Milchersatz

Lebensmittel, die Milch ähneln

Als Milchersatz oder Milchersatzprodukt werden umgangssprachlich Nahrungsmittel bezeichnet, die geschmacklich oder optisch sowie vom Fett- oder Eiweißgehalt her Milch oder Milcherzeugnissen ähneln, ohne aus dieser hergestellt zu sein.

Ein Glas Sojamilch

RechtslageBearbeiten

BezeichnungBearbeiten

Ist die Grundlage pflanzlich, werden die Produkte auf der Verpackung als Pflanzendrink bzw. je nach Ausgangszutat als Mandeldrink, Sojadrink, Reisdrink, Haferdrink etc. gekennzeichnet. Der Begriff Milch hat in der EU einen Bezeichnungsschutz und darf nur Produkte bezeichnen, die durch Melken aus einem Euter gewonnen worden sind (Kuhmilch, Ziegenmilch, Schafmilch.)[1] Begriffe wie Pflanzenmilch, Sojamilch usw. sind umgangssprachlich und in der Öffentlichkeit weit verbreitet, für pflanzliche Getränke aber rechtlich untersagt.[2] Eine historische, umgangssprachliche Bezeichnung ist vegetabile Milch.[3]

Eine Ausnahme ist Kokosmilch. Da diese als traditionelles Lebensmittel in asiatischen Gerichten verwendet wird, darf sie auch im Handel so genannt werden.[4]

BesteuerungBearbeiten

Die Umsatzsteuer auf pflanzlichen Milchersatz ist von Land zu Land verschieden. In Australien, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich wird der gleiche Steuersatz wie für Milch tierischen Ursprungs angewandt. In Deutschland, Griechenland, Italien, Österreich, der Slowakei, Spanien werden unterschiedliche Steuersätze angewandt. Die Unterschiede reichen von 85 % höherer Steuer in Griechenland bis zu 450 % höherer Steuer in Italien.[5][6][7][8]

ZusammensetzungBearbeiten

Die Bestandteile der Milch werden durch pflanzliche Eiweiße und ebensolche Fette ersetzt. In Deutschland sind sie seit 1990 zugelassen.[9] Charakteristisch für diese Produkte ist, dass sie frei von Cholesterin, tierischem Eiweiß sowie Milchzucker sind.

ArtenBearbeiten

Siehe im weiteren Sinn:

Zu den Nutzern dieser Alternativen, die teilweise auch mit Vitaminen (v. a. Vitamin B12), Calcium oder Omega-3-Fettsäuren angereichert angeboten werden, gehören mitunter Personen mit Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie, Ovo-Vegetarier und Veganer. Im Mittelalter nutzten orthodoxe Gläubige Mandelmilch als Milchersatz während der Fastenzeit.[10]

Kunstkäse und Sahneersatz werden teilweise aus Milchersatzstoffen hergestellt.

MarktBearbeiten

Im Jahr 2015 wurde im Gesamt-Segment von Bio-Milch und Bio-Milchalternativen ein wertmäßiger Marktanteil von 7 % mit Imitaten erzielt.[11] In der Region Valencia besitzt die Mandelmilch Horchata de Chufa traditionell einen hohen Stellenwert. Milchersatz gilt als „Lifestyle“, ist jedoch nach wie vor ein Nischenprodukt (Stand 2015).[12] Bei der Migros kommt die Pflanzenmilch auf einen Anteil von zwei bis drei Prozent.[13] Im Jahr 2019 hat Emmi die Mehrheit an der österreichischen Firma Leeb (biologische Schaf- und Ziegenmilch) übernommen, welche durch die Firma Hale auch biologisch-vegane Milchersatzprodukte unter der Marke MyLove-MyLife vertreibt.[14] Im Jahr 2019 lag der Bio-Anteil unter den Milchersatzprodukten bei 68 %. Dieser Wert ist in den letzten Jahren gesunken (Stand 2020), da auch konventionelle Betriebe in den Markt eingestiegen sind.[15] Mit Arla Foods ist 2020 eine weitere Großmolkerei in den Markt der Milchersatzprodukte eingestiegen.[16]

WeblinksBearbeiten

Commons: Milchersatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelbelegeBearbeiten

  1. Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 (Anhang VII), abgerufen am 21. November 2019 In der Verordnung heißt es ausdrücklich: Der Ausdruck „Milch“ ist ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug, vorbehalten. Daher werden diese Produkte im Handel z. B. als „Mandelgetränk“ oder „Mandeldrink“ o. ä. verkauft.
  2. Stefan Sauer: EuGH-Urteil – Soja-Drink darf nicht "Milch" heißen. In: Frankfurter Rundschau. 14. Juni 2017, abgerufen am 27. Februar 2019.
  3. Carl von Noorden, Hugo Salomon: Handbuch der Ernährungslehre: Erster Band Allgemeine Diätetik (Nährstoffe und Nahrungsmittel Allgemeine Ernährungskuren). Springer-Verlag, 1920, reprint 2013, ISBN 978-3-7091-9933-6, S. 311ff..
  4. Milchersatz darf nicht Milch heißen, auf eatsmarter.de, abgerufen am 10. Dezember 2019.
  5. ProVeg Plant Milk Report. Abgerufen am 17. Februar 2020 (englisch).
  6. Goods and Services Tax Industry Issues Detailed Food List. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  7. Umsatzsteuergesetz (UStG) Anlage 2 (zu § 12 Absatz 2 Nummer 1, 2, 12, 13 und 14) Liste der dem ermäßigten Steuersatz unterliegenden Gegenstände. Abgerufen am 20. Januar 2020.
  8. BFH Urteil v. 09.02.2006 - V R 49/04. Abgerufen am 20. Januar 2020.
  9. Brockhaus. Enzyklopädie in 30 Bänden, 21. völlig neu bearbeitete Auflage, Band 18 Math-Mosb, Leipzig, Mannheim, 2005–2006; Lemma Milchimitate, Milchersatzprodukte, Seite 457.
  10. Gustav Friedrich Klemm: Allgemeine Cultur-Geschichte der Menschheit. Bd. 10, S. 290.
  11. Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V.: Zahlen, Daten, Fakten - Die Bio-Branche 2016. Berlin Februar 2016.
  12. Tages-Anzeiger vom 27. Mai 2015, Seite 33: Angekratztes Image - Milchersatz als Lifestyle
  13. Sojamilch und Co. immer beliebter In: bauernzeitung.ch, 21. Februar 2018, abgerufen am 26. März 2018.
  14. Emmi übernimmt Mehrheit an einem von Europas führenden Anbietern von Bio-Ziegenmilch- und -Schafmilchprodukten. In: finanzen.ch. 2. April 2019, abgerufen am 13. April 2019.
  15. BÖLW: Branchenreport 2020. (PDF; 7,9 MB) Ökologische Lebensmittelwirtschaft. In: boelw.de. Februar 2020, S. 25, abgerufen am 25. Februar 2020.
  16. Arla introduces new brand and plant-based products. In: arla.com. 5. März 2020, abgerufen am 4. November 2020 (englisch).