Mohammed bin Salman

Kronprinz und Verteidigungsminister von Saudi-Arabien

Mohammed bin Salman al-Saud (arabisch محمد بن سلمان بن عبد العزيز آل سعود, DMG Muḥammad b. Salmān b. ʿAbd al-ʿAzīz Āl Saʿūd, häufiges Namenskürzel MbS oder MBS, * 31. August 1985 in Dschidda) ist der Kronprinz Saudi-Arabiens. Er hat die Ämter des stellvertretenden Premierministers, des stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats, des Verteidigungsministers und des Vorsitzenden des Rats für Wirtschaft und Entwicklung inne.[1][2]

Mohammed bin Salman al-Saud (2017)

Mohammed bin Salman gehört zur Dynastie der Saud. Er ist ein Enkel des Staatsgründers Abd al-Aziz ibn Saud. Mohammed bin Salman steht als Thronfolger für einen Generationenwechsel, nachdem der Herrschaft Abd al-Aziz ibn Sauds von der Staatsgründung 1932 bis zu seinem Tode 1953 stets einer seiner Söhne als König gefolgt war.[3]

Mohammed bin Salmans Innen- und Außenpolitik sorgte international für Aufsehen, darunter die gesellschaftspolitische und ökonomische Reformstrategie Vision 2030[4] mit der nachhaltigen Smart City Neom[5], die Öffnung des Landes für Tourismus[6] und Unterhaltungsindustrie[7], die Abschaffung wesentlicher Bestandteile der Geschlechtertrennung[8], des Vormundschaftssystems[9], des Verhüllungszwangs[10] und des Fahrverbots für Frauen[11], die Abschaffung der Todesstrafe für Minderjährige[12], die Abschaffung der Prügelstrafe[13] und des Auspeitschens[14], die Korruptionsbekämpfung, die Verhaftung von Kontrahenten und Aktivisten, die Tötung Jamal Khashoggis, die Beteiligung am Bürgerkrieg im Jemen und die Blockade Katars.

WerdegangBearbeiten

Mohammed bin Salman nahm in seiner Jugend an Sitzungen seines Vaters König Salmans in seiner damaligen Funktion als Gouverneur von Riad teil.[15] Er studierte an der König-Saud-Universität in Riad und erhielt einen Bachelor in islamischer Rechtswissenschaft. Neben seiner Tätigkeit als Projektentwickler auf dem Immobilienmarkt von Riad umfasste sein privatwirtschaftliches Engagement unterschiedliche Firmenbeteiligungen (Krankenhauskooperation, Rohstoffhandel, Fischzuchtbetrieb und Restaurants).[16] 2011 gründete er die wohltätige Misk-Stiftung zur Förderung der saudischen Jugend und Kultur.[17]

Von 2014 bis 2015 war er Staatsminister und Kabinettsmitglied.[18] Als sein Vater Salman im Alter von 79 Jahren König wurde, ernannte er mit seiner ersten Amtshandlung am 23. Januar 2015 den damals 29-Jährigen zum jüngsten Verteidigungsminister der Welt.[15] Außerdem wurde er zum Chef des Hofes ernannt, der den Zugang zum König kontrolliert.[19] Am 29. April 2015 wurde Mohammed ibn Naif anstelle von Muqrin ibn Abd al-Aziz, einem jüngeren Halbbruder des Königs, zum ersten Kronprinzen bestimmt. Mohammed ibn Naifs bisherige Position als stellvertretender Thronfolger nahm nun Mohammed bin Salman ein.[20] Außerdem wurde er zum Aufsichtsratvorsitzenden des staatlichen Erdölunternehmens Saudi Aramco ernannt und leitete das für die Sozial- und Wirtschaftspolitik Saudi-Arabiens zuständige Entscheidungsorgan. Durch diese Funktionen konsolidierte Mohammed bin Salman eine umfangreiche Machtkontrolle.[21]

