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Bergwerk Almadén

Bergwerk in Spanien
(Weitergeleitet von Mine von Almadén)

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Bergwerk Almadén
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Almadén en verde y gris.jpg
Blick auf Almadén, im Vordergrund das Bergwerk
Andere Namen Minas de Almadén
Abbautechnik Tiefbau
Seltene Mineralien Cinnabarit, Schuetteit
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft Minas de Almaden y Arrayanes S.A. (MAYASA)[1]
Nachfolgenutzung Besucherbergwerk
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Zinnober
Geographische Lage
Koordinaten 38° 46′ 32,6″ N, 4° 50′ 53,2″ WKoordinaten: 38° 46′ 32,6″ N, 4° 50′ 53,2″ W
Bergwerk Almadén (Kastilien-La Mancha)
Bergwerk Almadén
Lage Bergwerk Almadén
Standort Calle los Mineros, 74, 13400 Almadén
Gemeinde Almadén
Provinz Provinz Ciudad Real
Staat Spanien
Revier Almadén
Erbe des Quecksilbers: Almadén und Idrija
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem
Staatsgebiet: SpanienSpanien Spanien
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iv
Referenz-Nr.: 1313rev
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2012  (Sitzung 36)

Das Bergwerk Almadén in Almadén, einer Stadt in der Provinz Ciudad Real der spanischen Autonomen Region Kastilien-La Mancha, war über 2000 Jahre lang eine der wichtigsten europäischen Abbaustätten für Zinnober, ein Mineral, aus dem durch Rösten Quecksilber gewonnen wurde. Die Lagerstätte von Almadén gehört zu den größten Zinnobervorkommen weltweit. Es wird geschätzt, dass über 250.000 Tonnen Quecksilber in Almadén gewonnen wurden.[2] Im Jahr 2003 wurde das Bergwerk stillgelegt und zu einem Besucherbergwerk, dem Parque Minero de Almadén, umgewandelt, das 2008 eröffnet wurde. Im Jahr 2012 wurde das Bergwerk Almadén zusammen mit dem slowenischen Bergwerk Idrija in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.[3]

Inhaltsverzeichnis

GeologieBearbeiten

Im Handbuch der Metallhüttenkunde von Carl Schnabel aus dem Jahr 1904 findet sich zu Almadén folgender Eintrag:[4]

„Zu Almaden, am Nordabhange der Sierra Morena, zwischen Badajoz und Ciudad Real findet sich der Zinnober zusammen mit Gediegen Quecksilber in einem 16 km langen und 10 km breiten District in silurischen und devonischen Schichten, welche aus Schiefern, Quarziten und Sandsteinen und in geringer Menge auch Kalksteinen bestehen, und zwar in drei nahezu senkrecht stehenden tafelförmigen Massen von gegen 183 m Länge und 3,7 bis 7,6 m Mächtigkeit. In diesen Massen kommt er sowohl eingesprengt als auch in Trümmern vor. Der Quecksilbergehalt der einzelnen Erzsorten geht von 0,75 bis 25,05%. Im Durchschnitt soll er 8-9% betragen.“

GeschichteBearbeiten

Bereits im 3. Jahrhundert vor Christus wurden die Erze von Almadén abgebaut. Seit der Antike fand Zinnoberrot als Farbpigment in der Malerei Verwendung. Der keltische Name von Almadén, Sisapo oder Sislone, bedeutet Höhle, aus der man Metalle gewinnt. In römischer Zeit muss Almadén eine gewisse Bedeutung gehabt haben, da hier Münzen geprägt wurden, wie Funde von Kupfermünzen mit der Inschrift SAESAPO belegen. Auch unter der maurischen Herrschaft wurde der Bergbau weitergeführt. Quecksilber wurde für medizinische Zwecke benötigt und spielte für die Alchemie eine wichtige Rolle. Außerdem wurde es zum Gerben von Leder genutzt. Im 12. Jahrhundert erreichte die Grube eine Teufe von 450 Metern, bis zu 1000 Bergleute waren dort beschäftigt. Der heutige Name Almadén geht auf die Mauren zurück und leitet sich von Mine, Mineral ab. Auch der alte spanische Name für Quecksilber azogue stammt aus dem Arabischen.

Nach der Reconquista, der christlichen Rückeroberung von Almadén in der Mitte des 13. Jahrhunderts, gelangte die Lagerstätte in den Besitz des Calatravaordens, der sie verpachtete. 1487 bestimmte eine päpstliche Bulle den spanischen König Ferdinand den Katholischen zum Großmeister des Ordens und unterstellte somit den Orden der spanischen Krone, die von nun an über dessen Güter verfügte. Als Gegenleistung für die Finanzierung seiner Wahl zum römisch-deutschen Kaiser im Jahr 1519 übertrug Karl V. dem Augsburger Kaufmann und Bankier Anton Fugger die Pacht der Bergwerke von Almadén. Über einen Zeitraum von 120 Jahren, bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts, blieb der Zinnoberabbau in der Hand der Familie Fugger, die verschiedene technische Neuerungen wie den Flammofen einführte. Für die Verwaltung der Bergwerke und der dazugehörenden Ländereien richteten die Fugger im rund 120 Kilometer entfernten Almagro in dem noch heute nach ihnen benannten Gebäude Almacén de los Fúcares eine Faktorei ein.

