Matthes & Seitz Berlin

deutscher Verlag

Der Verlag Matthes & Seitz Berlin ist ein seit 2004 bestehender deutscher Verlag.

GeschichteBearbeiten

 
Der Verlagssitz in Berlin

2004 in Berlin von Andreas Rötzer gegründet, setzt der Verlag die Tradition fort, die 1977 mit der Gründung von Matthes & Seitz in München durch Axel Matthes und Claus Seitz begann. Das Programm aus dem „Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst“ (so der Untertitel des legendären Jahrbuchs Der Pfahl) wurde bestimmt durch heute noch lieferbare Werke der vornehmlich französischen Autoren. Neben Antonin Artaud,[1] Georges Bataille,[2] Jean Baudrillard[3] und Jean Giono[4] finden sich aber auch Botho Strauß,[5] Oswald Wiener[6] oder Hans Jürgen von der Wense[7].

Der Verlagssitz ist im Erdgeschoss der Göhrener Straße 7 in Berlin, Prenzlauer Berg.[8][9]

 
Das Verlagslogo seit 1977: Petroglyphe aus Gran Canaria

ProgrammBearbeiten

Seit seiner Neugründung in Berlin wurde der Verlag mehrfach ausgezeichnet. Er erweiterte sein Programm auf jährlich rund 100 Neuerscheinungen. Wichtige Reihen des Programms sind: Naturkunden,[10] Fröhliche Wissenschaft,[11] Batterien,[12] Französische Bibliothek,[13] punctum[14] sowie die Asiathek.

Klassiker in Neuübersetzungen (Honoré de Balzac, Benjamin Constant, Michael Leiris u. a.) bestimmen das literarische Programm ebenso wie mit vielen Preisen ausgezeichnete Gegenwartsautoren aus Deutschland wie Frank Witzel, der 2015 für seinen Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 den Deutschen Buchpreis erhielt, Joshua Groß, Esther Kinsky, Philipp Schönthaler, Stefan Schütz, Matthias Senkel, Anna Weidenholzer oder Levin Westermann. Französische Gegenwartsautoren wie Emmanuel Carrère, Céline Minard, Éric Vuillard (Prix Goncourt 2017), Mathieu Riboulet bilden neben der russischen Literatur (u. a. Alexander Ilitschewski, Alexander Goldstein, Olga Slawnikowa) einen weiteren Schwerpunkt im literarischen Programm des Verlags. Hinzu kommen mehrbändige Werkausgaben von Autoren wie Gerhard Rühm, Warlam Schalamow, Jules Barbey d’Aurevilly, Jean-Henri Fabre[15] und Henry David Thoreau.

Im umfangreichen geisteswissenschaftlichen Sachbuchprogramm mit den Schwerpunkten Philosophie, politische Theorie, Kunst- und Kulturwissenschaften erscheinen u. a. Jürgen Goldstein, der 2016 mit seinem Buch über Georg Forster den Leipziger Buchpreis gewann, Rebecca Solnit, Heike Behrend, Patrick Eiden-Offe, Fethi Benslama, Timothy Morton, Andreas Malm, Yuk Hui und Franco „Bifo“ Berardi.

Die Essay-Reihe „Fröhliche Wissenschaft“ erscheint seit 2007 und zählt inzwischen mehr als 150 Bände mit Texten u. a. von Byung-Chul Han, Peter Trawny, Marcus Steinweg, Hannah Arendt, Albrecht Koschorke, Roberto Simanowski, Judith Shklar, Alexander Pschera, Jean-Francois Billeter, Luise Meier und Sophie Wahnich. Die Essays sind historische wie gegenwärtige Beiträge zu aktuellen politischen, philosophischen und gesellschaftlichen Debatten.

