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Vergleich von Liposom und Mizelle
Mizelle in Wasserlösung

Mizellen (Micellen, von lateinisch mica ‚Klümpchen‘, ‚kleiner Bissen‘), auch Assoziationskolloide genannt, sind zusammengelagerte Molekülkomplexe (Aggregate) aus amphiphilen Molekülen bzw. grenzflächenaktiven Substanzen.

Inhaltsverzeichnis

EigenschaftenBearbeiten

In einem Dispersionsmedium (meist Wasser) binden die amphiphilen Moleküle aufgrund des hydrophoben Effekts aneinander.[1] Dieser Vorgang wird Selbstassemblierung genannt. Mizellen bilden sich in polaren Lösungsmitteln wie Wasser ab einer bestimmten Massenkonzentration, der kritischen Mizellbildungskonzentration (CMC), aufgrund der Neigung der Tenside zur Phasentrennung. Das bedeutet, die hydrophilen Teile (Köpfe) der Tensidmoleküle richten sich zu den angrenzenden Wassermolekülen aus, wogegen die hydrophoben Teile (Schwänze) sich zusammenlagern und somit eine eigene Phase bilden (siehe Grafik). Eine solche Mizelle hat typischerweise eine Größe von wenigen Nanometern, zum Beispiel zirka 4 nm für eine SDS-Mizelle in Wasser.

Inverse MizellenBearbeiten

In organischen Lösungsmitteln gibt es auch Mizellen, nur mit umgekehrter Orientierung (sogenannte inverse Mizellen, auch reverse Mizellen genannt). Des Weiteren gibt es neben Kugeln viele andere geometrische Formen (Stäbchen, Plättchen etc.) je nach Größen- und Längenverhältnis von Kopf zu Schwanz.

Anwendung finden reverse Mizellen beispielsweise bei der Extraktion von Proteinen aus Fermentationsbrühen. Hierbei wird das Protein im inneren Kern der reversen Mizelle gelöst.

SupermizellenBearbeiten

 
Elektronenmikroskopisches Bild einer windmühlenartigen Supermizelle (Maßstab 500 nm).[2]

Supermizellen sind aus Mizellen aufgebaute hierarchische supramolekulare Strukturen.

FlüssigkristalleBearbeiten

Enthält eine Lösung sehr große Konzentrationen an grenzflächenaktiven Substanzen, so können die vielen Mizellen höhere Ordnungszustände, nämlich Flüssigkristalle, bilden.

BildungsenergieBearbeiten

Der Mizellbildungsprozess läuft spontan ab, das heißt ihm liegt ein thermodynamisches Gleichgewicht zugrunde. Die treibende Kraft dabei ist die Freisetzung von Wassermolekülen, die zuvor mit den Tensidmolekülen assoziiert waren, wodurch die Entropie zunimmt. Die Wärme (Enthalpie) der Mizellbildung lässt sich wie folgt beschreiben:

 

 
 
 
 
 
Konstante, variiert zwischen 1 und 2 je nach Ladung der Mizellen
kritische Konzentration zur Mizellbildung (engl. cmc)
Temperatur in Kelvin
universelle Gaskonstante
Mizellbildungsenthalpie

MolmasseBearbeiten

Der Zusammenhang der Molmasse mit der CMC wird über die Debye-Gleichung beschrieben:[3]

 

mit der optischen Konstante K (abhängig von Wellenlänge und Brechungsindex des Lösungsmittels und der Lösung), der Konzentration des amphiphilen Moleküls c, der kritischen Mizellenkonzentration CMC, der Turbidität τ, der Molmasse M und dem zweiten osmotischen Virialkoeffizienten A2.

Weitere BedeutungBearbeiten

Als Mizellenbildung wird auch das Zusammenklumpen von Asphaltenen in Mineralölprodukten, zum Beispiel in Heizöl EL, bezeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • William M. Gelbart: Micelles, Membranes, Microemulsions, and Monolayers. Springer Science & Business Media, 2012, ISBN 978-1-4613-8389-5, S. 208

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Mizelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auchBearbeiten

Krafft-Temperatur (Krafft-Punkt)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Y. Moroi: Micelles. Springer Science & Business Media, 2013, ISBN 978-1-4899-0700-4, S. 1.
  2. Xiaoyu Li, Yang Gao, Charlotte E. Boott, Mitchell A. Winnik, Ian Manners: Non-covalent synthesis of supermicelles with complex architectures using spatially confined hydrogen-bonding interactions. In: Nature Communications. 6, 2015, S. 8127. bibcode:2015NatCo...6E8127L. doi:10.1038/ncomms9127. PMID 26337527. PMC 4569713 (freier Volltext).
  3. William M. Gelbart: Micelles, Membranes, Microemulsions, and Monolayers. Springer Science & Business Media, 2012, ISBN 978-1-4613-8389-5, S. 2.