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Monika Wulf-Mathies

deutsche Gewerkschaftsfunktionärin
Monika Wulf-Mathies, 2018

Monika Wulf-Mathies, geb. Baier (* 17. März 1942 in Wernigerode), ist eine deutsche Gewerkschafterin, Managerin, SPD-Politikerin und EU-Kommissarin.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

1965 trat Monika Baier in die SPD ein und heiratete 1968 den Diplom-Physiker Carsten Wulf-Mathies. Monika Wulf-Mathies wurde nach einem Studium der Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Hamburg und Freiburg im Breisgau 1968 zur Dr. phil. promoviert. 1971 wurde sie Hilfsreferentin in der Pressestelle von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller und wechselte 1973 in das Bundeskanzleramt während der Kanzlerschaft von Bundeskanzler Willy Brandt, in dem sie die Leitung des Referats Sozial- und Gesellschaftspolitik übernahm. 1976 wurde sie in den geschäftsführenden Hauptvorstand der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) heute (ver.di) für Sozial-, Frauen- und Gesundheitspolitik berufen. Am 29. September 1982 wurde sie überraschend zur Nachfolgerin des ÖTV-Vorsitzenden Heinz Kluncker auf dessen Vorschlag gewählt. Als erste weibliche Vorsitzende einer DGB-Gewerkschaft an der Spitze der zweitgrößten Einzelgewerkschaft Deutschlands setzte sie sich für das Ziel der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein und erreichte 1984 eine Arbeitszeitverkürzung auf 39,7 Stunden bei maßvollen Lohnerhöhungen und 1988 eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden.

Im Öffentlichen Dienst gab es 1992 eine Schlichtung, die von den Arbeitgebern aber abgelehnt wurde. Nach einem Streik einigte man sich letztlich in der Größenordnung auf den Schlichterspruch.[1]

1994 erreichte die ÖTV eine Tariferhöhung von zwei Prozent, die durch mehrere Nullmonate und Einfrieren sowie Kürzung zahlreicher Zusatzleistungen begleitet wurde, so dass es sich faktisch trotz Arbeitskampf um eine Nullrunde handelte. 1989 bis 1995 war Wulf-Mathies Präsidentin der Internationalen der Öffentlichen Dienste. Nachdem im September 1994 ihre Nominierung zur deutschen EU-Kommissarin als Nachfolgerin von Peter Schmidhuber bekannt geworden war, trat sie am 10. November 1994 als ÖTV-Vorsitzende zurück. 1995 wurde Herbert Mai zu ihrem Nachfolger in dieser Funktion gewählt.[2][3]

Wulf-Mathies war von 1995 bis 1999 Kommissarin für Regionalpolitik und Kohäsion jener EU-Kommission unter Jacques Santer, die nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen vorzeitig zurücktreten musste. Die bedeutendsten dieser Vorwürfe richteten sich nicht gegen Wulf-Mathies, allerdings wurde auch ihr ein Fall von Vetternwirtschaft nachgewiesen.[4] Von 1999 bis 2000 fungierte sie für ein symbolisches Gehalt als europapolitische Beraterin im Bundeskanzleramt von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Von 2001 bis 2008 war Wulf-Mathies Bereichsleiterin Politik und Nachhaltigkeit bei der Deutschen Post AG. Ihr Nachfolger wurde am 1. April 2009 Rainer Wend.[5] Sie war von 2001 bis 2006 Präsidentin der Europäischen Bewegung Deutschland und ist seitdem deren Ehrenpräsidentin.[6]Sie ist Kuratoriumsmitglied der Carlo-Schmid-Stiftung.

Sie ist Mitglied im Konvent für Deutschland und im Beirat der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie. Seit 2010 ist sie außerdem Vorsitzende des Vereins Fest.Spiel.Haus.Freunde. für das Beethoven Festspielhaus in Bonn.

Wulf-Mathies erstellte einen Bericht zum Umgang des WDR mit Vorwürfen sexueller Belästigung durch Sender-Mitarbeiter.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. RP online 8. Juni 2000 „Bislang zwei große Streiks im öffentlichen Dienst“
  2. D. I. E. ZEIT (Archiv): Europa: Kanzler Kohl schickt die ÖTV-Chefin Monika Wulf-Mathies zur Kommission nach Brüssel: Weg von der Basis. In: Die Zeit. 9. September 1994, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 8. März 2019]).
  3. Hintergrund: Die bisherigen Chefs der ÖTV. In: Spiegel Online. 8. November 2000 (spiegel.de [abgerufen am 8. März 2019]).
  4. Dirk Koch, Silvia Schreiber: Die Stammtisch GmbH. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1999, S. 37–38 (online).
  5. Wulf-Mathies als Post-Direktorin verabschiedet. In: cio/dpa, 8. Dezember 2008. Abgerufen im 18. Dezember 2008. @1@2Vorlage:Toter Link/www.cio.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Mittag 2009: 29
  7. Vorwürfe sexueller Belästigung beim WDR: "Machtgefälle zwischen männlichen Chefs und weiblichen Untergebenen". In: Spiegel Online. 12. September 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.