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Die Medebacher Bucht ist ein größtenteils im sauerländischen Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) gelegener Naturraum im Ostsauerländer Gebirgsrand (Haupteinheit 332), der in Süden und Osten auch Anteil am nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg hat und die Kennziffer 332.4 trägt. Als eine von bewaldeten Höhen umschlossene Mittelgebirgssenke gliedert sie sich in die Schiefe Ebene von Medebach im Norden, das Hallenberger Hügelland im Südwesten und den Münder Grund im Osten.

Medebacher Bucht
Systematik nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Großregion 1. Ordnung Mittelgebirgsschwelle
Großregion 2. Ordnung Rheinisches Schiefergebirge
Haupteinheitengruppe 33 →
Süderbergland
Über-Haupteinheit 332 →
Ostsauerländer Gebirgsrand
Naturraum 332.4
Medebacher Bucht
Geographische Lage
Koordinaten 51° 8′ 43″ N, 8° 40′ 46″ OKoordinaten: 51° 8′ 43″ N, 8° 40′ 46″ O
Medebacher Bucht (Nordrhein-Westfalen)
Medebacher Bucht
Lage Medebacher Bucht
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland

Hieran angelehnt bezeichnet Medebacher Bucht, wenngleich mit etwas engeren Grenzen, auch eine Kulturlandschaft im westfälischen Regierungsbezirk Arnsberg. Sie wird von den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe als eine von 32 nordrhein-westfälischen Kulturlandschaften unter der Schlüsselnummer KL 23 geführt.

In der Medebacher Bucht liegt das Europäische Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht. Westen und Mitte der Medebacher Bucht sind Teil des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge, nicht jedoch der hessische Teil zwischen Münden und Somplar, der in etwa dem Münder Grund entspricht.

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Die Medebacher Bucht umfasst den südöstlichen Teil des Hochsauerlandkreises, insbesondere das Stadtgebiet von Medebach nebst diversen südlicheren Stadtteilen (Medelon, Dreislar und Berge) und das Stadtgebiet Hallenbergs nebst allen Ortsteilen (Liesen, Hesborn und Braunshausen).

Auf hessischer Seite, im Westen des Landkreises Waldeck-Frankenberg, umfasst sie ferner die Kerngemeinde Bromskirchen nebst Ortsteil Somplar im äußersten Süden, den Frankenberger Stadtteil Rengershausen im äußersten Südosten und die Ortsteile Münden und Neukirchen von Lichtenfels im äußersten Osten.

Naturräumliche GliederungBearbeiten

Die Medebacher Bucht gliedert sich naturräumlich wie folgt:[1]

  • 332.4 Medebacher Bucht (113 km²)
    • 332.40 Schiefe Ebene von Medebach
    • 332.41 Hallenberger Hügelland
    • 332.42 Münder Grund

Von den im nördlichen Osten angrenzenden Erhebungen des Rothaargebirges fällt die ansonsten auffallend flache Schiefe Ebene von Medebach in südöstliche Richtungen allmählich von etwa 450 auf 350 m ü. NHN ab. Im Südosten und damit im zentralen Osten der Bucht erreicht sie den Münder Grund, der sich mit Höhen von nur 300 bis 350 m an der Ostgrenze der Bucht gen Südwesten zieht.

Die nebst ihren Flusstälern in südöstliche Richtungen abfallende Landschaft wird von den hierzu diagonal, in nordöstliche Richtungen verlaufenden, teils fast 600 m Höhe erreichenden Rippen, Höckern und Riedeln des Hallenberger Hügellandes gekreuzt und in Segmente geteilt.

Die unmittelbaren Osthänge der Rothaargebirgs-Abdachung westlich der Orte Bromskirchen, Hallenberg und seiner sich nördlich anschließenden Ortsteile Liesen und Hesborn wurden früher als Driesche und Huten genutzt, sind heute jedoch verheidet oder wieder bewaldet. Sie werden daher zwar zum Naturraum, nicht jedoch zur Kulturlandschaft Medebacher Bucht gezählt.

Angrenzende NaturräumeBearbeiten

Die Medebacher Bucht ist Teil der Ostabdachung des im Westen unmittelbar angrenzenden Rothaargebirges mit (von Südsüdwest nach Nordnordost) Heidkopf (703,8 m), Bollerberg (757,7 m) und Winterkasten (662,6 m).