Am 20. Juni 2017 wurde die Thronfolge in Saudi-Arabien durch König Salman geändert. Anstelle von Prinz Mohammed ibn Naif stieg Mohammed bin Salman zum Kronprinzen auf. Mohammed ibn Naif musste außerdem von seiner Position als Innenminister zurücktreten.[22] Seitdem wurde Mohammed bin Salman in seiner Machtausübung nur noch durch den Vater beschränkt.[21]

Im April 2020 schaffte Saudi-Arabien auf sein Geheiß das Auspeitschen und die Todesstrafe für Minderjährige ab.[23][24]

PolitikBearbeiten

Vision 2030Bearbeiten

Mohammed bin Salman veröffentlichte 2016 mit seiner Vision 2030 eine umfassende gesellschaftspolitische und ökonomische Reformagenda für Saudi-Arabien.[4] Zentrales Thema der Transformationsstrategie ist die Positionierung Saudi-Arabiens als Herz der arabischen und islamischen Welt, als Finanzzentrum für nachhaltiges Investieren und als Knotenpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika.[25] Mit dieser Positionierung soll Saudi-Arabiens Abhängigkeit von seinen Öl-Einnahmen reduziert werden und die Diversifizierung der Wirtschaft vorangetrieben werden. Die Vision 2030 umfasst den Ausbau von Kultur- und Unterhaltungsangeboten, die Steigerung der Partizipation von Frauen am Erwerbsleben und die Steigerung ausländischer Direktinvestitionen.[26]

Eine zentrale Rolle für die Umsetzung der Vision 2030 nehmen der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco und der Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) ein. Die Vision 2030 sieht die Teilprivatisierung und Transformierung Saudi Aramcos vor, um in anderen Sektoren als dem Öl-Sektor tätig werden zu können. PIF soll unter der Leitung Yasir Al-Rumayyans zu einem der größten Staatsfonds der Welt wachsen.[27]

NeomBearbeiten

Auf der erstmals 2017 durchgeführten Future Investment Initiative Konferenz (“Davos in the Desert”) konkretisierte Mohammed bin Salman seine Pläne mit der Vorstellung der nachhaltigen Smart City und Sonderwirtschaftszone Neom im Dreiländereck mit Ägypten und Jordanien.[5][26][28] Im Januar 2021 kündige Mohammed bin Salman an, im März den Bau der emissions- und autofreien Stadt The Line entlang einer 170 km langen Strecke auf dem Gebiet von Neom beginnen zu wollen.[29]

TourismusBearbeiten

Nachdem Saudi-Arabien die Visa-Vergabe jahrzehntelang auf religiösen Tourismus und Geschäftsreisen beschränkt hatte, wurde im Rahmen der Vision 2030 im September 2019 ein allgemeines Touristenvisum für Ausländer eingeführt. Bis März 2020 wurden Regierungsangaben zufolge 400.000 Touristen-Visa ausgestellt.[6] Ziel der Vision 2030 ist es, die Anzahl der für den Tourismus wichtigen UNESCO Welterbestätten zu verdoppeln. Darüber hinaus soll der religiöse Tourismus von 8 Millionen Besuchern auf 30 Millionen pro Jahr gesteigert werden. Zur Stärkung des Pilger-Tourismus nahm Mohammed bin Salman 2018 den Hochgeschwindigkeitszug Haramain Express zwischen Mekka und Medina in Betrieb.[30][31]

Public Investment FundBearbeiten

Erklärtes Ziel Mohammed bin Salmans für den Public Investment Fund ist sein Ausbau zum größten Staatsfonds der Welt. Im Januar 2021 kündigte der Kronprinz an, das Vermögen des PIF bis 2025 auf $ 1 Billion verdoppeln zu wollen. Gleichzeitig soll PIF für 1,8 Millionen neuer Arbeitsplätze sorgen und die ökonomische Transformation und Diversifikation der saudi-arabischen Wirtschaft mit umfangreichen Investitionen voran treiben. Dazu solle PIF pro Jahr $ 40 Milliarden in die saudi-arabische Wirtschaft investieren.[32]