Nach den spanischen und portugiesischen Eroberungen der sogenannten Neuen Welt und der Entdeckung der dortigen Gold- und Silbervorkommen stieg der Bedarf an Quecksilber. Um die Edelmetalle aus dem Gestein zu lösen, wurde Quecksilber eingesetzt. Der größte Teil des Quecksilbers wurde über Sevilla in die amerikanischen Kolonien transportiert, hierfür wurden eigene Schiffe gebaut. Die gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit im Bergwerk mussten Sklaven und Häftlinge (forzados) verrichten, die statt zur Galeere zur Bergwerksarbeit verurteilt wurden. Meist erlebten sie das Ende ihrer Strafe nicht. 1799 wurde die Zwangsarbeit in den Bergwerken aufgehoben.

Im 17. Jahrhundert ging der Zinnoberabbau zurück, die erschlossenen Vorkommen waren weitgehend abgebaut. Im Jahr 1755 kam es in der Mina del Castillo zu einem verheerenden Brand, der über zwei Jahre wütete und bei dem viele Menschen starben. Im 18. Jahrhundert wurde das Bergwerk modernisiert, mehrere Direktoren wurden hierzu aus der 1765 in Sachsen gegründeten Bergakademie Freiberg nach Almadén berufen.

Von 1835 bis 1921 gehörten die Erzgruben der Familie Rothschild, anschließend wurden sie verstaatlicht.[5] Derzeit untersteht das Bergwerk, das in den Zeiten seiner größten Aktivität bis zu 2000 Mitarbeiter beschäftigte, der 1982 gegründeten staatlichen Bergbaugesellschaft MAYASA (Minas de Almadén y Arrayanes, S.A.).

UmweltsanierungBearbeiten

Nach der Stilllegung des Bergwerkes mussten auf einer Fläche von fast zehn Hektar 3,5 Millionen Tonnen hochgiftigen Abfalls entsorgt werden. Für die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet und Bergbaumuseum wurden aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über 1,4 Millionen Euro investiert.[6]

BautenBearbeiten

Das Bergwerk von Almadén wird von mehreren Kilometern Strecken durchzogen und erreicht über 23 Sohlen eine Teufe von 716 Metern. Der älteste Teil des Bergwerks mit fünf Sohlen und einer Teufe von 170 Metern, der als Mina Fúcar (Fuggermine) bezeichnet wird, wurde vermutlich bereits von den Römern abgebaut und nach dem Brand im Jahr 1755 aufgegeben. Im Lauf seiner Geschichte wurden verschiedene Schächte, die zur Beförderung der Bergleute, zur Belüftung und zur Förderung des abgebauten Erzes notwendig waren, angelegt. Der Schacht San Aquilino, der älteste Schacht, wurde vor 1543 in Betrieb genommen. Er weist 14 Sohlen und eine Teufe von 378 Metern auf. Das Fördergerüst stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Schacht San AndrésBearbeiten

Im Schacht San Andrés, in 50 Meter Tiefe, wurde in einem 13 Meter hohen Kuppelsaal ein Göpel rekonstruiert. Mit diesem Göpel wurde das abgebaute Zinnobererz aus einer Tiefe von bis zu 700 Metern gefördert. Der Schacht wurde um 1700 nach der Entdeckung der Mina del Castillo im Jahr 1697 angelegt.

BergwerkmuseumBearbeiten

In der ehemaligen Kompressorenhalle ist das Bergwerkmuseum eingerichtet.

RöstöfenBearbeiten

Der Bustamente- oder Aludelofen wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Juan Alonso de Bustamante in Almadén eingeführt.[7] Heute sind noch zwei dieser Öfen erhalten. Sie wurden 1992 zum Bien de Interés Cultural (Baudenkmal) erklärt.[8] Die Öfen, in denen das kostbare Quecksilber gewonnen wurde, sind von einer Mauer umgeben. Auf das Gelände führt ein nach dem spanischen König Karl IV. benanntes Tor (Puerta de Carlos IV), das 1795 errichtet wurde. Ein weiteres Tor, das Tor der Karren (Puerta de carros), stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier beginnt die historische Quecksilberstraße Camino Real del Azogue, die nach Sevilla führt.

