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Militärrealgymnasium

Das Militärrealgymnasium (MilRG), korrekte Bezeichnung „Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie (BORG)“, ist ein Oberstufenrealgymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt.
(Weitergeleitet von Militärgymnasium Wiener Neustadt)

Das Militärrealgymnasium (MilRG), korrekte Bezeichnung „Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie (BORG)“, war ein Oberstufenrealgymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, welches der Theresianischen Militärakademie angeschlossen war. Die Schule war gemeinsam mit anderen Schulen, der städtischen Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, einer Neuen Mittelschule und einer polytechnischen Schule in den Räumen der Daun-Kaserne untergebracht. Der Schule angeschlossen war ein militärisch geführtes Internat. Im Oktober 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Militärrealgymnasium aus finanziellen Gründen im Juni 2018[1] geschlossen werden soll. Im Jänner 2018 beschloss der Ministerrat der Bundesregierung Kurz die Weiterführung.[2] Im September 2019 soll der Start einer Berufsbildenden Höheren Schule für Führung und Sicherheit mit zwei Klassen erfolgen.[3]

Militärrealgymnasium – Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie
MilRG Abzeichen.png
Schulform Bundesoberstufenrealgymnasium
Gründung 1965
Schließung 2018
Adresse

Burgplatz 1
2700 Wiener Neustadt

Ort Wiener Neustadt
Bundesland Niederösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 47° 48′ 31″ N, 16° 14′ 40″ OKoordinaten: 47° 48′ 31″ N, 16° 14′ 40″ O
Träger Republik Österreich
Leitung Direktor Werner Sulzgruber (bei Schließung 2018)
Website www.milrg.at
Das MilRG ist in der Wiener Neustädter Daun-Kaserne untergebracht

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Vorgeschichte bis 1965Bearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Österreich durch die Besatzungsmächte alle militärischen Aktivitäten verboten. Die Machtübernahmen der Sowjetunion in Ost- und Mitteleuropa veranlassten die Westmächte, in verdeckter Form in ihren Besatzungszonen Kadertruppen als Vorbereitung auf eine künftige österreichische Armee einzurichten und weitgehend zu finanzieren. im Rahmen dieser „B-Gendarmerie“ begann am 21. Oktober 1953 der Unterricht des 1. Jahrganges der Gendarmerie–Abteilung K (K für Kurse) in Enns.[4]

Nach Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages wurde am 27. Juli 1955 die Schule in Enns in „Provisorische Grenzschutz–Schutzabteilung“ umbenannt und ab 9. April 1956 hieß sie „Militärakademie“. Die Verlegung in die Burg in Wiener Neustadt, die nach schweren Kriegsschäden wieder aufgebaut war, erfolgte am 17. Dezember 1958 und im Jahre 1966 erhielt die Schule ihren traditionellen Namen „Theresianische Militärakademie (TherMilAk)“.

Ende der 1950er Jahre wurde entschieden, nur Personen mit Matura zur Offiziersausbildung zuzulassen. Für den Auswahlkurs im Jahre 1959 hatten sich auch geeignete Bewerber für eine Offizierslaufbahn aus den Reihen der Unteroffiziere und Chargen gemeldet, was zur Einrichtung eines „Realschulmaturakurses“ an der Militärakademie führte. Kurz darauf wurde dieser Ausbildungslehrgang als Schule für Berufstätige in das öffentliche Schulwesen integriert, in dem die Teilnehmer in fünf Semestern zur Matura geführt werden sollten.