Privatisierung Saudi AramcosBearbeiten

Saudi Aramco wurde im Zuge der Vision 2030 enger an den Staatsfonds PIF gebunden. Der Leiter des PIF, Yasir Al-Rumayyan, wurde im September 2019 zu Saudi Aramcos Chairman ernannt.[33] Im Dezember 2019 wurden 1,5 % der Anteile an Saudi Aramco privatisiert und an Saudi-Arabiens Börse Tadawul gebracht. Mit einem Emissionsvolumen von $ 29 Milliarden war es der zu diesem Zeitpunkt größte Börsengang der Geschichte. Saudi Aramco wurde im Zuge der Privatisierung mit $ 1,9 Billionen bewertet. Die Einnahmen des Börsengangs flossen an den Staatsfonds PIF. Im April 2021 kündigte Mohammed bin Salman in einem Interview an, einen weiteren 1 % Anteil von Saudi Aramco verkaufen zu wollen.[34]

FrauenrechteBearbeiten

Mohammed bin Salman leitete umfangreiche Reformen der Stellung der Frau in der saudi-arabischen Gesellschaft ein. Die Weltbank führte 2020 in ihrem Bericht Women, Business and the Law Saudi-Arabien als das Land mit dem größten Fortschritt bei der Reformierung von Frauenrechten innerhalb der vergangenen beiden Jahre auf, darunter Reformen des Vormundschaftsrechts und des Eherechts, der Gesetze gegen Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz, des Mutterschutzes, der Kreditvergabe für Unternehmensgründerinnen und der Rentenversicherung.[35]

VerhüllungszwangBearbeiten

Im März 2018 leitete Mohammed bin Salman mit einem 60-Minutes-Interview das Ende des Verhüllungszwangs für Frauen ein. Der islamische Rechtswissenschaftler gab bekannt, dass die Scharia lediglich eine anständige und respektvolle Kleidung vorsehe. Der zuvor omnipräsenten Religionspolizei, die die Einhaltung des Verhüllungszwangs auf Saudi-Arabiens Straßen kontrollierte, entzog er die Befugnisse zur Durchsetzung ihrer Vorstellungen.[10]

AutofahrenBearbeiten

Seit Juni 2018 können Frauen in Saudi-Arabien einen Führerschein machen und Auto fahren.[11] Vorhandene ausländische Führerscheine können umgeschrieben werden. Bis März 2019 wurden Regierungsangaben zufolge 70.000 Führerscheine an Frauen ausgestellt.[36] 2021 wurde ein Führerschein ab 17 Jahren für Frauen eingeführt.[37]

Neben der hohen gesellschaftspolitischen Bedeutung der Abschaffung des Frauen-Fahrverbots wird in der Maßnahme ein wichtiger Schritt Mohammed bin Salmans zur Senkung der Abhängigkeit der saudi-arabischen Wirtschaft von Öl-Einnahmen gesehen. Die mit der Fahrerlaubnis verbundene Steigerung der Partizipation von Frauen am Erwerbsleben könne Berechnungen Bloomberg Economics’ zufolge zur Steigerung der Wirtschaftsleistung um $ 90 Milliarden bis 2030 führen.[38]

VormundschaftssystemBearbeiten

Bis August 2019 sah das saudi-arabische Vormundschaftssystem vor, dass Frauen nur mit dem Einverständnis eines männlichen Vormunds einen Reisepass beantragen und ins Ausland reisen durften. Dies wurde mit einer Gesetzesreform abgeschafft. Frauen können außerdem eigenständig die Geburt eines Kindes sowie Hochzeit oder Scheidung bei Behörden melden sowie die Vormundschaft für ein minderjähriges Kind übernehmen. Zuvor war auch die männliche Vormundschaft über die Aufnahme von Studium oder Arbeitsplatz, die Vertretung vor Gericht und die Veranlassung von Krankenhausbehandlungen aufgehoben worden.[9]

