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Logo von Mauxion-Schokolade

Mauxion ist eine seit 1855 bestehende Schokoladenmarke, die heute der Ludwig Schokolade GmbH & Co. KG gehört. Ludwig Schokolade wiederum gehört zur Krüger-Gruppe mit Sitz in Bergisch Gladbach. Mauxion zählte zwischen den beiden Weltkriegen zu den Premium-Marken.

GeschichteBearbeiten

Gründung in Berlin und Umzug nach SaalfeldBearbeiten

 
Ehemalige Mauxionfabrik in Saalfeld an der Saale (heute Stollwerck)

Am 3. Juni 1855 eröffnete der damals 25-jährige Franzose André Mauxion (1830–1905) als gelernter Confiseur in Berlin eine Confiserie. Diese wurde 1872 um eine eigene Schokoladenproduktion erweitert. Als sich André Mauxion aus Altersgründen aus dem Unternehmen zurückzog, übernahmen 1895 seine beiden Söhne Alfred und Felix die Geschäftsführung. Da die Berliner Fabrikräume zu eng wurden, erwarben die Gebrüder die Neumühle bei Köditz in der Nähe von Saalfeld/Saale. Im Winter 1900/01 siedelte die Fabrik von Berlin nach Saalfeld um. Durch Nutzung der Wasserkraft konnten jetzt auch der Mauxion-Betrieb neuartige Conchiermaschinen einsetzen, welche die Firma ein Jahr zuvor nach eigenen Plänen konstruieren ließ

Am 5. September 1911 wurde die offene Handelsgesellschaft „André Mauxion in Neumühle bei Saalfeld an der Saale“ in die „Chocoladenfabrik Mauxion m.b.H.“ umgewandelt. Bei Gründung der GmbH treten drei neue Gesellschafter ein, darunter der spätere Alleineigentümer Ernst Hüther. Der sich verschlechternde gesundheitliche Zustand der Brüder Mauxion veranlasste diese, sich mehr und mehr aus dem Geschäft zurückzuziehen. Am 28. Juni 1913 endete die Vertretungsbefugnis von Alfred Mauxion. Ernst Hüther übernahm die Firmenleitung und erhöhte einige Monate darauf, am 12. November 1913, das von ihm eingebrachte Stammkapital von 100.000 M auf 330.000 M. Die Brüder Mauxion verließen zu diesem Zeitpunkt die Stadt Saalfeld und zogen zurück nach Berlin. Sechs Jahre nach Eintritt in die Firma Mauxion übernahm Ernst Hüther in den Jahren 1917/1918 als Alleininhaber die Fabrik. Ernst Hüther stammte aus Pößneck in Thüringen und hatte bei dem 1876 gegründeten Schokoladenhersteller Robert Berger (heute Schokoladenwerk Berggold) eine kaufmännische Lehre absolviert. Im Jahre 1909 arbeitete er in Berlin als Generalvertreter der Tangermünder Schokoladenfabrik.

Entwicklung in Saalfeld unter Ernst HütherBearbeiten

Die Zeit des Ersten Weltkrieges war die erste große Herausforderung für den neuen Geschäftsführer. Als die Kakaolieferungen ausblieben, entwickelte die Firma ein besonderes Verfahren zur Nutzung von Getreidekeimen. In großem Umfang wurden Ersatzlebensmittel wie Nährsuppen und ein sogenannter „Morgentrank“ hergestellt. Die Produktion nahm einen solchen Umfang an, dass eine Tagesproduktion von 300 Zentnern erreichte wurde.

Zwischen 1921 und 1928 wurde der größte Teil der alten Mühlenanlagen abgerissen und ein moderner Industriebetrieb errichtet. Die Neubauten waren nötig, da der Firmenumsatz nach dem Ersten Weltkrieg stetig anstieg. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wieder: Von 500 im Jahre 1920 steigt die Zahl der Arbeiter und Angestellten im Jahre 1925 auf etwa 1800. 1924 erzielte die Firma einen Umsatz von 17,4 Millionen RM. Dieser Wert konnte bis 1933 nicht wieder erreicht werden.

