachHügelsheimIffezheimKuppenheimLichtenau (Baden)LoffenauMuggensturmMuggensturmÖtigheimOttersweierOttersweierRastattRheinmünsterRheinmünsterRheinmünsterRheinmünsterSinzheimSteinmauernWeisenbachRheinKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Muggensturm liegt in der Rheinebene am Fuße des Schwarzwaldes. Durch den Ort zieht sich die Grenze zwischen dem Hardtrücken im Nordwesten und der Kinzig-Murg-Rinne im Südosten.[2] Zentral durch den Ort fließt der verdolte, über 27 km lange Federbach, in dessen Einzugsbereich der Federbachbruch, ein 43 ha großes Naturschutzgebiet (hiervon 22,8 ha Niedermoor[3]) liegt. Am südöstlichen Rand des Ortes fließt der Neugraben, der am umgangssprachlich "Zammerusch" hinter dem Schafhof im Gewann Aulach in den Federbach mündet.

Eine Exklave bildet das Gelände im Hirschgrund, das sich über die B 462 hinaus bis in das Rastatter Gewerbegebiet "Im Wöhr" erstreckt.

Zu den benachbarten Orten zählen Ötigheim, Bietigheim, Malsch, Waldprechtsweier, Oberweier, Bischweier, Kuppenheim und Rastatt.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Muggensturm gehören das Dorf Muggensturm und das Haus Ziegelhütte in der Steinhardt. Im Gemeindegebiet liegen die Wüstungen Eichelbach und Frierlinde.[4]

GeschichteBearbeiten

Ersterwähnung und StadtBearbeiten

 
Urkunde der Ersterwähnung Muggensturms

Das ursprüngliche Muggensturm lag in einem Sumpfgebiet erhöht auf einer Hurst in der Kinzig-Murg-Rinne zwischen dem Federbach im Norden und dem Neugraben im Süden. Dieser strategische Vorteil begünstigte wohl die schnelle Entwicklung zur befestigten Stadt mit Burg. Die Ersterwähnung erfolgte 1193 in einer Urkunde von Papst Coelestin III. als Mugetstrum und ist 1219 als ebersteinisches Dorf belegt.[5] Der Wandel der Schreibung des Ortsnamens hin zu Muggensturm wie auch seine Herkunft ist noch nicht eindeutig geklärt, jedoch gibt es mehrere Theorien zum Ortsnamen. Eher an eine Heldensage erinnert die Geschichte, dass Angreifer in die Flucht geschlagen wurden, indem Bienenkörbe von der Stadtmauer geworfen wurden.[6] Aber auch ein keltischer Ursprung des Namens kann in Betracht gezogen werden: keltisch mug = Schwein.[7] Am plausibelsten ist aber die Erklärung mit der hohen Anzahl von Stechmücken (Dialekt: Mugge) im Federbachbruch. Der Oberrhein war lange Malariagebiet und auch heute findet in diesem Gebiet noch eine Intensive Schnackenbekämpfung durch die KABS statt.

Von besonderer Bedeutung für die Ortsgeschichte ist eine Urkunde aus dem Jahre 1298 in der Graf Heinrich von Eberstein seinen Hof von Eichelbach nach Muggensturm verlegte.[8] Er forderte das Kloster Herrenalb ebenfalls auf, seinen Hof in den Schutz der Burg Muggensturms zu verlegen, vermutlich nachdem das Geschlecht des Konrad von Eichelbach um 1285 endete.[9]

Im 14. Jahrhundert[10] wurde Muggensturm vermutlich dann zur Stadt ernannt (Eine Ernennungsurkunde ist jedoch nicht überliefert) und verfügte über eine Burg mit Stadtmauer und zwei Stadttoren (Oberes und unteres Tor).[11] Die Stadtmauer verlief außerhalb der Kreuzstraße im Süden, der Hauptstraße im Westen, wo sich in den Burgwiesen die Ringmauer der abgegangenen Burg anschloss, der Lindenstraße im Norden, und der Kirchstraße im Osten.[12] Aber schon 1387 verkaufte der stark verschuldete Graf Wolf von Eberstein die Burg und Stadt Muggensturm an den Markgrafen von Baden.[13] Die Besitzverhältnisse zwischen den Badenern und den Ebersteinern wechselten ab 1403 durch Auseinandersetzungen mehrfach, bis 1660 mit dem Tod des Grafen Casimir von Eberstein das Geschlecht im Mannesstamm ausstarb.

