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Mimivirus
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EM-Aufnahme eines Mimivirons

Systematik
Klassifikation: Viren
Ordnung: Megavirales
Familie: Mimiviridae
Unterfamilie: ‚Megamimivirinae/Mimivirinae‘[1]
Gattung: Mimivirus
Art: Acanthamoeba polyphaga mimivirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear, unsegmentiert
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Acanthamoeba polyphaga mimivirus (engl.)
Kurzbezeichnung
APMV
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Das Mimivirus (mimi ist eine Abkürzung für englisch mimicking microbe) ist eines der größten bisher entdeckten Viren und gehört wie die ganze Familie Mimiviridae zur Gruppe der Nucleocytoplasmic large DNA viruses (NCLDV), für die vorgeschlagen wurde, sie als Megavirales in den Rang einer Virusordnung zu erheben. Zur Abgrenzung von anderen putativen Mimiviridae-Unterfamilien (Cafeteriavirus-Gruppe, Klosneuvirus-Gruppe – als Unterfamilie ‚Klosneuvirinae‘ und der OLPG-Gruppe – als Unterfamilie ‚Mesomimivirinae‘), wurde weiter vorgeschlagen, eine eigene Unterfamilie Megamimivirinae (oder Mimivirinae) zu bilden, u. a. mit den Mitgliedern Mamavirus und Megavirus.[1] Das Mimivirus befällt Amöben und bringt es mit einem Durchmesser von 400 nm auf die Größe eines kleinen Bakteriums.

Es wurde 1992 bei Forschungsarbeiten über die Legionellose in einem Industriekühlturm in Bradford (England) entdeckt, wo es sich in der Amöbe Acanthamoeba polyphaga vermehrt. Im Jahr 2003 wurde es an der Université de la Méditerranée in Marseille von einer Arbeitsgruppe um Didier Raoult identifiziert.[2] Wegen seiner Größe und seiner äußeren Ähnlichkeit mit bestimmten Bakterien (Kokken) hielt man es zunächst für ein grampositives Bakterium und nannte es Bradfordcoccus. Als man den Irrtum erkannte, benannte man das neu entdeckte Virus Mimicking Virus, täuschendes Virus, und schließlich kurz Mimivirus.

Im Oktober 2004 wurde die Struktur seines Erbguts in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.[3] Seine DNA ist 800 nm lang, verfügt über etwa 1,2 Millionen Basenpaare und 1260 Gene mit einem Anteil von nur zehn Prozent nichtcodierender DNA. Bei der Analyse stieß man auf Gene, die bisher nur von zellulären Organismen bekannt waren.

Auf Grund der außergewöhnlich komplexen genetischen Ausstattung des Virus stellt sich für einige Forscher die Frage neu, wo die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur verlaufe, also wie „Lebewesen“ zu definieren ist.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Frederik Schulz, Lauren Alteio, Danielle Goudeau, Elizabeth M. Ryan, Feiqiao B. Yu, Rex R. Malmstrom, Jeffrey Blanchard, Tanja Woyke: Hidden diversity of soil giant viruses, in: Nature Communicationsvolume 9, Article number: 4881 (2018) vom 19. November 2018, doi:10.1038/s41467-018-07335-2
  2. B. La Scola, S. Audic, C. Robert, L. Jungang, X. de Lamballerie, M. Drancourt, R. Birtles, J. M. Claverie, D. Raoult: A giant virus in amoebae. In: Science. 299, 2003, S. 2033. PMID 12663918
  3. D. Raoult, S. Audic, C. Robert, C. Abergel, P. Renesto, H. Ogata, B. La Scola, M. Suzan, J. M. Claverie: The 1.2-Mb Genome Sequence of Mimivirus. In: Science. 306, 2004, S. 1344–1350. PMID 15486256

WeblinksBearbeiten