Matti Schindehütte

deutscher Pfarrer, Autor und Executive Producer
Matti Schindehütte (2016)

Matti Justus Schindehütte (geborener Lembke; * 19. April 1975 in Hamburg) ist ein deutscher Pfarrer und evangelischer Theologe.

LebenBearbeiten

Matti Schindehütte wurde in Hamburg-Altona geboren und wuchs als jüngstes von drei Pastorenkindern in den Gemeinden Halstenbek-Rellingen-Krupunder auf. Seine Eltern sind Pastor Dr. Ingo Lembke und Marjatta Lembke-Seppälä (Textildesignerin).

Nach dem Abitur auf der Julius Leber-Schule in Hamburg-Schnelsen erfolgte sein Zivildienst im Diakonischen Werk Hamburg. Vor seinem Studium ging er für ein Vierteljahr als Steward in das "Seafarers & International House"[1] nach Manhattan/New York.

Schindehütte ist verheiratet mit Pfarrerin Dr. Katrin Schindehütte.[2] Sie haben vier Kinder.

WissenschaftBearbeiten

Als Kandidat der Nordkirche studierte Schindehütte Evangelische Theologie (1996–2001) an der Universität Hamburg und an der Georg-August-Universität Göttingen, wo er als Stipendiat im Theologischen Stift lebte. Schindehütte war von 2001 bis 2006 in Hamburg als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und absolvierte ein Ergänzungsstudium in Hochschuldidaktik (IZHD, 2003–2005). 2006 promovierte er als Schüler von Olaf H. Schumann zum Doktor der Theologie über das Thema Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft.[3][4] Seine Dissertation liefert zahlreiche historische Dokumente zur Unabhängigkeitsbewegung Indonesiens, die damit zum Teil erstmals in deutscher Übersetzung vorlagen (z. B. Jakarta-Charta).

Es folgte die freie Mitarbeit im Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds Religionswechsel, Konfessionswechsel und Bekehrung in religiös pluralen Gesellschaften (2008–2011).[5]

2018 war Schindehütte "International Speaker" auf dem staatlichen Seminar "Pancasila in the context of global ideologies"[6] auf Einladung der "Indonesian Agency for Pancasila Ideology" (BPIP)[7]

KircheBearbeiten

Mit Beginn der Ausbildung zum Pfarrer wechselte Schindehütte in die Heimat seine Frau nach Nordhessen und absolvierte sein Vikariat in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (Wellerode 2006–2008).

Seit dem 1. Mai 2008 ist er als evangelischer Pfarrer im Kirchspiel Elnhausen tätig. Er war Theologischer Studienleiter des Pfarrkonventes Marburg/Land (2010–2014), Vikarsmentor im Ausbildungsdienst und Mitglied der Kammer für Mission und Ökumene (2010–2016, Schwerpunkt: Islam).[8]

2014 wurde Schindehütte von der Synode zum stellvertretenden Dekan im Kirchenkreis Marburg gewählt.[9]

Politik / EngagementBearbeiten

Schindehütte war als Mitglied der Grün-Alternativen Liste Hamburg (1999–2006) stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Altona (2001–2004). Als Mitglied des Kreisvorstandes unterschrieb er den Kooperationsvertrag[10] mit der CDU (2004–2008) und war einer der Wegbereiter für die erste schwarz-grüne Koalition in Hamburg 2008.[11][12]

Schindehütte ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender des Kerstin Heim e.V.,[13] einer diakonischen Einrichtung in Hessen, 1962 gegründet von Tom Mutters,[14] mit Internat und Schule zur Betreuung und individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung.

Zudem entscheidet er als berufenes Mitglied über die grundsätzliche Angelegenheiten der blista Deutsche Blindenstudienanstalt, dem bundesweiten Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung.

Im Sommer 2017 wurde Schindehütte Mitglied der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Dem Eintritt ging eine gewachsene Nähe zu Personen wie Stefan Heck voraus. Im November 2017 wurde er vom Parteitag des Stadtverbandes Marburg für eine Periode zum Vorstandsmitglied gewählt (2017–2019).[15]

KunstBearbeiten

Schindehütte wirkte künstlerisch als Zauberer (Auftritte im Hamburger Schmidt Theater, 1991–1993) und Genrefilm-Produzent. Die Filme gehören zur offiziellen Auswahl renommierter Filmfestivals: ABCs of Superheroes, Executive Producer (BIFFF, 2016), Rendel, Associate Producer (Fantasy Filmfest, 2017).

