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Margaret Atwood

kanadische Schriftstellerin
Margaret Atwood (2015)

Margaret Eleanor Atwood, CH, CC, O.Ont, FRSC (* 18. November 1939 in Ottawa, Kanada), ist eine kanadische Schriftstellerin und Dichterin. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik.

Leben und WerkBearbeiten

Margaret Atwood verbrachte ihre frühe Kindheit in Ottawa, Quebec und Ontario. 1946 nahm ihr Vater, ein Entomologe, eine Stelle an der University of Toronto an, wo sie bis zu ihrem Collegeabschluss am Victoria College lebte. Nach einem Studium der englischen Sprache und Literatur an der University of Toronto und dem Radcliffe College der Harvard University, das sie 1962 mit dem Master abschloss, lehrte sie ab 1964 als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten. Sie lebte in den USA, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Italien und Deutschland[1]. Heute lebt sie in Toronto. Seit der Scheidung von ihrem ersten Ehemann im Jahr 1973 lebte sie mit dem Ornithologen und Schriftsteller Graeme Gibson (1934–2019) zusammen und bekam mit ihm eine Tochter (* 1976).[2][3]

Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit veröffentlichte sie eigene literarische Arbeiten; zunächst wurde sie vor allem als Lyrikerin, später auch als Literaturkritikerin wahrgenommen. 1969 erschien ihr erster Roman Die eßbare Frau (The Edible Woman). Bekannt geworden ist sie vor allem durch den Roman Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale), der 1985 mit dem Governor General’s Award for Fiction ausgezeichnet wurde und 1990 von Volker Schlöndorff als Die Geschichte der Dienerin verfilmt wurde. Auch zahlreiche Kurzgeschichten trugen zu Atwoods Bekanntwerden bei. Sie interessiert sich für kanadische Geschichte und Literatur. 1981 erhielt sie den kanadischen Molson Prize. 1988 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2015 wurde sie als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.[4] Ihre Arbeiten wurden in mehr als dreißig Sprachen, darunter Persisch, Japanisch und Türkisch, übersetzt.

 
Margaret Atwood (2006)

Atwood thematisiert häufig in ihren Romanen, oft auch in Form von Science-Fiction-Geschichten, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, setzt sich aber auch mit anderen aktuellen gesellschaftlichen Problemen sowie Umweltfragen auseinander. Unter anderem setzt sie sich öffentlich für Maßnahmen gegen die globale Erwärmung ein.[5][6] Sie vertritt dabei die Auffassung, dass Begriffe wie „globale Erwärmung“ und „Klimawandel“ den Sachverhalt verharmlosen, und verwendet stattdessen den Begriff Klimakrise. So antwortete sie einer Journalistin auf eine Frage mit Bezug zum Klimawandel folgendermaßen:

„Sagen Sie nicht Klimawandel! Es ist eine Klimakrise, ein Notfall!“

Margaret Atwood, 2019[7]

Atwood selbst ordnete ihre Werke eher in den Bereich der „Speculative Fiction“ ein.[8] Dazu begründete sie: „Für mich gehört das Label Science Fiction zu Büchern über Dinge, die wir noch nicht tun können, wie etwa Reisen durch Wurmlöcher zu anderen Universen, während Speculative Fiction Werke bezeichnet, die sich mit Mitteln auseinandersetzen, die wir bereits anwenden, wie etwa den genetischen Fingerabdruck und Kreditkarten, und die auf dem Planeten Erde handeln.“ Allerdings würden die Begriffe häufig nicht trennscharf unterschieden und phantastische Literatur gebe allgemein die Möglichkeit, Themen auf eine Art zu erforschen, die in realistischer Literatur nicht möglich sei.[9]

Für ihren Roman Der blinde Mörder (The Blind Assassin) erhielt Atwood im Jahr 2000 den Booker Prize und 2001[10] den Hammett Prize des North American Branch of the International Association of Crime Writers (IACW/NA). 2008 wurde sie in Spanien für ihr Lebenswerk mit dem Prinz-von-Asturien-Preis geehrt. Für ihr Gesamtwerk wurde sie 2009 mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet.