Wird Muggensturm in einer Beschreibung von Sebastian Münster im Jahr 1575 noch als Stettlin beschrieben, sprechen andere Quellen nur noch vom Flecken. Vermutlich war den Badenern eine zweite Stadt neben derm benachbarten Kuppenheim, das zu dem Zeitpunkt schon Oberamtsstadt der Markgrafschaft Baden-Baden war, zu viel. Aufgrund der großen Schäden durch Bayrische Truppen im 30 jährigen Krieg, lässt sich vermuten, dass eine Stadtbefestigung zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gegeben war. In den Jahren 1787 und 1788 wurden die Reste der Stadtmauer und der -Tore verkauft, da sie nicht mehr notwendig waren und sogar im Weg standen. Heute sind noch zwei restliche Stellen der Mauer übrig: Die Südwand des Gasthauses zum Kreuz wurde im Erdgeschoß auf die Stadtmauer aufgesetzt und ein etwa ein Meter starker Mauerzug ist an der Rückseite der zu einem Haus der Wilhelmstraße gehörigen Scheuer im Garten sichtbar.[14] Vermutlich wurde weitere Mauerreste auch als Fundament für spätere Wohnbebauung genutzt, dies ist jedoch nicht dokumentiert.

1804 bezeichnet Johann Wilhelm Schmidt ebenso wie 1814 J.B. Kolb Muggensturm als einen Marktflecken.[15] Wo dieser Markt abgehalten wurde, ist unklar. Es finden sich lediglich hinweise auf einen Jahrmarkt an der St. Margarethenkapelle. Dagegen beschwerten sich sämtliche Muggensturmer Wirte über zu hohe Abgaben, obwohl Muggensturm ein wenig besuchter Ort ohne Wochenmärkte war.[16]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Quelle bis 1961: Ortschronik[17] und ab 1961: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg[18].

Jahr Einwohner
1618 85
1682 79
1718 483
1804 867
1814 1071
1841 1534
1851 1630
1858 1729
1869 1894
1880 2038
1890 2040
1896 2056
1900 2112
1910 2326
1925 2748
1939 3084
1946 2955
1956 3482
1961* 4052
1961 4146
Jahr Einwohner
1962 4243
1963 4281
1964 4401
1965 4440
1966 4472
1967 4470
1968 4621
1969 4768
1970* 4780
1970 4782
1971 4724
1972 4768
1973 4783
1974 4727
1975 4630
1976 4573
1977 4621
1978 4670
1979 4675
1980 4696
Jahr Einwohner
1981 4753
1982 4763
1983 4813
1984 4876
1985 4947
1986 5014
1987* 5103
1987 5126
1988 5222
1989 5289
1990 5447
1991 5497
1992 5558
1993 5607
1994 5599
1995 5681
1996 5799
1997 5869
1998 5925
1999 5983
Jahr Einwohner
2000 6072
2001 6160
2002 6116
2003 6179
2004 6240
2005 6274
2006 6253
2007 6277
2008 6215
2009 6178
2010 6139
2011 6156
2012 6148
2013 6174
2014 6136
2015 6179
2016 6204
2017 6188
2018 6195
2019 6235

Religion und KirchenBearbeiten

Katholische Kirche[19][20]Bearbeiten

  • 1366 Erste Erwähnung der „Messe zu Mukensturne“
  • 1379 Gründung einer Pfarrei mit Gottesdienst in der Burgkapelle. Die St. Georgs-Kapelle außerhalb der Stadtmauer gehörte ebenfalls dazu.
  • 1731 Eine neue Kirche wird als „Königin der Engel und dem Heiligen Georg“ geweiht
  • 1856 Umbau und Vergrößerung der Kirche
  • 1904 Abbruch der Kirche und Umzug in eine Notkirche
  • 1907 Einweihung der neuen Kirche „Maria Königin der Engel“ mit zwei Seitenaltären und einem Notaltärchen (für das Schutzengelchörchen) der Gebrüder Moroder[21]
  • 1950 Glockenweihe der neuen Glocken
  • 2007 100-jähriges Jubiläum der Kirche „Maria Königin der Engel“

Evangelische Kirche[22]Bearbeiten

  • 1928 Errichtung eines Gemeindehauses
  • 1932 Genehmigung zur Einrichtung einer evangelischen Kirchengemeinde
  • 1944 Zerstörung der Kirche bei einem Luftangriff
  • 1953 Eröffnung der neuen Kirche „Zum guten Hirten“
  • 1960 Glockenweihe dreier Glocken
  • 1977 Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Bietigheim-Muggensturm (mit Ötigheim)