Ein Übereinkommen vom 18. November und 22. Dezember 1959 zwischen dem Bundesministerium für Landesverteidigung und dem Bundesministerium für Unterricht bestimmte für die Schule die Bezeichnung „Bundesoberrealschule an der Militärakademie (BOR)“. Seither stellt das Unterrichtsressort das Lehrpersonal, das Verteidigungsministerium trägt den Sachaufwand. Nach Inkrafttreten des Schulorganisationsgesetzes im Jahre 1962 wurde die Bezeichnung in „Bundesrealgymnasium für Berufstätige an der (Ther) Militärakademie“ (BRGfB) bei gleichzeitiger Verlängerung der Schulzeit auf sechs Semester geändert.[5]

Schule und Internat ab 1965Bearbeiten

 
Zimmer des Internats
 
Naturwissenschaftliche Ausbildung
 
Sportliche Ausbildung

Soziale Überlegungen zur Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für Söhne von Offizieren und die Tatsache, dass schon bisher ein beträchtlicher Offiziersnachwuchs aus Absolventen des BRGfB bestand, führten zu Überlegungen, auch für 14–jährige eine Schule mit angeschlossenem Militärinternat einzurichten. Ein interministerielles Abkommen vom 6. Oktober 1965 zwischen den Ministern Georg Prader (Verteidigung, ÖVP) und Theodor Piffl-Percevic (Unterricht, ebenfalls ÖVP) führten zur Gründung des Militärrealgymnasiums (MilRG), dessen Name zu Beginn „Bundesrealgymnasium (nw – naturwisschenschaftlich)“ lautete und das in erster Linie der Qualifikation zukünftiger Berufs- und Milizoffiziere dienen sollte.

Die Auswahl der Schüler, welche nach der Aufnahme als Zöglinge bezeichnet wurden, erfolgte durch eine Kommission. Es mussten gewisse Anforderungen in sportlicher, medizinischer und schulischer Hinsicht erfüllt werden. Der Schwerpunkt der Ausbildung in dieser Bundesschule – denn es handelte sich um keine Privatschule – lag im Bereich der Naturwissenschaften. Es bestand ein Zukunftskonzept mit Schwerpunkt in den Bereichen der Persönlichkeitsbildung und Leadership. Es wurden neben der vormilitärischen Ausbildung an einzelnen Nachmittagen und der sehr breiten sportlichen Aktivität (Klettern, Reiten, Ausdauer- und Kraftsport etc.) auch viele Sozialkompetenzen vermittelt (Teambuilding, Mediationsausbildung/Peers etc.). Der Unterricht für die Schüler wurde, mit Ausnahme vom Bereich Sport, ausschließlich von zivilen Lehrern durchgeführt, während die Betreuung und Erziehung im Internat von Erziehern bzw. Erzieheroffizieren wahrgenommen wurde.

Seit 19. März 1969 bildete das MilRG gemeinsam mit dem BRGfB das so genannte Schulbataillon des Bundesheeres. Die Schule war organisatorisch als Schulbataillon deklariert, obgleich das militärische Personal de facto von nur sehr geringer Zahl war und keine 20 Personen umfasste.

Die Schulzeit dauerte zunächst fünf Jahre, in den letzten beiden Jahren war eine militärische Ausbildung vorgesehen, die ungefähr der Ausbildung der Einjährig-Freiwilligen entsprach. Seit dem Jahre 1972 lautete die Bezeichnung „Bundesoberstufenrealgymnasium an der TherMilAk“ und der Unterricht dauert wie in allen anderen Oberstufen der Realgymnasien vier Jahre. Neben einer Ausbildung mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt erhielten die Schüler eine „Vormilitärische Ausbildung“, die sie auf die Offizierslaufbahn vorbereiten sollte.[6]

Im Jahre 1998 wurde die Offiziersausbildung als Fachhochschule mit dem Studiengang „Militärische Führung“ installiert. Damit erhielt das Schulbataillon die Zusatzaufgabe, für qualifizierte Unteroffiziere mit entsprechender Dienstzeit den Vorbereitungskurs und die Zusatzprüfung für die Offiziersausbildung durchzuführen. Somit gab es im Schulbataillon bis zur Schließung des BRGfB am 28. Juni 2012 drei Formen der Heranbildung von Offiziersanwärtern.

