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Eine Militärbahn oder militärische Eisenbahn ist eine vom Militär finanzierte und/oder betriebene Eisenbahn. Das geschieht meist nicht als strategische Maßnahme, sondern zu taktischen, Ausbildungs- oder Logistikzwecken. Es ist jedoch möglich, dass eine Militärbahn für mehr als einen militärischen Zweck einschließlich eines strategischen Zwecks errichtet wird.

HauptgruppenBearbeiten

Militärbahnen werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt:

  1. Eisenbahnen, die im Frieden dauernd zur Ausbildung der Eisenbahntruppen im Bau- und Betriebsdienst, zu militäreisenbahntechnischen Versuchen und zur Beförderung von Militärpersonen und -gütern von und nach militärischen Anlagen und Anstalten dienen (Militärbahnen im engeren Sinne).
  2. Eisenbahnen, die im Krieg zur Durchführung militärischer Maßnahmen gebaut wurden (z. B. Feldeisenbahnen).[1]

BeispieleBearbeiten

ChileBearbeiten

Die Ferrocarril Militar de Puente Alto al Volcán war eine 60 km lange Militär-Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 600 mm von Puente Alto nach El Volcán.

DeutschlandBearbeiten

In Deutschland diente zur Ausbildung der Eisenbahntruppen die der königlich preußischen Militärverwaltung gehörende Königlich Preußische Militär-Eisenbahn von Berlin nach Jüterbog. Der Bau ihres ersten, 45 km langen Teiles von Berlin (Militärbahnhof Schöneberg) über Zossen zum Schießplatz Kummersdorf wurde 1874 begonnen und im Oktober 1875 in Betrieb genommen. 1895 wurde die Militärbahn zum Schießplatz Jüterbog verlängert, 1897 wurde der Betrieb auf dieser Strecke eröffnet. Ihre Gesamtlänge betrug 71 km. Sie hatte 14 Bahnhöfe. Im Anfangs- und im Endbahnhof sowie in Marienfelde und Zossen bestanden Gleisverbindungen mit den Preußischen Staatseisenbahnen.[1] Auf der Bahn fand auch ziviler Personenverkehr statt, der vom Militär durchgeführt wurde.

Ein weiteres Beispiel ist die Feldbahn Brotterode–Wernshausen, der Vorläufer der Trusebahn. In den Jahren 1896/97 betrieb das Eisenbahnregiment Schöneberg diese Feldbahn, um den Wiederaufbau des völlig abgebrannten Brotterode voranzutreiben. Das anschließend eingelagerte Material kam teilweise in Deutsch-Südwestafrika wieder zum Einsatz.

FrankreichBearbeiten

In Frankreich betrieb eine der Eisenbahnkompanien zu Ausbildungszwecken die 75 km lange Staatsbahnstrecke Orléans–Patay–Voves–Chartres mit zwei Bahnhöfen und elf Haltepunkten. Nur die Dienste, bei denen Kommunikation mit dem Publikum, wie z. B. der Fahrkartenverkauf, unerlässlich waren, wurden von Zivilbeamten versehen. Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die im regelmäßigen Wechsel abgelöst wurden, erhielten bei ihrer Rückkehr zur Truppe ein Zeugnis als Bahnhofsvorsteher, Lokomotivführer, Heizer, Zugführer etc.[1]

GriechenlandBearbeiten

Die Kodza-Déré-Decauville war eine während des Ersten Weltkrieges vom französischen Heer gebaute etwa 13,5 km lange Militär-Schmalspurbahn in Peonia bei Polykastro im griechischen Teil von Makedonien.

ItalienBearbeiten

In Italien betrieben die vier Eisenbahnkompanien der Garnison Turin die Strecke Turin–Torre Pellice, die zwei in Rom die Strecke Rom–Frascati. Außerdem wurden für Offiziere besondere Lehrgänge zur Ausbildung im Eisenbahndienst gehalten, wobei sie nach einer 15-tägige Vorbereitungszeit auf einzelnen Bahnhöfen Dienst taten.[1]

LibyenBearbeiten

Die Senussi Cave Railway war eine 1941 während der Belagerung von Tobruk errichtete knapp 400 m lange Militär-Schmalspurbahn bei der Senussihöhle in der Nähe von Tobruk.

Österreich-UngarnBearbeiten

In Österreich-Ungarn wurde die 101,5 km lange Eisenbahn Banjaluka-Doberlin als Militärbahn durch das Eisenbahnregiment betrieben.[1]

RusslandBearbeiten

In Russland wurde besonderer Wert auf die Ausbildung der Eisenbahntruppen im Eisenbahnbau gelegt. Sie hatten daher auch bei einer ganzen Anzahl von Neubauten, z. B. bei der Transkaspischen Eisenbahn, der Ussuri-Bahn, der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale mitgewirkt. Zur Ausbildung im Betriebsdienst standen ihnen ebenfalls eine Anzahl Eisenbahnstrecken, namentlich der kaukasischen und transkaspischen Bahnen, zur Verfügung. Die eigentliche Militärbahn war die 57 km lange Strecke Kowel–Wladimir–Wolynsk, bei der seit 1910 auch eine Offizier-Eisenbahnschule bestand.[1]

Thailand und MyanmarBearbeiten

Eines der bekanntesten Beispiele für eine Militärbahn ist die Thailand-Burma-Eisenbahn, deren Konstruktion ebenso strategisch wie taktisch motiviert war.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Röll, Freiherr von: Militärbahnen. In: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 7. Berlin, Wien 1915, S. 277–278.