Messali Hadj

algerischer nationalistischer Politiker

Ahmed Ben Messali Hadj (arabisch مصالي الحاج, DMG Maṣālī al-Ḥāǧǧ; * 16. März 1898 in Tlemcen, Algerien; † 3. Juni 1974 in Gouvieux, Frankreich[1]) war ein algerischer nationalistischer Politiker, der sich der Unabhängigkeit seiner Heimat von Frankreich widmete. Er war Mitbegründer des Étoile Nord-Africaine, Parti du peuple algérien und des „Mouvement pour le Triomphe des Libertés Democratiques“, bevor er sich 1954 vom bewaffneten Unabhängigkeitskampf lossagte. Er war zudem auch der Gründer des „Mouvement national algérien“, das den Bestrebungen der „Front de Libération Nationale“ (FLN) entgegenzuwirken suchte.

Messali Hadj

HerkunftBearbeiten

Messali war der Sohn eines Schuhmachers. Er verließ sowohl französische als auch arabische Ausbildungseinrichtungen ohne Qualifikation, sprach aber hocharabisch und französisch fließend. Er war Mitglied des Sufi-Ordens der Darqawiyya, die eine egalitäre Gesellschaft ohne Reiche und Arme propagierten. Im Ersten Weltkrieg wurde Messali zur französischen Armee eingezogen.[2][3]

HintergrundBearbeiten

1927 wurde Messali Hadj Führer einer in Paris gegründeten algerischen Arbeitervereinigung. Er nahm im selben Jahr an dem von der Liga gegen Imperialismus organisierten Antiimperialistischen Kongress in Belgien teil und traf Ho Chi Minh in Vietnam. Nach Frankreich zurückgekehrt sowie in seiner Heimat Algerien half Messali bei der Organisation einer Untergrundbewegung zur Erringung der Unabhängigkeit Algeriens. In den zwanziger Jahren gründete er die Étoile Nord-Africaine (nordafrikanischer Stern), eine der ersten nationalistischen Organisationen Algeriens, und 1937 die Parti du peuple algérien (PPA). Beide Gruppen wurden in Frankreich verfolgt; im November 1937 wurde Messali der Prozess gemacht, und er wurde einige Jahre inhaftiert.

Radikalisierung in AlgerienBearbeiten

Im Mai 1945 wurden Zehntausende von Algeriern bei nationalen Aufständen und dem von französischen Truppen während der Weltkriegssiegesfeiern durchgeführten Massaker von Sétif getötet. Viele schlussfolgerten daraus, dass die Unabhängigkeit mit friedlichen Mitteln nicht erreicht werden konnte.

Messali gründete 1946 das Mouvement pour le Triomphe des Libertés Démocratiques (MTLD). Er stand in der Bretagne unter Hausarrest und durfte nicht nach Algerien reisen. Seine Gruppe galt als gemäßigt, aber seine revolutionären Ideale entfremdeten Teile von Algeriens als konservativ geltender muslimischer Gesellschaft. Messali wurde zum wichtigsten Symbol des algerischen Nationalismus unter algerischen Arbeitern in Frankreich, während die FLN und andere Basisgruppen ihren Einfluss in Algerien verstärkten.

Führer der MNABearbeiten

Nach dem Ausbruch des algerischen Unabhängigkeitskriegs 1954, der gegen seinen Willen begonnen wurde, gründete Messali das Mouvement national algérien MNA (Algerische nationale Bewegung). Zwischen den Anhängern Messalis und der FLN kam es zu Zusammenstößen; MNA war die einzige Sozialistische Partei, die sich nicht am Unabhängigkeitskampf beteiligte. Der bewaffnete Flügel der FLN, die Armée de Libération Nationale (ALN), schaltete den MNA Guerillakrieg-Apparat in Algerien zu Beginn des Krieges aus; der Nahkampf setzte sich in Frankreich fort während der sogenannten „Café-Kriege“ über die Kontrolle der expatriierten Gemeinschaft. 1958 unterstützte Messali die Vorschläge des Präsidenten de Gaulle, und Frankreich versuchte vermutlich, die internen Rivalitäten der nationalistischen Bewegung hochzuspielen. Während der Vermittlungsgespräche 1961 lehnte die FLN die Teilnahme der MNA ab und verursachte neue Ausbrüche der Gewalt.

Nach der UnabhängigkeitBearbeiten

Als Algerien 1962 die Unabhängigkeit von Frankreich errang, versuchte Messali, seine Gruppe in eine legitime politische Partei umzuwandeln, jedoch ohne Erfolg – die FLN griff nach der Macht über Algerien als Einparteienstaat.

Messali Hadj blieb im Exil bei Paris mit geringem Einfluss auf die algerische Politik. Er starb 1974. Nach ihm wurde der Flughafen Tlemcen - Zenata - Messali El Hadj benannt.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1] www.bookrags.com englisch
  2. Martin Evans: Algeria - France's undeclared war, Oxford, 2012, S. 57f
  3. Georges Fleury : La Guerre en Algérie, 2. Auflage, Paris, 2006 S. 21