Meister Eder und sein Pumuckl

Kinderreihe von Ellis Kaut

Meister Eder und sein Pumuckl ist eine ab 1962 erschienene Kinderreihe von Ellis Kaut. Sie handelt von dem kindlichen Kobold Pumuckl, der für den Münchner Schreinermeister Franz Eder sichtbar wurde, weil er an dessen Leimtopf kleben geblieben war. Nach „Koboldsgesetz“ muss Pumuckl nun bei diesem Menschen bleiben.

Pumucklpuppen

Die Reihe wurde ab 1962 im Bayerischen Rundfunk als Hörspielserie ausgestrahlt. Ab 1965 erschienen Bücher und ab 1982 die Fernsehserie Meister Eder und sein Pumuckl und ein gleichnamiger Kinofilm. Eine schweizerdeutsche Fassung ist De Meister Eder und sin Pumuckl, eine rheinische Hörspielvariante aus den 1960ern Immer dieser Fizzibitz.

ZusammenfassungBearbeiten

In der Werkstatt des Schreinermeisters Eder geschehen immer mehr unheimliche Dinge: Werkzeuge verschwinden und Gegenstände fallen scheinbar ohne Grund herunter. Schließlich meint Meister Eder, es mit einer Maus zu tun zu haben, nach der er ein Holzscheit wirft. Diese vermeintliche Maus entpuppt sich jedoch als zehn Zentimeter großer, rothaariger Kobold namens Pumuckl. Dieser bleibt, als er ausweichen will, an einem Leimtopf kleben und wird so sichtbar, allerdings nur für Meister Eder. Pumuckl erklärt nun nach „Koboldsgesetz“ bei ihm bleiben zu müssen. Nachdem sich Meister Eder endgültig überzeugt hatte, nicht verrückt zu sein, freut er sich über die Anwesenheit Pumuckls und dieser sagt, dass es ihm hier sehr gefalle. Trotzdem bleibt es für beide schwierig, denn der Schreinermeister sieht ein Geistwesen, das ihm keiner glaubt, und der Kobold ist in sichtbaren Zustand verletzlich und hat Bedürfnisse wie ein Mensch.[1]

Pumuckl macht sich auch als Unsichtbarer deutlich bemerkbar, was zu seltsamen, peinlichen, aber auch unterhaltsamen Szenen führt. Manchmal wollen Kunden Pumuckls Eigentum mitnehmen, wie in der Episode Das verkaufte Bett. Dieser verteidigt sein Eigentum entschieden, stiehlt allerdings bei anderen Leuten Dinge, die ihm gefallen. Deshalb wirft ihn Meister Eder in der Folge Der große Krach einmal sogar hinaus. Auf seinen Streifzügen gerät er immer wieder in Schwierigkeiten, wenn er etwa an etwas hängenbleibt und deshalb sichtbar wird. Obwohl er als kindlicher Kobold hauptsächlich Unfug im Kopf hat, ist er auch zu vernünftigen Dingen fähig, etwa wenn er Meister Eder als Unsichtbarer hilft und diesem dadurch entweder Aufträge verschafft oder eine Revanche ermöglicht (Das neue Badezimmer, Der erste April, Das Segelboot). Bei einer Bergtour sieht er zuerst ein Unwetter vorher, eine Fähigkeit, die er von Klabautern geerbt hat und bringt danach den unvernünftigen Neffen Eders dazu, doch noch rechtzeitig umzukehren (Pumuckl und die Bergtour).

FigurenBearbeiten

PumucklBearbeiten

Der Titelheld „Pumuckl“ – eigentlich ein Diminutiv von Nepomuk[2] – ist ein rothaariger Kobold, der beim Schreinermeister Franz Eder lebt, seit er an dessen Leimtopf kleben geblieben ist. Dadurch wurde der kleine Nachfahre der Klabautermänner für den Schreiner sichtbar und ist durch ein Koboldsgesetz[3] verpflichtet, fortan bei ihm zu bleiben. Er ist für jeden Menschen mit Ausnahme von Meister Eder unsichtbar. Für Tiere dagegen ist er sichtbar.

