Hauptmenü öffnen

Mildenau

Gemeinde im Erzgebirgskreis, Sachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mildenau
Mildenau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mildenau hervorgehoben

Koordinaten: 50° 36′ N, 13° 4′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 515 m ü. NHN
Fläche: 31,67 km2
Einwohner: 3409 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09456
Vorwahlen: 03733, 037343 (Ortsteil Arnsfeld)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 400
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfstraße 95
09456 Mildenau
Website: www.mildenau.de
Bürgermeister: Andreas Mauersberger (parteilos)
Lage der Gemeinde Mildenau im Erzgebirgskreis
SachsenAmtsbergAnnaberg-BuchholzAue-Bad SchlemaAuerbach (Erzgebirge)Bärenstein (Erzgebirge)Lauter-BernsbachBockauBörnichen/Erzgeb.Breitenbrunn/Erzgeb.BurkhardtsdorfCrottendorfDeutschneudorfDrebachEhrenfriedersdorfEibenstockElterleinGelenau/Erzgeb.GeyerGornau/Erzgeb.GornsdorfGroßolbersdorfGroßrückerswaldeGrünhain-BeierfeldGrünhainichenHeidersdorfHohndorfJahnsdorf/Erzgeb.JohanngeorgenstadtJöhstadtKönigswaldeLauter-BernsbachLößnitz (Erzgebirge)LugauMarienbergMildenauNeukirchen/Erzgeb.Niederdorf (Sachsen)NiederwürschnitzOberwiesenthalOelsnitz/Erzgeb.OlbernhauPockau-LengefeldRaschau-MarkersbachScheibenbergSchlettauSchneeberg (Erzgebirge)SchönheideSchwarzenberg/Erzgeb.SehmatalSeiffen/Erzgeb.Stollberg/Erzgeb.StützengrünTannenbergThalheim/Erzgeb.Thermalbad WiesenbadThumWolkenstein (Erzgebirge)ZschopauZschorlauZwönitzKarte
Über dieses Bild

Mildenau ist eine Gemeinde im Erzgebirgskreis in Sachsen.

GeografieBearbeiten

Mildenau ist eine aus den zwei Waldhufendörfern Mildenau und Arnsfeld gebildete Gemeinde im Mittleren Erzgebirge. Mildenau liegt in einer Nord-Südrichtung im Tal des Sandbachs. Östlich von Mildenau liegt Arnsfeld in einem Nebental des Rauschenbachs. Die Ortsteile Mittelschmiedeberg und Oberschaar liegen an der östlichen Gemarkungsgrenze im Preßnitztal, der Ortsteil Plattenthal im Tal des Pöhlbachs.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinde im Norden und Nordosten ist Großrückerswalde im Osten Marienberg, im Süden Jöhstadt, im Südwesten Königswalde, im Westen Annaberg-Buchholz und im Nordwesten Thermalbad Wiesenbad.

GemeindegliederungBearbeiten

Zu Mildenau gehören die Ortsteile Arnsfeld, Mittelschmiedeberg, Oberschaar und Plattenthal (teilweise).

GeschichteBearbeiten

 
Huthaus St. Petrus in der Wiesenbader Straße in Mildenau

Die Besiedlung von Mildenau im Tal des Sandbachs erfolgte im 13. Jahrhundert durch fränkische Bauern. Das Waldhufendorf Mildenau wird erstmals im Jahr 1270 urkundlich erwähnt. Die Urkunde erwähnt die beiden Orte Mildinowe und Richinowe. Richenow oder Reichenau wurde im 16. Jahrhundert in Mildenau eingegliedert und ist das heutige Obermildenau. Mildenau gehörte zur Herrschaft Wolkenstein, die im Besitz der Waldenburger war und nach deren Aussterben (um 1475) an die Wettiner fiel. Diese bildeten aus der Herrschaft das bis 1856 existierende Amt Wolkenstein, zu dem Mildenau als Amtsdorf gehörte.

In und um Mildenau fand ab 1520 umfangreicher Bergbau auf Silber, Kupfer, Zinn und Kobalt statt. Es existierten über 230 Bergwerke. Diese erste Bergbauperiode dauerte bis 1752 an. Die Blütezeit des Silberbergbaus in Mildenau lag im 17. Jahrhundert. Die Vielzahl der Stollen reichte vom Mildenauer Oberdorf bis nach Plattenthal. Einige namhafte waren der „Hirschhauerstolln“, der „Hoffnungsstolln“, der „Himmelsfürsten“, der „Dorotheenstolln“, der „Georgenstolln“, der „Andreasstolln“, der „Dreifaltigkeitsstolln“, der „Kannellochstolln“ und die Fundgruben „St. Petrus“, „St. Georgen“, „St. Gregorius“ und „St. Benedict“. Im 17. Jahrhundert entstand in der Mitte des Orts ein Bergbauzentrum mit Erzwäsche, Pochwerk, Bergschmiede, Bethaus und dem heute noch sichtbaren Mundloch des Hoffnungsstollns.

