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Michel Michelet

russisch-stämmiger Filmkomponist in Frankreich, Italien, Deutschland und den USA

LebenBearbeiten

Michail Lewin begann seine künstlerische Ausbildung an den Konservatorien von Kiew und St. Petersburg, ehe er 1913 nach Deutschland kam. Dort vervollständigte er seine Studien in Leipzig, später bildete er sich in Wien fort. Michelet wirkte zunächst als Cellist, später arbeitete er auch als Komponist von Ballett- und Konzertmusiken und vertonte Bühnenstücke.

Mit Anbruch des Tonfilmzeitalters in Europa (1929) übersiedelte Michelet nach Paris, wo er recht bald Anschluss an die dortige Kinoindustrie fand. In den 1930er Jahren zeichnete er teils als Michel Michelet (ab 1937), überwiegend aber unter dem Namen Michel Lévine für die Untermalungen von einer Fülle von Unterhaltungsfilmen mittlerer Qualität verantwortlich, darunter mehrere Werke des wie Michelet aus Kiew stammenden Regisseurs Victor Tourjansky.

Im Jahre 1941 gelang dem Juden Lewin die Flucht aus dem von den Deutschen besetzten Frankreich, und Michelet siedelte sich in Los Angeles an. Dort setzte er seine Arbeit für den amerikanischen Film fort, schrieb aber auch Musiken für Dokumentationen und Lehrfilme des U.S. Information Service. Zweimal (jeweils 1945), für A Voice in the Wind und The Hairy Ape, wurde Michelet für den Oscar in der Kategorie Beste Filmmusik (Drama/Komödie) nominiert. Mit Beginn der 1950er-Jahre schrieb er erneut Kompositionen für das europäische Kino, nunmehr nicht nur für französische, sondern auch für italienische und deutsche Produktionen, darunter Fritz Langs Abenteuerzweiteiler Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal. Für insgesamt über 100 Filme schrieb Michel Michelet die Noten.

Schließlich kehrte er in die USA zurück, komponierte nur noch sporadisch für die große Leinwand (vor allem für Dokumentationen) und konzentrierte sich auf die Komposition klassischer Werke wie Oratorien, Requiems und Sonaten für Cello und Klavier. Seine letzte große Arbeit, Sieben Visionen von Judäa, wurde 1989 veröffentlicht.

Der zuletzt als Michael Michelet im kalifornischen Laguna Niguel, Orange County[3], ansässige Komponist starb Ende 1995 im 102. Lebensjahr.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

  • 1930: Das Ende der Welt (La fin du monde)
  • 1930: La femme d’une nuit
  • 1932: Monsieur Tugendsam (Le rosier de Madame Husson)
  • 1932: Ce cochon de Morin
  • 1933: L’abbé Constantin
  • 1933: La voix sans visage
  • 1934: Le scandale
  • 1934: Ademaï aviateur
  • 1935: Sous la terreur
  • 1935: Schwarze Augen (Les yeux noirs)
  • 1935: Tovaritch
  • 1936: Mister Flow
  • 1936: Unruhe im Mädchenpensionat (Le mioche)
  • 1936: Kampf um Madeleine (La porte du large)
  • 1936: Wolgaschiffer (Les bateliers de la Volga)
  • 1937: Gebrandmarkt (Forfaiture)
  • 1937: Dunja (Nostalgie)
  • 1937: Die Lüge der Nina Petrowna (Le mensonge de Nina Petrovna)
  • 1937: Ab Mitternacht
  • 1938: Serge Panine
  • 1938: Die große Entscheidung (Alerte en méditerranée)
  • 1938: L’Emigrante – Roman einer Abenteurerin (L’émigrante)
  • 1939: Rappel immédiat
  • 1939: Mädchenhändler (Pièges)
  • 1940: 24 heures de perm’
  • 1942: Miss Annie Rooney
  • 1944: Voice in the Wind

AnmerkungenBearbeiten

  1. Lt. Auskunft des Filmwissenschaftlers Kay Weniger ist der bisweilen zu lesende Geburtsmonat Juli (z. B. bei IMDb) definitiv falsch
  2. Wölfer / Löper, S. 352.
  3. Lt. Auskunft Wenigers

LiteraturBearbeiten

  • Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 2: Hed–Peis. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1961, DNB 451560744, S. 1133.
  • Jürgen Wölfer, Roland Löper: Das große Lexikon der Filmkomponisten. S. 352 f., Berlin 2003.

WeblinksBearbeiten