2015 übergab Margaret Atwood das bisher unveröffentlichte Manuskript Scribble Moon dem Projekt Future Library der schottischen Künstlerin Katie Paterson. Sie ist die erste Autorin, von der in diesem Rahmen Texte unveröffentlicht bis zum Jahr 2114 in der Deichmanske bibliotek in Oslo verwahrt werden sollen. Jedes Jahr sollen weitere Texte von unterschiedlichen Autoren dazukommen, die dann alle gemeinsam nach Ablauf der Wartefrist veröffentlicht werden.[11]

Im Jahr 2016 erhielt Atwood einen National Book Critics Circle Award für ihr Lebenswerk. Am 13. Juni 2017 wurde ihr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.[12] Die Auszeichnungsurkunde wurde ihr am 15. Oktober 2017 in der Frankfurter Paulskirche durch Heinrich Riethmüller überreicht;[13] die Laudatio hielt Eva Menasse.[14] Am 17. Oktober 2017 wurde Atwood mit dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet. Die Zeuginnen, Atwoods 15 Jahre nach der Handlung von Der Report der Magd ansetzende Fortsetzung, gewann 2019 den Booker Prize gemeinsam mit Bernardine Evaristos Roman Girl, Woman, Other.[15] Auch stellte sie mit ihrer insgesamt sechsten Shortlist-Nominierung für den britischen Literaturpreis den Rekord von Iris Murdoch ein.

Atwood war von Mai 1981 bis Mai 1982 Präsidentin der Writers’ Union of Canada, von 1984 bis 1986 Präsidentin des kanadischen P.E.N.-Zentrums (englischsprachige Sektion) und ist derzeit eine der Vizepräsidenten des P.EN. International. Sie und ihr Mann sind Ehrenpräsidenten der Rare Bird Society innerhalb von BirdLife International.

WerkeBearbeiten

RomaneBearbeiten

ProsasammlungenBearbeiten

  • 1978 (D: 1979): Unter Glas. (Dancing Girls and other stories)[17]
  • 1983 (D: 1993): Die Giftmischer: Horror-Trips und Happy-Ends. (Murder in the Dark)[18]
  • 1986: Through the One-Way Mirror.
  • 1989 (D: 1994): Der Salzgarten. (Bluebeard’s Egg.)
  • 1991 (D: 1991): Tips für die Wildnis. (Wilderness Tips.) Trillium Book Award
  • 1992 (D: 1995): Gute Knochen. (Good Bones.)
  • 2006 (D: 2006): Das Zelt. (The Tent.)
  • 2006 (D: 2008): Moralische Unordnung. (Moral Disorder.)
  • 2014 (D: 2016): Die steinerne Matratze. Neun Erzählungen. (Stone mattress). Anthologie. Übers. Monika Baark. Berlin Verlag, Berlin 2016. ISBN 978-3-8270-1318-7.[19]
  • 2016 Curious Pursuit, ISBN 978-1-84408-149-3.
    • D: 2017: Aus Neugier und Leidenschaft, Gesammelte Essays. Übers. Christiane Buchner et. al., Berlin Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-8270-0666-0.

GedichteBearbeiten

  • 1961: Double Persephone. Hawkshead Press
  • 1964: The Circle Game.
  • 1965: Kaleidoscopes Baroque: a poem
  • 1965: Talismans For Children.
  • 1965: Expeditions.
  • 1966: Speeches For Doctor Frankenstein.
  • 1968: The Animals in That Country.
  • 1970: The Journals of Susanna Moodie.
  • 1970: Procedures for Underground.
  • 1971: Power Politics.
  • 1974: You Are Happy.
  • 1976: Selected Poems.
  • 1978: Two-Headed Poems.
  • 1980: The Journals of Susanna Moodie.
  • 1981: True Stories. (Wahre Geschichten. 1999)
  • 1981: Notes Towards a Poem That Can Never Be Written.
  • 1983: Snake Poems.
  • 1984: Interlunar.
  • 1986: Selected Poems II: Poems Selected and New 1976–1986.
  • 1990: Selected Poems 1966–1984.
  • 1991: Margaret Atwood Poems 1965–1975.
  • 1995: Morning in the Burned House. (Ein Morgen im verbrannten Haus. 1999)
  • 1998: Eating Fire; Selected Poems 1965–1995.
  • 2007: The Door.
  • 2010: The Moment.

