Hauptmenü öffnen

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn

österreichische Fotografin

Marianne „Manni“ Sayn-Wittgenstein-Sayn,[1] geb. Mayr-Melnhof, (* 9. Dezember 1919 in Salzburg), außerhalb Österreichs medial Fürstin zu Sayn-Wittgenstein[2] genannt, ist eine österreichische Fotografin, die als sogenannte „Gesellschaftsexpertin“ zahlreiche internationale Prominenz fotografiert hat.

LebenBearbeiten

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn wurde im Dezember 1919 in Salzburg als ältestes von neun Kindern des Friedrich Mayr Melnhof (1892–1956, bis April 1919 Freiherr Mayr von Melnhof) und seiner Gattin Maria-Anna (1897–1983), einer geborenen Gräfin von Meran aus einer morganatischen Nebenlinie des Hauses Habsburg-Lothringen, geboren. Ihr Vater war im Land Salzburg Großgrundbesitzer. Sie ist eine Ur-Ur-Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Maria Theresia.

Bereits mit neun Jahren hat sie die ersten Fotos gemacht. Nach Schulbesuch und Matura 1938 studierte sie 1941 an der Münchner Blocherer-Kunstschule. Im Frühjahr 1942 heiratete sie Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (1915–1962), damals Offizier, den sie in München bei ihren Gasteltern kennengelernt hatte.

Als ihr Mann 1962 „von einem betrunkenen Lastwagenfahrer in Sayn nahe Koblenz auf dem Gehsteig vor ihrem Haus überrollt“[3] wurde und starb, übernahm sie gemeinsam mit einem Vormund die Verwaltung in Sayn, bis ihr Sohn Alexander volljährig wurde.

Sie startete eine Karriere als Berufsfotografin und archivierte bis zu ihrem 100. Geburtstag im Dezember 2019 etwa 300.000 ihrer Fotos.[4] Sie fotografierte Prominente von Maria Callas über Gianni Agnelli bis zu Luciano Pavarotti und legte Reisereportagen vor.

Die Bezeichnung „Mamarazza“ erhielt sie in Anlehnung an das Wort „Paparazzo“ als Necknamen von Prinzessin Caroline von Monaco, die einmal zu ihr sagte: „Manni, Du bist eine richtige Mamarazza.“[5][6] Im Unterschied zu Paparazzi zeigt sie aber nie indiskrete oder herabwürdigende Fotos: „Ich habe meine Freunde stets als Freundin fotografiert.“[3]

Von den 1970er Jahren bis 2009 gab sie während der und um die jährlichen Salzburger Festspiele jeweils mehrere „ländliche Mittagessen“ für je 100 Gäste in Fuschl bei Salzburg, zu denen sie im Lauf der Zeit Tausende Prominente, darunter viele bei den Festspielen auftretende Künstler, begrüßen konnte. Besonders eng befreundet war sie mit Gunter Sachs.[3]

NachkommenBearbeiten

Aus der Ehe mit Ludwig gingen fünf Kinder hervor:

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn ist 20-fache Großmutter, 31-fache Urgroßmutter und dreifache Ur-Urgroßmutter (Stand: Dezember 2019).[9]

AuszeichnungenBearbeiten

Am 27. Juli 2010 erhielt Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn von der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied, in der Salzburger Residenz das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreicht. Die Laudatio hielt Landeshauptfrau-Stellvertreter Wilfried Haslauer.[1]

WerkeBearbeiten

  • Private Gartenkunst in Deutschland. Busse + Seewald, Stuttgart 1986, ISBN 3-512-00755-4; mit Ursula Gräfin zu Dohna und Philipp Graf Schönborn.
  • Mamarazza – Gesellschaftsfotografie von 1950 – 2000. Steidl, Göttingen 1999, ISBN 3-88243-641-7.
  • Sayner Zeit. Kulturverlag Polzer, Salzburg 2005, ISBN 3-9501388-1-1.
  • Sayn-Wittgenstein Collection, Photographs by Princess Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn. teNeues, Kempen 2006, ISBN 3-8327-9128-0 (fünfsprachig; mit Gunter Sachs und Sean Connery).
  • ManniFeste. Fuschler Mittagessen 1974–2009. Kulturverlag Polzer, Salzburg 2010, ISBN 978-3-902658-23-4.

AusstellungenBearbeiten

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn hatte zahlreiche Ausstellungen, u. a. in Berlin, Salzburg, München, Frankfurt, New York, Wien und auf Schloss Sayn. Seit 2003 wird The Sayn-Wittgenstein-Collection in der Galerie Artmosphere in Salzburg als Dauerausstellung gezeigt, u. a. mit Fotografien von Besuchen bei Andy Warhol und Salvador Dali.[1]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c APA-OTS: BM Claudia Schmied verleiht Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. In: Presseaussendung des BMUKK, 27. Juli 2010. Abgerufen am 28. Juli 2010.
  2. Annette Meyhöfer: Society: Kommen S' bitte abgegessen. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1997, S. 101 ff. (online).
  3. a b c Hans-Bruno Kammertöns: Die Mamarazza. In: Wochenzeitung Die Zeit, Nr. 39, 22. September 2011, Beilage Zeit-Magazin, S. 33f. („Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn war 40 Jahre lang der Mittelpunkt der Salzburger Gesellschaft. Nun tritt sie ab.“) Abgerufen am 26. September 2011.
  4. Philipp Crone: Promi-Fotografin: Die ewige Mamarazza. 6. Dezember 2019, abgerufen am 8. Dezember 2019: „Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn hat von Romy Schneider bis zu Luciano Pavarotti alle abgelichtet und dabei nicht immer nur dekadenten Jetset erlebt. Am Montag wird sie 100 Jahre alt. Was ist ihr Geheimnis?“
  5. Unternehmerin: Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, geb. Gabriela Gräfin von Schönborn-Wiesentheid (60.) In: SWR.de, 14. August 2007. Abgerufen am 26. September 2011.
  6. So jagt Mamarazza schöne Menschen. Ausstellung der Gesellschaftsfotografin Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in der Galerie Picture Show. In: Welt Online, 5. Jänner 2001. Abgerufen am 26. September 2011.
  7. Friedrich Freiherr von Senden: Geschichte der Freiherrn von Senden und Freiherrn Schuler von Senden. Pro Business (BoD), Berlin 2010, ISBN 978-3-86805-628-0, S. 133. (Auszug in der Google Buchsuche.)
  8. Luis de Figueroa, Conde de Quintanilla auf thepeerage.com, abgerufen am 21. August 2015.
  9. Stichtag, auf wdr.de, aufgerufen am 9. Dezember 2019.