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Markus Meckel

deutscher Politiker, MdV und DDR-Außenminister
Markus Meckel, 2007

Markus Meckel (* 18. August 1952 in Müncheberg, Brandenburg) ist ein deutscher Politiker (SPD) und ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war nach der ersten freien Wahl vom 18. März 1990 vom 12. April bis zum 20. August 1990 Außenminister der DDR in der Großen Koalition. Er war vom 12. Oktober 2013[1] bis zum 22. September 2016 Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Ausbildung und BerufBearbeiten

1969 musste Meckel die 2. Erweiterte Oberschule (EOS) in Berlin-Mitte, das ehemalige Graue Kloster, aus politischen Gründen verlassen und wechselte an das Kirchliche Oberseminar Potsdam-Hermannswerder, wo er 1971 das Abitur ablegte. 1970 verweigerte er den Wehrdienst in der NVA total. Anschließend studierte er bis 1978 Theologie an vom Staat unabhängigen kirchlichen Hochschulen: am Katechetischen Oberseminar in Naumburg (Saale)[2] und am Sprachenkonvikt in Berlin. Von 1980 bis 1982 war er Vikar und von 1982 bis 1988 Pastor in Vipperow/Müritz. Von 1988 bis 1990 leitete er die Ökumenische Begegnungs- und Bildungsstätte in Niederndodeleben bei Magdeburg. 1988/1989 war Meckel Delegierter der Ökumenischen Versammlung in der DDR[3] und der Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel.

FamilieBearbeiten

Markus Meckel ist mit Petra Jürgens verheiratet und hat sechs Kinder.

ParteiBearbeiten

Schon seit den 1970er Jahren engagierte sich Meckel in der DDR-Opposition. Im Oktober 1989 initiierte er gemeinsam mit Martin Gutzeit die Gründung der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP),[4] zu deren Zweitem Sprecher er an ihrem Gründungstag, dem 7. Oktober 1989 gewählt wurde. Vom 23. Februar 1990 bis zum Vereinigungsparteitag mit der westdeutschen SPD am 27. September 1990 war er stellvertretender Parteivorsitzender der ostdeutschen SPD. Daneben führte er nach dem Rücktritt von Ibrahim Böhme vom 26. März bis 10. Juni 1990 die Geschäfte des Vorsitzenden der Ost-SPD.

AbgeordneterBearbeiten

Von 18. März bis 2. Oktober 1990 gehörte Meckel der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR an. Von 1990 bis 2009 war Markus Meckel Mitglied des Deutschen Bundestages als direkt gewählter Abgeordneter für seinen Wahlkreis Uckermark – Barnim I im Norden Brandenburgs.

Von 1992 bis 1994 war er Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in der von ihm initiierten Enquête-Kommission Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland[5] und von 1994 bis 1998 Sprecher der SPD-Fraktion in der Enquete-Kommission Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit.

Im Bundestag lagen die politischen Schwerpunkte Meckels in der Außen- und Sicherheitspolitik, Europapolitik, auf den Beziehungen zu den östlichen Nachbarstaaten der EU sowie auf der Aufarbeitung von Geschichte. Meckel war ordentliches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und von 2001 bis 2009 stellvertretender außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion; stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien sowie stellvertretendes Mitglied des EU-Ausschusses. Er war von 1994 bis 2009 Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe. Seit 1991 gehörte er daneben der Parlamentarischen Versammlung der NATO an. Von 1998 bis 2006 war er Leiter der Deutschen Delegation. Von November 2000 bis November 2002 war er Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der NATO und von 2004 bis 2008 Vorsitzender des Politischen Ausschusses. In den letzten Jahren im Bundestag gehörte er auch dem „Parlamentarischen Ring“ des Volksbundes an.

Öffentliche ÄmterBearbeiten

Nach der ersten freien Wahl in der DDR führte er mit Richard Schröder die Koalitionsverhandlungen der SPD mit der CDU. Am 12. April 1990 wurde er Minister für Auswärtige Angelegenheiten in der Großen Koalition. In seiner Amtszeit war er als Außenminister gemeinsam mit Hans-Dietrich Genscher einer der Vertreter der beiden deutschen Staaten bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs. Diese Gespräche ebneten den Weg zur Deutschen Einheit. Als die Große Koalition in der DDR zerbrach, trat Meckel am 20. August 1990 gemeinsam mit den anderen sozialdemokratischen Ministern zurück.

