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Muş (armenisch Մուշ Musch kurdisch Mûs) ist eine türkische Stadt und Hauptort des gleichnamigen Landkreises (İlçe) im Osten von Anatolien. Die Stadt liegt etwa 750 km östlich von Ankara und etwa 80 km westlich des Vansees. Sie hat über 100.000 Einwohner und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Muş. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden. Bis zum Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915 lebten 25.000 Armenier in Muş.[2] Die Stadt war armenischer Bischofssitz.

Muş
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Muş (Türkei)
Red pog.svg
Mush Hospital 1230.jpg
Staatliches Krankenhaus von Muş
Basisdaten
Provinz (il): Muş
Koordinaten: 38° 44′ N, 41° 29′ OKoordinaten: 38° 44′ 0″ N, 41° 29′ 28″ O
Höhe: 1334 m
Einwohner: 107.470[1] (2018)
Telefonvorwahl: (+90) 436
Postleitzahl: 49 xxx
Kfz-Kennzeichen: 49
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 17 Mahalle
Bürgermeister: Feyat Asya (AKP)
Postanschrift: Minare Mah.,
Muş Cd.
49100 Merkez/Muş
Website:
Landkreis Muş
Einwohner: 193.394[1] (2018)
Fläche: 2.750 km²
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km²

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Stadt liegt am Murat, der sich im Keban-Stausee in Elazığ mit dem Karasu zum Euphrat vereinigt. Das Tal des wasserreichen Stromes – der nach rund 900 km Strecke in der Türkei auch halb Syrien und den ganzen Irak durchfließt – liegt hier noch auf mehr als 1000 Metern Meereshöhe. Es verläuft zwischen den Ost-West-Gebirgsketten der Bingöl Dağları (2800 m) und des Akçakara Dağı (2.950 m) im Süd-Ost-Taurus (Güney Doğu Toroslar).

StadtbildBearbeiten

Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die Burg, die etwa auf das 14. Jahrhundert zurückgehende große Moschee Ulu Cami, die Moscheen von Hacı Seref (etwa 17. Jahrhundert) und Alaeddin Bey (erste Hälfte 18. Jahrhundert), die Karawanserei von Aslanlı (etwa 14. Jahrhundert) und die Ruine der St.-Marineh-Kirche.

Das an der Stelle des altarmenischen Kultortes Aschtischat gegründete Kloster von Surp Karabet nordwestlich der Stadt und das Kloster Yeghrduti Vank im Westen sind völlig verschwunden. Vom Heilige-Apostel-Kloster im Süden blieb nur ein geringer Mauerrest erhalten.

Muş erhielt 1929 den Status einer Gemeinde (Belediye).

LandkreisBearbeiten

Der zentrale Landkreis liegt im (süd-)westlichen Teil der Provinz. Er ist der flächenmäßig größte (31,8 %) und bevölkerungsstärkste (47,4 %) der Provinz. Mit einer Bevölkerungsdichte von 70 übersteigt er den Provinzwert (von 47,2 EInw. je km²). Im Norden grenzt er an den Kreis Varto, im Osten an die Kreise Bulanık, Korkut sowie Hasköy. Des Weiteren bilden die Provinzen Bitlis und Batman im Süden sowie Diyarbakır und Bingöl im Westen die Provinzgrenze.

Die Fernstraße D300 (İzmir–Van) durchquert den Kreis in Ost-West-Richtung, die Fernstraße D955 trifft von Norden kommen in Muş auf die D300. Diese verlässt den Kreis wieder Richtung Osten (Van), während die D955 unterbrochen wird und erst wieder bei Hasro/Silvan (Provinz Diyarbakır) auftritt. Muş liegt auch an einer Eisenbahnstrecke, die aus dem Westen von Elazig kommend bis nach Tatvan am Vansee reicht.

Der zentrale Landkreis Merkez besteht neben der Provinz- und Kreisstadt Muş noch aus acht weiteren Belediye (Gemeinden):

Belediye Einw. 2018 Postleitzahl
Karaağaçlı 2.352 49 250
Kırköy 1.920 49 250
Kızılağaç 2.883 49 160
Konukbekler 3.348 49 300
Serinova 2.516 49 250
Sungu 5.848 49 120
Yaygın 3.914 49 150
Yeşilova 1.983 49 250

Des Weiteren existieren im Kreis 94 Dörfer (Köy) mit durchschnittlich 651 Bewohnern (das ist der höchste Durchschnitt in der Provinz). Die größten dieser Dörfer sind:

  • Çöğürlü (1.924 Einw.)
  • Tandoğan (1.873)
  • Taşoluk (1.871)
  • Bostankent (1.571)
  • Kıyık (1.534)
  • Yarpuzlu (1.405)
  • Soğucak (1.365)
  • Yücetepe (1.356 Einw.)
  • Kepenek (1.282)
  • Karakuyu (1.262)
  • Ortakent (1.225)
  • Arpayazı (1.204)
  • Harman (1.125)
  • Bozbulut (1.106)
  • Ağartı (1.093 Einw.)
  • Bahçeköy (1.081)
  • Suvaran (1.064)
  • Keçidere (979)
  • Çatbaşı (973)
  • Tabanlı (971)

Drei ehemalige Dörfer (Bağlar 2.530, Güzeltepe 3.925 und Sütlüce 4.785 Einw. Ende 2017) wurden 2018 zu Stadtvierteln (Mahalle) von Muş.

