Maren Kroymann

deutsche Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin

Maren Kroymann (* 19. Juli 1949 in Walsrode) ist eine deutsche Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin.

Maren Kroymann, 2018
Maren Kroymann, 2017

Leben und WirkenBearbeiten

 
Maren Kroymann, 2006

Kroymann wurde 1949 in Walsrode geboren[1] und wuchs als jüngstes Kind des Hochschullehrers und klassischen Philologen Jürgen Kroymann mit vier Brüdern in Tübingen auf.[2] Ihre Mutter war promovierte Romanistin[3], einer ihrer Brüder ist Albrecht Kroymann.[4] Nach dem Abitur am Uhland-Gymnasium 1967 begann sie ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Romanistik an der Eberhard Karls Universität Tübingen und spielte parallel Theater. Nach Aufenthalten in den USA und Paris ging sie 1971 nach Berlin und arbeitete dort unter anderem im Hanns-Eisler-Chor. 1977 bestand sie das erste Staatsexamen für das höhere Lehramt.[5]

Durch ihr erstes Bühnenprogramm Auf du und du mit dem Stöckelschuh (1982) wurde sie einige Jahre später für das Fernsehen entdeckt. 1985 wirkte sie in Dieter Hildebrandts Scheibenwischer mit.[6] Einem breiteren Publikum bekannt wurde sie 1988 an der Seite von Robert Atzorn in der vom SDR produzierten Fernsehserie Oh Gott, Herr Pfarrer. Zwei Jahre später übernahm sie die Titelrolle in der Serie Vera Wesskamp. Von Oktober 1993 bis Dezember 1997 hatte sie mit Nachtschwester Kroymann ihre eigene Satiresendung.

2000 erhielt sie den Berliner Frauenpreis für ihr „Werk als Kabarettistin und Schauspielerin und ganz besonders für ihr mutiges und wegweisendes feministisches Kabarett“. Zur gleichen Zeit begann sie, Balladen und Country-Songs in ihrem Programm Gebrauchte Lieder[7] zu präsentieren. Hierzu entstand eine gleichnamige CD. Zwischen 2001 und 2007 wirkte sie in der Fernsehserie Mein Leben & Ich mit. 2006 spielte sie zusammen mit Kostja Ullmann in Angelina Maccarones Beziehungsfilm Verfolgt, der im Wettbewerb Cineasti del Presente des 59. Filmfestivals von Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde. Für ihre Darstellung als Bewährungshelferin, die sich in eine gefährliche Liaison mit einem jugendlichen Straftäter verstrickt, erhielt sie 2007 den Preis der deutschen Filmkritik. Im selben Jahr wirkte Kroymann in dem Dokumentarfilm Tote Schwule – Lebende Lesben von Rosa von Praunheim mit, der 2008 auf der Berlinale uraufgeführt wurde.

2010 wurde ihr von der „LAG Lesben in NRW“ der Augspurg-Heymann-Preis für ihr lesbenpolitisches Engagement verliehen. Anlässlich ihres Jubiläums „50 Jahre Pubertät“ entwickelte Kroymann das Bühnenprogramm In My Sixties. Nach Voraufführungen in Bremen hatte ihr Programm im September 2011 in der Berliner Kleinkunstbühne Bar jeder Vernunft Premiere. Im Juni 2014 wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Sonderpreis des Prix Pantheon, des Kabarett-Preises des Bonner Pantheon-Theaters, in der Kategorie Reif & Bekloppt ausgezeichnet.[8] Im April 2015 erhielt sie den Ehrenpreis des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg. Im November 2015 wurde der Curt-Goetz-Ring von Harald Martenstein an sie weitergegeben.[9]

Seit März 2017 ist sie mit der Satiresendung Kroymann[10] im Ersten zu sehen. Hierfür erhielt sie 2018 gemeinsam mit Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann von der Deutschen Akademie für Fernsehen die Auszeichnung in der Kategorie Fernsehunterhaltung, 2019 sowohl den Bayerischen Fernsehpreis[11] als auch den Deutschen Fernsehpreis und in beiden Jahren den Grimme-Preis. Die Jurybegründungen heben Kroymanns Tempo, ihr Handwerk und ihr komödiantisches Timing hervor, hier werde „Haltung zu Unterhaltung“.[12]

