Mothra bedroht die Welt

Kaijū-Fantasy-Film der Tōhō-Studios aus dem Jahr 1961

Mothra bedroht die Welt (jap. モスラ, Mosura) ist ein Kaijū-Fantasy-Film der Tōhō-Studios aus dem Jahr 1961. Die namengebende gigantische Kaijū-Motte Mothra hatte in diesem Film ihr Filmdebüt und avancierte neben Godzilla zu einem der populärsten Kaijūs der Tōhō Studios. Insgesamt erschien sie, neben Mothra bedroht die Welt, in 7 Godzilla-Filmen und ihrer eigenen Film-Trilogie.

Film
Deutscher TitelMothra bedroht die Welt
OriginaltitelMosura
ProduktionslandJapan
OriginalspracheJapanisch
Erscheinungsjahr1961
Länge101 Minuten
Stab
RegieIshirō Honda
DrehbuchShinichi Sekizawa
MusikYūji Koseki
KameraShoichi Aizaka
Besetzung

HandlungBearbeiten

In einem polynesischen Atomtestgebiet landen vier Schiffbrüchige auf einer strahlenverseuchten Insel. Nachdem sie gefunden worden sind, macht sich unter den japanischen Medizinern Verwunderung über fehlende Strahlenschäden breit. Die Überlebenden berichten, dass ihnen von Einheimischen auf der mutmaßlich unbewohnten Insel ein Saft verabreicht worden sei, welcher den Effekt der Verstrahlung aufhob. Darauf erklärt die Regierung von Roliscia (jap. Rorishika als Anagramm von Roshia (Russland) und Amerika (USA)), welche für die Atomtests verantwortlich war, dass die Insel zurzeit der Test unbewohnt gewesen sei. Eine Expedition wird vorbereitet mit Vertretern der japanischen und der roliscianischen Regierung. Angeführt wird die Expedition vom Roliscianer Clark Nelson, der sich im Verlauf der Geschichte als Antagonist und internationaler Kunsthändler herausstellt. Zudem sind Dr. Shinichi Chūjō und Journalist Frankie Sakai, neben weiteren, Mitglieder der Expedition. Auf der Insel angekommen, stößt der Trupp auf einen in einem Krater gelegenen surrealen Urwald. Nachdem Chūjō eine Riesenpflanze entdeckt, von der er den Saft vermutet, wird er von einer Schlingpflanze attackiert. Er schafft es gerade noch so, ein Notsignal auszusenden, welches ein Paar kleine Zwillingsfeen (Shobijin „kleine Schönheiten“) anlockt, die ihn bitten, auf der Insel allein gelassen zu werden. Von den Zwillingfeen begeistert, versucht Nelson diese mit Waffengewalt zu entführen, nur um darauf von Kriegern der Einheimischen umzingelt zu werden. In Anbetracht dieser Bedrohung verlässt die Expedition ohne die Zwillingsfeen die Insel. Jedoch hält dies Nelson nicht davon ab, allein zurückzukehren, den Widerstand der Einheimischen nieder zu schießen und die Feen zu entführen. In Tōkyō führt Nelson diese als Attraktion einer Bühnenshow vor. Während des Auftritts singen die Mädchen ein Lied, welches die noch in einem übergroßen Ei auf der Insel schlafende Mothra beschwört. Auch die verbliebenen Einheimischen versuchen mit Tanz und Gesang, Mothra zu erwecken, worauf diese in ihrem Raupenstadium aus dem Ei schlüpft und sich über einen Seeweg im Südpazifik auf den Weg nach Japan macht. Sämtliche militärischen Versuche Mothra aufzuhalten, scheitern kläglich, während sie hingegen eine Spur der Zerstörung hinterlässt.

Chūjō glaubt, dass die Zwillingsfeen mit Mothra in telepathischer Verbindung stehen und bittet sie, Mothra aufzuhalten. Sie meinen jedoch, sie seien machtlos in dem Bemühen, auf Mothra einzuwirken.

Nachdem die japanische Regierung die Freilassung der Feen verlangte, flüchtet Nelson mit den Zwillingen auf seine Farm nach Roliscia. In Tōkyō angekommen, verpuppt sich Mothra in Shibuya unter den Überresten des zerstörten Tōkyō Towers. Zur Unterstützung des japanischen Militärs entsendet die roliscianische Regierung stationäre atomare Strahlenkanonen. Um Punkt 10 Uhr morgens verbrennen diese Mothras Kokon. Nach einem kurzzeitigen Freudentaumel entschlüpft aus den Verbrennungsrückständen des Kokons eine gigantische Mothra in ihrem Mottenstadium, die mit der Gewalt ihres Schwingenschlags im Überflug große Teile Tōkyōs zerstört, bevor sie sich auf den Weg nach Roliscia macht.