GeschlechtertrennungBearbeiten

Ende 2019 gab die saudi-arabische Regierung bekannt, dass die Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit aufgehoben sei. Zuvor waren Kontakte zwischen Männern und Frauen in der Öffentlichkeit auf Verwandte beschränkt gewesen. Die Aufteilung vieler öffentlicher Bereiche, etwa von Cafés und Ladengeschäften, in Bereiche für Frauen, ggf. in Begleitung männlicher Verwandtschaft, einerseits und Männern andererseits entfiel; separate Eingänge müssen nicht mehr vorgehalten werden. Der Besuch von Kinos, Konzerten und Sportstadien ist Frauen seither ohne männliche Begleitung möglich.[8]

Partizipation am ErwerbslebenBearbeiten

Die Erwerbsquote von Frauen stieg in Saudi-Arabien innerhalb von zwei Jahren um 64 %. Lag die Erwerbsquote Ende 2018 noch bei 20 %, wurde Ende 2020 eine Erwerbsquote von 33 % beobachtet. Das in Mohammed bin Salmans Vision 2030 formulierte Ziel von einer Erwerbsquote von 30 % wurde damit erreicht.[39]

KorruptionsbekämpfungBearbeiten

Mohammed bin Salman prangerte schon in seinem 2016 veröffentlichten Manifest für Wandel die in Saudi-Arabien grassierende Korruption an. Er schätzte, dass 30 % des Staatshaushalts veruntreut würden.[40] Im November 2017 wurde er von seinem Vater König Salman als Leiter eines neu geschaffenen Anti-Korruptions-Komitees eingesetzt. Das Komitee erhielt die Befugnis zur Einleitung von Ermittlungen, zum Erlass von Haftbefehlen, zur Auflage von Reisebeschränkungen und zum Einfrieren von Vermögenswerten.[41]

Der Kronprinz ließ daraufhin 381 prominente Saudis vorladen, darunter führende Geschäftsleute, Politiker und Prinzen. Über 200 von ihnen wurden verhaftet, darunter Al-Walid ibn Talal, Turki bin Abdullah, Mutaib bin Abdullah und Adel al-Fakeih. Zur Durchführung der Ermittlungen wurde das Hotel Ritz Carlton in Riad zum Gefängnis für die prominenten Verhafteten umfunktioniert und erst im Februar 2018 wieder für den gewöhnlichen Hotelbetrieb freigegeben. Der wirtschaftliche Schaden durch Korruption wurde im Zuge der Antikorruptionskampagne auf $ 800 Milliarden geschätzt. Kronprinz Mohammed bin Salman gab an, $ 100 Milliarden von den Verhafteten an die Staatskasse zurückführen zu wollen.[42] Im Januar 2018 wurde bekannt, dass im Rahmen von Vergleichen $ 106 Milliarden von den Verhafteten eingezogen wurden. 56 Verdächtige verblieben zu diesem Zeitpunkt in Haft.[43]

Die Antikorruptionskampagne Mohammed bin Salmans erfuhr große öffentliche Aufmerksamkeit; das Hotel Ritz Carlton wurde als Schauplatz der Kampagne zum Symbol für den Kampf gegen korrupte Eliten in der arabischen Welt. Im Oktober 2019 forderten Demonstranten in Beirut ihr “eigenes Ritz Carlton”.[44] Saudi-Arabiens Platzierung im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International verbesserte sich in den Folgejahren bis auf Platz 52 von 180 im Jahr 2020, gleichauf mit Italien und Malta.[45] Die internationale Rezeption der eingeleiteten Anti-Korruptionsmaßnahmen beinhaltet nicht nur Lob für die Erfolge des Kronprinzens, sondern auch den Vorwurf des von der Korruptionsbekämpfung losgelösten Motivs der Machtkonsolidierung.[46]

Ende 2020 unterstrich Mohammed bin Salman seine Entschlossenheit zur Fortführung des Korruptionskampfes und gab den Einzug weiterer $ 65 Milliarden bekannt.[47] Anfang 2021 beschuldigte Mohammed bin Salman den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Saad al-Jabri der Veruntreuung von $ 3.5 Milliarden. Saad al-Jabri war 2017 ins kanadische Exil gegangen. Auf die Klage des Kronprinzens hin fror ein Gericht von Ontario die weltweiten Vermögenswerte al-Jabris ein. Im März 2021 lehnte es den Widerspruch al-Jabris ab.[48]