2013 erschienen die ersten Bände der von Judith Schalansky herausgegebenen Reihe „Naturkunden“:[10] aufwendig gestaltete Bücher, die eine leidenschaftliche Erkundung der Natur vornehmen und damit den inhaltlichen Programmschwerpunkt Natur, Bewegung im Raum und Ökologie prominent markieren. Neben den in viele Sprachen übersetzen Tierportraits (Krähen, Esel, Wölfe, Schweine, Hirsche, Nashörner u. v. a.) erscheinen in der Reihe Klassiker des Nature Writing vornehmlich aus dem englischsprachigen Raum (J. A. Baker, Robert Macfarlane, Nan Shepherd, Aldo Leopold u. v. a.) und Sachbücher ebenso wie Bildbände (Korbinian Aigner, Jean-Henri Fabre)

Die wichtigen Bücher des Programms erscheinen seit 2019 in günstigen Taschenbuchausgaben. Die Reihe „Paperback“[16] soll bedeutende und relevante Texte für ein großes Publikum zugänglich machen.

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2008: Kurt Wolff Preis der gleichnamigen Leipziger Stiftung für die Vielfalt klassischer und moderner Titel.
  • 2010: Prix de l’Académie de Berlin (gemeinsam mit dem Pariser Verlag L’Arche Éditeur).[17] Die Auszeichnung galt dem Engagement des Verlags für die französische Literatur.
  • 2012: Karl-Heinz Zillmer-Verlegerpreis für Andreas Rötzer.[18]
  • 2017: „Verleger des Jahres“ von der Fachzeitschrift Buchmarkt für Andreas Rötzer.[19]
  • 2019: Deutscher Verlagspreis
  • 2020: Deutscher Verlagspreis als „herausragender Verlag“[20]

Deutscher Preis für Nature WritingBearbeiten

Seit 2017 vergab der Verlag gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesumweltamt und der Stiftung Nantesbuch den Deutschen Preis für Nature Writing, um ein neues deutschsprachiges literarisch-essayistisches Schreiben über Natur anzuregen.[21][22]

LiteraturBearbeiten

  • Alexander Cammann: Suhrkamps Nachbar: Wie Andreas Rötzer den Verlag Matthes & Seitz in Berlin als intellektuelles Kraftzentrum etabliert. In: Die Zeit. Nr. 48, 2010 (zeit.de).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. webdecker- www.webdecker.de: Antonin Artaud. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  2. webdecker- www.webdecker.de: Georges Bataille. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  3. webdecker- www.webdecker.de: Jean Baudrillard. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  4. webdecker- www.webdecker.de: Jean Giono. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  5. webdecker- www.webdecker.de: Botho Strauß. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  6. webdecker- www.webdecker.de: Oswald Wiener. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  7. webdecker- www.webdecker.de: Jürgen von der Wense. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  8. webdecker- www.webdecker.de: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  9. webdecker- www.webdecker.de: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  10. a b Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  11. Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  12. Batterien, auf matthes-seitz-berlin.de
  13. Französische Bibliothek, auf matthes-seitz-berlin.de
  14. punctum, auf matthes-seitz-berlin.de
  15. webdecker- www.webdecker.de: Jean-Henri Fabre. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  16. Matthes & Seitz kündigt Paperback-Reihe an – Zweiter Frühling für die Backlist. Auf boersenblatt.net, abgerufen am 8. November 2020
  17. Prix de l’Académie de Berlin.; abgerufen am 15. Juli 2018
  18. Auszeichnungen / Andreas Rötzer erhält K.-H. Zillmer-Verlegerpreis / boersenblatt.net. In: www.boersenblatt.net. Abgerufen am 7. Dezember 2016.
  19. Andreas Rötzer ist Verleger des Jahres 2017, buchmarkt.de, 28. November 2017, abgerufen am 29. November 2017
  20. Preisträger 2020, deutscher-verlagspreis.de, abgerufen am 25. Mai 2020.
  21. Bewerbungen bis 31. Mai noch möglich. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  22. Deutscher Preis für Nature Writing - Preise & Stipendien. Abgerufen am 28. Juli 2020.