Seine Körpergröße ist in Hörspielen und Verfilmungen unterschiedlich: In den Hörspielen mit Alfred Pongratz und Gustl Bayrhammer als Meister Eder sagt dieser beim ersten Zusammentreffen über ihn: „Zehn Zentimeter groß und hüpfen wie ein Floh!“ In der Fernsehserie von 1982/1988 ist die Figur größer, was auch der späteren Erklärung Ellis Kauts über die Körpergröße von Klabautermännern näherkommt: „Ziemlich genauso groß wie eine stehende Flasche.“[4] Das Pumucklbett aus der ersten Staffel misst 42 Zentimeter in der Länge und 22 Zentimeter in der Breite.[5]

Pumuckl liebt knisterndes Papier, glitzernde Gegenstände, Schokolade, Pudding, Segelboote und Unordnung, hat eine starke Abneigung gegen Katzen, Heinzelmännchen, Gartenzwerge und Käse („faule Milch“), mag dafür aber Kleintiere wie Meerschweinchen und Mäuse recht gern. Seine Leidenschaften sind das Aushecken von Streichen und besonders das Dichten. So lautet einer seiner häufigsten Sprüche: „Oh, das reimt sich ja und was sich reimt, ist gut.“[6] Er schläft am liebsten in einem Haufen Sägespäne in der Schreinerwerkstatt von Herrn Eder, dieser hat ihm aber sogar ein eigenes Bett getischlert.

Am meisten liebt Pumuckl Holz. Der Grund dafür wird in der Reihe nicht genannt, aber Ellis Kaut schreibt in ihrer Autobiografie: „Warum, das ist eine gruselige Geschichte, die der Pumuckl natürlich nicht kennt … Wenn Kinder vor ihrer Geburt sterben oder getötet werden, bekommen sie ein besonderes Grab. Es wird zu ihren Häuptern ein Baum gepflanzt. Dieser Baum wächst nicht gerade, sondern biegt sich genau so, wie man sie gut zum Schiffsbau verwenden kann. Sie werden dann also abgehackt und in das Schiff eingebaut. Nach Jahren vermodert das Holz, sodass die Kinderseelen entschlüpfen können. So befreit werden sie zu Kobolden.“[7]

Der Einfall zu ihm sei der Autorin nicht plötzlich gekommen, sondern habe sich erst im Laufe der Zeit aus „ […] Gefühltem, Gedachtem, Erlebtem, Ersehntem, Bewusstem und Unbewusstem […]“ heraus entwickelt.[8]

Meister EderBearbeiten

Franz Eder ist der Inhaber einer kleinen Schreinerwerkstatt in einem Münchner Hinterhof, über der Werkstatt befindet sich auch seine Wohnung. Er ist Junggeselle, Anfang sechzig, humorvoll und liebenswürdig. Meister Eder muss sich zwar oft mit dem kleinen Kobold herumärgern, ist jedoch alles in allem froh, nicht mehr allein zu sein und übernimmt gerne die Aufgabe, Pumuckl zu „erziehen“. Seine Stammtischfreunde machen sich häufig wegen seines Kobolds über ihn lustig.

Die Figur geht auf mehrere tatsächliche Personen zurück: einen Schreiner namens Adolf Nadler, den die Autorin schon lange kannte und der in einem Münchner Hinterhof über seiner Werkstatt wohnte,[9] und ihrem Vater Siegfried Kaut, zu dem sie ein ausnehmend gutes Verhältnis hatte.[10] Siegfried Kaut war Prokurist einer Bank und starb 1944 mit dreiundsechzig Jahren an einer Lungenkrankheit. Der Volksschauspieler Franz Fröhlich schließlich, war der erste Sprecher Meister Eders und Kauts Wunschbesetzung. Er blieb auch nach seinem Tod 1964 eines der Vorbilder für Eder.[11]

Frau EichingerBearbeiten

Frau Eichinger, die Putzfrau von Herrn Eder, ist sehr abergläubisch und glaubt vor allem strikt an Horoskope. Sie versucht Herrn Eder stets ihre Weltanschauung nahezubringen, auch wenn dieser davon nicht überzeugt ist. In einigen wenigen Folgen heißt sie Frau Rettinger. Meister Eder bezeichnet sie oft als Zugehfrau.

Herr BernbacherBearbeiten

Der Bernbacher Schorsch ist Schlosser und einer von Eders Stammtischbrüdern. Er redet oft spöttisch über Eders Spinnerei vom Pumuckl (dessen Namen er sich jedoch oft nicht merken kann und ihn stattdessen Schmutzbuckl, Brumbuckl, Pudackl etc. nennt), glaubt aber hin und wieder an dessen Existenz. In „Der große Krach“ flüchtet Pumuckl zu ihm.

Frau BernbacherBearbeiten

Herrn Bernbachers Frau, die sich häufig mit ihrem Mann streitet und eine Perücke trägt.

Herr SchmittBearbeiten

Toni Schmitt ist ebenfalls ein Stammtischbruder Eders, der eine kleine Autowerkstatt betreibt.

