Mensch-Computer-Interaktion

Teilgebiet der Informatik

Mensch-Computer-Interaktion (MCI, häufig als HCI abgekürzt von englisch Human–computer interaction) erforscht das Design und die Verwendung von Computer-Technologie an der Schnittstelle zwischen Menschen (Anwendern) und Computern. Als solches behandelt der Begriff die Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) im Fachbereich der Computer.[1] Forscher auf dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion beschäftigen sich mit der Art und Weise, wie Menschen mit Computern und Design-Technologien interagieren. Dabei werden neben Erkenntnissen der Informatik auch solche aus der Psychologie (vor allem der Medienpsychologie), der Arbeitswissenschaft, der Kognitionswissenschaft, der Ergonomie, der Soziologie und dem Design herangezogen.

GrundlegendesBearbeiten

Einordnung der Mensch-Computer-InteraktionBearbeiten

Ein zur Mensch-Computer-Interaktion übergeordnetes Gebiet ist die Mensch-Maschine-Interaktion (oder Mensch-Maschine-Kommunikation), die sich mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigt, aber den Interaktionspartner des Menschen zur Maschine verallgemeinert. In jedem Fall wird das Gesamtsystem von Mensch, Schnittstelle und dahinterliegendem technischen System zu einem Mensch-Maschine-System.

Durch den Einzug von Computertechnik in den Alltag, Ubiquitous computing, verschmelzen Maschine und Computer bzw. gibt es zusehends keine modernen Maschinen mehr, die nicht auch Computertechnik einsetzen. Eine klare Trennung der Begriffe Mensch-Maschine-Interaktion und Mensch-Computer-Interaktion ist daher oft nicht mehr möglich.[1]

Interdisziplinärer Charakter der Mensch-Computer-Interaktion im wissenschaftlichen BereichBearbeiten

Als Forschungsgebiet befindet sich die Mensch-Computer-Interaktion an der Schnittstelle von Informatik, Verhaltenswissenschaften, Design, Medienwissenschaften und mehreren anderen Studienrichtungen. Der Begriff wurde von Stuart K. Card, Allen Newell und Thomas P. Moran in ihrem Buch von 1983, The Psychology of Human-Computer Interaction, popularisiert, obwohl die Autoren den Begriff zuerst 1980 verwendeten. Die erste bekannte Verwendung war Im Jahre 1975. Der Begriff bedeutet, dass, im Gegensatz zu anderen Tools mit nur begrenzten Verwendungen (wie ein Hammer, nützlich für das Einschlagen von Nägeln, aber nicht viel anderes), ein Computer viele Verwendungen hat und dies als ein offener Dialog zwischen dem Benutzer und dem Computer stattfindet. Der Begriff des Dialogs erkennt die Mensch-Computer-Interaktion zur Mensch-zu-Mensch-Interaktion, eine Analogie, die entscheidend für theoretische Überlegungen in diesem Bereich ist.

KonferenzenBearbeiten

Die wichtigste internationale Konferenzserie auf dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion ist die Association for Computing Machinery (ACM) Konferenz Human Factors in Computing Systems (CHI). Sie wird von der Special Interest Group on Computer-Human Interaction, einer Themengruppe der ACM organisiert. Daneben gibt eine Vielzahl von internationalen Konferenzen zur Mensch-Computer Interaktion, manche mit Fokus auf ein bestimmtes Teilgebiet wie der ACM MobileHCI. Die nationale Tagung zum Thema Mensch-Computer Interaktion Mensch und Computer wird vom Fachbereich „Mensch-Computer-Interaktion“ der Gesellschaft für Informatik seit 2001 jährlich organisiert.

StudienfachBearbeiten

Mensch-Computer-Interaktion als Studienfach ist stark interdisziplinär und zumeist interfakultär ausgerichtet. Das Studium verbindet theoretische Grundlagen aus der Informatik und Psychologie mit anwendungsorientierten Themen aus den Bereichen Softwareentwicklung, Informationssysteme und Gestaltungswissenschaften.

