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Milman Parry

amerikanischer klassischer Philologe

Milman Parry (* 1902 in Oakland, Kalifornien, USA; † 3. Dezember 1935 in Los Angeles) war ein amerikanischer Klassischer Philologe und Homer-Forscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Forscher zur mündlichen Überlieferung.

Leben und WerkBearbeiten

Parry studierte an der University of California (Berkeley) und als Schüler von Antoine Meillet in Paris an der Sorbonne. Seine Dissertation veröffentlichte er 1928 mit dem Titel L’Epithète traditionelle dans Homère in Paris.

Parry ist insbesondere durch seine Werke zu Homers Epen Ilias und Odyssee und die Untersuchung von deren Überlieferung bekannt. Seine Veröffentlichungen veränderten das Verständnis von Homer und halfen bei der Beantwortung der homerischen Frage. Er stellte die These auf, dass die Epitheta immer wieder verwendete sprachliche Formeln seien, die für die Dichter Optimalformulierungen seien, die es ermöglichten, unter Einhaltung der Regeln des Hexameters auch lange und komplexe Geschichten zu improvisieren. Durch Übung könnten die Dichter ihre Sprachkompetenz weiter vertiefen. Solche Formulierungen könnten von „Sänger zu Sänger vererbt“[1] und immer weiter perfektioniert werden. Das sei ein wichtiger Beleg für die unter Altphilologen lange umstrittene These, dass sich die homerischen Epen auf eine lange Tradition mündlicher Überlieferung stützten.[2]

1932 wurde Parry in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Gemeinsam mit seinem Schüler Albert B. Lord sammelte er zwischen Juni 1934 und September 1935 ca. 12.500 Texte auf dem Balkan.[3] Parry starb am 5. Dezember 1935 durch eine Schusswaffe, angeblich bei einem Unfall.[4] Es wurde jedoch auch ein Selbstmord angenommen.[5] Lord führte in den Folgejahren Parrys Werk fort.

SchriftenBearbeiten

  • The Making of Homeric Verse: The Collected Papers of Milman Parry, Oxford University Press, 1987
  • John F. García: "Milman Parry and A. L. Kroeber: Americanist Anthropology and the Oral Homer". Oral Tradition 16/1, 2001, pp. 58–84.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joachim Latacz, in: ders. (Hrsg.): Homer. Die Dichtung und ihre Deutung (Wege der Forschung 634), Darmstadt 1991, S. 3.
  2. Latacz (Hrsg.): Homer.
  3. http://chs119.harvard.edu/mpc/about/intro.html@1@2Vorlage:Toter Link/chs119.harvard.edu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 16. November 2008
  4. „death in a tragic accident with a firearm in December of 1935“ auf Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 5. Februar 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/chs119.harvard.edu, abgerufen am 16. November 2008
  5. Victor Davis Hanson, John Heath, Who Killed Homer? The Demise of Classical Education and the Recovery of Greek Wisdom. New York: The Free Press 1998