Herr WimmerBearbeiten

Der „alte Herr Wimmer“ ist eine Person, die nie in Erscheinung tritt, von welcher jedoch immer wieder am Telefon oder in Gesprächen zu hören ist. Wimmer betreibt ein Antiquitätengeschäft, für welches er Ware vom Meister Eder reparieren und restaurieren lässt.

Herr SchwertfegerBearbeiten

Herr Schwertfeger kommt in der Verfilmung und in einigen Folgen vor. Er ist ein älterer Bekannter von Eder, der stets eine Brille auf der Stirn und eine zweite auf der Nase trägt. Er geht öfter mit seinem Hund spazieren und besitzt mit seiner Frau, genannt „Schnucki“, einen Schrebergarten. Sein Lieblingsspruch ist „I såg nix, denn wenn i wås såg, dann sågt’s ihr glei wieda: ‚Såg liaba nix‘, åiso såg i glei liaba nix.“[12]

Herr und Frau StürtzlingerBearbeiten

Sie sind das Hausmeisterehepaar des Hauses, in welchem Herr Eder wohnt und arbeitet. Sie wohnen wie die meisten anderen Mieter im Vorderhaus. Dieser Sachverhalt (auch der, dass Eder im Hinterhaus wohnt) ist ein kleiner Seitenhieb auf eine alte Münchner Weltanschauung, nämlich dass die „Hinterhäusler“ ein wenig verrückt sind. Herr Stürtzlinger singt meistens, wenn er arbeitet, vorzugsweise eine abgewandelte Form des König-Ludwig-Liedes („Auf den Bergen wohnt die Freiheit…“)

Obwohl die meisten Quellen im Internet die Schreibweise „Stürzlinger“ verwenden, sieht man in der Serie auf seinem Klingelschild die Schreibweise „Stürtzlinger“.[13]

Frau HartlBearbeiten

Sie ist die launische und neugierige Nachbarin Eders, stets zur Stelle, wenn es in der Nachbarschaft Neuigkeiten gibt, aber auch stets genervt von der leisesten Musik. Ihre Aufgebrachtheit drückt sie aus, indem sie aus dem Fenster „I ziag aus aus dem Haus!“ ruft. Mit Frau Eichinger steht sie auf Kriegsfuß.

Der alte Mann in der WirtschaftBearbeiten

Ein Running Gag ist ein alter Mann in der Wirtschaft, welcher stets eingeschlafen ist und von der Bedienung immer wieder mit den Worten „Opa, aufwachen, dei Suppn werd koid“ geweckt wird, woraufhin dieser seinen Nachbarn anstößt und ihn mit den Worten „Des is mei Platz hia“ zur Seite rutschen lässt. Diesen Monolog führt er sogar in einer Folge, in welcher die Wirtschaft annähernd leer ist und niemand an seiner Seite sitzt.

GeschichteBearbeiten

1962: HörspieleBearbeiten

Nach dem Ende von Ellis Kauts Geschichten vom Kater Musch, einer sieben Jahre laufenden Reihe für den Bayerischen Rundfunk, wollte sie eine geplante Nachfolgeserie einem Autorenteam überlassen. Erst als dieses Projekt versandete, schlug sie im Sommer 1961 der Leiterin des Kinderfunks Franck eine Reihe über einen Kobold namens „Pumuckl“ vor.[14] Dieser Name fiel laut Aussage der Autorin erstmals bei einem Skiausflug in der Schweiz. Bei einem Spaziergang durch die Winterlandschaft habe sie ihrem Ehemann den Schnee von den Ästen in seinen Nacken geschüttelt. Er habe daraufhin gesagt: „Du bist ja ein rechter Pumuckl!“[15] und auf Nachfrage, was denn ein Pumuckl sei: „In erster Linie ist er frech“. Das war alles und ihr Mann nannte sie auch nie mehr so. „Aber der Name war doch zu schön, um ihn einfach zu vergessen“, wie Kaut in ihrer Autobiografie schreibt. Die einzige Bedingung des Kinderfunks war, dass dieser Kobold deutlich anderes sprechen müsse, als sein Vorgänger, der Kater Musch. Bereits die ersten beiden Manuskripte wurden angenommen und die Reihe vorerst auf ein Jahr, mit einer halbstündigen Sendung monatlich, angesetzt.[14]