ForschungseinrichtungenBearbeiten

  • Human-Computer Interaction Center der RWTH Aachen (HCIC)[3], RWTH Aachen

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

allgemein:

  • Markus Dahm: Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion. Pearson Studium, New York 2006, ISBN 3-8273-7175-9.
  • Alan Dix u. a.: Human-Computer Interaction. Pearson Prentice Hall, New York 2004, ISBN 0-13-046109-1 (englisch).
  • Andreas M. Heinecke: Mensch-Computer-Interaktion. Basiswissen für Entwickler und Gestalter. 2. Auflage. Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-642-13506-4.

Aspekte:

  • Rainer Dorau: Emotionales Interaktionsdesign. Gesten und Mimik interaktiver Systeme. Springer, Heidelberg/Dordrecht/London/New York 2011, ISBN 978-3-642-03100-7.
  • Bernhard Preim: Entwicklung interaktiver Systeme. Springer, Berlin 1999, ISBN 3-540-65648-0.

weitere themennahe Literatur:

  • Michael Herczeg: Software-Ergonomie. Grundlagen der Mensch-Computer Kommunikation. Addison-Wesley, Bonn 1994, ISBN 3-89319-615-3.
  • Michael Friedewald: Konzepte der Mensch-Computer-Kommunikation in den 1960er Jahren: J. C. R. Licklider, Douglas Engelbart und der Computer als Intelligenzverstärker. In: Technikgeschichte, Bd. 67 (2000), H. 1, S. 1–24.
  • Georg Geiser: Mensch-Maschine-Kommunikation. Oldenbourg, München 1990, ISBN 3-486-21505-1.
  • Hans J. Charwat: Lexikon der Mensch-Maschine-Kommunikation. Oldenbourg, München 1994, ISBN 3-486-22618-5.
  • Paul Chlebek: User Interface-orientierte Softwarearchitektur. Vieweg+Teubner, Mainz 2006, ISBN 978-3-8348-0162-3.

WeblinksBearbeiten

Commons: Mensch-Computer-Interaktion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Andreas Butz, Antonio Krüger: Mensch-Maschine-Interaktion. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2014, ISBN 978-3-486-71621-4, Einführung (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Dieses Buch trägt den Titel Mensch-Maschine-Interaktion, abgekürzt MMI. Da das Buch dieses Thema aber aus Sicht eines Informatikers beleuchtet, hätte es auch genauso gut den Titel Mensch-Computer-Interaktion, abgekürzt MCI tragen können, wofür es fast genauso viele gute Gründe gegeben hätte. Insbesondere benutzt auch der einschlägige Fachbereich der Gesellschaft für Informatik den Namen MCI und grenzt sich damit klar von anderen Sichtweisen, wie z. B. der des klassischen Maschinenbaus ab. Dass wir, die Autoren, uns trotzdem für den Begriff MMI entschieden haben, liegt maßgeblich an unserer Auffassung vom Computer als Kulturtechnologie im Sinne von Mark Weisers Begriff des Ubiquitous Computing: Rechenleistung und Computertechnologie halten derzeit Einzug in ähnlich viele Bereiche unserer Alltagsumgebungen, wie es die Elektrizität im vergangenen Jahrhundert getan hat. Heute wird kaum mehr ein Gerät explizit als elektrisch bezeichnet, obwohl viele elektrisch funktionieren. Seit aber die meisten Geräte des Alltags mittels Computertechnologie funktionieren, lässt sich auch hier keine klare Grenze mehr ziehen. Computer oder Maschine, beides verschmilzt. Informatiker sind heute darin gefordert, Computersysteme zu entwerfen, die sich in unsere Alltagsumgebungen einbetten und mit dem klassischen Personal Computer (PC) nicht mehr viel gemeinsam haben. Beispiele hierfür sind die im letzten Teil des Buches beschriebenen mobilen Systeme, interaktiven Oberflächen, aber auch elektronische Bücher, sowie Autos und Flugzeuge, die ohne Computertechnik nicht mehr denkbar wären.“
  2. Forschungsgruppe Human-Computer Interaction und Visual Analytics (VIS), Hochschule Darmstadt. Abgerufen am 30. April 2019 (amerikanisches Englisch).
  3. Human-Computer Interaction Center der RWTH Aachen (HCIC). Abgerufen am 30. Januar 2020.