EnergiepolitikBearbeiten

Die Vision 2030 beinhaltet u. a. einen Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Ziel, das Land langfristig vom Öl unabhängig zu machen. Im Rahmen der grünen saudi-arabischen Initiative sollen 50 % des Energieverbrauchs mit erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden.[49]

Im April 2016 umging er den langjährigen Öl-Minister Ali Al-Naimi und übernahm das Ölgeschäft, indem er beim Ölgipfel in Doha eine lange geplante Vereinbarung scheitern ließ: OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten wollten sich darauf einigen, die Ölproduktion zu stoppen, um einen weiteren Preisverfall aufzuhalten. In den gleichgeschalteten saudischen Medien wurde Mohammed als Nationalheld gefeiert.[50] Zur Nutzung der 16 geplanten Kernkraftwerke erklärte Mohammed im März 2018, Saudi-Arabien strebe eine ausschließlich zivile Nutzung dieser Energie an; im Fall, dass der Iran über Atomwaffen verfüge, werde das Land allerdings „so schnell wie möglich nachziehen“.[51]

Vorgehen gegen Kontrahenten und AktivistenBearbeiten

Während Mohammed bin Salmans Einsatz für die Stellung der Frau in der saudi-arabischen Gesellschaft und für die Bekämpfung korrupter Strukturen und Akteure grundsätzlich begrüßt wird, wird sein häufig damit verbundenes Vorgehen gegen Kontrahenten und Aktivisten von Kritik begleitet. Die dem Kronprinzen zugeschriebenen Verhaftungen von hochrangigen Familienmitgliedern sind umstritten, insbesondere die Fälle Turki bin Abdullah, Ahmed ibn Abd al-Aziz und Mohammed ibn Naif.[52]

Zu den Verhafteten zählen nicht nur potentielle Konkurrenten um die Macht im Hause Saud, sondern auch Reformkritiker von unterschiedlichen Seiten. Mohammed bin Salmans Reformvorhaben galten vielen Beobachtern der saudi-arabischen Gesellschaft als unvorstellbar, sein Reformtempo als "schwindelerregend".[53] Ein Großteil der Bevölkerung begrüße zwar die Reformen, darunter insbesondere die unter 30-Jährigen, die über 50 % der Bevölkerung ausmachten. Die Reformen seien jedoch auch scharfer Kritik von unterschiedlichen Seiten der saudi-arabischen Gesellschaft ausgesetzt. Auf der einen Seite verurteilten konservative religiöse Kreise seine Reformen, insbesondere die Stärkung von Frauenrechten, auf der anderen Seite forderten gerade Frauenrechtsaktivisten ein noch höheres Reformtempo.[54]

Die Kritiker mit der größten medialen Reichweite wurden sowohl auf Seite religiös-konservativer Reformgegner als auch auf Seite von Frauenrechtsaktivisten verhaftet. Im September 2017 wurden die prominenten Kleriker Awad al-Qarni, Salman al-Auda und Ali al-Omari inhaftiert. Die Verhaftungen wurden Mohammed bin Salman zugeschrieben. Auch habe er versucht, den der Muslimbruderschaft nahestehenden Jamal Kashoggi aus dem amerikanischen Exil zurück nach Saudi-Arabien zu locken, um ihn dort verhaften zu lassen.[55] Nachdem er nicht auf entsprechende Angebote eingegangen war, wurde er von Männern aus dem Umfeld des Kronprinzens in Istanbul getötet.[56] Die CIA gelangt zur Einschätzung, dass der Kronprinz einen Einsatz zur Verhaftung oder Tötung Khashoggis gebilligt habe, und stuft es als unwahrscheinlich ein, dass saudi-arabische Beamte einen solchen Einsatz ohne seine Genehmigung durchgeführt hätten. Es sei jedoch unklar, inwieweit ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit Khashoggis geplant gewesen sei.[57][58] Reporter ohne Grenzen erstattete beim Bundesgerichtshof Anzeige gegen ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.[59] Mohammed bin Salman stritt jegliche Verwicklung in den Vorgang ab, übernahm jedoch die mittelbare Verantwortung für das Handeln seiner Beamten.[60]