Die erste Folge „Spuk in der Werkstatt“ wurde am 21. Februar 1962, die letzte Folge „Pumuckl geht aufs Meer zurück“ am 30. Dezember 1973 ausgestrahlt. Die Radiohörspiele enden damit, dass Pumuckl einen anderen Klabauter kennenlernt und mit ihm glücklich in das Reich der Klabauter zurückkehrt und Meister Eder die Erkenntnis bleibt, dass Klabauter wie Kinder sind, die irgendwann erwachsen werden und ihren eigenen Weg gehen. Dieses Ende führte zu massiven Beschwerden von Kindern und Eltern, die der Meinung waren, dass es nicht sein dürfe, dass Pumuckl und Meister Eder getrennt werden. Die Folge wurde daraufhin nicht noch einmal gesendet.[10]

Die typische Pumuckl-Stimme stammte schon damals von Hans Clarin, also noch vor Buch-, Film- und Fernsehfassungen. Kaut hatte Clarin ausgewählt, nachdem sie dessen Stimme in einer Aufnahme von Otfried Preußlers Kleinen Hexe gehört hatte. Meister Eder wurde anfangs von Franz Fröhlich gesprochen, der die Wunschbesetzung der Autorin war und dem sie die Rolle, „auf den Bauch“ geschrieben habe.[14] Nach dem Tod Fröhlichs 1964 übernahm Alfred Pongratz die Rolle. Insgesamt entstanden 90 Folgen: 31 Folgen zwischen 1962 und 1964 mit Franz Fröhlich als Meister Eder und 59 weitere von 1965 bis 1973 mit Alfred Pongratz. Außerdem wurden 15 Geschichten, die es bereits mit Franz Fröhlich als Meister Eder gab, zwischen 1969 und 1973 noch einmal mit Alfred Pongratz neu aufgenommen. Die Regie der Radiohörspiele lag bis 1971 bei Jan Alverdes und wurde nach dessen Tod für die letzten 9 Folgen von Willy Purucker übernommen. Während im Schallarchiv des Bayerischen Rundfunks noch alle Hörspiele mit Alfred Pongratz als Meister Eder vorhanden sind, existieren von den Folgen mit Franz Fröhlich nur noch „Pumuckl und der Schmutz“ und „Pumuckl und die Gummiente“ sowie ein Hörermitschnitt von „Spuk in der Werkstatt“.

Parallel zur Radiohörspielreihe wurden von 1969 bis 1978 insgesamt 78 Geschichten erneut zur Veröffentlichung auf Tonträger aufgenommen, die ersten 18 wiederum unter der Regie von Jan Alverdes, ab Folge 19 mit Alexander Malachovsky als Regisseur. Bis zu seinem Tod 1977 sprach Alfred Pongratz auch hier den Meister Eder in 66 Folgen. In den letzten 12 Folgen übernahm diese Rolle dann bereits Gustl Bayrhammer.[16]

Die rheinische Hörspielvariante Immer dieser Fizzibitz wurde 1963 durch den WDR produziert. Karl Raaf war Sprecher des Meister Eder, und Hans Georg Gregor der des Fizzibitz.[17] Anlass der Umbenennung war, dass der Name Pumuckl an Pomocken erinnerte, einem Schimpfwort für Ostflüchtlinge. Kaut schlug den unverfänglichen Namen Fizzibitz vor, der auch gleich akzeptiert wurde. Die Autorin übersetzte den bayerischen Text für den WDR ins Schriftdeutsche, der dann die Weiterübersetzung ins Kölnische übernahm.[18]

Auch in der Schweiz existieren Hörspiele, hier als De Meister Eder und sin Pumuckl.[19] Darin lieh Jörg Schneider seine Stimme dem Pumuckl und Meister Eder wurde von Paul Bühlmann gesprochen. In diesen Hörspielen sprechen alle Schweizerdeutsch.

1965: BücherBearbeiten

Zwischen 1965 und 1978 erschienen zunächst zehn Bände mit 60 Geschichten im Stuttgarter Herold-Verlag. Erst 1991 folgte ein elfter Band mit sechs weiteren Geschichten. Für diese Bücher schuf Barbara von Johnson die Illustrationen und damit das Aussehen von Pumuckl. Seit den ersten Fernsehproduktionen wurde Pumuckl von Ellis Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall gezeichnet, der den Kobold mit roten Haaren zeichnete und ihn – auf Wunsch von Manfred Korytowski, dem Produzenten, der als Kind mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten nach Brasilien geflüchtet war[20] – in eine grüne Hose und ein gelbes Oberhemd (Brasilianische Nationalfarben) steckte.

