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Mentawai-Inseln

zu Indonesien gehörige Inselgruppe

Die Mentawai-Inseln sind eine zu Indonesien gehörige Inselgruppe südwestlich von Sumatra. Sie gehören zur Provinz Westsumatra.

Mentawai-Inseln
Topographische Karte
Topographische Karte
Gewässer Indischer Ozean
Geographische Lage 2° 11′ S, 99° 39′ OKoordinaten: 2° 11′ S, 99° 39′ O
Karte von Mentawai-Inseln
Anzahl der Inseln ca. 70
Hauptinsel Siberut
Gesamte Landfläche 6.011,35 km²
Einwohner 77.376 (2011[1])
Lokasi Sumatra Barat Kabupaten Kepulauan Mentawai.svg

BevölkerungBearbeiten

Die Bewohner der Mentawai-Inseln zählen zu den ursprünglichsten Völkern Indonesiens und sprechen eine eigene austronesische Sprache. Im Gegensatz zu den Minangkabau am benachbarten Festland wurden sie nicht islamisiert, sondern hingen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein animistischen Lokalreligionen an. Durch intensive Missionstätigkeiten zählt sich jedoch mittlerweile ein Großteil der Mentawai-Insulaner zum Christentum (ca. 80 %, davon 2/3 Protestanten und 1/3 Katholiken).[2]

GeographieBearbeiten

Sie liegen – durch die Meerenge Selat Mentawai getrennt – etwa 130 km vor Sumatra, umfassen rund 6.700 km² und haben 77.376 Einwohner (Stand 2011).[1] Die größten Inseln sind Siberut, Sipora, Nordpagai (Pagai Utara), Südpagai (Pagai Selatan) und im Süden die kleinere Sanding.

Im Norden, jenseits der Meerenge Selat Siberut, liegen die Batu-Inseln, im Süden liegen Mega und Enggano.

GeschichteBearbeiten

Nach der letzten Eiszeit wurden die Inseln durch den steigenden Meeresspiegel und die dadurch entstandene Mentawai-Straße von Sumatra getrennt. Ab 2000 v. Chr. erreichten die Vorfahren der heutigen Mentawai-Bewohner zuerst die nördlichste Insel, Siberut, und besiedelten nacheinander die südlichen Nachbarinseln. Sie unterscheiden sich durch Sprache und Brauchtum von den Bewohnern Sumatras.

1606 erschien Siberut zum ersten Mal als Mintaon auf einer portugiesischen Karte, 1792 erreichte ein Schiff der Britischen Ostindien-Kompanie die Pagai-Inseln. Erst im Juli 1864 wurden die Inseln offiziell Teil von Niederländisch-Indien. Anfang 1899 wurde die Mentawai-Straße von der deutschen Valdivia-Expedition erforscht. 1901 richteten deutsche Missionare auf Nordpagai eine Station ein. Nach der indonesischen Unabhängigkeit kamen katholische Missionare aus Italien. Seit den 1970er Jahren wurde auf Siberut Holz geschlagen, bis 1993 die Hälfte der Insel als Nationalpark unter Schutz gestellt wurde. Ab den 1980er-Jahren förderte der Staat den Tourismus, ab Mitte der 1990er-Jahre entdeckten Australier die Inseln für das Surfen.

VerwaltungBearbeiten

Die Mentawai-Inseln bilden seit 1999 innerhalb der Provinz Westsumatra einen Regierungsbezirk (Kabupaten) mit der Hauptstadt Tua Pejat auf Sipora, der seinerseits in vier Distrikte (Kecamatan) eingeteilt ist.[3]

NaturBearbeiten

 
Fluss auf Siberut

Die Inseln sind flach und zum Teil von tropischen Regenwäldern bedeckt. Neben indigenen Völkern wie den Sakhai, die auch heute noch nach ihren animistischen Traditionen leben, werden die Inseln auch von zugezogenen Menschen aus Java und Sumatra bewohnt. Der Fremdenverkehr nimmt einen bescheidenen, aber wachsenden Stellenwert ein.

Die Inseln sind Heimat für eine Reihe endemischer Tierarten, darunter mehrere Primaten wie der Kloss-Gibbon, die Pageh-Stumpfnase, der Pagai-Makak, der Siberut-Makak und der Mentawai-Langur, sowie das Mentawai-Spitzhörnchen.

KatastrophenBearbeiten

Infolge des Seebebens vor Sumatra im Jahr 2004 hat die seismische Aktivität unter der Inselgruppe stark zugenommen, so dass zunehmend dieser Bereich als Nachbeben-Epizentrum zu beobachten ist.

Infolge eines Erdbebens der Stärke 7,7 südwestlich vor dem Sockel der Platte kam es am 26. Oktober 2010 zu einem Tsunami mit mindestens 449 Toten und Hunderten Verletzten, Vermissten und Obdachlosen.[4][5] Das infolge des Tsunami 2004 eingeführte Frühwarnsystem funktionierte, der Alarm kam wegen der kurzen Distanz der Inseln zum Epizentrum jedoch zu spät.[6][7] Tags zuvor war für Indonesien ein Tsunami-Alarm infolge eines Bebens der Stärke 7,5 ausgelöst worden.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Henning Eichberg: Blumen im Haar sind verboten. In einem Dorf der Mentawaier in Indonesien. In: Unter dem Pflaster liegt der Strand, 8 (1981) 7-41
  • Wilfried Wagner (Hrsg.): Mentawai. Identität im Wandel auf indonesischen Ausseninseln. Bremen: Übersee-Museum und Universität Bremen 1989

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mentawai-Inseln – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Westsumatra in Zahlen 2011/12 (engl./indon.)@1@2Vorlage:Toter Link/sumbar.bps.go.id (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (S. 145 der Datei)
  2. http://sp2010.bps.go.id/index.php/site/tabel?tid=321&wid=1300000000
  3. (Memento vom 1. Dezember 2010 im Internet Archive)
  4. Indonesien: Zahl der Opfer nach Naturkatastrophen steigt (Memento vom 13. September 2016 im Internet Archive) fr-online.de, 31. Oktober 2010
  5. Zahl der Tsunami-Opfer FAZ vom 28. Oktober 2010
  6. (Memento vom 3. November 2010 im Internet Archive)
  7. http://www.thejakartapost.com/news/2010/10/27/hundreds-missing-mentawai.html
  8. (Memento vom 28. Oktober 2010 im Internet Archive)