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Marietheres List

deutsche Musikhistorikerin

LebenBearbeiten

Ausbildung und StationenBearbeiten

Marietheres List, die Tochter von Herbert List[2] († 1988), der 1954 bis 1977 Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros an der Bayerischen Staatsoper München war, stammte aus einem künstlerischen Elternhaus. Ihr Vater war Regisseur, ihre Mutter Opernsängerin.[1] Ihre ersten Theatererfahrungen machte List bereits im Kindesalter.[1] List erhielt ab dem Alter von fünf Jahren Ballettunterricht, tanzte im Kinderballett, wo sie u. a. neben Heinz Bosl ihren ersten Auftritt hatte, und erhielt Gesangsunterricht.[3] Ihr Stimmumfang reichte jedoch für eine Karriere als Sängerin nicht aus, sodass List sich für das Theater- und Musikmanagement als Berufswunsch entschied.[3]

List studierte dann Theaterwissenschaft und Musikgeschichte.[4] Sie war zunächst Mitarbeiterin ihres Vaters. Nach Regiehospitanzen und Tätigkeiten beim Fernsehen war sie ab der Spielzeit 1974/75 bis 1982 Leiterin der Künstlerischen Betriebsbüros in Graz, ab 1977 der Städtischen Bühnen Nürnberg und schließlich ab 1979 in derselben Funktion an der Württembergischen Staatsoper Stuttgart.[4] 1983 übernahm sie kurzzeitig das Management des Dirigenten Lamberto Gardelli, bevor sie anschließend als Persönliche Referentin des Generalintendanten und als Chefdisponentin an das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wechselte.[4] 1985 wurde sie Künstlerische Betriebsdirektorin und Stellvertreterin des Intendanten beim Theater Essen und der Philharmonie Essen.[4] Ab 1986 war sie Stellvertretende Operndirektorin am Opernhaus von Nizza.[4]

Intendantin in RegensburgBearbeiten

Im April 1987 wurde sie vom Regensburger Stadtrat zur Intendantin des Städtischen Bühnen Regensburg gewählt.[1] List setzte sich dabei im Auswahlverfahren gegen mehr als 50 männliche Mitbewerber durch. Sie war in dieser Funktion die erste Frau an der Spitze eines staatlichen oder kommunalen Theaters.[1]

List war von 1988 bis 2002 Intendantin der Städtischen Bühnen Regensburg. Ihr Amt trat List im Oktober 1988 zum Spielzeitbeginn der Theatersaison 1988/89 an. Die erste von ihr verantwortete Premiere war die Verdi-Oper Un ballo in maschera, wofür sie Wolfgang Brendel (Bayerische Staatsoper München) als Gast verpflichtete. In der Theaterorganisation schuf sie zu Beginn ihrer Amtszeit neue Stellen für Schauspiel- und Musikdramaturgen und installierte einen Pressereferenten für die Werbung und die Vermarktung des Theaters. Im Schauspiel und Musiktheater arbeitete List fast ausschließlich mit Gastregisseuren. Besondere Aufmerksamkeit widmete List dem Musiktheater.[1] Unter ihrer Amtszeit wurden u. a. Kammeropern von Franz Hummel und Enjott Schneider uraufgeführt.[1] Auch das Musical setzte List regelmäßig auf den Spielplan.[1] Als ihr größter Erfolg an den Städtischen Bühnen Regensburg gilt die Etablierung eines eigenständigen Balletts.[1] Als Choreograph und Leiter engagierte sie Dieter Gößler, den ehemaligen Solo-Tänzer der Städtischen Bühnen Nürnberg, den sie noch aus ihrer Nürnberger Zeit kannte.[1] Unter Lists Intendanz erfolgte die erfolgreiche Sanierung des Hauses am Bismarckplatz (1997–2001) und der Ausbau der historischen Radsporthalle „Velodrom“ zur zweiten festen großen Spielstätte der Städtischen Bühnen Regensburg.[3][4] List gilt auch als Entdeckerin und Mentorin des österreichischen Regisseurs und späteren Staatstheater am Gärtnerplatz-Intendanten Josef Ernst Köpplinger.

Während Lists Amtszeit wurden an den Städtischen Bühnen Regensburg etwa 300 Produktionen realisiert.[3] Zu den insgesamt mehr als 6000 Vorstellungen in den verschiedenen Spielstätten kamen rund 1,3 Millionen Besucher.[3] Ihre Amtszeit endete mit dem Ende der Spielzeit 2001/02. Ihr Nachfolger wurde Ernö Weil.[3]

PrivatesBearbeiten

Nach dem Ende ihrer Amtszeit ließ sich List, die in ihren ersten Regensburger Jahren im Hotel gelebt hatte, dauerhaft in Regensburg nieder.[1] Ihre letzten öffentlichen Auftritte hatte sie im Jahre 2016, u. a. bei den 34. Bayerischen Theatertagen in Regensburg.[1]

List war unverheiratet. Die letzten Monate vor ihrem Tode lebte sie in einem Hospiz. Im Februar 2018 starb List „nach schwerer Krankheit“ im Alter von 72 Jahren.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theaterlexikon. Nachtragsband, Teil 3. K – L. De Gruyter, Berlin [u. a.]. Dezember 2014. Seite 362. ISBN 978-3-11-031137-2. (abgerufen über De Gruyter Online).
  • Monika Beer: Marietheres List. Porträt und Interview. In: Opernwelt. Ausgabe 7/1989. Seite 15–17.
  • Jörg Riedlbauer: Marietheres List: „Es kommt auf das Ergebnis an!“. Deutschlands erste Intendantin. Interview. In: Orpheus. Ausgabe 3/1989. Seite 182–185.
  • Theater Regensburg (Hrsg.): Marietheres List – 14 Jahre Intendantin in Regensburg. Verlag: Städtisches Theater. Regensburg 2002.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m Ulrich Kelber: Marietheres List stellte Weichen. Nachruf. In: Mittelbayerische Zeitung vom 21. Februar 2018. Abgerufen am 22. Februar 2018.
  2. Herbert List. Biografie. Offizielle Internetpräsenz. Bayerische Staatsoper. Abgerufen am 22. Februar 2018.
  3. a b c d e f Marietheres List räumt Chefsessel beim Theater. In: Schwäbische Zeitung vom 15. Juli 2002. Abgerufen am 22. Februar 2018.
  4. a b c d e f Die langjährige Intendantin Marietheres List ist tot: Kreativ, feinsinnig, humorvoll. Nachruf. Nachtkritik.de vom 22. Februar 2018. Abgerufen am 22. Februar 2018.