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Maurice Faure

französischer Politiker und Widerstandskämpfer
Maurice Faure (Mitte, 2007), mit Dominique Orliac und Marc Lecuru

Maurice Faure ([fɔʀ]; * 2. Januar 1922 in Azerat, Département Dordogne; † 6. März 2014 in Cahors, Département Lot) war ein französischer Politiker. Er war Mitglied der Französischen Widerstandsbewegung und Minister in verschiedenen französischen Regierungen.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Faure war der Sohn eines Lehrers und einer Schulleiterin.[1] Er besuchte das Gymnasium in Périgueux und studierte anschließend Recht, Geschichte und Geographie in Bordeaux und Toulouse. Er promovierte zum Dr. jur. und legte das Staatsexamen in den Fächern Geschichte und Geographie ab. Faure wurde im Anschluss Lehrer sowohl am Gymnasium als auch am Institut für Politische Studien in Toulouse. Nach der militärischen Niederlage Frankreichs gegen das Deutsche Reich schloss sich Faure der französischen Résistance an und beteiligte sich aktiv am Widerstand.

Nach dem Krieg wurde Faure Mitglied der Radikalen Partei. Von 1947 bis 1951 hatte er Funktionen in Ministerien verschiedener von den Radikalen geführten Regierungen, u. a. als Persönlicher Referent (chef de cabinet) bei Maurice Bourgès-Maunoury. 1951 wurde er mit 29 Jahren der damals jüngste Abgeordnete der Nationalversammlung und unterstützte den Beitritt Frankreichs zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.[2] Von 1953 bis 1955 war er Generalsekretär der Partei und wurde zum Gegenspieler von Pierre Mendès France. 1965 bis 1990 war er Bürgermeister von Cahors.[1] 1973 schloss er sich der Parti radical de gauche, einer linken Abspaltung der Radikalen Partei, an, für die er bis 1981 in der Nationalversammlung saß. Gleichzeitig war er von 1953 bis 1981 Mitglied des Europäischen Parlaments. Von 1983 bis 1988 fungierte Faure als Senator für das Département Lot.

Faure war mehrfach Minister: Im Mai 1958 war er vier Tage lang der jüngste Innenminister des Landes[1] (kurze Amtszeiten von Regierungen waren in der Vierten Republik häufig). Vom 22. Mai bis zum 23. Juni 1981 amtierte er als Justizminister unter Pierre Mauroy. 1988/89 war er unter Michel Rocard Minister für Wohnungsbau.

Von 1989 bis 1998 war Faure Mitglied des französischen Verfassungsgerichts.[1]

Maurice Faure spielte eine maßgebliche Rolle in der Anfangsphase der europäischen Gemeinschaft. Als Staatssekretär unter Außenminister Christian Pineau unterzeichnete Faure 1957 die Römischen Verträge für Frankreich.[3][4] Im Jahre 2007 wurde er nicht zuletzt aus diesem Grund zum Präsidenten des Ehrenkomitees zum 50-jährigen Jubiläum der Römischen Verträge ernannt.

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Christian Delacampagne: D'une République à l'autre. Entretiens sur l'histoire et la politique. Plon, Paris 1999, ISBN 2-259-18985-7 (Gespräche mit Faure).
  • Alexandre Marciel: Maurice Faure: l'étonnant destin politique. Publi fusion, Cahors 1997, ISBN 2-907265-43-1.
  • Maurice Faure, in Internationales Biographisches Archiv 33/1988 vom 8. August 1988, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Luc Cédelle: Mort de l'ancien ministre, Maurice Faure, à 92 ans. lemonde.fr, 6. März 2014, abgerufen am 6. März 2014.
  2. Maurice Faure, in Internationales Biographisches Archiv 33/1988 vom 8. August 1988, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 31. Mai 2014 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Armin Mohler: "Monsieur Europa." zeit.de, Artikel vom 4. April 1957, abgerufen am 6. März 2014.
  4. Alan Cowell, Nicholas Kulish: Nobel Committee Gives Peace Prize to European Union. nytimes.com, 12. Oktober 2012, abgerufen am 5. März 2014.
  5. Liste von Ausgezeichneten in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage (PDF, S. 38), abgerufen am 5. März 2014.
  6. Laurent Benayoun: Cahors. Maurice Faure, l'Empereur devient Commandeur. ladepeche.fr, 28. September 2013, abgerufen am 5. März 2014.