Museo del MercurioBearbeiten

Das Museo del Mercurio (Quecksilbermuseum) ist in einem Gebäude aus dem Jahr 1941 untergebracht, das als Lagerraum für Quecksilber diente. Die Räume im Erdgeschoss sind der Geologie und der Paläontologie der Region gewidmet. Außerdem wird die Geschichte des Quecksilbers, seine Gewinnung und Verarbeitung, präsentiert. Man sieht die Räume, in denen es gewogen und verpackt wurde. Im Untergeschoss wird die Geschichte der Mine sowie der Transport des Quecksilbers nach Amerika dargestellt.

Real Hospital de Mineros de San RafaelBearbeiten

 
Real Hospital de Mineros de San Rafael

Das ehemalige Bergarbeiterkrankenhaus Real Hospital de Mineros de San Rafael wurde zwischen 1755 und 1773 errichtet. Es ersetzte ein früheres Krankenhaus, das für die vielen an Quecksilbervergiftung erkrankten Bergleute zu klein geworden war. Bis 1975 wurde das Hospital de Mineros als Krankenhaus genutzt. Heute beherbergt es das Archiv der Mine, teilweise ist es als Museum eingerichtet und es gibt Räume für Ausstellungen. Im Mai 2016 erklärte die Regierung von Kastilien-La Mancha das Bergwerksarchiv zum Bien de Interés Cultural.[9]

Academia de MinasBearbeiten

Im Jahr 1777 wurde auf königlichen Beschluss Karls III. in Almadén die Academia de Minas gegründet, eine Bergakademie nach dem Freiberger Vorbild, deren erste Direktoren Heinrich Christoph Störr, Johann Martin Hoppensack und Johann Friedrich Mayer aus Deutschland kamen. Die Schule besteht unter dem Namen Escuela de Ingeniería Minera e Industrial de Almadén bis heute. 1985 wurde sie in die Universität Kastilien-La Mancha integriert.[10] Das heutige Gebäude wurde in den 1970er Jahren auf den Ruinen des ehemaligen Gefängnisses errichtet.

BergarbeitergefängnisBearbeiten

Die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle San Miguel ist der einzige Rest des alten Bergarbeitergefängnisses aus dem 17. Jahrhundert. Da der sonntägliche Kirchgang den Gefangenen eine Möglichkeit zur Flucht bot, wurde im Jahr 1645 innerhalb des Gefängnisses eine eigene Kapelle errichtet. Das alte Gefängnis wurde bis 1795 genutzt. Bereits im Jahr 1754 wurde als Erweiterung des alten Gefängnisses der Königliche Kerker der Zwangsarbeiter (Real Cárcel de Forzados) errichtet. Das Gebäude war durch einen 450 Meter langen unterirdischen Gang mit dem Bergwerk verbunden. Nach der Abschaffung der Zwangsarbeit im Bergwerk im Jahr 1799 diente das Gebäude im 19. Jahrhundert als Provinzgefängnis. Von 1939 bis 1941 wurde es als Konzentrationslager genutzt und danach bis zu seinem Abbruch im Jahr 1969 als Getreidesilo. Unter dem heutigen Gebäude der Escuela de Ingeniería Minera e Industrial de Almadén sind von dem ehemaligen Gefängnis noch einige Mauerreste erhalten.

StierkampfarenaBearbeiten

 
Stierkampfarena

Die Stierkampfarena wurde zwischen 1752 und 1765 errichtet. Die Arena umfasst ein sechseckiges Areal mit 24 Wohnungen, die für die Unterbringung einer zunehmenden Zahl von Bergarbeitern benötigt wurden. Die Einnahmen aus den Stierkämpfen sollten den Bau des Bergarbeiterkrankenhauses mitfinanzieren.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bergwerk Almadén – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. MAYASA (Minas de Almadén y Arrayanes, S.A.) mayasa.es (spanisch und englisch, abgerufen am 25. Juni 2016)
  2. Bergwerke von Almadén spain.info
  3. Heritage of Mercury. Almadén and Idrija UNESCO World Heritage Center (englisch, abgerufen am 15. Juni 2016)
  4. Handbuch der Metallhüttenkunde: Zweiter Band. Zink — Cadmium — Quecksilber S. 336 (abgerufen am 6. Juli 2016)
  5. Almaden, Revier Mineralienatlas - Fossilienatlas (abgerufen am 25. Juni 2016)
  6. Von der Mülldeponie zum Kulturdenkmal: die Minen von Almadén erhalten eine zweite Chance (Memento des Originals vom 25. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/europa.eu europa.eu
  7. Handbuch der Metallhüttenkunde: Zweiter Band. Zink — Cadmium — Quecksilber S. 350 (abgerufen am 6. Juli 2016)
  8. Horno de Bustamante Bienes de interés cultural de la provincia de Ciudad Real (spanisch, abgerufen am 6. Juli 2016)
  9. El Archivo Histórico de las Minas de Almadén se declara Bien de Interés Cultural parqueminerodealmaden.es (spanisch, abgerufen am 15. Juni 2016)
  10. Escuela de Ingeniería Minera e Industrial de Almadén (spanisch und englisch, abgerufen am 15. Juni 2016)