Die im Mai 2018 zum wiederholten Male inhaftierte Frauenrechtsaktivistin Loujain al-Hathloul wurde im Februar 2021 freigelassen, die mit ihr verhaftete Professorin Hatoon al-Fassi schon im Mai 2019 und Madeha Alajroush bereits nach wenigen Tagen.[61] Samar Badawi wurde erst im Juni 2021 freigelassen. Trotz der Freilassungen stehen viele der Aktivistinnen weiterhin unter Bewährungsauflagen.[53]

Repressionen nach McKinsey-ReportBearbeiten

Eine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey über die saudi-arabischen Sparmaßnahmen des Jahres 2015 ergab, dass Kritik daran insbesondere von drei Accounts auf Twitter geübt wurde. Es folgten unmittelbar Repressionen: Der Journalist Khaled al-Alkami wurde im September 2017 verhaftet und befindet sich seither in Haft. Das Telefon des im kanadischen Exil lebenden Omar Abdulaziz wurde abgehört, zwei seiner Brüder wurden in Saudi-Arabien verhaftet. Zudem wurde der Account des anonymen Users „Ahmad“ stillgelegt.

Der Sprecher von McKinsey äußerte, dass er über den möglichen Missbrauch des Reports, der nicht im Auftrag der saudi-arabischen Regierung entstanden sei und nur für ein interne Verwendung bestimmt war, entsetzt sei.[62]

