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Fahrzeug-Empfangsgerät der Zugbeeinflussung Mirel

Mirel ist die Fahrzeugausrüstung eines Zugbeeinflussungssystems, das mit der Streckenausrüstung des Zugbeeinflussungssystems LS zusammenarbeitet. Mirel wird bei der slowakischen Eisenbahn ŽSR verwendet und ist für den Einsatz bei den tschechischen Eisenbahnen zugelassen.

Die erste Bauart dieser Fahrzeuggeräte war Mirel S1 560. Mit dem Gerät wurden die elektrischen Triebzüge der Baureihe 560 der ŽSR nachgerüstet. Seither kommt ausschließlich das Nachfolgegerät Mirel VZ1 zum Einsatz.

Beschreibung von Mirel VZ1Bearbeiten

 
Mirel VZ1 kam erstmals bei den ŽSR-Lokomotiven der Baureihe 350 zum Einsatz. Der Betrieb damit wurde 2000 in der Slowakei und in Tschechien aufgenommen.[1]

Mirel VZ1 wird auch in Triebfahrzeugen der ČD, RegioJet[2] und weiterer Bahnunternehmen eingesetzt. Mirel VZ1 ist optional in der Lage, mit den Streckenausrüstung der ungarischen Zugbeeinflussung EVM zusammenzuarbeiten. Zudem ist ein Interface zum SHP-System der Polnischen Staatsbahn PKP verfügbar.

Das System Mirel VZ1 arbeitet in Mikroprozessortechnik und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zugelassen. Grundlegende Verbesserungen gegenüber dem System LS bestehen in der Überwachung der Geschwindigkeit und der Berechnung von Bremskurven, bei deren Überschreitung eine Zwangsbremsung ausgelöst wird.

Funktionen in der Betriebsart ŽSR/ČDBearbeiten

Vor der Inbetriebnahme des Fahrzeugs muss einer der vier Modi gewählt werden:

RangierbetriebBearbeiten

In diesem Modus werden keine Signal­informationen der Streckenausrüstung empfangen. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs beträgt 40 km/h, wobei bei Geschwindigkeiten über 20 km/h die Wachsamkeitskontrolle aktiviert ist.

BetriebBearbeiten

Vor Fahrbeginn hat der Triebfahrzeugführer die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit einzugeben. Während der Fahrt werden aus den empfangenen Signalinformationen die folgenden Höchstgeschwindigkeiten berechnet:

Signalzeichen Anzeige auf
dem Fahrzeug
Geschwindigkeit
freie Fahrt grün voreingestellte maximale Zugsgeschwindigkeit
Vorsicht gelb 120 km/h
40 und Vorsicht gelber Ring 40 km/h
(beziehungsweise 60, 80 oder 100 km/h durch
manuelle Eingabe nach Übertragung dieses Signalzeichens)
Halt rot 40 km/h
ohne Übertragung 120 km/h

Erkennt Mirel aus den empfangenen Signalinformationen, dass die zulässige Geschwindigkeit niedriger als die tatsächliche Zugsgeschwindigkeit ist, berechnet das Gerät eine Bremskurve, die zur zeitabhängigen Geschwindigkeitskontrolle während des Bremsvorgangs dient. Dabei wird auf der Anzeige die aktuell geltende Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Bei Überschreitung dieser Geschwindigkeit wird eine Zwangsbremsung ausgelöst, außer der Triebfahrzeugführer hätte das Gerät während der Modellierung der Bremskurve auf manuelle Steuerung umgeschaltet.

 
Die ÖBB-Lokomotiven der Baureihe 1216, die in Tschechien und der Slowakei eingesetzt werden, sind mit Mirel VZ1 ausgerüstet.

Die Wachsamkeitstaste muss in folgenden Fällen bedient werden:

  • Bei Unterbrechung der Signalzeichenübertragung
  • Wenn während der Modellierung der Bremskurve auf manuelle Steuerung umgeschaltet wurde
  • Bei der Übertragung des Signalzeichens Halt
  • Bei der Übertragung des Signalzeichens Vorsicht bei Geschwindigkeiten über 90 km/h
  • Wenn bei der Übertragung des Signalzeichens 40 und Vorsicht die Zielgeschwindigkeit durch manueller Eingabe auf über 40 km/h erhöht wurde

Wenn der Triebfahrzeugführer seine Wachsamkeit nicht bestätigt, wird eine Zwangsbremsung ausgelöst. Beim Stillstand des Fahrzeugs oder bei Geschwindigkeiten unter 15 km/h und angezogener Hand- oder Feststellbremse ist die Wachsamkeitskontrolle nicht aktiv.