Anfang der 20er Jahre verzeichnete die Schokoladenproduktion in ganz Deutschland einen rasanten Aufschwung, der im Jahre 1924 seinen Höhepunkt fand. Im Winter 1925/26 folgt die Krise, die dem Werk vorübergehend einen gewissen Stillstand brachte. Ausgelöst wurde sie durch die zahlreichen Neugründungen und Fabrikvergrößerungen in Deutschland, in deren Folge eine Überproduktion eintrat. Die Mauxion geriet in Zahlungsschwierigkeiten, wobei ein Konkurs nur durch die Unterstützung des Thüringer Innenministeriums abgewendet werden konnte. In den Goldenen Zwanzigern stabilisierten sich die Umsätze. Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise kam es zu dramatischen Umsatzeinbrüchen. Von 1931 bis 1933 fielen die Umsätze und sanken auf weniger als die Hälfte des Niveaus von 1929. In Anbetracht der Verluste, die die Firma verzeichnete, versuchten die kreditgebenden Banken unter Führung der Dresdner Bank in den Besitz von Gesellschaftsanteilen zu kommen. Die Banken kündigten sämtliche Kredite, worauf Hüther alle Zahlungen einstellte und keine Bilanzen mehr vorlegte. Nachdem Vermittlungsversuche scheiterten setzten die beteiligten Banken die Firma Mauxion in Verzug. Die Commerzbank eröffnete wegen eines Teilbetrages von 200.000 RM gegen die Mauxion als auch gegen Ernst Hüther als Bürgen ein Verfahren, das vor dem Landgericht Rudolstadt ausgetragen wurde. Das Urteil am 27. Februar 1936 ging in vollem Umfang zu Gunsten der Commerzbank aus. Daraufhin schaltete sich der Thüringer Gauwirtschaftsberater der NSDAP Otto Eberhardt ein. Unter seinem Druck wurde das Bankenkonsortium zum Einlenken gezwungen. Die Forderungen nach Ablösung Hüthers von der Geschäftsleitung wurde zurückgenommen. Außerdem fanden sich die Banken bereit, ihre Zinsansprüche deutlich zu reduzieren.

Wie viele andere Fabrikeigentümer war Ernst Hüther bemüht, möglichst autark zu sein. So ließ er unter anderen eine eigene Buchbinderei, ein Sägewerk, eine Kistenfabrik, ein Dampfkraftwerk und eine Autohalle errichten und eine Obstplantage anlegen. Eine Ziegelei wurde ebenfalls gekauft. Hüther besaß außerdem zahlreiche Häuser und Werkswohnungen, darunter das Mauxion-Hotel „Roter Hirsch“, die Gaststätte „Das Loch“ und Schloss Wetzelstein. Für sich und seine Familie ließ er die Villa „Bergfried“ anlegen, inklusive eines 20 Hektar großen Landschaftsparks mit Weiherhäuschen, Pförtnerhaus, Gärtnerei und Glockenturm mit Carillon. Den Mitarbeitern stand eine Gartenkolonie und ein Erholungsheim zur Verfügung. In den 1930er Jahren besaß der Industriepatriarch Hüther in Saalfeld einunddreißig Immobilien und weitere im nahen Pößneck und in Garmisch-Partenkirchen und Frankfurt am Main. Die Stadt Saalfeld war untrennbar verbunden mit der Unternehmerfamilie und ihrer Schokoladenfabrik, die weit und breit der größte Arbeitgeber war.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Fabrik in die staatlich gelenkte Kriegswirtschaft einbezogen. Das Unternehmen musste auf andere Erzeugnisse ausweichen und stellte neben Süßwaren kriegswirtschaftliche Nährmittel wie Malzkost, Melakost, Haferkakao, Suppenpulver, Trockenkartoffeln sowie Trockenobst und Trockengemüse her. Ab 1939 wurden 10,5 cm-Granaten, gegen Mitte des Jahres 1940 auch 8,8 cm-Granaten hergestellt. 1943 wurde eine vollständige Fabrikationsstraße mit kompletter Ausrüstung von den BMW-Werken in Eisenach und München nach Saalfeld verlagert, mit der auf eigene Rechnung Flugzeugmotorenzylinder hergestellt wurden. Im August 1944 stirbt Ernst Hüther.

Nach dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten Hüthers Erben, die Fabrik wieder auf die Herstellung ziviler Produkte umzustellen. Am 16. Juli 1945 wurde jedoch die Enteignung der Mauxion Schokoladenfabrik verkündet.[1] Daraufhin floh die Eigentümerfamilie Hüther 1947 über die grüne Grenze nach Westdeutschland.[2] Erst am 1. Juni 1948 wurde die Enteignung rechtskräftigt vollstreckt und die Schokoladenfabrik in den VEB Mauxion umgewandelt.

Im WestenBearbeiten

Von dem im Westen verbliebenen Besitz aus, dem in 1933 geschaffenen Erholungsheim für die Mauxion-Mitarbeiter in Garmisch-Partenkirchen, begann die Familie Hüther unter Leitung von Werner Hüther (1909–1962), dem ältesten Sohn Ernst Hüthers, mit dem Wiederaufbau der Firma. Es gelang 1949 zunächst unter dem alten Markennamen Produkte in gewohnter Qualität und Ausstattung auf den Markt zu bringen. Einen Teil der Produkte ließ die Familie Hüther von Schoko-Buck in Stuttgart herstellen. 1954 erhielten die Erben Hüthers nach gerichtlicher Auseinandersetzung die Rechte an der Marke Mauxion zugesprochen. Im Osten durfte die Schokolade aus Saalfeld danach nicht mehr unter dem Namen Mauxion verkauft werden. 1955 wurde das 100-jährige Firmenjubiläum groß gefeiert, mit viel Werbung. Da jedoch für Verluste in der Ostzone zwei Jahrzehnte hindurch kein Lastenausgleich gezahlt wurde, fehlte es den Erben bald an Kapital und die Firma geriet in finanzielle Schwierigkeiten. 1958 kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich, bei dem die Firma und die Markenrechte an die Leonard Monheim AG übergingen. Nach dem Verkauf der Monheim AG 1986 an Suchard wurde die Marke Mauxion in die neu gegründete Ludwig Schokolade GmbH eingebracht, wo sie bis heute ist.[3]