Nachdem Frauen seit 1. Jänner 1998 im Bundesheer freiwillig als Soldatinnen dienen konnten, begannen die ersten weiblichen Zöglinge im Jahre 1999 ihre Ausbildung am MilRG begonnen und seit 2000 gab es die ersten weiblichen Militärakademiker.[7]

UniformierungBearbeiten

 
Zöglinge des MilRG

Der Schulbesuch erfolgte grundsätzlich in Uniform. Beim täglichen Unterricht wurde eine Art von Dienstanzug getragen, wie er auch im restlichen Bundesheer in Verwendung stand. Als Ausgangsanzug, auch A-Garnitur genannt, fungierte ein graues, zweireihiges Sakko. Dazu wurde ein weißes Hemd mit dunkelgrauer Krawatte und eine graue Uniformhose getragen. Als Kopfbedeckung wurde ein schwarzes Barett mit dem Abzeichen des Militärrealgymnasiums vorgesehen. Die Zöglinge trugen ebenfalls Rangabzeichen, welche den jeweiligen Stand der Schulstufe anzeigten. Auf dem Ausgangsanzug waren schwarze Distinktionen, am Dienstanzug wurden dunkelblaue Distinktionenschlaufen angebracht. Darauf war pro Schulstufe je ein schmaler goldener Streifen sichtbar.

Vormilitärische AusbildungBearbeiten

 
Vormilitärische Ausbildung am MilRG

Verbunden mit der schulischen Ausbildung für die AHS-Matura (Schwerpunkt Naturwissenschaften – mit dem fertigen Schulversuch neu ab 2015/16) und dem sozialen Zusammenleben im Internat komplettierte sie das erzieherische Spektrum und bereitete die Militärgymnasiasten auf eine mögliche Zukunft beim Österreichischen Bundesheer, letztlich für alle Bereiche der äußeren und inneren Sicherheit vor (Österr. Sicherheitsdoktrin). Die vormilitärische Erziehung war von ihren Inhalten her an das Alter der Zöglinge angepasst und wurde im Wochenablauf an einzelnen Nachmittagen umgesetzt.

5. Klassen: Erlernen der militärischen Umgangsformen, Umgang mit der militärischen Ausrüstung, Exerzierdienst, Formaldienst, Kennenlernen der Strukturen des Österreichischen Bundesheeres, Karten- und Geländekunde, Orientierung,

6. und 7. Klasse: Fernmeldedienst, Leben im Felde ("Outdoor"), Pionierdienst, Formaldienst, Erste-Hilfe-Ausbildung (16-stündiger Kurs, der für den Führerschein gilt), Tanz- und Benimmkurs (6. Klasse), Besuche bei Verbänden des Bundesheeres sowie Blaulichtorganisationen, Ausbildungsmethodik und Rhetorik, Einsatz als Kommandanten beim großen jährlichen Abschlussmarsch (7. Klasse)

8. Klasse: Wahrnehmen von Führungs- und Organisationsaufgaben (für die unteren Jahrgänge)

DirektorenBearbeiten

  • 1959 Josef Kilga (Realschulmaturakurs)
  • 1959–1978 Adalbert Schreiner
  • 1978–1979 Gerald Dorschner (prov. Leiter)
  • 1979–2002 Stefan Jezik
  • 2002–2014 Manfred Schwanzer
  • 2014–2018 Werner Sulzgruber[8]

SchulpartnerschaftenBearbeiten

Diese Bundesschule war eine einzigartige Schule in Österreich und international ausgerichtet. Schulen aus dem Ausland suchten Kontakt für Kooperationen mit diesem Haus. Zuletzt bestanden spezielle Schulpartnerschaften mit folgenden "Militärschulen":