Im Betriebsmodus wird zudem die Fahrtrichtung kontrolliert. Bei Fahrt entgegen der gewählten Richtung wird eine Zwangsbremsung ausgelöst.

GesperrtBearbeiten

Beim Ausfall der Streckenausrüstung bekommt der Triebfahrzeugführer die Anweisung, Mirel VZ1 in den Modus gesperrt umzuschalten. Außer der Signalzeichenübertragung und der Kontrolle der Höchstgeschwindigkeit – sie beträgt 120 km/h – arbeitet das Gerät gleich wie im Betriebsmodus.

Schleppfahrt oder SchiebedienstBearbeiten

Wenn sich das Triebfahrzeug nicht an der Zugspitze befindet, werden nur die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs und die Fahrtrichtung kontrolliert.

Funktionen in der Betriebsart MÁVBearbeiten

Mirel VZ1 arbeitet in der Betriebsart MÁV entweder im Modus Rangierbetrieb oder Betrieb.

Im Rangiermodus werden keine Signalinformationen von der Streckenausrüstung empfangen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 40 km/h begrenzt.

Im Betriebsmodus wird dem Triebfahrzeugführer eine der folgenden Signalstellungen angezeigt: Halt, freie Fahrt oder Geschwindigkeitsbeschränkung auf 15, 40, 80 oder 120 km/h. Bei Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit löst Mirel VZ1 eine Zwangsbremsung aus.

In beiden Betriebsmodi ist bei Geschwindigkeiten über 15 km/h die Wachsamkeitskontrolle eingeschaltet. Nach jeweils 1550 m wird die Wachsamkeit des Triebfahrzeugführers kontrolliert. Bei stillstehenden Fahrzeugen ist die Wegrollsicherung aktiviert.

Vor- und NachteileBearbeiten

 
Bei der ČD-Baureihe 380 kommt Mirel VZ1 in Tschechien, in der Slowakei und in Ungarn zum Einsatz.

Mit Mirel wurde im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten ein Zugbeeinflussungssystem entwickelt, das zu einer weiteren Erhöhung der Sicherheit führte. Es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Halt zeigende Signale überfahren werden. Weil die Streckenausrüstung des Systems LS nur vier Geschwindigkeitsbegriffe – inklusive Halt und freie Fahrt – übertragen kann, muss bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60, 80 oder 100 km/h der Triebfahrzeugführer die Geschwindigkeit manuell eingeben. Somit bleibt ein wesentlicher Teil der Verantwortung beim Triebfahrzeugführer.

In gleicher Weise ist das der Fall, wenn Mirel VZ1 die Aufforderung zum Halten empfängt und die Bremskurve stark vom tatsächlichen Bremsweg abweicht. Bei der Berechnung der Bremskurve wird weder das Bremsgewicht des Zuges noch der tatsächlich zur Verfügung stehende Bremsweg mitberücksichtigt.[3] Der Bremsweg beträgt einheitlich 1500 m bei Geschwindigkeiten von 120 km/h und mehr beziehungsweise 1000 m bei tieferen Geschwindigkeiten.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Einhaltung der Bremskurve nur bis zur Geschwindigkeit von 30 km/h überwacht wird. Dann erfolgt lediglich eine Wachsamkeitskontrolle – ob der Zug zum Stillstand kommt, wird nicht kontrolliert.

Für den Triebfahrzeugführer stellt Mirel VZ1 eine Komfortsteigerung dar, da er weniger häufig die Wachsamkeitstaste bedienen muss als bei der Original-LS-Fahrzeugausrüstung. Weil Mirel VZ1 auch mit Zugbeeinflussungen einiger Nachbarländer zusammenarbeiten kann, reicht für den Einsatz in der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Polen eine einzige Fahrzeugausrüstung aus.

Mirel ist voraussichtlich der Höhepunkt in der Entwicklung der Zugbeeinflussung LS. Mirel wird in der einheitlichen europäischen Zugbeeinflussung ETCS als abzulösendes Class B-System betrachtet und kann als STM nachgerüstet werden.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Einzelnachweise, AnmerkungenBearbeiten

  1. Webseite des Herstellers HMH (slowakisch), abgerufen am 6. Februar 2013
  2. Josef Petrák, První lokomotiva RegioJetu je otestována a čeká na schválení, ŽelPage, 3. února 2011 (tschechisch)
  3. Bei Zugsbeeinflussungssystemen, die wie LS kodierte Gleichstromkreise zur Signalübertragung auf das Fahrzeug benutzen, stimmen in der Regel Blockabschnitt und Bremsweg überein. Mirel VZ1 gibt dem Triebfahrzeugführer die Möglichkeit, bei übermässig langen Blockabschnitten die Überwachung der Bremskurve auszuschalten.