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Mit der Mitchell Newsreel Camera kam die Ablösung der bis zum Tonfilm fast alles beherrschenden Bell & Howell Standard Cinematograph Camera. In zwei entscheidenden Punkten war sie überlegen: Die einzustellende Optik musste nicht mehr im Revolver umgeschwenkt werden und die Funktion war geräuschärmer. Die klappernde Bell & Howell verschwand vor dem Mikrofon.

Die Mitchell-Camera-Gesellschaft wurde 1919 von dem Kameramann Henry F. Boeger und von George Alfred Mitchell gegründet. Ihre erste Kamera war die eingekaufte patentierte Konstruktion von John E. Leonard aus dem Jahre 1917. Der Prototyp war 1919 fertig, 1920 wurde sie als Mitchell Standard Camera bekannt gemacht. Sie enthielt einen über Planetengetriebe verstellbaren Umlaufverschluss, eine Einrichtung zur Einstellung der Aufnahmeoptik, das Mitchell-eigene Rackover, und einen einfachen Greifermechanismus im Gegensatz zu Leonards Paßstiftemechanismus.

Mitchell lieferte die Filmantriebe für die Technicolor-Dreistreifenkamera ab 1932 und Mechanismen für Breitfilmapparate. Später gab es eigene 65-mm-Film-Kameras und die VistaVision-Kameras.

Mitchell baute auch einen Hintergrundprojektor.

George Alfred Mitchell erhielt 1953 den Ehrenoscar, eine Auszeichnung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für technische Errungenschaften.

Die ModelleBearbeiten

  • Mitchell (Standard), 1920 bis 1924; öllose Gleitlager, Filmantrieb AA
  • Mitchell High Speed oder Modell B, Bildfrequenz bis 128 pro Sekunde, 1925; Kugellager, Filmantrieb AB
  • Mitchell C, 1928; Gleitlager, Filmantrieb AC
  • Mitchell NC, Newsreel Camera. Verbessertes Modell für den Tonfilm, 1931–32; Gleitlager und neues Getriebe. Diese Kamera wurde für 40 Jahre zum tragenden Element der Hollywood-Produktion und Filmproduktionen weltweit. Gewicht: 32¼ kg mit 1000 Fuß Film
  • Mitchell BNC, (Blimped NC), 1934. Gewicht: 55,3 kg mit 1000 Fuß Film
  • Mitchell S35R, 1965. Gewicht: 19,5 kg mit 1000 Fuß Film. Blimp (Schallschutzgehäuse) dazu: 42,2 kg

Die NC und BNC wurden zur Quelle der Cinema Products Corporation XR 35, welche vormals getrennt erhältliches Zubehör integrierte.

  • Mitchell-VistaVision-Kamera für Tonfilm nach Paramounts VistaVision-Verfahren von 1954 (The Ten Commandments 1956), frühere VistaVision-Produktionen arbeiteten mit umgebauten Stein- und/oder umgebauten Technicolor-Kameras.
  • Mitchell FC/BFC (Fox Camera/Blimped Fox Camera), 65-mm-Version der NC und BNC, in Gebrauch seit dem verbesserten Todd-AO-System von Fox (South Pacific, 1958)
  • Mitchell NCR/BNCR, Reflex-Versionen von NC/BNC
  • Mitchell 16, November 1945; Gewicht: 19 kg mit 400 Fuß Film. Blimp dazu: 20,4 kg
  • Mitchell S(ingle) S(ystem) für 16-mm-Film
  • Mitchell R 16, eine verhältnismäßig leise Kamera im Einzel- und Doppelsystem für die Berichterstattung und Wochenschauen. Diese teure Apparatur wurde hauptsächlich bei CBS’ 60 Minutes verwandt, wozu sie auch gebaut worden ist.

LiteraturBearbeiten

  • United States Patent 2,088,715 A
  • Ira B. Hoke: Mitchell Camera Nears Majority. In: American Cinematographer. Dezember 1938, S. 495 f.
  • L. Sprague Anderson: Mitchell, the Standard. In: Society of Camera Operators Magazine. [1]
  • Verne & Sylvia Carlson: Professional Cameraman’s Handbook. American Photographic Book Publishing, 1970 f.
  • Laurence J. Roberts: The Mitchell Camera: The Machine and Its Makers. SMPTE Journal 2-1982