Mildenau mit dem in seiner Ortsflur liegenden Teil von Plattenthal gehörte bis 1856 als Amtsdorf zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Wolkenstein.[2] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Annaberg und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Annaberg.[3]

1848 begann der Bau der Landstraße von Annaberg über Mildenau, Arnsfeld, Oberschaar, Steinbach zum Grenzübergang in Reitzenhain. Im Jahr 1892 wurde die schmalspurige Preßnitztalbahn eröffnet, welche zwar auf einem Abschnitt auf Mittelschmiedeberger und Arnsfelder Flur verlief, jedoch ohne Halt. Plattenthal erhielt 1914 mit dem ersten Abschnitt der normalspurigen Plattenthalbahn einen Gleisanschluss. Nach der Verlängerung der für den Güterverkehr genutzten Strecke erhielt Mildenau im Jahr 1923 mit dem Güterbahnhof Geyersdorf–Mildenau in Geyersdorf indirekt Gleisanschluss. Die Strecke wurde 1971 auf dem den Güterbahnhof Geyersdorf–Mildenau bedienenden Abschnitt eingestellt.

Gegen den Nationalsozialismus wehrten sich auch in Mildenau politische Gegner, so der Kommunist Paul Wagner, der deswegen mehrfach Gefängnishaft und Konzentrationslager erleiden musste. Bei einem Todesmarsch aus dem KZ Sachsenhausen nach Raben Steinfeld im Frühjahr 1945 starb er wie hundert andere. Bei einem Luftangriff, der eigentlich Chemnitz gegolten haben soll, wurden in der Nacht vom 14. zum 15. Februar 1945 33 Häuser in Mildenau zerstört bzw. brannten nieder. Auch die klassizistische Kirche (erbaut von 1834 bis 1839), brannte mit Turm bis auf die Umfassungsmauern aus, samt wertvoller Ausstattung. Der Wiederaufbau erfolgte 1946 bis 1956 im Wesentlichen in den alten Formen. Fünf weitere Häuser traf es in Arnsfeld. Eine Person wurde durch Bombentreffer getötet.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchte die Wismut im Mildenauer Revier die alten Gruben und die Tagesoberfläche mit zahlreichen Schurfgräben auf Uranvererzungen. Zur genaueren Untersuchung wurden etliche Tiefschürfe abgeteuft. Es wurde jedoch kein Uran gefunden. An die vielen kleinen und größeren Gruben, Stolln und andere Objekte mit Bergbaubezug erinnert heute der Bergbaupfad Mildenau.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Mildenau im Jahr 1952 zum Kreis Annaberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Annaberg fortgeführt wurde und 2008 im Erzgebirgskreis aufging.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1999 vereinigten sich die bis dahin selbstständigen Orte Mildenau (mit dem Ortsteil Plattenthal) und Arnsfeld (mit den Ortsteilen Oberschaar und Mittelschmiedeberg).[5] Für 2012 oder 2013 wurde ein Zusammenschluss mit der benachbarten Gemeinde Großrückerswalde zu einer neuen Einheitsgemeinde Preßnitztal angestrebt,[6][7] welcher aber bisher nicht realisiert wurde.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Am 3. Oktober 1990 zählte Mildenau 3.997 Einwohner. Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:

1993 bis 1997

  • 1993 – 3.948
  • 1994 – 4.047
  • 1995 – 4.032
  • 1996 – 3.998
  • 1997 – 3.977

1998 bis 2002

  • 1998 – 3.992
  • 1999 – 3.972
  • 2000 – 3.926
  • 2001 – 3.900
  • 2002 – 3.853

2003 bis 2007

  • 2003 – 3.801
  • 2004 – 3.801
  • 2005 – 3.787
  • 2006 – 3.748
  • 2007 – 3.709

ab 2009

  • 2009 – 3.641
  • 2012 – 3.449
  • 2013 – 3.429
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Panorama-Aufnahme des nördlichen Teils von Mildenau mit dem Pöhlberg

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 60,7 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,1 %
21,9 %
28,1 %
WVM
FWBF
   
Insgesamt 16 Sitze

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 8 Sitze
  • Wählervereinigung Mildenau (WVM): 3 Sitze
  • Freie Wähler Bürgerforum e.V. (FWBF): 5 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

  • Konrad Vogel (* 1949) (CDU), 1990 bis 2013[9]
  • Andreas Mauersberger (parteilos), seit 2013

PartnergemeindenBearbeiten

BildungBearbeiten

Die im Ort vorhandene Mittelschule wurde 2007 geschlossen. Seitdem verfügt die Gemeinde lediglich über eine Grundschule. Die Schüler besuchen ab der 5. Klasse hauptsächlich die Oberschulen in Jöhstadt, Großrückerswalde oder das Gymnasium in Annaberg-Buchholz.