AußenpolitikBearbeiten

Als Verteidigungsminister ist er für den Militäreinsatz Saudi-Arabiens im Bürgerkrieg des benachbarten Jemens seit 2015 verantwortlich.[63] Anfang April 2018 erkannte Mohammed in einem Interview mit The Atlantic erstmals das Existenzrecht Israels an (Israel wird von Saudi-Arabien diplomatisch nicht anerkannt).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Mohammad bin Salman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christoph Ehrhardt: Mohammed bin Salman: Der kometenhafte Aufstieg des Kronprinzen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 5. Mai 2021]).
  2. Auswärtiges Amt: Saudi-Arabien: Steckbrief. Abgerufen am 5. Mai 2021.
  3. Monika Bolliger: Mohammed bin Salman wird neuer Kronprinz. Neue Zürcher Zeitung, 21. Juni 2017, abgerufen am 5. Mai 2021.
  4. a b Wie der Kronprinz sein Land neu erfinden will. Der Tagesspiegel, 22. Juli 2018, abgerufen am 5. Mai 2021.
  5. a b Saudi-Arabien baut eine nachhaltige Megastadt in der Wüste. Der Tagesspiegel, 13. November 2017, abgerufen am 5. Mai 2021.
  6. a b Kira Hanser: Saudi-Arabien: Touristen folgen dem Lockruf der Saudis. In: Die Welt. 3. März 2020 (welt.de [abgerufen am 5. Mai 2021]).
  7. Christian Weisflog: Saudiarabien: Ein Land entdeckt das Leben. Neue Zürcher Zeitung, 4. Mai 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.
  8. a b Saudi-Arabien beendet Geschlechtertrennung in Restaurants. Zeit Online, abgerufen am 5. Mai 2021.
  9. a b Frauen in Saudi-Arabien können alleine ins Ausland reisen. Zeit Online, 21. August 2019, abgerufen am 5. Mai 2021.
  10. a b Susanne Koelbl: Saudi-Arabien und die Abaya: "Trägst du jetzt Vorhang?" Der Spiegel, 25. März 2018, abgerufen am 5. Mai 2021.
  11. a b Saudi-Arabien: Frauen feiern Ende des Fahrverbots. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 5. Mai 2021]).
  12. Saudi-Arabien will keine Minderjährigen mehr hinrichten. Zeit Online, 26. April 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.
  13. Thomas Seibert: Saudi-Arabien verkündet das Ende der Prügelstrafe. Der Tagesspiegel, 26. April 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.
  14. Saudi-Arabien schafft Auspeitschen als Strafe ab. Deutsche Welle, 25. April 2020, abgerufen am 5. Mai 2021 (deutsch).
  15. a b Der Spiegel: Saudi-Arabien: Wie Mohammed bin Salman wurde, wer es ist. Abgerufen am 5. Mai 2021.
  16. Bradley Hope, Justin Scheck: Blood and Oil. Hachette Books, 2020, S. 38.
  17. Bradley Hope, Justin Scheck: Blood and Oil. Hachette Books, 2020, S. 45.
  18. Ministries | The Embassy of The Kingdom of Saudi Arabia. Abgerufen am 5. Mai 2021.
  19. Saudi Embassy about Biographies of Ministers
  20. Saudischer König Salman setzt neuen Kronprinzen ein. In: Welt Online. 29. April 2015.
  21. a b F. Gregory Gause III.: The United States Is the Last Check on MBS’s Power: Washington Should Rein In, Not Isolate, the Saudi Prince. In: foreignaffairs.com, 30. März 2021, abgerufen am 31. März 2021.
  22. Saudi-Arabien tauscht seinen Kronprinzen aus. In: Welt Online. 21. Juni 2017.
  23. Saudi-Arabien schafft Todesstrafe für Minderjährige ab, Spiegel Online, 27. April 2020.
  24. Saudischer Kronprinz spricht Israelis Recht auf eigenes Land zu. In: Süddeutsche Zeitung, 3. April 2018.
  25. Dirk Eckert: Träume aus tausend und einer Marktwirtschaft. Abgerufen am 18. Mai 2021.
  26. a b Paul-Anton Krüger: Der Prinz will Saudi-Arabien radikal verändern. Abgerufen am 18. Mai 2021.
  27. Vision 2030. Kingdom of Saudi Arabia, abgerufen am 18. Mai 2021.
  28. Simeon Kerr, Ahmed Al Omran, Anjli Raval: Saudi prince uses ‘Davos in the desert’ to woo world’s top investors. Financial Times, 27. Oktober 2017, abgerufen am 18. Mai 2021.
  29. Saudi-Arabien beginnt im März mit dem Bau von emissionsfreier Mega-City. Abgerufen am 3. April 2021.
  30. Deutsche Welle (www.dw.com): Ganz schnell von Mekka nach Medina | DW | 11.10.2018. Abgerufen am 3. April 2021 (deutsch).
  31. LOK Report - Saudi-Arabien: König Salman eröffnet Haramain High-Speed-Eisenbahn. Abgerufen am 3. April 2021 (deutsch).