In nördliche, östliche, südliche und südwestlichere Himmelsrichtungen grenzt die Medebacher Bucht an andere Teile des Ostsauerländer Gebirgsrandes, die, anders als die Bucht selber, weitgehend bewaldet sind:[2]

  • Grafschafter Bergland (332.5) – im Norden
    • Hard und Wipperberg (332.51) – bis 590 m, Norden
    • Eschenberg-Eisenberg-Rücken (332.50) – bis 562 m, minimale Berührstelle im östlichen Norden
  • Waldstruth (332.3) – Osten und Südosten
    • Aarstruth (332.34) – bis 476 m, Nordosten
    • Örkische Schweiz (332.33) – bis 454 m 454, minimale Berührstelle im Osten
    • Sachsenberger Leimestruth (332.31) – bis ca. 437 m, minimale Berührstelle im Osten
    • Breite Struth (332.30) – bis 491 m, südlicher Osten bis östlicher Süden
  • Hinterländer Ederbergland (332.1) – Südwesten
    • Elbrighäuser Wald (332.11) – in Buchtnähe bis 594 m, Südwesten

FließgewässerBearbeiten

Die Medebacher Bucht liegt gänzlich im Einzugsgebiet der Eder. Die Flüsse Orke (nördlich der Mitte) und Nuhne (Süden) entspringen nebst ihren Nebenflüssen im Rothaargebirge und durchfließen die Bucht in ostsüdöstliche Richtungen. Der Linspherbach als dritter beteiligter, direkter Nebenfluss der Eder hat nur im Mittellauf, als süd(west)licher Grenzfluss zum Hinterländer Ederbergland, Anteil am Naturraum.

Die folgende, von Norden nach Süden geordnete Tabelle, führt die wichtigsten Flüsse der Medebacher Bucht, ihre Länge, ihr Einzugsgebiet und, falls ermittelbar (Mündung in Hessen), ihren Abfluss auf:[3][4]

Name
Haupt-
fluss
Länge
[km]
Einzugsgebiet
[km²]
Abfluss
(MQ) [l/s]
Bemerkungen DGKZ
Wilde Aa Orke (l) 27,1 126,4 1.815 nur im Mündungslauf als Ostgrenze im Naturraum 428-46
Brühne Orke (l) 7,8 15,5 Quelle im Naturraum selber;
ab dem Mittellauf nordöstlicher Grenzfluss
428-44
Harbecke Brühne (r) 7,8 7,9 428-442
Medebach Orke (l) 7,9 8,3 428-432
Gelängebach Orke (l) 7,3 14,9 428-42
Eckeringshauser Siepen Gelängebach (r) 5,4 4,5 nur im Mündungslauf im Naturraum 428-422
Orke Eder (l) 38,2 279,1 3.845 nur im Mittellauf im Naturraum 428-4
Schweiger Bach Orke (r) 5,5 8,1 verläuft gänzlich im Naturraum 428-452
Olfe Nuhne (l) 11,7 22,4 299 428-26
Wehlenbach Nuhne (l) 5,5 6,8 verläuft gänzlich im Naturraum 428-256
Dreisbach Nuhne (l) 4,5 4,3 verläuft gänzlich im Naturraum 428-254
Liese Nuhne (l) 7,0 9,1 428-24
Nuhne Eder (l) 156,7 2.662 428-2
Welfe Nuhne (r) 6,3 7,9 428-252
Linspherbach Eder (l) 18,3 33,1 566 nur im Mittellauf als südlicher Grenzfluss im Naturraum 428-18

BergeBearbeiten

Obgleich primär eine Talsenke, verfügt die Medebacher Bucht, vor allem mittig im Hallenberger Hügelland und im Norden der Schiefen Ebene von Medebach, an der unmittelbaren Nahtstelle zum Grafschafter Bergland, durchaus über nennenswerte innere Erhebungen.

