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Michael Wuttke (* 1950) ist ein deutscher Paläontologe.

Er war bis zu seinem Ruhestand Ende 2015 Leiter des Referates Erdgeschichte in der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Mainz. Außerdem ist er Lehrbeauftragter der Universität Mainz. Wuttke war von 2010 bis 2012 Präsident der Paläontologischen Gesellschaft. Seit seinem Ruhestand forscht er als ernannter ehrenamtlicher Mitarbeiter am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main.

Er befasste sich u. a. mit fossilen Froschlurchen (Anuren)[1][2][3][4], fossilen Süßwasserschwämmen[5] und der Wirbeltier-Taphonomie[6][7] und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten im Rahmen der in seinem Referat anfallenden Rettungs- und Forschungsgrabungen in Rheinland-Pfalz, zum Beispiel im Hunsrückschiefer[8] und über die Fossillagerstätte Enspel[9] im Westerwald. Letztere bildete sich im oberen Oligozän (vor 24,7 Millionen Jahren) in einem Kratersee, der zu einem Ölschiefer ähnlich dem des UNESCO Welterbes Grube Messel versteinerte, aber hier von einer mächtigen Basaltschicht bedeckt wurde. Wie in Messel war auch hier die Fossillagerstätte nach dem Ende des Basaltabbaus bedroht, weshalb von Wuttke und einem Team Pläne für einen Erlebnispark entwickelt wurden, die teilweise bereits realisiert sind (siehe Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel).

Zusammen mit dem Geologen Achim Reisdorf (damals Doktorand in Sedimentologie an der Universität Basel, jetzt Ruhr Museum Essen) klärte er die lange offene Frage, warum einige langhälsige und langschwänzige Dinosaurier bzw. langhälsige fossile Vögel mit stark über den Rücken hin gekrümmten Hälsen bzw. Schwänzen versteinerten. Durch Unter-Wasser-Experimente an rezenten Vogelhälsen stellten sie fest, dass die Ursache hierfür nicht in einem Todeskrampf (Opisthotonus) lag, sondern in der Vorspannung eines elastischen Bandes (Ligamentum elasticum interlaminare), das die Wirbel vom Hals bis zur Schwanzwurzel miteinander an der Basis der Dornfortsätze verbindet.[10][11] Wird die an den leblosen, ausgestreckten Hälsen ansetzende Schwerkraft durch das Wasser-Experiment aufgehoben, dann entfalten sich jetzt „überschüssige“ Zugkräfte des Bandes automatisch und krümmen die Hälse. Anlass der aktuopaläontologischen Untersuchung der Autoren war die taphonomische Analyse des Skelettes von Compsognathus longipes aus dem Solnhofener Plattenkalk. Diese zeigte, dass die Rückkrümmung von Hals und Schwanz erst allmählich postmortal, mit fortschreitender Zersetzung der Weichteile am Grund einer Lagune erfolgte, so dass Todeskrämpfe als Ursache ausschieden. Erst im Jahre 2007 hatten US-amerikanische Wissenschaftler (die Veterinärmedizinerin Cynthia Marshall Faux und der Paläontologe Kevin Padian) die Todeskrampf-Hypothese noch in einer viel beachteten Studie gestützt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. M. Wuttke: Aktuopaläontologische Studien über den Zerfall von Wirbeltieren. Teil 1: Anura, Senckenbergiana lethaea, 64 (5/6): 529-560, 1983
  2. M. Wuttke, T. Přikryl, V. Y. Ratnikov, Z. Dvořák, Z. Roček: Generic diversity and distributional dynamics of the Palaeobatrachidae (Amphibia_ Anura), Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, 92(3): 367-395, 2012
  3. M. Wuttke: Redescription of the Middle Eocene frog Lutetiobatrachus gracilis WUTTKE in SANCHIZ, 1998 (Lower Geiseltalian, »Grube Messel«, near Darmstadt, southern Hesse, Germany), Kaupia, 18: 29-41, 2012
  4. M. Wuttke: The genus Eopelobates (Anura, Pelobatidae) from Messel, Geiseltal, and Eckfeld (Middle Eocene, Germany). Part I_Redescription of Eopelobates wagneri from Messel, Kaupia 18: 47-71, 2012
  5. Schindler, T., Wuttke, M., Poschmann, T.: Oldest record of freshwater sponges (Porifera: Spongillina) – spiculite finds in the Permo-Carboniferous of Europe, Paläontologische Zeitschrift, 82 (4): 373–384, 2008
  6. M. Wuttke: Aktuopaläontologische Studien über den Zerfall von Wirbeltieren. Teil 1: Anura, Senckenbergiana lethaea, 64 (5/6): 529-560, 1983
  7. M. Wuttke & A.G. Reisdorf (Hrsg.): Taphonomic processes in terrestrial and marine environments, Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, Sonderband, Band 92(1), 2012
  8. Christoph Bartels, M. Wuttke, Derek Briggs (Hrsg.): Projekt Nahecaris. Entschlüsselung devonischer Palaeo-Ökosysteme aus dem Hunsrückschiefer von Bundenbach, Metalla, Band 9, Bochum 2002
  9. M. Wuttke, D. Uhl, T. Schindler (Hrsg.): Fossil-Lagerstätte Enspel – exceptional preservation in an Upper Oligocene maar, Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, 90(Sonderband), 2010
  10. zum Beispiel Reto Caluori: Warum sich Dinosaurierskelette so bizarr verkrümmen, idw, 16. Februar 2012
  11. Reisdorf, Wuttke: Re-evaluating Moodie’s Opisthotonic-Posture Hypothesis in fossil vertebrates. Part I: Reptiles – The taphonomy of the bipedal dinosaurs Compsognathus longipes and Juravenator starki from the Solnhofen Archipelago (Jurassic, Germany), Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, Band 92(1): 119-168, 2012