Neuapostolische Kirche[23]Bearbeiten

  • 1953 erster Gottesdienst in Muggensturm im Gasthaus „Zur Post“
  • 1966 Eröffnung der Kirche in der Bahnhofstraße 59 (inzwischen aufgegeben)

Jüdische GemeindeBearbeiten

  • 1701 lebte eine jüdische Familie in Muggensturm, 1715 zwei, 1764 drei und 1789 lebten 17 Personen jüdischen Glaubens in Muggensturm[24]
  • Ab Ende der 1830er-Jahre existierte eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad an der Ecke Wilhelmstraße 2 / Hauptstraße 44. Dieser einstöckige Schopf oder Holzremise verkaufte die Witwe von Alt Vogt Lorenz Dahringer am 30. April 1834 an die Israelitische Gemeinde in Muggensturm.[25]
  • 1913 Auflösung der jüdischen Gemeinde
  • 1972 Abbruch der seither als Scheune genutzten Synagoge

St. MargarethenkapelleBearbeiten

  • Erbaut vermutlich im zehnten Jahrhundert
  • Bis ca. 1300 Dorfkirche des abgegangenen Ortes Eichelbach
  • Danach Nutzung als Wallfahrtskapelle
  • Heute Friedhofskapelle des Muggensturmer Friedhofes

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

 
Rathaus mit Brunnen

Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleich seit 1999):[26]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2014 Ergebnis 2009 Ergebnis 2004 Ergebnis 1999
MBV* 46,7 % 7 39,1 %, 5 Sitze 38,8 %, 5 Sitze 42,4 %, 6 Sitze 39,7 %, 5 Sitze
CDU 21,8 % 3 27,2 %, 4 Sitze 27,9 %, 4 Sitze 28,8 %, 4 Sitze 28,5 %, 4 Sitze
SPD 31,5 % 4 33,7 %, 5 Sitze 33,2 %, 5 Sitze 28,8 %, 4 Sitze 31,8 %, 5 Sitze
Wahlbeteiligung 61,5 % 53,4 % 54,1 % 53,9 % 56,8 %

* Muggensturmer Bürgervereinigung

Weiteres Mitglied des Gemeinderats und dessen Vorsitzender ist der getrennt gewählte Bürgermeister.

BürgermeisterBearbeiten

Der Diplom-Verwaltungswirt (FH) Dietmar Späth (* 1963) wurde im Jahr 1993 als Nachfolger von Christoph Müller (Amtszeit: 1985–1993) zum Bürgermeister gewählt. 2001 wurde er mit über 96 % Zustimmung im Amt bestätigt, 2009 mit 98,5 %. Er kandidierte 2005 als Landrat des Landkreises Rastatt und 2007 als Oberbürgermeister von Achern, unterlag aber in beiden Wahlen. Bei der Bürgermeisterwahl in Muggensturm 2017 wurde er mit 97,19 Prozent der gültigen Stimmen für eine vierte Amtszeit gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,60 Prozent.

Weitere Vorgänger:[27]

Name Amtszeit
Josef Glaser 1969–1985
Albert Zittel 1948–1969
Josef Weßbecher 1947–Dez. 48
Otto Schäfer 1946–Dez. 46
Jakob Knapp 1945–1946
Karl Bender 1934–1945
Otto Burkhardt 1933–1934
Karl Werner 1927–1933
Josef Schäfer 1913–1927
Christof Späth 1904–1913
Valentin Schaub 1879–1904
Xaver Hornung 1873–1879
Lukas Melcher 1864–1873
Georg Melcher 1861–1864
Michael Zittel 1852–1861
Josef Schäfer 1849–1852
Georg Melcher 1845–1848
Josef Schäfer 1832–1845
Vogt Lorenz Dahringer 1810–1831
Vogt Paul Nagel 1807–1810

GemeindeverbandBearbeiten

Die Gemeinde Muggensturm ist Mitglied des Gemeindeverbandes MÖBS.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Mit der italienischen Gemeinde Gradara in der Provinz Pesaro und Urbino wurde im Juni 2002 offiziell eine Städtepartnerschaft besiegelt.

Im Jahr 2011 kam die deutsch-deutsche Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Schönwalde-Glien (Brandenburg) hinzu.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KunstBearbeiten

 
Muggensturm, Kunstpfad

Im Rathaus wurde im Jahre 2005 das Muggensturmer Bürgerband installiert, ein weltweit einzigartiges kommunales Fotoalbum. Ein Kommunikationskunstwerk, für das der Journalist Anton Jany 2316 Muggensturmer Bürger fotografierte. Die Porträts der Bürger sind auf Keramikkacheln „verewigt“, die, aneinandergereiht, wie ein Band durch die Gänge des Rathauses führen.