Im Jahr 2016 startete er mit Oliver Tietgen das internationale Science-Fiction-Film-Projekt Violent Starr. Das Konzept verzichtet in den Raumschiffmodellen auf CGI und stellt sich damit in die Tradition der alten großen Weltraumopern. Musik kommt von Künstlern wie Esperanza Spalding, Osaka Monaurail. Den Titelsong "Violent Starr" wurde von der Trash-Metal Band Warpath komponiert. "Ein Film über Gut und Böse, Fremdenhass und Liebe."[16] Dieser Kollaboration entsprang auch das Musikvideo "Robot Girl" für die deutsche Hip-Hop Formation Fettes Brot (2019).

Bibliografie (in Auswahl)Bearbeiten

  • Und die anderen Religionen? Glaubenserziehung über den eigenen Tellerrand hinaus im Blick haben, in: Tobias Künkler u. a. (Hrsg.): Frei erziehen - Halt geben. Christliche Erziehung für unperfekte Eltern. Ein Praxisbuch, SCM R. Brockhaus 2017.
  • Konversion und Religionsrecht in Malaysia und Indonesien. In: Christine Lienemann-Perrin, Wolfgang Lienemann (Hrsg.): Religiöse Grenzüberschreitungen. Studien zu Bekehrung, Konfessions- und Religionswechsel (= StAECG 20), Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2012, S. 763–795.
  • Indonesien und Malaysia. In: Markus Porsche-Ludwig, Jürgen Bellers (Hrsg.): Religionen in den Ländern der Welt (Handbuch). Bautz-Verlag, 2012.
  • Islam ‚Made in Japan’. Vom Halbmond im Reich der aufgehenden Sonne. Religion als politischer Faktor innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung Südostasiens. In: Edith Franke, Katja Triplett (Hrsg.): Konvergenzen und Divergenzen religiöser und politischer Systeme Asiens (= Religiöse Gegenwart Asiens/Studies in Modern Asian Religions), LIT-Verlag 2010, S. 101–116.
  • mit Detlef Görrig: Geschwister – Gegner – Konkurrenten. Von der ‚Mohammedaner-Mission’ zum christlich-islamischen Dialog. Stationen missions-wissenschaftlicher Wahrnehmungen des Islam 1910-2010. In: ZMiss (2008), S. 382–399.
  • Religion als politischer Faktor. Erinnerungen an die Dschihadisierung der deutsch-türkischen Waffenbruderschaft. In: ZMiss (2007), S. 10–20.
  • Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft. Religion als politischer Faktor innerhalb der Entwicklung der Pancasila Indonesiens. Abera Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-934376-80-0

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://sihnyc.org/
  2. https://markuskirche.ekmr.de/
  3. http://ddc.arte.tv/suche/buch?search=Indonesien
  4. http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/2915/
  5. https://forschdb2.unibas.ch/inf2/rm_projects/object_view.php?r=6183
  6. http://jatim.tribunnews.com/2018/12/03/musyawarah-mufakat-jadi-konsep-penting-dalam-pancasila-pakde-karwo-nilai-tidak-bisa-dikuantifikasi
  7. http://www.bpip.go.id/
  8. http://kirchspiel-elnhausen.de/Pfarramt.html
  9. http://aktiv-in-marburg.de/ueber-uns/kirchenkreis/#tab-1434622492349-1-5
  10. https://gruene-altona.de/userspace/HH/gal-altona/Dateien/60156.zusammenarbeit_galcdu_20042008.pdf
  11. Sven-Michael Veit: Krieg, Schönheit, Harmonie, Die Tageszeitung, 1. November 2003, abgerufen am 21. September 2015.
  12. Volker Kronenberg, Christoph Weckenbrock (Hrsg.): Schwarz-Grün: Die Debatte. VS, Wiesbaden 2001, S. 203 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. http://www.kerstin-heim.de/kontakt.html
  14. http://bthg.lebenshilfe.de/de/presse/2017/artikel/Matinee-Tom-Mutters.php?listLink=1
  15. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 26. November 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.op-marburg.de
  16. http://www.violentstarr.com/