Meckel ist Ratsvorsitzender der von ihm initiierten Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und war bis 2013 zudem Mitglied des Beirats des BStU. Er ist Ko-Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SdpZ) sowie Vorstandsmitglied im Deutsch-Moldauischen Forum und im Förderverein für das „Zentrum Kalter Krieg“ am Checkpoint Charlie. Er engagiert sich zudem im Bereich Demokratieförderung, ist Mitglied im International Board des International Centre for Democratic Transition (ICDT) und war bis 2012 Mitglied im Board of Directors der Stiftung European Partnership for Democracy. Er ist Mitglied des Kuratoriums des „Europäischen Netzwerkes Erinnerung und Solidarität“ mit Sitz in Warschau. Meckel ist Mitglied des Board of Directors der Global Panel Foundation.[6]

 
Meckel in seiner Zeit als Volksbundpräsident mit seinem Vorgänger Reinhard Führer

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Am 12. Oktober 2013 wurde er zum Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gewählt. „Mir ist es wichtig, dass wir der Opfer von Krieg und Gewalt aus europäischer Perspektive gedenken“, sagte Markus Meckel.[1] Meckel versuchte, den Volksbund als wichtigen Akteur der nationalen und europäischen Erinnerungskultur zu etablieren und durch strukturelle Reformen seine Zukunft zu sichern. In einer Denkschrift entwickelte er diese Perspektive. In einem intensiven Prozess wurde ein Leitbild entwickelt, das zu viel Streit führte. Die klare Aussage zur Bewertung des Zweiten Weltkrieges führte zu intensiven Auseinandersetzungen, die mit seinem Rücktritt am 22. September 2016 endeten. „Ich sehe keine Chance für die von mir angestrebte Reform im Volksbund und trete deshalb zurück“, begründete Meckel diesen Schritt. Im Sommer 2016 berichtete die Presse[7] über einen lang anhaltendem Streit in den Führungsgremien über die künftige Ausrichtung des Volksbundes.

EhrungenBearbeiten

 
Lasse Lehtinen, Markus Meckel (Tallinn, 2012)

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ernannte ihn zum Senior Associate Fellow.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Selbstbewußt in die Deutsche Einheit – Rückblicke und Reflexionen. Verlag Arno Spitz, Berlin 2001, ISBN 3-8305-0151-X.
  • mit Martin Gutzeit (Hrsg.): Opposition in der DDR – Zehn Jahre kirchliche Friedensarbeit. Bund Verlag, Köln 1994.
  • „Wie ich den 9. November 1989 erlebte“. In: Petra Heß, Christoph Kloft (Hrsg.): Der Mauerfall. 20 Jahre danach … Rhein-Mosel-Verlag, Zell/Mosel 2009.
  • „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“. In: Arnd Brummer (Hrsg.): Vom Gebet zur Demo. 1989 – Die Friedliche Revolution begann in den Kirchen. edition chrismon, 2009.
  • Ehrhart Neubert: Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90. Mit einem Vorwort von Markus Meckel und Rainer Eppelmann. Piper Verlag, München 2008.
  • Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. Beck-Verlag, München 2009.
  • Geborgenheit und Wagnis. In: Christoph Kleßmann (Hrsg.): Kinder der Opposition – Berichte aus Pfarrhäusern in der DDR. Gütersloh 1993, S. 95–108.
  • Der Pastor. In: Sandra Pingel-Schliemann, Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.): Lebenswege … im Schatten des Staatssicherheitsdienstes., Schwerin 2008, ISBN 978-3-933255-27-3, S. 137–157.
  • Mit Rainer Eppelmann und Robert Grünbaum: Das ganze Deutschland. Reportagen zur Einheit. Aufbau Taschenbuch, Berlin 2005, ISBN 3-7466-7050-0.
  • Mit anderen: Die Partei hatte immer recht – Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur. Klartext-Verlag, Essen 1994.
  • Markus Merkel: Rede zu 50 Jahre Ostdenkschrift der EKD 1965; Warschau 2015[8]


Interviews

LiteraturBearbeiten

  • Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Band 6: Leipzig 2007, S. 11.
  • Ehrhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949–1989. Bonn 1997.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Pressemitteilung des VDK vom 12. Oktober 2013
  2. Im Schatten des Domes: Theologische Ausbildung in Naumburg 1949–1994. Ev. Verlagsanstalt, Leipzig 2012, ISBN 978-3-374-03048-4.
  3. Stephen Brown: Von der Unzufriedenheit zum Widerspruch: Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung als Wegbereiter der friedlichen Revolution in der DDR. Lembeck, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-87476-619-7.
  4. Markus Meckel, Steffen Reiche (Hrsg.): Nichts muss bleiben, wie es ist. Gedanken zur Gründung der Ost-SPD. Vorwärts Buch Verlag, 2010, ISBN 978-3-86602-480-9.
  5. Materialien der Enquete-Kommission 'Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland', Suhrkamp-Verlag, 1995, ISBN 3-518-09162-X.
  6. Board of Directors (Memento vom 20. September 2012 im Internet Archive)
  7. Konflikt im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge - Markus Meckel zurückgetreten. Abgerufen am 2. März 2018 (deutsch).
  8. Markus Merkel: Rede zu 50 Jahre Ostdenkschrift der EKD 1965; Warschau 2015 [1]