Ein Kunstpfad mit Objekten der vergänglichen Kunst im Freizeitgelände am Tiergehege wurde vom 2007 gegründeten Muggensturmer KreativKreis installiert.[28]

Seit 2010 wurden die tristen grauen Stromkästen im Ort durch Einwohner unter der Anleitung der Muggensturmer Künstler freundlich und kreativ gestaltet.

DenkmälerBearbeiten

Ein Denkmal bei Muggensturm erinnert an die am 29. Juni 1849 beim Gefecht am Federbach gefallenen preußischen Soldaten des 25. Preußischen Infanterie-Regiments. Die Revolutionstruppen schlugen sich zwar tapfer gegen die preußische Übermacht, errangen aber nur Teilerfolge. Ihnen zu Ehren wurde beim Bahnübergang der Straße von Rastatt nach Muggensturm ein Denkmal errichtet. Nach dem Rückbau des Bahnübergangs und damit verbundenen Fahrbahnverlegung über eine Brücke, ist das Denkmal heute nur noch über eine Anliegerstraße zu erreichen.

Am Fliederplatz erinnert ein Denkmal an die bereits 1913 aufgelöste jüdische Gemeinde im Ort. An dieser Stelle befand sich die im Jahr 1972 abgerissene Synagoge. Zukünftig sollen die Namen aller Muggensturmer Opfer des NS-Regimes verewigt werden. Dort wurde am 12. September 2021 ein weiteres Mahnmal für die deportierten Jüdinnen und Juden Badens eingeweiht.[29]

Auf dem Muggensturmer Friedhof befindet sich ein Denkmal, das namentlich den Gefallenen des Ersten Weltkrieges, den gefallenen Soldaten und der umgekommenen Zivilbevölkerung des Zweiten Weltkrieges und den Teilnehmern des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 bis 1871 gedenkt.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Das jährlich stattfindende Volksfest ist der Höhepunkt des Veranstaltungskalenders. Das Fest verläuft über vier Tage (Freitag bis Montag). Der ehemalige Blumenkorso fand immer am Sonntag und Montag statt. Die örtlichen Vereine bauten Wagen, bei denen sie über 200.000 Dahlien verarbeiten. Da es aber aufgrund von Trockenheit zu Lieferengpässen der Dahlien kam, entfällt der Blumenkorso seit 2011.

AuszeichnungenBearbeiten

Bundeswettbewerb „Entente Florale - Unsere Stadt blüht auf“Bearbeiten

Nach drei Bronzemedaillen gelang Muggensturm im Jahr 2010 endlich der große Wurf: Die Gemeinde wurde mit einer Goldmedaille für die Ortsentwicklung ausgezeichnet.

Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“Bearbeiten

Beim Ortsverschönerungswettbewerb des Landkreises Rastatt belegte Muggensturm 2011 bereits zum fünften Mal in Folge den 1. Platz.

Ortsverschönerungswettbewerb des Landkreises RastattBearbeiten

Muggensturm wurde Kreissieger in den Jahren 1977, 1978 und 1980.

Artus-PreisBearbeiten

Die Gemeinde Muggensturm erreichte im Jahr 2006 Platz 4 beim Wettbewerb „Die besten Behörden Deutschlands“. Bei der Preisverleihung des Artus-Preises für Entbürokratisierung in Berlin wurde von Preis-Stifter Friedrich Ganz und dem damaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, dem Vorsitzenden der Jury, Muggensturm mit einem Sonderlob für „vorbildlich effektive und unbürokratische Aktivitäten im Bereich der Unternehmensansiedlung sowie Unterstützung durch unternehmensausgerichtete Bauleitplanung“ bedacht.

