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Mo Asumang

deutsche Schauspielerin, Sängerin, Fernsehmoderatorin, Regisseurin und Synchronsprecherin

LebenBearbeiten

Die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers wurde von ihrer Großmutter mütterlicherseits großgezogen. Nach deren Tod erfuhr sie, dass diese während der Zeit des Nationalsozialismus als Schreibkraft für die SS gearbeitet hatte.[2]

Ihr Abitur machte sie am Goethe-Gymnasium Kassel.[1] Von 1985 bis 1990 studierte sie Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste Kassel[3] und von 1992 bis 1994 Klassischen Gesang an der Universität der Künste Berlin. Seit 1994 arbeitet sie als Sprecherin, seit 1996 als Moderatorin und Schauspielerin. 2004 gründete sie die MA Motion Filmproduktion GmbH[4] und führt Regie für Dokumentarfilme. Mit Ihren Filmen hält sie in Schulen und Universitäten (u. a. Yale University) weltweit Vorträge zum Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Von 1997 bis 2000 moderierte Asumang bei ProSieben die Fernsehsendung Liebe Sünde. Sie synchronisierte unter anderem die Rolle der Fähnrich Seska in der US-amerikanischen Fernsehserie Star Trek: Raumschiff Voyager. In Roman Polańskis Film Der Ghostwriter (2010) spielte sie die Rolle der US-Außenministerin Condoleezza Rice.

Mo Asumang lebt in Berlin.

FilmeBearbeiten

Ihr Regiedebüt gab Asumang 2007 mit dem Dokumentarfilm Roots Germania, der 2008 für den Adolf-Grimme-Preis nominiert wurde. Der Film ist in erster Linie ihre Suche nach Identität. Auslöser war das Lied Noten des Hasses der Neonaziband White Aryan Rebels, in dem ihr und unter anderem Rita Süssmuth, Michel Friedman, Alfred Biolek, Stefan Heym und Hella von Sinnen der Tod gewünscht wird.[5] Für die Auseinandersetzung mit Germanen- und Rassenideologie reiste Asumang quer durch Deutschland und nach Afrika, wo sie erstmals mit ihrer Mutter und dem Vater über Zugehörigkeit sprach. Der Film ist eine sehr persönliche Suche nach Zugehörigkeit und Heimat.[6]

Für den 2010 veröffentlichten Dokumentarfilm Road to Rainbow – Willkommen in Südafrika war Asumang mit dem afrikanischen Comedian Kagiso Lediga in den Townships von Kapstadt und Johannesburg unterwegs und porträtierte den 12-jährigen HIV-Infizierten Inganathi, der Fußballer werden möchte.[1]

Im Dokumentarfilm Die Arier (2014) konfrontierte Asumang Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen:[7][8] „Was sie eigentlich gegen Schwarze haben, was sie ihnen getan hätte. Der Mann unter der Maske ist sichtlich verlegen, murmelt etwas davon, dass er gegen sie persönlich ja gar nichts habe. Es sind Momente wie diese, die so selbstentlarvend sind. Und die diese Doku ausmachen“, so Peter Zander in seiner Rezension.[9] In ihrem Drehbericht schilderte Asumang, warum sie ohne Begleitschutz, aber mit Kamerafrauen weitergearbeitet hat.[10]

BuchBearbeiten

In ihrem 2016 veröffentlichten Buch Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis beschreibt Mo Asumang, wie sich Rassismus auf der eigenen Haut anfühlt. Sie trifft weltweit Rassisten, Neonazis, Pegida-Mitläufer, Angehörige des Ku-Klux-Klan und chattet sogar auf Nazi-Datingplattformen. Auch wenn die Herangehensweise Asumangs zunächst naiv anmute, ihre Unvoreingenommenheit ermöglicht ihr erkenntnisreiche Begegnungen mit Rassisten jedweder Couleur.[11] Ihr Ziel ist es, den Kreislauf von Wut, Hass und Gewalt zu unterbrechen. Das Buch erreichte Platz 18 der Spiegel-Bestsellerliste.

2018 erhielt Mo Asumang den Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur. Asumang qualifizierte sich für den Literaturpreis durch schriftstellerisches Niveau, soziales Engagement sowie Mut und Zivilcourage.

PositionenBearbeiten

Asumang ist Schulpatin des Gymnasiums Alexander S. Puschkin in Hennigsdorf, das Mitglied des Schulnetzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist. In einem Interview im Oktober 2013 sagte Asumang: „Ich bin ja immer der Meinung, dass Deutschland ab und zu mal in den Spiegel schauen sollte, weil eine Gesellschaft natürlich immer im Wandel ist. Die Gesellschaft bleibt nicht so, wie sie ist, sonst würde ein Land erst gar nicht entstehen.“[12] Sie engagiert sich für den Opferfonds Cura, der Opfer rechtsextremer Gewalt finanziell unterstützt.[13]

Mo Asumang ist seit 2014 Botschafterin gegen Rassismus für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.[14]

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Regie

PublikationenBearbeiten

  • Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis. Fischer, Frankfurt am Main 2016. ISBN 978-3-596-03443-7

AusstellungenBearbeiten

TV Journalistin (Auswahl)Bearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mo Asumang – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Ulrike Pflüger-Scherb: Ein anderer Blick auf Südafrika. In: hna.de. 17. Juni 2010, abgerufen am 1. Dezember 2019.
  2. Antonie Rietzschel: Filmemacherin Mo Asumang im Interview – „Zum Glück haben sie die Waffen nicht ausgepackt“. In: sueddeutsche.de. 29. April 2014, abgerufen am 6. Dezember 2019.
  3. Ulrike Pflüger-Scherb: Kassels berühmte Töchter und Söhne. Kassel 2009, S. 11 f.
  4. Mo Asumang. In: kulturserver.de. Abgerufen am 5. Dezember 2018.
  5. Holger Kulick: Roots Germania. Ein Frauendebutfilm über rechtsextreme Ideologie und Mystik, Interview mit Mo Asumang, Bundeszentrale für politische Bildung, 11. Oktober 2007
  6. Roots Germania: Eigenwillige, ergreifende Spurensuche, Kölner Stadt-Anzeiger, 27. November 2009
  7. Die Arier – arte. In: programm.ard.de. Abgerufen am 24. November 2019.
  8. DeWayne Wickham: Exposing haunting image of hatred, USA Today, 15. April 2014
  9. Peter Zander: Mo Asumang sucht den Kontakt mit Rassisten und Neonazis, Berliner Morgenpost, 5. Mai 2014:
  10. Die wahren Arier, Drehbericht Mo Asumang für das ARTE Magazin, April 2014
  11. Lubika Brechtel: Buchtipp: „Mo und die Arier“ von Mo Asumang, 3sat, März 2016
  12. Eren Güvercin: Deutschland kreiert sich neu. In: erenguevercin.wordpress.com. 13. November 2010, abgerufen am 27. März 2019.
  13. Aufruf zur Solidarität mit den Opfern rechtsextremer Gewalt! (Memento des Originals vom 4. September 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.opferfonds-cura.de, Opferfonds Cura, 12. Dezember 2011
  14. Botschafterinnen und Botschafter im Themenjahr gegen Rassismus: Mo Asumang (Memento des Originals vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.antidiskriminierungsstelle.de, Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  15. Manfred Götzke: Mo Asumang – Mit Kommunikation gegen rechten Hass. In: deutschlandfunk.de. 12. Mai 2018, abgerufen am 6. Dezember 2018.