KlimatabelleBearbeiten

Muş (1322 m)
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
81
 
-3
-11
 
 
106
 
-1
-10
 
 
102
 
6
-3
 
 
106
 
15
4
 
 
73
 
21
9
 
 
29
 
28
13
 
 
6.3
 
33
17
 
 
5.3
 
33
17
 
 
13
 
29
12
 
 
63
 
20
7
 
 
97
 
10
0
 
 
86
 
1
-6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Staatliches Meteorologisches Amt der Türkischen Republik, Normalperiode 1981-2010
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Muş (1322 m)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -3,2 -1,3 5,8 15,0 21,4 27,8 33,3 33,3 28,5 20,0 9,7 1,1 Ø 16
Min. Temperatur (°C) -11,3 -10,0 -3,2 4,3 8,6 12,6 16,8 16,7 11,8 6,6 0,1 -5,9 Ø 4
Temperatur (°C) -7,3 -5,8 1,0 9,5 15,0 20,6 25,5 25,4 20,2 12,8 4,4 -2,7 Ø 10
Niederschlag (mm) 81,2 106,4 102,2 105,6 73,0 28,7 6,3 5,3 12,9 62,9 97,2 85,8 Σ 767,5
Sonnenstunden (h/d) 2,3 3,2 4,8 6,7 9,0 11,5 12,2 11,8 10,3 7,0 4,0 1,9 Ø 7,1
Regentage (d) 13,3 12,8 13,8 14,9 14,2 6,7 2,0 1,7 3,0 9,6 10,6 12,7 Σ 115,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
-3,2
-11,3
-1,3
-10,0
5,8
-3,2
15,0
4,3
21,4
8,6
27,8
12,6
33,3
16,8
33,3
16,7
28,5
11,8
20,0
6,6
9,7
0,1
1,1
-5,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
81,2
106,4
102,2
105,6
73,0
28,7
6,3
5,3
12,9
62,9
97,2
85,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand am Jahresende für die Provinz, den zentralen Landkreis und die Stadt Muş sowie den jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).[3]

Jahr Provinz Landkreis Stadt
absolut anteilig (%) absolut anteilig (%) absolut
2018 407.992 47,40 193.394 55,57 107.470
2017 404.544 47,17 190.814 50,16 95.717
2016 406.501 46,64 189.606 49,08 93.052
2015 408.728 46,13 188.550 48,33 91.126
2014 411.216 45,26 186.097 47,51 88.409
2013 412.553 44,33 182.883 46,00 84.121
2012 413.260 43,44 179.534 45,54 81.764
2011 414.706 43,59 180.767 45,32 81.918
2010 406.886 42,71 173.771 43,10 74.902
2009 404.484 42,66 172.535 42,18 72.774
2008 404.309 41,75 168.817 41,17 69.507
2007 405.509 41,42 167.978 41,98 70.509

VolkszählungsergebnisseBearbeiten

Zu den Volkszählungen liegen folgende Bevölkerungsangaben über die Stadt, den Kreis, die Provinz und das Land vor:[4]

Region 1965 1970 1975 1980 1985 1990 2000
Stadt (Şehir) 15.687 23.058 27.761 40.977 42.159 44.019 45.951
zentraler Kreis (Merkez) 85.991 103.641 122.610 146.527 165.895 140.953 171.023
Provinz (İl) 198.716 234.250 267.203 302.406 339.492 376.543 453.654
Türkei 31.391.421 35.605.176 40.347.719 44.736.957 50.664.458 56.473.035 67.803.927

Ursprung des Namens MuşBearbeiten

Es ist nicht bekannt, wann und durch wen Muş gegründet worden ist. Es gibt mehrere Legenden und Erzählungen:

  • Nach einer Überlieferung wurde die Stadt durch Hebräer gegründet. Diese flohen vor den Assyrern nach Anatolien. In einem Salname (Jahrbuch) des Vilâyets Bitlis von 1914 wurde der Name Muş als Ablautung aus dem hebräischen Wort Muşa, was etwa „wasserreicher, fruchtbarer Ort und Weideplatz“ bedeutet, angegeben. Tatsächlich liegt Muş in einem fruchtbaren und wasserreichen Tal.
  • Eine andere Überlieferung nennt das Volk der Muški als Gründer. Diese seien im 12. Jh. v. Chr. von der Ägäis nach Ostanatolien eingewandert. Von Muş aus hätten die Muški dann weiter Richtung Assyrien expandiert. Dort werden sie in den assyrischen Quellen aus dem 12. bis 8. Jh. v. Chr. oft erwähnt.
  • Eine religiöse Überlieferung besagt, dass Muş von einem Enkel Japhets namens Muş gegründet worden sei.

In der Antike war die Region um Muş als Taronitit bekannt. Muş trug damals den Namen Taron.

GeschichteBearbeiten

Die norwegische Krankenschwester Bodil Biørn betrieb von 1907 bis zum Ausbruch des Völkermordes 1915 ein Krankenhaus und ein Kinderheim für die armenische Bevölkerung der Stadt.[5]

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Muş – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Türkiye Nüfusu İl ilçe Mahalle Köy Nüfusları, abgerufen am 9. Juli 2019
  2. Simone Kucher: Der Stimme ihren Ort zurück (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive).
  3. Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 9. Juli 2019
  4. Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000), abgerufen am 9. Juli 2019
  5. Norske kvinner dokumenterer folkemord. In: Arkivverket. (arkivverket.no [abgerufen am 21. März 2018]).