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Mart Crowley (2002)

Mart Crowley (* 21. August 1935 in Vicksburg, Mississippi) ist ein US-amerikanischer Autor.

Leben und KarriereBearbeiten

Mart Crowley wurde 1935 als einziges Kind eines konservativ-religiösen Ehepaares in den Südstaaten geboren.[1] Nach einem erfolglosen Versuch in Los Angeles, wo er Kontakte zur Filmindustrie knüpfen wollte, studierte er bis zu seinem Abschluss im Jahr 1957 an der Katholischen Universität von Amerika in Washington. Anschließend arbeitete er an einer Reihe von Film- und Fernsehproduktionen in Hollywood in kleineren Funktionen mit, bis er Natalie Wood am Filmset von Elia Kazans Fieber im Blut kennenlernte. Crowley wurde zu einem ihrer engsten Freunde und für einige Zeit ihr persönlicher Assistent.[2] Crowley arbeitete in den 1960er Jahren an einer Reihe von Drehbüchern, die allerdings ohne Abnehmer blieben, und verfiel zeitweise in eine Depression, aus der ihm Wood heraushalf, indem sie seine Sitzungen beim Psychoanalytiker mitbezahlte.

In dieser kritischen Phase schrieb er während eines sechswöchigen Housesittings das Stück The Boys in the Band, auf dem ein großer Teil von Crowleys Bekanntheit beruht. Das Stück über eine sich dramatisch entwickelnde Geburtstagsparty unter schwulen Freunden war ein Erfolg mit über 1000 Vorstellungen am Off-Broadway ab dem 14. April 1968. Es wurde aber auch stark kritisiert, einerseits von konservativen Kreisen wegen seiner damals bahnbrechenden Offenheit in der Darstellung von Homosexuellen, andererseits von linken Homosexuellen-Aktivisten, die die selbstkritischen und tragischen Untertöne des Stückes als selbsthassende Darstellung von Schwulen empfanden.[3] Crowley, selbst offen homosexuell, ließ Erfahrungen aus seinem eigenen Leben einfließen, zumal er darüber enttäuscht war, dass berühmte schwule Theaterautoren wie Tennessee Williams, Edward Albee und William Inge sich in ihren Werken nur unterschwellig an eine Darstellung homosexueller Thematiken trauten.[4] 1970 erfolgte eine gleichnamige Verfilmung unter der Regie von William Friedkin, die Crowleys Werk auch in Deutschland Bekanntheit verschaffte. 2018 feierte The Boys in the Band 50 Jahre nach der Premiere am Off-Broadway seine Premiere am Broadway, unter anderem mit Jim Parsons, Matt Bomer und Zachary Quinto in der Besetzung. Der 83-jährige Crowley erhielt hierfür 2019 eine Nominierung für den Tony Award.[5]

Crowley schrieb eine Reihe weniger bekannter Stücke, darunter Remote Asylum (1970) und das autobiografische A Breeze from the Gulf (1975), in dem er seine Kindheit thematisierte und das ihm den zweiten Platz bei den New York Drama Critics Circle Awards einbrachte.[6] Von 1979 bis 1980 war er Chef der Drehbuchabteilung der Fernsehserie Hart aber herzlich mit Natalie Woods Ehemann Robert Wagner in der Hauptrolle (in dieser Funktion war Crowley für die Überwachung der Qualität der Drehbücher zuständig), von 1980 bis 1983 stieg er zu einem der Produzenten der Fernsehserie auf. Er schrieb auch Drehbücher für Der Denver-Clan sowie mehrere der Hart aber Herzlich-Fernsehfilme in den 1990er-Jahren. 2002 hatte das Stück The Men from the Boys in San Francisco seine Premiere, Crowleys Fortsetzung von The Boys in the Band, die über dreißig Jahre später auf einer Beerdigungsfeier der Figur Larry spielt. Dieses Stück war allerdings weniger erfolgreich. Für seine 2009 erschienene Werksammlung The Collected Plays of Mart Crowley wurde er 2010 mit einem Lambda Literary Award ausgezeichnet.

Crowley war auch Interviewpartner für mehrere Filmdokumentationen, darunter The Celluloid Closet – Gefangen in der Traumfabrik (1995) und The Men from the Boys (2011); letztere geht speziell auf sein Leben und sein bekanntestes Stück ein.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mart Crowley Biography - eNotes.com. Abgerufen am 1. Mai 2019 (englisch).
  2. Mart Crowley on Natalie Wood. 23. November 2011, abgerufen am 1. Mai 2019 (englisch).
  3. Dawn B. Sova: Banned Plays: Censorship Histories of 125 Stage Dramas. Infobase Publishing, 2004, ISBN 978-1-4381-2993-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Photos and podcast: Mart Crowley and The Boys in the Band cast on making history. 7. Oktober 2016, abgerufen am 1. Mai 2019 (britisches Englisch).
  5. Mark Peikert: Bringing Back Mart Crowley's The Boys in the Band. 30. April 2019, abgerufen am 1. Mai 2019 (englisch).
  6. Mart Crowley - Lortel Archives. Abgerufen am 1. Mai 2019.