VereineBearbeiten

  • Der Musikverein Muggensturm bietet neben einer musikalischen Früherziehung auch qualifizierten Instrumentalunterricht, ein Jugendorchester sowie ein Hauptorchester. Er ist außerdem der einzige Musikverein in der Region, der ein "Anfängerorchester für Erwachsene" anbietet.
  • Der Tennisclub Rot-Weiss Muggensturm wurde am 20. Februar 1974 gegründet. Die Tennisanlage befindet sich am südöstlichen Rand von Muggensturm. Außerdem gibt es ein bewirtschaftetes Clubhaus und eine Minigolf-Anlage. Der Verein hat rund 320 Mitglieder.
  • Der Fußballverein 1918 Muggensturm ist der einzige Fußballverein in Muggensturm. Das Clubgelände mit bewirtetem Clubhaus, zwei Rasenplätzen und einem Hartplatz befindet sich in der Wilhelmstraße 36. Der Fußballverein hat ca. 550 Mitglieder. Er veranstaltet ein jährliches Sportfest mit Spielen der Jugend- / Senioren- und Frauenmannschaften des Vereins. Das Sportfest dauert von Freitag bis Montag. Weiterhin ist eine Mannschaft der Offenen Lebenshilfe Rastatt/Murgtal als eigene Abteilung dem Verein angeschlossen.[30]
  • Bei dem örtlichen Turnverein handelt es sich um den TV Muggensturm 1892 Neben dem Turnen gibt es im TV Muggensturm außerdem eine Abteilung Handball, Faustball und Radsport.
  • Der Schützenverein Muggensturm wurde 1919 gegründet und hat etwa 150 Mitglieder.
  • Der Tischtennisclub Muggensturm wurde 1975 gegründet. Er hat 178 Mitglieder mit fünf Herren-, einer Damen- und sechs Jugendmannschaften. Training und Punktspiele werden in der Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule ausgetragen.
  • Der Arbeitergesangverein Harmonie von 1900 wurde 1938 aufgrund seiner Nähe zur Sozialdemokratie und den Gewerkschaften von den Nationalsozialisten verboten. 1951 wurde er neu gegründet. Der Chor ist heute als gemischter Chor aktiv und pflegt sowohl die klassische Chorliteratur als auch moderne Sätze.
  • Der Modellflugverein MFC-Zaunkönig wurde 1990 gegründet und betreibt einen eigenen Modellflugplatz.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßenverkehrBearbeiten

Wichtige überregionale Straßen an die Muggensturm angebunden ist, sind die BAB 5 mit der Anschlussstelle Rastatt-Nord, als auch die B 3 und die B 462. Östlich verläuft mit der L 67 die Muggensturmer Umgehungsstraße, die den Ort im Nordosten bei Neumalsch an die B 3 und vor Kuppenheim and die B 462 anbindet. Die Anbindung an die B 462 im Westen erfolgt über die K 3728 in Richtung Rauental. Mit der K 3717 in Richtung Ötigheim im Nordwesten und der K 3737 im Norden nach Bietigheim, bestehen weitere Anbindungen an die B 3.

SchienenverkehrBearbeiten

Die Bahnanbindung besteht seit dem 1. Mai 1844, als die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen den Abschnitt HeidelbergKarlsruhe der Rheintalbahn eröffneten. Nach der Verlegung des Rastatter Bahnhofs 1890 und der Erweiterung der Strecke über Durmersheim wurde auch die Trasse nach Rastatt verlegt. Die alte Eisenbahnbrücke über den Federbach im Gemeindewald Hirschgrund existiert heute noch. Der Bahnhof Muggensturm feierte 1984 sein 140-jähriges Bestehen.[31] Inzwischen gibt es zwei Haltepunkte für den Personenverkehr, die den Ort an den Karlsruher Verkehrsverbund anbinden: Muggensturm und Muggensturm Badesee. Auch eine Güterverkehr Anbindung zum Industriegebiet besteht.

Unternehmen und GewerbeBearbeiten

Muggensturm verfügt zusammen mit seinem Industriegebiet über eine Gewerbefläche von ca. 103 ha. Gemeldet sind fast 500 gewerbliche Betriebe mit ca. 2500 Arbeitsplätzen.[32] Die lokale Wirtschaft ist vor allem durch Logistikunternehmen und Spedititionen geprägt. Beispiele hierfür sind der Kosmetikhersteller L’Oréal, der hier unter anderem sein weltgrößtes Logistikzentrum betreibt oder die Hartmann Spedition & Logistik AG. Mit der Freiberger Lebensmittel GmbH ist ein internationaler Hersteller von u. a. tiefgekühlten Pizzen ansässig.