Von Panik befeuert, beginnt in Roliscia die Suche nach Nelson, während Sakai, Chūjō und die Photographin Michi Hanamura in das Land einreisen. Einem Angriff von Mothra auf New Kirk City fallen Tausende zum Opfer. Währenddessen wird Nelson entdeckt und in einem Feuergefecht von der Polizei erschossen. Die Zwillingsmädchen werden an Chūjō und Sakai vor eine Kirche übergeben. Als Chūjō während eines Glockenschlags auf ein christliches Kreuz vor der gleißenden Sonne schaut, kommt ihm die Lösung, um Mothra zu besänftigen. Auf einem Flugplatz soll ein riesiges Symbol, ein Kreuz in einem Kreis mit Strahlen davon ausgehend, gezeichnet werden, ein Symbol, das Chūjō auf der Insel entdeckte, und alle Glocken der Stadt sollen zur selben Zeit, um Punkt drei Uhr, geschlagen werden. Der Effekt sei derselbe wie der Gesang der Zwillingsfeen.

Der Plan geht auf und Mothra landet auf dem Symbol. Die Mädchen werden freigelassen und von Mothra zur Insel zurückgebracht.

Alternatives EndeBearbeiten

Ursprünglich wurde von Ishirō Honda ein anderes Filmende in Hokkaidō gedreht, in dem Nelson und seine Gefährten von Mothra von einer Klippe gestoßen werden. Dieses wurde zugunsten der teureren Szene, in der Mothra die Hauptstadt von Roliscia, New Kirk City, attackiert und Nelson durch die Hand der Polizei stirbt, geschnitten. Columbia Pictures, die in den Film investiert hatten, wollten einen spektakuläreren Höhepunkt und Tōhō gab nach.

ProduktionBearbeiten

Der Film wurde durch einen Traum, den Eiji Tsuburaya hatte, inspiriert. Tsuburaya war seinerzeit die treibende Kraft hinter nahezu allen großen japanischen Kaijūfilmen. In frühen Produktionsnotizen und Skizzen wurde Mothra noch als wissenschaftlich korrekt dargestellter Trägspinner gezeichnet. Während des Produktionsverlaufs wurde das Konzept eines schrecklichen Monsters verworfen und mehr auf ein elegantes und fantastisches Design gesetzt.

Tomoyuki Tanaka beauftragte drei Autoren (Takehiko Fukunaga, Yoshie Hotta und Shinichirō Nakamura), die jeweils ein Drittel der Geschichte schreiben sollten. Unter Hakō Yōsei to Mosura (発光妖精とモスラ, „Mothra und die leuchtenden Feen“) wurde diese als Serie in der Wochenzeitung Shūkan Asahi veröffentlicht. Im Drehbuch hieß der Film zuerst Daikaijū Mosura (大怪獣モスラ, „Riesenmonster Mothra“), was später zu Mosura verkürzt wurde. Für das Drehbuch nahm Shinichi Sekizawa wichtige Elemente aus der Geschichte und fügte eine märchenhafte Atmosphäre hinzu.

Die Filmmusik wurde von Komponist Yūji Koseki geschrieben. Dieser hatte zwar bereits zuvor Filmmusik geschrieben, aber war zu diesem Zeitpunkt eher für seine Hitsongs für Popstars der Nippon Columbia Plattenfirma bekannt. Vor allem waren es die Arbeiten für das Pop-Duo Die Peanuts, welche als Feenzwillinge für den Film engagiert wurden, die seinen damaligen Bekanntheitsgrad begründeten.

Besonders beeindruckend gerieten die für den Film errichteten Miniatursets. Tsuburaya, dem unter anderem die Übersicht für die Spezialeffekts unterlag, ließ ganze Stadtviertel maßstabsgetreu (in einem Maßstab 1:100) errichten. Auch Mothra war eine kleine Sensation. Entgegen der Annahme, dass für den Film ausschließlich eine Puppe verwendet wurde, wurde für die Flugszenen mit einem enormen Kostüm gearbeitet, für dessen Bewegungen sieben Männer benötigt wurden und in dem Godzilla-Schauspieler Haruo Nakajima steckte.

FilmstartBearbeiten

Mit 9 Mio. verkauften Eintrittskarten startete der Film am 30. Juli 1961 in den japanischen Kinos. Filmstart in den US-Kinos war der 10. Mai 1962. In Deutschland lief der Film nie im Kino und hatte erst am 13. Februar 1994 seine Deutschlandpremiere bei Kabel 1. Am 12. April 2019 veröffentlichte Anolis den Film in der Amerikanischen und Japanischen Schnittfassung in Deutschland auf DVD und Blu-ray.

RezeptionBearbeiten

Der film-dienst sprach von einem „utopischen Monsterfilm aus japanischer Serienproduktion“, der „in Idee und Realisierung gleichermaßen einfältig“ sei. Gleichzeitig verstehe er sich „als chiffrierter Protest gegen die amerikanischen Experimente mit Kernwaffen im Südpazifik“.[1]

LiteraturBearbeiten

  • August Ragone; Eiji Tsuburaya: Master of Monsters (2014); San Francisco.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mothra bedroht die Welt. film-dienst, abgerufen am 9. September 2014.