Hauptmenü öffnen

Martinhagen ist der westlichste Ortsteil der Gemeinde Schauenburg im nordhessischen Landkreis Kassel.

Martinhagen
Gemeinde Schauenburg
Koordinaten: 51° 17′ 13″ N, 9° 17′ 14″ O
Höhe: 376 (367–403) m ü. NHN
Fläche: 4,46 km²[1]
Einwohner: 1403 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 315 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Hoof
Postleitzahl: 34270
Vorwahl: 05601
Blick auf Martinhagen vom östlich gelegenen Schauenburger Burgberg
Blick auf Martinhagen vom östlich gelegenen Schauenburger Burgberg

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Martinhagen liegt im Naturpark Habichtswald in Nordhessen, etwa 19 km südwestlich von Kassel und 10 km südöstlich von Wolfhagen. Durch Martinhagen verlief bis Juli 2010 die Bundesstraße 520, die wegen der parallel am Dorf vorbeilaufenden Bundesautobahn 44 zur Landesstraße 3215 herabgestuft wurde.

GeschichteBearbeiten

Martinhagen wird erstmals im Jahre 1082 als (villam noviter cultam que dicitur) Meribodonhago urkundlich erwähnt,[1] als eine Adelheid die Siedlung dem Kloster Hasungen schenkte.

In erhaltenen Urkunden wurde Martinhagen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1] Meribodonhago (1082), (Kloster Hasungen); Meribodehago (1082), (Kloster Hasungen); Merbodenhayn (1464); Merbenhain (1470); Mormelnhagen (1505), (Kloster Hasungen); Merdenhagen (1585).

Entstanden ist das Dorf wahrscheinlich durch eine Rodung an der Korbacher Straße, die Teil einer wichtigen Handelsstraße war. Im Jahr 1470 kam der Großenhof im Zuge einer Grenzbereinigung von der Vogtei Hasungen an die Landgrafschaft Hessen. Ab 1534 gehörte der Ort zum Amt Baune, später dann zum Amtsgericht Zierenberg und seit dem 19. Jahrhundert zum Kreis Wolfhagen.[3]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen war Martinhagen vom 31. Dezember 1971 bis zum 31. Juli 1972 zunächst ein Ortsteil der Gemeinde Hoof und wurde am 1. August 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Schauenburg.[4]

GroßenhofBearbeiten

 
Gedenktafel zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden an der Korbacher Straße

Der sogenannte Großenhof[5] wurde 1470 erstmals urkundlich erwähnt; er gehörte denen von Dalwigk als hessisches Lehen.[6]

Im Jahr 1534 fiel der „Große Hof“, im Rahmen einer Nutzungsteilung in den Besitz der Schaumburgischen Linie. Ursprünglich handelte es sich um ein einzelnes Gehöft, später um eine kleine Landgemeinde im Landkreis Kassel.[7]

Am 1. April 1896 schied Großenhof aus dem Landkreis Kassel aus und wurde mit Martinhagen im Landkreis Wolfhagen zusammengeschlossen. Großenhof entsprach um 1900 dem östlichen Drittel der vergrößerten Gemeinde Martinhagen. Zur 100-Jahr-Feier im Jahr 1996 wurden zwei Gedenksteine an der alten Grenzlinie, einer in der Korbacher, der andere in der Zierenberger Straße aufgestellt.

Sandsteinkoloss von MartinhagenBearbeiten

Ein riesiger Sandsteinblock mit über sechs Meter Länge und rund zwei Meter Querschnitt im Quadrat erregte im Jahr 1770 die Aufmerksamkeit des Landgrafen Kassels. Erzählungen aus Martinhagen und Balhorn zufolge stammt der große Block noch aus den Balhorner Sandsteinbrüchen und war ursprünglich für den gerade im Bau befindlichen Herkules in Kassel als Statue gedacht.

Verschiedene Pläne, den Block nach Kassel zu schaffen, scheiterten aufgrund der damals schlechten Straßen- und Transportverhältnisse. Ein Heben des Steines war nicht möglich, da er auf einer Wiese in einer tiefen Talsohle vermutlich zwischen 1709 und 1710 vom Transportschlitten abgerutscht war. Die Wiese, auf der der Stein lag, war von 1710 bis 1820 steuerfrei, 1867 wurde der Steinblock versteigert. Der Käufer, ein Bürger aus Martinhagen, zerschlug ihn und verkaufte die Steine zum Bau eines Eisenbahndepots nach Kassel.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Martinhagen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1585: 38 Haushaltungen
• 1747: 41 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
Martinhagen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
620
1840
  
652
1846
  
649
1852
  
621
1858
  
581
1864
  
608
1871
  
629
1875
  
645
1885
  
632
1895
  
599
1905
  
566
1910
  
566
1925
  
603
1939
  
613
1946
  
952
1950
  
916
1956
  
808
1961
  
776
1967
  
868
1970
  
1.005
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 432 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 776 evangelische (= 88,92 %), 84 römisch-katholische (= 10,82 %) Einwohner

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Der Martinsstein

DorfkircheBearbeiten

In der Ortsmitte steht die evangelische Dorfkirche, das älteste Gebäude im Ort. Der Kirchturm diente in früheren Zeiten als Wehrturm mit Schießscharten und Pechnasen.

MartinssteinBearbeiten

Direkt neben der Kirche befindet sich der Martinstein, ein großer Basaltphonolithkegel, welcher das Wahrzeichen Martinhagens ist.

NaturräumeBearbeiten

Martinhagen verfügt über eine gepflegte Freizeitanlage mit See (dem "Martinsweiher"), wo sich ein Kinderspielplatz, ein Wassertretbecken sowie eine Grillhütte befinden.

Unmittelbar neben dem (Sand)-Steinbruch im Hegeholz (Waldgebiet) befindet sich die Hubertushütte, die nach einer Brandstiftung im Jahr 2005 neu aufgebaut werden musste. Neben der Hütte ist ein Grillplatz, der in einer Art Holzfort gebaut wurde, sowie ein Zeltplatz, der häufig von Pfadfinder- und Wandergruppen genutzt wird.

SportanlagenBearbeiten

Am Sportplatz befindet sich ein Multifunktionsplatz, auf dem sich momentan ein Skatepark befindet und der als Festplatz (unter anderen für die jährlich stattfindende Zeltkirmes im September) dient.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus mit Bücherei, Sporthalle und Schützenhaus.

Der Kindergarten „Panama“ im Ort besteht aus zwei Gruppen.

VerkehrBearbeiten

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) stellt mit der Buslinie 52 den öffentlichen Personennahverkehr sicher.

LiteraturBearbeiten

  • Erich Böttger: Schauenburg im: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1974, S. 36 ff.
  • Heinrich Reimer: „Historisches Ortslexikon für Kurhessen“, 1926, S. 321.
  • Heinrich Reimer: „Historisches Ortslexikon für Kurhessen“ – Grossenhof, 1926, S. 185.
  • Literatur über Martinhagen in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Martinhagen, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Geodatenzentrum: Martinhagen, abgerufen im Juni 2016.
  3. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung, Seite 26
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 401.
  5. Weitere historische Ortsnamen: Großenhof (1470); Grossenhof (1926) (Reimer, Ortslexikon, S. 185); Maierhof (1930er), (Flurname); Meierhof, (2007), (Straßenname auf Liegenschaftskarte)
  6. Großenhof, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung, S. 2
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).