Seit 2017 erscheinen im Kosmos-Verlag Vorlesebücher, die außer den alten Geschichten auch neue im Stile Ellis Kauts enthalten. Autorin dieser neuen Geschichten ist Ulrike (Uli) Leistenschneider.[21]

1969: SchallplattenBearbeiten

Auf Basis der Radiohörspiele entstanden ab 1969 zunächst 33 Schallplatten mit je zwei Folgen. Der Pumuckl wird hier von Hans Clarin und der Meister Eder von Alfred Pongratz gesprochen. Im Unterschied zu den Radiohörspielen wird hier mehr hochdeutsch gesprochen, auch gibt es Abweichungen im Detail und bei den Sprechern der Nebenrollen. Wie in der Rundfunkversion spielten prominente bayerische Volksschauspieler wie Erni Singerl, Karl Obermayr, Karl Tischlinger, Katharina de Bruyn und Alexander Malachovsky häufig in Gastrollen mit.

Nach dem Tod von Alfred Pongratz wurden sechs weitere Langspielplatten mit je zwei Folgen produziert, in denen Gustl Bayrhammer, der in den früheren Episoden schon als Stammtischfreund gesprochen hatte, den Meister Eder spricht (aus unbekannten Gründen wurde August Riehl als Erzähler in diesen zwölf Folgen durch Harald Leipnitz ersetzt). Nach dem Erfolg des Kinofilms und der ersten TV-Staffel erfolgte eine komplette Neuauflage der Hörspielkassetten/-schallplatten (die Folgen mit Alfred Pongratz wurden dazu nun auch mit Gustl Bayrhammer eingesprochen, während in den letzten Folgen der alten Reihe, in denen Bayrhammer den Meister Eder und Leipnitz den Erzähler gesprochen hatte, wieder mit Riehl als Erzähler eingesprochen worden war). Hier wurden überwiegend die Dialoge aus der Schallplatten-Reihe übernommen, die Dialoge der Kinder wie Florian Halm und Julia Fischer, die zum Zeitpunkt der neuen Reihe bereits erwachsen war, wurden beispielsweise nicht neu eingesprochen, ebenso wenig der Dialog von Lina Carstens als Frau Altenwenger in Der erste Schnee, die bereits 1978 verstorben war. Teils wurden jedoch auch neue Sprecher eingesetzt. Beispielsweise hatte Bayrhammer in den Folgen mit Pongratz bereits den Schlosser Schmitt gesprochen; in den neuen Folgen wurde der Schmitt in den Folgen, in denen Bayrhammer ihn gesprochen hatte, von Fritz Straßner gesprochen. Eine weitere neue Sprecherin war Ilse Neubauer als Frau Eichinger, die in der ersten Staffel der Fernsehsendung die Hausmeisterin gespielt hatte. Die Rolle der Frau Eichinger wurde allerdings hauptsächlich von Erni Singerl gesprochen (wie auch deren Aushilfe Frau Singermeier, die Bäuerin und noch einige mehr). Außerdem enthalten die neuen Hörspiele auch das Titellied der Fernsehsendung. Insgesamt entstanden 86 Folgen mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder.

Abweichend vom Radiohörspiel geht Pumuckl nicht aufs Meer zurück, sondern bleibt in der nun Pumuckl und der blaue Klabauter benannten Folge am Ende doch beim Meister Eder.

1982: Spielfilm „Meister Eder und sein Pumuckl“Bearbeiten

Von 1978 bis 1981 (Kinostart 1982) entstand unter dem Titel Meister Eder und sein Pumuckl der erste Pumuckl-Kinofilm. Gustl Bayrhammer, der seit 1977 Meister Eder in den Hörspielen sprach, übernahm diese Rolle auch für die Verfilmungen. Pumuckl ist, wie auch in allen danach entstandenen Filmen und Serien, als Zeichentrickfigur zu sehen, die in eine reale Umgebung einkopiert ist. Diese Trickteile entstanden bei der Pannonia-Film in Budapest.

Der Film ist im Wesentlichen ein Zusammenschnitt von vier Episoden der parallel produzierten Fernsehserie: „Spuk in der Werkstatt“, „Das verkaufte Bett“, „Das Schlossgespenst“ und „Das Spanferkelessen“, wobei sich die Folgen von den Serienepisoden leicht unterscheiden: Teilweise ist die Musik etwas anders (auffällig besonders in der Folge „Das Schlossgespenst“), zudem wurden einzelne Szenen herausgeschnitten (das fällt besonders im Film beim Spanferkelessen auf). Allerdings wurden etliche Szenen doppelt (mit anderen Darstellern in Nebenrollen) aufgenommen. Die Animation des Pumuckl unterscheidet sich in einigen Fällen, wie beispielsweise, als er erklärt, bei dem bleiben zu müssen, der ihn einmal gesehen hat.[22]

1982 / 1988: Fernsehserie „Meister Eder und sein Pumuckl“Bearbeiten

Von 1978 bis 1988 (Erstausstrahlung 1982) entstand die Serie Meister Eder und sein Pumuckl mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder; Hans Clarin lieh dem Kobold Pumuckl seine Stimme. Die Serie besteht aus 52 Folgen in zwei Staffeln. Regie führte Ulrich König.[23]

1994: Spielfilm „Pumuckl und der blaue Klabauter“Bearbeiten

1993 verstarb Eder-Darsteller Gustl Bayrhammer. Zuvor hatte er noch ein letztes Mal diese Rolle für den 1994 erschienenen Film „Pumuckl und der blaue Klabauter“ gespielt, in dem Eder nur kurz auftrat. Aufgrund seines Todes vor der Fertigstellung des Films musste Bayrhammer nachträglich von Wolf Euba synchronisiert werden, da die Tonqualität zu schlecht war. In dem Film wirkten außerdem Heinz Eckner, Towje Kleiner und Wolfgang Völz (als Stimme des blauen Klabauters und als Steuermann des Kreuzfahrtschiffes) mit. Die Regie führten Alfred Deutsch und Horst Schier, da Ulrich König das Drehbuch nicht gefiel.[24]

1995–2007: Fernsehsendung „Pumuckl TV“Bearbeiten

1995 startete in der ARD die Fernsehsendung Pumuckl TV, in der alte Pumuckl-Folgen und andere Serien gezeigt wurden. Die Rahmenhandlung wurde unter anderen von Eva Habermann und Denise Zich moderiert. Hans Clarin (die Stimme des Pumuckl) spielte in dieser Serie den Bösewicht Silvio Kirsch. Benedikt Weber spielte von 1995 bis 2003 den „Außenreporter Beni“, ab 2003 den bösen Zauberer Magerix.

1999: Fernsehserie „Pumuckls Abenteuer“Bearbeiten

Unter dem Titel Pumuckls Abenteuer wurde 1999 eine weitere Serie produziert, die an den Kinofilm Pumuckl und der blaue Klabauter anknüpft und von seinen Erlebnissen auf einem Schiff handelt. Pumuckls neuer „Meister“ ist hier der Schiffskoch Odessi, gespielt von Towje Kleiner. Die Serie wurde nach 13 Episoden eingestellt.[25]

2000: Musical „Meister Eder und sein Pumuckl“Bearbeiten

Am 21. Oktober 2000 fand die Uraufführung des Pumuckl-Musicals Meister Eder und sein Pumuckl in München statt. Eine Tournee mit insgesamt über 250.000 Zuschauern folgte.

2003: Spielfilm „Pumuckl und sein Zirkusabenteuer“Bearbeiten

Von 1999 bis 2003 entstand der Kinofilm Pumuckl und sein Zirkusabenteuer. Auch diesmal verzichtete man auf eine Neubesetzung des Meister Eder: Nachdem Pumuckl von der Schiffsreise aus „Pumuckls Abenteuer“ zurückkehrt, muss er feststellen, dass der Schreinermeister in der Zwischenzeit verstorben ist. Dafür trifft Pumuckl auf dessen Verwandten, den Restauratormeister Ferdinand Eder, gespielt vom ehemaligen Sprecher Pumuckls Hans Clarin. Dessen frühere Aufgabe wurde im Film von Kai Taschner übernommen, weil Clarin aus gesundheitlichen Gründen nach über 40 Jahren die stark stimmbänderbelastende (etwa zwei Oktaven höhere und leicht krächzende) Pumuckl-Stimme nicht mehr sprechen konnte. Auffallend ist im Film auch, dass Pumuckl immer erst in letzter Sekunde unsichtbar wird und nicht – wie früher – fast eine Minute vorher. Weitere Darsteller in dem Film sind unter anderem Christine Neubauer, Sunnyi Melles, Nikolaus Paryla, Erni Singerl, Patrick Lindner und Karl-Heinz Wildmoser.

2008: Pumuckl-HörbücherBearbeiten

Seit 2008 werden die klassischen Pumuckl-Geschichten als Hörbücher, gelesen von Stefan Kaminski, verlegt. Im Titel Pumuckl – Sommergeschichten wurde erstmals auch eine neue Geschichte (Der Ferienhund) von Autorin Uli Leistenschneider vertont.