Im OstenBearbeiten

Anfang der 1950er Jahre wurde die Schokoladenproduktion im VEB Mauxion wieder aufgenommen. Nachdem ab 1954 der Name Mauxion in der DDR nicht mehr verwendet werden durfte, wurde die Schokoladenfabrik in Saalfeld 1955 in VEB Rotstern umbenannt.[1] Das Werk in Saalfeld war die größte Schokoladenfabrik der DDR. 1966 erfolgte im Rahmen der Zentralisierung der DDR-Wirtschaft die Zusammenlegung des VEB Rotstern mit dem Werk Berggold Pößneck zu den VEB Thüringer Schokoladenwerken.

Nach der deutschen WiedervereinigungBearbeiten

 
Schokoladewerk Saalfeld 2017

Im Januar 1991 übernahm Stollwerck die Schokoladenfabrik in Saalfeld. Das Werk liefert jetzt Schokolade unter den Namen Stollwerck, Sprengel und Waldbaur, während die Marke Mauxion nach wie vor bei Ludwig Schokolade produziert wird.

ProdukteBearbeiten

 
Mauxion Schokotrunk-Verkaufsstand

In den 1920er und 1930er Jahren wurden vor allem Kakaopulver und Tafeln produziert. Daneben gab es Pralinen, Desserts und eine Schokoladenmilch in einer mit einer Pappscheibe verschlossenen 0,25-Liter-Flasche, „Schokotrunk“ genannt.

WerbungBearbeiten

 
Mauxion-Reklameschild

Die Firma Mauxion war in der Glanzzeit der 1920er und 1930er Jahre bekannt für ihre aufwändigen und Aufsehen erregenden modernen Werbekampagnen. Das Werbelogo der Firma war der zinnenbekrönte Turm, zusammengesetzt aus den Initialen (dem liegenden E und dem stehenden H) von Ernst Hüther. Weitere Markenzeichen waren die charakteristische Blockschrift und das blaue Band. Reklamefilme warben in Lichtspieltheatern für Mauxion-Pralinen und Werbeanzeigen erschienen in Tageszeitungen und Zeitschriften. An Bahnhöfen, Straßen und Plätzen wurde für Mauxion-Produkte geworben. Über Großstädten kreiste das Mauxion-Flugzeug, die fliegende „Schokoladenkiste“, zum einen mit seinem Werbebanner, zum anderen schrieb es Werbetexte in die Luft. Ein Freiballon mit Werbeaufschrift war ebenfalls im Einsatz. Schokoladenjungen, „Mauxion-Buben“ genannt, warben für den Schokotrunk. Typisch waren die Schokoladenautomaten mit dem „Maux-Bub“.

Musterbetriebe deutscher WirtschaftBearbeiten

Mauxion wurde bereits 1931 als Musterbetrieb beschrieben.[4] Auch in der Zeit des Nationalsozialismus galt Mauxion bei der Deutschen Arbeitsfront (DAF) als Nationalsozialistischer Musterbetrieb, sowohl Ernst Hüther sowie sein Sohn Werner waren am 1. Mai 1937 der NSDAP beigetreten.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Ingo Lokies: Der Saalfelder Schokoladenfabrikant Dr. Ernst Hüther. Eine Betrachtung seiner finanziellen Verhältnisse und der wirtschaftlichen Lage der Firma Mauxion, Saalfelder Weihnachtsbüchlein, Saalfeld 2018
  • Peter Rudolf Meinfelder: Dr. Ernst Hüther (1880 bis 1944) – Unternehmer und Bauherr, Jahrbuch des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, Saalfeld 1996
  • Claudia Streitberger: Mauxion Saalfeld, Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-200-1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Almut Wagner: Schokolade aus Saalfeld 1945 bis 1990, Sutton Verlag, Erfurt 2012, ISBN 978-3-95400-006-7, S. 7
  2. Ostthüringer Zeitung: Die Nachfahren Karl Ernst Hüthers überlassen Saalfeld acht Gemälde, 6. Mai 2017
  3. Der Spiegel: Schokolade, Hartes Brot, 21. Juli 1986
  4. Walter Schwädke: Schokoladenfabrik Mauxion m.b.H. Saalfeld-Saale (Musterbetriebe deutscher Wirtschaft, Band 19), Organisation Verlagsgesellschaft S. Hirzel, Berlin 1931
  5. Karin Hartewig: Kunst für alle! (Hitlers ästhetische Diktatur), BoD – Books on Demand, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7431-8900-3, S. 169–170