KinderbücherBearbeiten

  • 1978: Hoch oben im Baum. (Up In The Tree)
  • 1980: Anna’s Pet
  • 1990: For The Birds
  • 1995: Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume. (Princess Prunella and the Purple Peanut)
  • 2005: Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen. (Rude Ramsay and the Roaring Radishes)
  • 2006: Der befangene BOB und die traurige Theodora. (Bashful Bob and Doleful Dorinda)

SachbücherBearbeiten

  • 1972: Survival: A Thematic Guide to Canadian Literature.
  • 1977: Days of the Rebels 1815–1840.
  • 1982: Second Words: Selected Critical Prose.
  • 1995: Strange Things: The Malevolent North in Canadian Literature.
  • 2002: Negotiating with the Dead: A Writer on Writing.
  • 2005: Writing with Intent: Essays, Reviews, Personal Prose – 1983–2005.
  • 2008: Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands. (Payback. Debt and the Shadow Side of Wealth)[20]
  • 2011: In Other Worlds: SF and the Human Imagination

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

(chronologisch absteigend geordnet)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Margaret Atwood – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise, AnmerkungenBearbeiten

  1. 1984 in West-Berlin, nach Atwoods eigenen Angaben.
  2. Grant Munroe: How Margaret Atwood and Graeme Gibson Built a Bird Sanctuary. The Walrus, 18. August 2017, abgerufen am 15. Oktober 2017 (englisch).
  3. Rebecca Mead: Margaret Atwood, the Prophet of Dystopia. The New Yorker, 17. April 2017, abgerufen am 15. Oktober 2017 (englisch).
  4. Honorary Members: Margaret Atwood. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 4. März 2019.
  5. Margaret Atwood: We Must Tackle Climate Change Together.. In: The Huffington Post, 11. Dezember 2013. Abgerufen am 13. April 2014.
  6. Robert McCrum: Margaret Atwood interview: ‘Go three days without water and you don't have any human rights. Why? Because you're dead’. In: The Guardian, 28. November 2010. Abgerufen am 13. April 2014.
  7. https://nzzas.nzz.ch/kultur/kultautorin-margaret-atwood-sagen-sie-nicht-klimawandel-es-ist-eine-klimakrise-ein-notfall-ld.1519260?reduced=true
  8. Robert Potts: Light in the wilderness. In: The Guardian vom 26. April 2003.
  9. „For me, the science fiction label belongs on books with things in them that we can't yet do, such as going through a wormhole in space to another universe; and speculative fiction means a work that employs the means already to hand, such as DNA identification and credit cards, and that takes place on Planet Earth.“ Zitiert nach: Margaret Atwood: „Aliens have taken the place of angels“. Margaret Atwood on why we need science fiction. In: The Guardian vom 17. Juni 2005.
  10. Jahr der Preisverleihung; die IACW/NA verzeichnet nur das Jahr der Buchveröffentlichung
  11. Zukunftsbibliothek. Lyrikzeitung.com, 3. Juni 2015, abgerufen am 5. Juni 2015.
  12. Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, buchmarkt.de, 13. Juni 2017, abgerufen am 13. Juni 2017.
  13. „Geschichten in der Welt“ – Margaret Atwoods Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2017. Auf der Website zum Friedenspreis des dt. Buchhandels, abgerufen am 16. Oktober 2017.
  14. „Die Präzision der Messerwerferin“ – Laudatio von Eva Menasse. Auf der Website zum Friedenspreis des dt. Buchhandels, abgerufen am 16. Oktober 2017.
  15. Booker Prize: Margaret Atwood and Bernardine Evaristo share award. In: bbc.com. 14. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019 (englisch).
  16. Diese DDR-Ausgabe ist die Original-Übersetzung. Die BRD-Version (vorstehend) wurde vom West-Verlag nach politischen Vorgaben deutlich verändert.
  17. Dieses Buch thematisiert am deutlichsten „kanadische“ Motive.
  18. daraus: Happy Ends, in Frauen in Kanada. Erzählungen und Gedichte. Übers. Anna Kampf. dtv, München 1993
  19. Enthält: Alphinland; Wiedergänger; Dark Lady; Lusus Naturae; Der gefriergetrocknete Bräutigam; Bezaubernde Zenia; Die tote Hand liebt dich; Die steinerne Matratze; Fackelt die Alten ab.
  20. Der hier behandelte Brauch des „Sündenessens“ in Wales und Schottland taucht bereits 1981 bei Atwood in einem Radio-Feature auf, gedruckt in Hg. Robert Weaver, Small wonders. New stories by twelve distinguished Canadian writers. Canadian Broadcasting Corporation, Toronto 1982, S. 11–22. Die Figur hat sie also beschäftigt.(engl.)
  21. science fiction awards database - Margaret Atwood. Abgerufen am 24. November 2017.
  22. Auch online, kostenfrei, Zugang individualisiert, deshalb über eine Suchmaschine erforderlich
  23. Originalbeitrag. Mit einer Zeichnung der Autorin: Fliegende Untertasse, Kanada, die "Gesprächspartner" sind Marsianer und ein Pilz.