  32. Saudi Arabia's GDP contracts 3.3% in Q1 on oil output, non-oil economy recovers. 10. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021.
  33. Yasir Al-Rumayyan: Dieser Mann soll Saudi Aramco an die Börse bringen. Abgerufen am 18. Mai 2021.
  34. Christopher Helman: Bold Prince Holds Tight Grip On Cash Machine Saudi Aramco, The World’s Most Profitable Company. Abgerufen am 18. Mai 2021 (englisch).
  35. World Bank: Women, Business and the Law 2020. 2020, abgerufen am 27. Mai 2021.
  36. Gulf Insider: Saudi: 70,000 driving licences issued to women since ban lift. 21. März 2019, abgerufen am 27. Mai 2021.
  37. Khaleej Times: Saudi Arabia to allow 17-year-old women to get driving permit. 2. Juni 2021, abgerufen am 29. Juli 2021.
  38. Mathias Brüggmann: Saudi-Arabien: 90 Milliarden Dollar - weil Frauen endlich Auto fahren dürfen. Handelsblatt, 24. Juni 2018, abgerufen am 27. Mai 2021.
  39. Abigail Ng: Saudi Arabia sees a spike in women joining the workforce, Brookings study shows. CNBC, 29. April 2021, abgerufen am 27. Mai 2021 (englisch).
  40. Martin Gehlen: Der Kronprinz greift durch. Zeit, 5. November 2017, abgerufen am 28. Mai 2021.
  41. Spiegel: Saudi-Arabien: König Salman entlässt Minister und Prinzen - Dutzende Festnahmen. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  42. Deutsche Welle (www.dw.com): Saudi-Arabien - Freiheit für eine Milliarde Dollar | DW | 30.11.2017. Abgerufen am 28. Mai 2021 (deutsch).
  43. Saudi anti-corruption drive generates $106bn in settlements. In: BBC News. 30. Januar 2018 (bbc.com [abgerufen am 28. Mai 2021]).
  44. Farah Elbahrawy: Impromptu Raves and Other Offbeat Moments From Lebanon’s Revolt. Bloomberg, 20. Oktober 2019, abgerufen am 28. Mai 2021.
  45. Transparency International Deutschland e.V: CPI 2020: Tabellarische Rangliste. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  46. Deutsche Welle (www.dw.com): High-profile arrests in Saudi Arabia shore up crown prince's power | DW | 03.09.2020. Abgerufen am 28. Mai 2021 (britisches Englisch).
  47. Reuters: Saudi crown prince says no let up in fight against corruption. 12. November 2020 (reuters.com [abgerufen am 28. Mai 2021]).
  48. Andrew England, Simeon Kerr: Saudi Arabia: $3.5bn fraud case set to define crown prince’s anti-graft campaign. Financial Times, 28. März 2021, abgerufen am 28. Mai 2021.
  49. ORF at/Agenturen red: Saudi-Arabien stellt ehrgeizigen Klimaschutzplan vor. 28. März 2021, abgerufen am 1. April 2021.
  50. „Prinz Rücksichtslos“ reißt Öl-Zepter an sich. In: Kurier.at. 21. April 2016, abgerufen am 22. Juni 2017.
  51. Paul-Anton Krüger: Der Prinz und die Kernkraft. In: Süddeutsche Zeitung, 18. März 2018.
  52. Zeit Online: Mitglieder der Königsfamilien wegen Putschplänen festgenommen. Abgerufen am 5. Mai 2021.
  53. a b Deutsche Welle (www.dw.com): Reformen in Saudi-Arabien: Wandel oder Propaganda? | DW | 01.07.2021. Abgerufen am 29. Juli 2021 (deutsch).
  54. David Rundell: Vision or Mirage. London 2021, ISBN 978-1-83860-593-3, S. 206.
  55. Urs Gehriger: Jamal Kashoggis anderes Gesicht, Weltwoche 48.18, S. 44 ff.
  56. Tony Badran, Michael Doran: Why the Saudis despised Jamal Khashoggi. In: New York Post. 19. Oktober 2018, abgerufen am 29. Juli 2021.
  57. mdr.de: Saudischer Kronprinz soll Khashoggi-Operation genehmigt haben. 21. Februar 2021, abgerufen am 29. Juni 2021.
  58. Office of the Director of National Intelligence: Assessing the Saudi Government's Role in the Killing of Jamal Khashoggi. 11. Februar 2021, abgerufen am 29. Juni 2021.
  59. Reporter ohne Grenzen erstattet Anzeige gegen Kronprinz Mohammed bin Salman. In: Der Spiegel. Abgerufen am 2. März 2021.
  60. Saudischer Kronprinz übernimmt „volle Verantwortung“ im Fall Khashoggi. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 29. Juni 2021]).
  61. Paul-Anton Krüger: Saudi-Arabien: Aktivistin Loujain al-Hathloul aus der Haft entlassen. Abgerufen am 29. Juli 2021.
  62. Michelle Mark: The Saudi government reportedly targeted and punished several dissidents after McKinsey identified them in a report, Business Insider, 20. Oktober 2018
  63. „Interventionspolitik“: BND warnt vor Saudi-Arabien. In: Spiegel Online, 2. Dezember 2015.