Zu den Bergen der Medebacher Bucht gehören insbesondere – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):

  • Linsenberg (566,5 m) – Mitte, westnordwestlich von Dreislar
  • Galgenberg (530,4 m) – Mitte, südwestlich des Linsenberges, östlich von Liesen
  • Winterkopf (524,9 m) – Nahtstelle zu Hardt und Wipperberg, äußerster Norden, nördlich vom Weddelberg
  • Valshagenberg (Valshagen; 508,1 m; Südgipfel) – Nahtstelle zum Eschenberg-Eisenberg-Rücken im östlichen äußersten Norden, östlich vom Winterkopf
  • Raunsberg (501,1 m; Westgipfel "Im Espe") – nordöstlich des Linsenberges, Mitte, nordnordöstlich von Dreislar
  • Weddelberg (498,3 m) – Südausläufer des Winterkopfes, nördlich von Medebach
  • Heideknipp (468,8 m) – Mitte, südlich des Linsenberges, nördlich von Braunshausen

KulturgeschichteBearbeiten

Territorial gehörte die Kernzone der Medebacher Bucht im Mittelalter und der frühen Neuzeit wie die westlich angrenzenden Gebiete zum Kölnischen Sauerland. Seit 1815 gehörte sie zum Königreich Preußen.

Die landwirtschaftliche Nutzung ist kleinteilig. Architektonisch sind landwirtschaftlichen Gebäude den hessischen Bautypen zuzuordnen. Die abseitige Lage fern der Verkehrsströme ist primär von Land- und Forstwirtschaft, die Siedlungsstruktur von Weilern und kleinen Dörfern geprägt. Zu den typischen Landschaftsbestandteilen gehören Kreuzwege.

OrtschaftenBearbeiten

Insgesamt wohnen etwa 13.400 Einwohner in den Ortschaften der Medebacher Bucht, davon etwa 44 % in diversen Stadtteilen Medebachs, 34 % in den Stadtteilen Hallenberg, 13 % in den zwei Haupt-Ortsteilen Bromskirchens, 7 % in zwei Ortsteilen von Lichtenfels und 3 % in einem Außenstadtteil Frankenbergs.

Die folgende Auflistung ist alphabetisch zunächst nach den fünf Gemeinden, innerhalb derer dann nach Gemeindeteilen geordnet. Aufgezählt werden Einwohnerzahlen, Lage innerhalb der Medebacher Bucht und, durch Semikolon getrennt, die Lage der Medebacher Bucht innerhalb der jeweiligen Gemeindegemarkung.
(Gesamteinwohnerzahlen beziehen sich nur auf die Ortsteile der Medebacher Bucht – Einwohnerzahlen mit Stern (*) sind daher nur Teileinwohnerzahlen der Gemeinde!)

  • Bromskirchen (1713 EW, äußerster Süden; Nordosten der Gemeindegemarkung mit den wichtigsten Gemeindeteilen)
    • Bromskirchen (1246* EW)
    • Somplar (467 EW)
  • Frankenberg (417* EW, äußerster Südosten; minimal im äußersten Nordwesten der Gemarkung)
  • Hallenberg (4502 EW, südwestliche Mitte bis Südwesten; Osthälfte der Gemarkung mit allen besiedelten Ortsteilen)
  • Lichtenfels (908* EW, äußerster Osten; äußerster Westen der Gemarkung)
  • Medebach (5851* EW, Mitte bis Norden; in etwa die süd(öst)liche Hälfte der Gemarkung)

Europäisches Vogelschutzgebiet Medebacher BuchtBearbeiten

 
Naturschutzgebiet Nuhnewiesen
 
Braunkehlchen im Naturschutzgebiet Nuhnewiesen

In der Medebacher Bucht wurde das Europäische Vogelschutzgebiet (Kurzbezeichnung Vogelschutzgebiet), unter NR. DE-4717-401[5], im Schutzgebietssystem Natura 2000 der Europäischen Union ausgewiesen. Mit 138,72 km²[5] Fläche umfasst es 75,3 % der gesamten Bucht. Grund dieser Ausweisung ist, dass dort einige seltene Vogelarten mit größeren Brutpaarzahlen zu finden sind. Grund waren insbesondere die Vorkommen von Schwarzstorch, Wespenbussard, Rotmilan, Raufußkauz, Eisvogel, Grauspecht, Neuntöter, Raubwürger und Wiesenpieper.[6] Dazu kommen noch zahlreiche weitere seltene Tierarten wie Wachtel, Rebhuhn, Mühlkoppe, Bachneunauge, Schwalbenschwanz, Dukaten-Feuerfalter und Warzenbeißer vor. Auch floristische Seltenheiten wie Trollblume, Bauernsenf und Heidenelke sind in der Medebacher Bucht anzutreffen. Ganze Lebensraumkomplexe haben hier europaweite Bedeutung wie die Bergmähwiesen, Glatthaferwiesen und Bergheiden.