Bekannte AbsolventenBearbeiten

Sportliche Erfolge von Absolventen nach Maturajahrgang (Auswahl)Bearbeiten

  • 1970: Walter Marik, sechsfacher Staatsmeister in Fechten (1975, 1976, 1977, 1978)
  • 1973: Hannes Lembacher, dreifacher Staatsmeister in Degenfechten (1976, 1979, 1981)
  • 1979: Thomas Haasmann, vierfacher Judo–Staatsmeister (1980, 1983, 1984, 1988)
  • 1981: Horst Stocker, sechsfacher Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (1991, 1992, 1994, 1997, 2000, 2002)
  • 1981: Arno Strohmeyer, dreifacher Staatsmeister in Fechten (1985, 1988, 1992)
  • 1986: Rüdiger Tesar, Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (1998)
  • 1991: Klaus Ambrosch, dreifacher Staatsmeister im Zehnkampf (1999, 2001, 2002)
  • 1998: Stefano Palma, Weltmeister Militärischer Fünfkampf 2002, Weltmeister Staffel 2006, Ö-Rekordhalter
  • 2003: Thomas Daniel, zweifacher Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (2003, 2004)

Angedachte Schließung und deren ZurücknahmeBearbeiten

 
Aktion der Schule vor dem Parlamentsgebäude in Wien

Im Zuge der von Verteidigungsminister Gerald Klug im Oktober 2014 präsentierten Sparpläne sollte das MilRG geschlossen werden. Allerdings gab es massiven Widerstand der Schulgemeinschaft, da keine pädagogisch akzeptable Form des Auslaufens oder ein sinnvolles Übergangskonzept verfolgt wurde, sondern das BORG mit seinem Internat innerhalb von nur zwei Jahren geschlossen werden soll, obwohl noch im Sommer 2014 neue Zöglinge angeworben und aufgenommen wurden. Der Landesschulrat von NÖ garantierte allen Schülern, die die Schule besuchten, den Bildungsabschluss nach gesetzlichen Grundlagen.

Obwohl im Jahr 2018 die letzte Matura abgehalten werden sollte, tauchten bereits im Frühjahr 2017 Gerüchte für einen Weiterbestand auf. Weiteren Nährboden ergab das Regierungsprogramm, das vor Weihnachten 2017 von der Bundesregierung Kurz vorgestellt wurde und dort ein Weitererhalt vorgesehen war. Allerdings sei ein reibungsloser Weiterlauf laut Direktor Sulzgruber nicht möglich, da einerseits der Großteil der Lehrer die Schule bereits verlassen hat und andererseits das Gebäude wegen mangelnder Investitionen nicht mehr geeignet sei.[10]

Im Jänner 2018 wurde von der neu angelobten Bundesregierung Kurz beschlossen, das MilRG doch weiterzuführen und sie zu einer Ausbildungsstätte auch für den polizeilichen Bereich auszubauen. Der konkrete zukünftige Schultyp wurde zuerst noch nicht fixiert jedoch bislang nicht festgelegt. Fest stand lediglich, dass das zukünftige MilRG nicht mehr im selben Gebäude bestehen wird.[11] Im September 2019 soll der Start einer Berufsbildenden Höheren Schule für Führung und Sicherheit mit zwei Klassen erfolgen.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Militärgymnasium: Fortbestand als Gerücht. 19. Mai 2017, abgerufen am 8. November 2017: „Ende Juni 2018 wird schließlich zugesperrt.“
  2. orf.at: Militärgymnasium vor schwierigem Neustart. Artikel vom 5. Jänner 2018, abgerufen am 5. Jänner 2018.
  3. orf.at: Wr. Neustadt: Startschuss für Sicherheitsschule. Artikel vom 27. November 2018, abgerufen am 27. November 2018.
  4. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 44
  5. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 45
  6. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 46
  7. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 47
  8. 19. September 2014 – Werner Sulzgruber wird neuer Direktor unserer Schule! (Memento des Originals vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.milrg.at
  9. Welbeck College (engl. WP)
  10. Neue Chance für Militärrealgymnasium auf ORF vom 19. Dezember 2017 abgerufen am 19. Dezember 2017
  11. derstandard.at - „Militärgymnasium soll erhalten bleiben – Details offen“