SolarenergieBearbeiten

Auf den Flachdächern des Logistikunternehmens Hartmann AG in Muggensturm wird eine der größten Dach-Photovoltaikanlagen betrieben. Auf etwa 80.000 Quadratmetern sind über 20.900 Solarmodule mit einer Peak-Leistung von 3,84 Megawatt installiert.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

BildungseinrichtungenBearbeiten

  • Hebelschule (Alte Schule), eingeweiht am 8. September 1888, 1973–74 im Zuge der Altdorfsanierung abgebrochen.
  • Schillerschule (Neue Schule, Schulstraße 10), fertiggestellt 1909, 1973–74 im Zuge der Altdorfsanierung abgebrochen.
  • Albert-Schweitzer-Schule (Grundschule mit Ganztagsschule) mit Turnhalle, eingeweiht am 1. August 1964 als Grund- und Hauptschule, 1970 wurden Schüler aus Oberweier in die Hauptschule aufgenommen.
  • Kindergarten Edith-Stein (Karlstraße 24), Träger: Katholische Kirche "Maria Königin der Engel", eingeweiht am 29. Juni 1973.
  • Kindergarten Oase (Friedenstraße 30A), Träger: Katholische Kirche "Maria Königin der Engel", erbaut 1988/89, erweitert 1992/93.
  • Kinderhaus „Spielwiese Storchennest“ (Malscher Straße 14), Träger: Spielwiese gGmbH
  • Waldkindergarten Muggensturmer Spielwald, Träger: Spielwiese gGmbH

FeuerwehrBearbeiten

  • Freiwillige Feuerwehr
  • Jugendfeuerwehr
  • Kinderfeuerwehr

TriviaBearbeiten

Im Jahr 1950 ließ sich der damals im Motorsport sehr erfolgreiche Sport- und Rennwagenhersteller Veritas in Muggensturm nieder. Allerdings meldete das Unternehmen noch im selben Jahr Insolvenz an. Tatsächlich befand sich der Firmenstandort auf der Gemarkung der Gemeinde Bietigheim. Als offizielle Firmenadresse wurde jedoch Veritas Badische Automobilwerke G.m.b.H. Rastatt-Baden, Werk Muggensturm verwendet.

Die Gemeinde Muggensturm benannte 2006 eine Straße nach dem Rennsportwagen. Die „Veritasstraße“ verbindet seither durch eine Bahnunterführung die Draisstraße mit der Vogesenstraße.

WeblinksBearbeiten

Commons: Muggensturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Förderverein 900-Jahrfeier Oberweier e. V.: OBERWEIER Stadt Gaggenau Im Wandel der Zeit 1102-2002, Metz-Verlag, Gaggenau, 2002, ISBN 3-927655-42-2, S. 26
  3. Themenpark Umwelt
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 180 f.
  5. Oberrheinische Studien. Band III. Festschrift für Günther Haselier. Hrsg. von Alfons Schäfer im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein. Mit Abb. und Kartenskizzen. S. 100.
  6. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 132.
  7. Peter Hirschfeld: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Rastatt. VERLAG C. F. MÜLLER, Karlsruhe 1963, S. 248.
  8. A 489 K U 595. Landesarchiv Baden-WürttembergHauptstaatsarchiv Stuttgart, April 1298, abgerufen am 5. November 2020 (Digitalisat der Beurkundung).
  9. Oberrheinische Studien. Band III. Festschrift für Günther Haselier. Hrsg. von Alfons Schäfer im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein. Mit Abb. und Kartenskizzen. S. 101.
  10. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 55.
  11. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 56.
  12. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 134.
  13. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 4.
  14. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 56.
  15. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 132.
  16. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 325.
  17. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 111, 113, 114.
  18. statistik-bw.de abgerufen am 25. Dezember 2020
  19. Christian Jung/Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm, verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 181–188
  20. 100 Jahre Maria Königin der Engel, JMW Will GmbH, 2007, ISBN 978-3-00-021114-0; S. 136
  21. Werner Scheurer: Die Altäre der Offenburger Altarbauer Moroder. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 147–182, hier: S. 171.
  22. Christian Jung/Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm, verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 189, 190
  23. Christian Jung/Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm, verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 190
  24. Christian Jung/Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm, verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 80–88
  25. Muggensturmer Gemeindeanzeiger. Muggensturm 2007, S. 7.
  26. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019 mit Vergleichsangaben von 2014 – Muggensturm
  27. Christian Jung/Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm, verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 192.
  28. muggensturm.de
  29. Badisches Tagblatt Nr. 213, 15. September 2021, S. 23
  30. Vereinshomepage des FV Muggensturm
  31. Ernst Schneider: Muggensturm: Ein Dorf erinnert sich. twp druck + verlag, Muggensturm 1985, ISBN 3-924310-02-3 (formal falsch), S. 495.
  32. muggensturm.de abgerufen am 17. November 2020