Im Jahr 1990 schlug der Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis (VNV) beim Internationalen Rat für Vogelschutz eine Ausweisung der Medebacher Bucht vor. 1998 erfolgte dann die Ausweisung als Vogelschutzgebiet. Der VNV hatte in den 1990er Jahren 4 bis 5 Brutpaare (BP) Schwarzstorch (10–15 % der NRW-Population), 20 BP Rotmilan (5–10 % der NRW-Population), 300 bis 500 BP Neuntöter (15–20 % der NRW-Population), 30 BP Raubwürger (30–50 % der NRW-Population), 60 Braunkehlchen (20 % der NRW-Population) und 30 BP Grauspecht (3–5 % der NRW-Population) nachgewiesen. Auf Antrag des VNV hatte die NRW-Stiftung in den 1990er Jahren Flächen im Piezfeld und im Gelängebachtal angekauft. 1997 stellte das Land NRW 2,5 Mill. DM zur Verbesserung der Lebensräume des Raubwürgers zur Verfügung. Diese Gelder waren verteilt auf fünf Jahre bewilligt. Die Durchführung des Projektes lag in der Hand der Biologischen Station Hochsauerlandkreis.[7]

Von 2005 bis 2009 lief im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht ein LIFE-Projekt der Europäischen Union. Projektträger vor Ort war die Biologische Station Hochsauerlandkreis.

Während des LIFE-Projekt wurden unter anderem Gewässerrenaturierungen an den Flüssen Nuhne, Orke und Gelänge durchgeführt. Über 1000 Meter Uferverbau konnten an der Nuhne entfernt werden, damit sich natürliche Ufer- und Sohlstrukturen entwickeln können. An Nuhne, Gelänge und Orke wurden insgesamt 74 Wehre umgebaut und sind nun für Fische und andere Kleinorganismen wieder passierbar.

Im Naturschutzgebiet Nuhnewiesen wurde ein Beobachtungsturm gebaut. Vier Naturwege in "Highlights" des Gebietes wurden angelegt und multimediale Ausstellungen in Medebach und Hallenberg eingerichtet.

Mit der Heugrasansaat, mit Mähgut aus der Medebacher Bucht, beimpfte die Station ehemals artenarme Standorte. Zwei Doppelmessermähbalken, welche aus Projektmitteln angekauft wurden, können nach Anfrage bei der Biologischen Station an interessierte Landwirte ausgeliehen werden. Auf dem Hilmesberg bei Hesborn wurden großflächig standortfremde und monotone Fichtenbestände entfernt. Die Flächen wurden in einem speziellen Anspritzverfahren mit Heidesamen geimpft. Die beiden Beerenarten Blaubeere und Preiselbeere wurden mit autochthonen abgeplaggten Soden ausgebracht.[8]

2019 wurde der Vogelschutz-Maßnahmenplan (VMP) EU-Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Darin wurde festgestellt, dass es seit der Ausweisung auch im Vogelschutzgebiet zum Rückgang vieler Vogelarten kam da auch in der Medebacher Bucht eine starke Intensivierung der Landwirtschaft stattfand. Im 'Vogelschutz-Maßnahmenplan sind Maßnahmen aufgeführt die den Rückgang der Vogelarten im Schutzgebiet stoppen soll.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BfN-Landschaftssteckbrief: Medebacher Bucht@1@2Vorlage:Toter Link/www.bfn.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Karte und Beschreibung im Umweltatlas Hessen
  3. TIM online
  4. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  5. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  6. Hochsauerlandkreis – Untere Landschaftsbehörde (Hrsg.): Landschaftsplan Hallenberg, Meschede 2004.
  7. Johannes Schröder: Skandal um das Vogelschutzgebiet "Medebacher Bucht". In: Irrgeister. 14, 1997, S. 4–7.
  8. Medebacher Bucht – Baustein für Natura 2000, auf medebacher-bucht.de
  9. Vogelschutzmaßnahmenplan Medebacher Bucht

Allgemeine QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten