Marilies Flemming

österreichische Politikerin, MdEP

Marilies Flemming, geb. Oertl (* 16. Dezember 1933 in Wiener Neustadt; † 9. Juli 2023[1]) war eine österreichische Politikerin (ÖVP). Sie war u. a. österreichische Frauen- und Umweltministerin. Als Abgeordnete zum Europäischen Parlament verwendete sie den Namen Marialiese Flemming.[2]

Marilies Flemming

Leben Bearbeiten

Marilies Oertl besuchte zuerst ein Gymnasium in Salzburg (1945–1948), danach ein Bundesrealgymnasium in Wien (1948–1952), nach der Matura studierte sie von 1952 bis 1959 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. In den Jahren 1953 bis 1954 machte sie Sprachstudien in Paris und an der Universität Cambridge.

1963 heiratete sie Wulf Flemming, einen Filmproduzenten. 1964 und 1966 wurden ihre beiden Kinder geboren. Von 1972 bis 1991 war sie als Geschäftsführerin und Gesellschafterin seiner Filmproduktionsfirma tätig.

Von 1973 bis 1987 war sie Abgeordnete zum Wiener Landtag.[3] 1987 wurde sie Bundesministerin für Umwelt, Jugend und Familie.[3] Flemming hat sich stets für Umweltbelange eingesetzt – sie war an der Besetzung der Hainburger Au beteiligt und hat sich öffentlich als Gegnerin des Kernkraftwerks Zwentendorf profiliert. 1988 rief sie im Namen der Republik Österreich den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München und das Bundesverwaltungsgericht in Berlin an, um den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in Bayern zu verhindern.[4] Während ihrer Amtszeit als Ministerin wurden das Chemikaliengesetz, das Luftreinhaltegesetz und das Smogalarmgesetz beschlossen.

Nach der Nationalratswahl 1990 zog sie erneut in die Regierung ein. 1991 trat sie aufgrund massiver Kritik der Opposition zurück – bei ihrer Angelobung hatte sie dem Unvereinbarkeitsausschuss nicht gemeldet, dass sie an der Filmproduktionsfirma ihres Mannes beteiligt war. Die Firma hatte während Flemmings Amtszeit mehrere Aufträge vom ORF bekommen. Ihre Nachfolgerin wurde Ruth Feldgrill-Zankel.[5]

Von 1987 bis 1993 war sie Präsidentin der Europäischen Frauen-Union, von 1996 bis 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments.[3] Ab 1995 war sie stellvertretende Obfrau des Österreichischen Seniorenbundes.[3] 2004 wurde sie Vizepräsidentin der Europäischen Senioren-Union[6] (ESU).[7]

Marilies Flemming starb im Juli 2023 im Alter von 89 Jahren.[3] Sie wurde in Traunkirchen bestattet.[8]

Auszeichnungen Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Dr. Marilies Flemming. Kurzbiogrphie. In: parlament.gv.at. 19. Februar 2007, abgerufen am 29. Dezember 2023.
  2. Flemming auf der Website des Europäischen Parlaments. In: europarl.europa.eu. Abgerufen am 29. Dezember 2023.
  3. a b c d e Ex-ÖVP-Ministerin Marilies Flemming gestorben. In: derStandard.at. 13. Juli 2023, abgerufen am 29. Dezember 2023.
  4. Siegler, Lehmann: WAA: Österreich zieht vor Gericht. Die Wiener Umweltministerin kündigte in Neunburg gegen die WAA Klage vor dem bundesdeutschen Verwaltungsgerichtshof an / DWK-Vertreter versuchten, TV-Öffentlichkeit aus der Erörterung auszuschließen. In: taz.de. Die Tageszeitung, 23. Juli 1988, abgerufen am 29. Dezember 2023.
  5. Karin Leitner: Keine Aufträge an Karmasins Ehemann. In: Kurier.at. 9. Januar 2014, abgerufen am 29. Dezember 2023: „Eine ÖVP-Frau kostete eine Privatbetriebssache das Amt. Umweltministerin Marilies Flemming hatte 1990, nach ihrer Wiederbestellung, dem Unvereinbarkeitsausschuss nicht gemeldet, dass sie an der Filmproduktionsfirma ihres Mannes beteiligt ist; diese hatte Aufträge vom ORF bekommen.“
  6. The European Seniors’ Union. In: esu-epp.eu. Abgerufen am 29. Dezember 2023.
  7. Ingrid Korosec zum Tod von Marilies Flemming: „Pionierin und Vorbild – als Politikerin und als Mensch“. In: OTS.at (Originaltext-Service). Österreichischer Seniorenbund, 13. Juli 2023, abgerufen am 29. Dezember 2023.
  8. Philipp Gratzer: Seniorenbund dankt Marilies Flemming. In: MeinBezirk.at. 27. Juli 2023, abgerufen am 29. Dezember 2023.
  9. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1952–2014. (PDF; 6,9 MB), Seite 871.