2018: Musical „Pumuckl“Bearbeiten

Am 19. April 2018 fand die Uraufführung des Musicals Pumuckl von Franz Wittenbrink und Anne X. Weber nach Ellis Kaut im Münchner Gärtnerplatz-Theater statt. Premierenbesetzung war u. a. Benjamin Oeser als Pumuckl und Ferdinand Dörfler als Meister Eder.[26]

RechtsstreitBearbeiten

Die Zeichentrickfigur war und ist Gegenstand diverser Gerichtsverfahren. Zwar hat Ellis Kaut die Pumuckl-Geschichten erfunden, sein Aussehen stammt aber von der Zeichnerin Barbara von Johnson, die den Pumuckl 1963 bei einem Wettbewerb entworfen und später im Auftrag von Ellis Kaut gezeichnet hat. Mit der Produktion des ersten Filmes wurde ihre Pumuckl-Figur durch eine von der Pannonia-Film in Budapest gestaltete ersetzt. Das Oberlandesgericht München entschied im Juli 2003, dass Barbara von Johnson auch an der Figur des Pumuckl in seinem heutigen Erscheinungsbild ein Urheberrecht zustehe.[27] 2006 wurde Barbara von Johnson rückwirkend eine Vergütung für die gezeichneten Auftritte des Pumuckls zugesprochen. Infolge der Entscheidung wird sie nun namentlich im Vorspann der Serie erwähnt.

Auch in einem weiteren Rechtsstreit, ob Barbara von Johnson einen Malwettbewerb unterstützen darf, bei dem Kinder eine Freundin für Pumuckl zeichnen sollten, oder ob dieses nicht das Urheberpersönlichkeitsrecht von Ellis Kaut an der literarischen Figur Pumuckl verletze, urteilte das Landgericht München zugunsten von Barbara von Johnson. Weitere Rechtsstreite zwischen den beiden Pumuckl-Müttern waren in Folge vor dem Landgericht München anhängig.[28] Die Unstimmigkeiten wurden im Jahr 2012 so weit ausgeräumt, dass der Öffentlichkeit die Versöhnung der Pumuckl-Mütter mitgeteilt wurde.[29][30]

Dass die Folgen der zweiten Fernsehstaffel lange nicht auf DVD erschienen, lag laut dem Universal-Label Karussell an der ungeklärten Rechtslage. Nachdem 2012 die Verträge zwischen Infafilm und BR/ARD ausliefen, wurde die Serie überdies auch nicht mehr im Fernsehen gezeigt.[31] Erst nachdem im März 2019 sämtliche Episoden restauriert und in HD neu abgetastet auf Amazon Prime erschienen, ist die Serie seit November 2019 auch komplett auf DVD und Blu-ray erhältlich. Im März 2020 begann der Bayerische Rundfunk mit der erneuten Ausstrahlung.[32][33]

Kurz vor dem Erscheinungstermin der 50. Jubiläumsausgabe des ersten Pumuckl-Buchs am 11. September 2015 drohte erneut ein Streit auszubrechen. Die Figur des Protagonisten sollte in der Neuauflage in veränderter Gestalt auftauchen – ohne seinen charakteristischen kleinen Bauch. Mit dem Hashtag „#bringbackbäuchlein“ gab es eine Protestaktion auf Twitter. Auf Druck der Fans blieb es bei nur einer Auflage mit einem dünnen Pumuckl. Spätere Veröffentlichungen richten sich wieder nach der traditionellen Vorlage.[34]