Bis 2001 gab es auch im Ortsteil Arnsfeld eine Außenstelle der Mittelschule. 2007 wurde die bis dahin dort verbliebene Grundschule ebenfalls geschlossen.

Kirchen und GlaubensgemeinschaftenBearbeiten

 
Evangelisch-Lutherische Kirche Mildenau
 
Evangelisch-Methodistische Kreuzkirche Mildenau

WirtschaftBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

FreizeiteinrichtungenBearbeiten

  • Freibad Mildenau
  • Dorfgemeinschaftshaus Arnsfeld
  • Skihang Arnsfeld
  • EC-Hütt`l
  • Kinderspielplatz Arnsfeld
  • Naturfreundehaus „Rauschenbachmühle“

VereineBearbeiten

Ortsteil Mildenau
  • Antennengemeinschaft Mildenau e.V.
  • Erzgebirgszweigverein Mildenau e.V.
  • Freunde des Hermergut- und Bauernmuseums e.V.
  • Geflügel- und Kaninchenzüchterverein Colonia 1874 e.V.
  • Gemischter Chor Mildenau e.V.
  • Gewerbeverein Mildenau e.V.
  • Jagdgenossenschaft Mildenau
  • Landschaftspflegeverband „Mittleres Erzgebirge“ e.V.
  • Mildenauer Schützenverein 1656 e.V.
  • Musikverein Mildenau e.V.
  • Schnitz- und Krippenverein „Glück auf“ e.V. Mildenau
  • Schulverein Mildenau e.V.
  • TSV Grün-Weiß Mildenau e.V.
  • Verein Humanitäre Osteuropahilfe Annaberg e.V.
Ortsteil Arnsfeld
  • Antennengemeinschaft Arnsfeld e.V.
  • EC-Jugendbund Arnsfeld
  • Freiwillige Feuerwehr Arnsfeld[10]
  • Jagdgenossenschaft Arnsfeld
  • Jugendclub Arnsfeld e.V.
  • Leitfaden e.V.
  • Rassegeflügel- und Kaninchenzüchterverein Arnsfeld e.V.
  • Schnitzverein Arnsfeld e.V. (mit Klöppelgruppe)
  • TSV „Rot-Weiß“ Arnsfeld e.V.
  • Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land e.V.[11]

TourismusBearbeiten

Der Annaberger Landring verläuft durch die Gemeinde Mildenau.[12]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Mildenauer Kartoffelfest
  • Arnsfelder Familientag (Veranstalter: Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land e.V.)
  • Radsportveranstaltung „Grenzlandtour“ (Veranstalter: TSV Rot-Weiß Arnsfeld e.V.)

VerkehrBearbeiten

Durch Mildenau verläuft die Landstraße von Annaberg-Buchholz nach Marienberg (Staatsstraße 221) bzw. zum sächsisch-böhmischen Grenzübergang in Reitzenhain (Staatsstraße 218). Von 1923 bis 1971 besaß Mildenau an der Grenze zu Geyersdorf, einen Güterbahnhof an der im Pöhlbachtal verlaufenden Plattentalbahn.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

  • Johann Theodor Roscher (1755–1829), sächsischer, später preußischer Hütteninspektor
  • Julius Weisbach (1806–1871), Mathematiker und Ingenieur, der als Begründer der neuen Markscheidekunst gilt, geboren in Mittelschmiedeberg
  • Karl August Freyer (1801–1883), Organist und Komponist der Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts, geboren in Oberschaar
  • Bernhard Brückner (1872–1955), Volksschullehrer und Mundartdichter des westlichen Erzgebirges
  • Dietrich Wagler (* 1940), Organist, Kantor und Kirchenmusikdirektor
  • Matthias Herrmann (* 1955), Musikwissenschaftler und Hochschullehrer
  • Gunter Weißgerber (* 1955), Ingenieur und Politiker, 1990–2009 MdB (SPD)

Personen mit Bezug zu MildenauBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Richard Steche: Mildenau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 4. Heft: Amtshauptmannschaft Annaberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 82.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mildenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 68 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Annaberg im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Heinrich Magirius in "Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg". Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S. 460–461
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  6. Freie Presse Online: Schon vor der Eheschließung kriselt es im Preßnitztal
  7. Weitere Gemeinden steuern Hafen der Ehe an
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  9. http://www.mildenau.de/uploads/media/Dorfblatt_06_2009.pdf
  10. Webseite der Freiwilligen Feuerwehr Arnsfeld
  11. Webseite des Vereins Annaberger Land
  12. Karte des Annaberger Landrings