RezeptionBearbeiten

Siehe: Pumuckl-Museum in Uthlede

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Meister Eder und sein Pumuckl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zusammenfassung nach Spuk in der Werkstatt. BR-Hörspiel mit Alfred Pongratz und Hans Clarin.
  2. Diese Interpretation nennt Ellis Kauts Tochter Ursula Bagnall „Quatsch“, vgl. Peter-Philipp Schmitt, Kobold-Style. Vor 50 Jahren wurde der Pumuckl erfunden. In: Z – Die schönen Seiten Ausgabe 4/2012. S. 58.
  3. Koboldsgesetze laut Pumuckl:
    „# Wenn ein Kobold an einem menschlichen Ding hängen bleibt oder von einem Menschen eingezwickt oder festgehalten wird, dann wird er sichtbar.
    # Wer mich einmal gesehen hat, der wird mich immer sehen - unsichtbar bin ich nur noch für andere Menschen.
    # Ich muß bei dem bleiben, der mich einmal gesehen hat.“
  4. Zitat aus: Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009 ISBN 978-3-7844-3194-9 S. 193. Siehe auch: Pumuckls Eigenheiten auf pumucklhomepage.de, aufgerufen am 26. November 2020
  5. Korbinian Eisenberger: Wer hat dieses Bett wohl wegversteckt?, Artikel in sueddeutsche.de vom 3. Januar 2019, aufgerufen am 26. November 2020
  6. Pumuckl-Titelsong aus dem Intro der Fernsehserie von 1982/88 und den Hörspielfolgen mit Gustl Bayrhammer (Oh, das reimt sich ja und was sich reimt, ist gut)
  7. Zitat aus: Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009 ISBN 978-3-7844-3194-9 S. 194
  8. Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009 S. 8
  9. pumucklhomepage: Alles über die Hörspiele, aufgerufen am 17. Februar 2021
  10. a b „Bücher allein können nicht erziehen“. Pumuckl-Mutter Ellis Kaut und Urmel-Vater Max Kruse über Schreiben, Erziehung, Alter und das Leben, Süddeutsche Zeitung vom 4./5. September 2004 (aufgerufen am 17. Februar 2021)
  11. Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir, Langen Müller 2009 (Angaben über Siegfried Kaut: S. 10 [Beruf], 15 u. 21 [Vorname] und 109–110 [Tod], Fritz Fröhlich: S. 186)
  12. TV-Folge Pumuckl und die Musik bei 3:33, geringfügig anders formuliert auch in der TV-Folge Der silberne Kegel bei 12:32. Schriftdeutsch: „Ich sage nichts, denn wenn ich etwas sage, dann sagt ihr gleich wieder: ‚Sag lieber nichts‘, also sage ich gleich lieber nichts.“
  13. Folge „Die geheimnisvollen Briefe“
  14. a b c Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009 ISBN 978-3-7844-3194-9 S. 183 bis 194
  15. Vgl. Peter-Philipp Schmitt, Kobold-Style. Vor 50 Jahren wurde der Pumuckl erfunden. In: Z – Die schönen Seiten Ausgabe 4/2012. S. 58.
  16. über die Hörspielproduktionen auf www.pumucklhomepage.de. Abgerufen am 12. Januar 2012.
  17. Immer dieser Fizzibitz auf pumucklhomepage.de
  18. Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009 S. 188 bis 189
  19. bibliothekwetzikon.ch: De Meister Eder und sin Pumuckl : de Pumuckl und s Gäld : de Pumuckl i de Schuel : Dialektfassung / Ellis Kaut, aufgerufen am 13. Oktober 2020
  20. Peter-Philipp Schmitt, Kobold-Style. Vor 50 Jahren wurde der Pumuckl erfunden. In: Z – Die schönen Seiten Ausgabe 4/2012. S. 58.
  21. Christine Schniedermann: Die Frau, die Pumuckl weiter leben lässt Interview mit Ulrike Leistenschneider auf kirche-und-leben.de. Beitrag vom 28. November 2017, aufgerufen am 19. Oktober 2020
  22. pumucklhompage.de: Meister Eder und sein Pumuckl Szenenvergleich - Serie, aufgerufen am 23. Januar 2021
  23. pumucklhompage.de: TV-Serie Meister Eder und sein Pumuckl - 1. Staffel, aufgerufen am 24. Januar 2021
  24. Interview mit Ulrich König auf tv-kult.com
  25. pumucklhomepage.de: TV-Serie Pumuckls Abenteuer, aufgerufen am 25. Oktober 2020
  26. gaertnerplatztheater.de
  27. Pumuckl hat zwei Mütter, Süddeutsche Zeitung vom 4. September 2003
  28. Pumuckl-Mütter streiten weiter (Augsburger Allgemeine vom 29. April 2009)
  29. Versöhnung über Pumuckl. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. September 2013; abgerufen am 1. September 2013.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ellis-kaut.de
  30. Peter T. Schmidt: Endlich: Pumuckl-Streit ist beendet. In: Münchner Merkur. 10. März 2012 (Online [abgerufen am 1. September 2013]).
  31. pumucklhomepage.de, archivierte Version im Internet archive vom 3. Mai 2018, aufgerufen am 23. Oktober 2020
  32. pumucklhomepage.de Wo bekomme ich die Pumucklfolgen auf DVD, Video, CD, etc? aufgerufen am 23. Oktober 2020
  33. fernsehserien.de: 1 und 2 (DVD und Blu-ray)
  34. Carina Zimniok: Streit um den Kult-Kobold – Hurra! Hurra! Pumuckl darf seinen Kugelbauch behalten. Artikel auf Merkur.de vom 26. August 2015, zuletzt abgerufen am 1. August 2017.