Kroymann ist lesbisch[13] und Botschafterin des Vereins Coming Out Day e.V.[14] sowie Mitglied im Bundesverband Schauspiel (BFFS).[15] Sie lebt in Berlin-Charlottenburg.[16]

Im Dezember 2019 erhielt sie den Fernsehpreis Rose d’Or für ihr Lebenswerk[17] und 2020 wurde Kroymann mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.[18]

DiskografieBearbeiten

  • 1983: Maren Kroymann – Auf Du und Du mit dem Stöckelschuh (Doppel-LP, Live-Mitschnitt aus dem Berliner Grips-Theater)
  • 2000: Gebrauchte Lieder (zusammen mit der Jo Roloff Band)
  • 2012: In My Sixties (CD zum gleichnamigen Bühnenprogramm, Premiere Oktober 2012)
  • 2019: Fredrik Vahle – Zugabe (Maren Kroymann singt Anne Kaffeekanne), Sauerländer audio

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

HörspieleBearbeiten

Hörbücher (Auswahl)Bearbeiten

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Carola Deutsch, Maren Kroymann, Lieselotte Steinbrügge: Ein Traum von Weiblichkeit. Zu Michael Nerlichs Interpretation der Fotobände von David Hamilton und Alain Robbe-Grillet. In: Lendemains, Februar 1981, S. 107–113
  • Maren Kroymann, Lieselotte Steinbrügge: Hat keiner was gesagt? Als Nachtrag zum Fall Matzneff. In: Süddeutsche Zeitung, 17. September 2020, S. 12

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Karin Theis-Sina: Maren Kroymann. Kabarettistin und Schauspielerin. In: Lauter Frauen. Aufgespürt in Baden-Württemberg. 47 Porträts, Stuttgart: Theiss 2000, ISBN 3-8062-1525-1, S. 90–92.

WeblinksBearbeiten

Commons: Maren Kroymann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Interviews

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Maren Kroymann: "68? Ist doch ein geiles Alter!" Abgerufen am 19. Juni 2020.
  2. Maren Kroymann und ihre Tübinger Kindheit mit Musik In: Schwäbisches Tagblatt vom 5. September 2010.
  3. Silke Weber: Nie wieder Sidekick. Maren Kroymann war die erste Kabarettistin mit eigener TV-Show und machte schon Witze über Sexismus, als ihre männlichen Kollegen Frauen für Bühnenbeiwerk hielten. Heute ist sie 70 – und beweist noch immer, wie lustig Feminismus sein kann. In: Die Zeit, Nr. 22 vom 20. Mai 2020, S. 28.
  4. 1989-2003: Kroymann, Albrecht Dr. bei kreis-tuebingen.de. Abgerufen am 18. Juni 2013.
  5. https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/maren-kroymann-sendung-100.html
  6. Anselm Lenz: Maren Kroymann wird 70 Jahre alt: Mehr als nur Kleinkunst. In: Die Tageszeitung: taz. 19. Juli 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. September 2019]).
  7. Axel Schock: Maren Kroymann über die 68er: Zwischen Befreiung und Dogma. Abgerufen am 2. März 2019 (d).
  8. Deutscher Satirepreis Prix Pantheon 2014 – Ehrenpreis an Maren Kroymann bei marenkroymann.de. Abgerufen am 17. Juni 2014.
  9. Laudatio auf Maren Kroymann. Abgerufen am 18. August 2016.
  10. Kroymann - Comedy & Satire im Ersten - ARD | Das Erste. Abgerufen am 19. Juni 2020.
  11. DWDL de GmbH: Das sind die Gewinner des Bayerischen Fernsehpreises 2019. Abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  12. Christine Dössel: Eine klassische Spätzünderin. In: sueddeutsche.de. 19. Juli 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 19. Juli 2019]).
  13. Waltraud Schwab: Montagsinterview Schauspielerin Maren Kroymann: "Bei Elvis kriegte ich Gänsehaut". In: Die Tageszeitung: taz. 12. August 2007, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 12. September 2020]).
  14. Coming Out Day Botschafterin Maren Kroymann bei coming-out-day.de
  15. BFFS-Mitgliederliste, Bundesverband Schauspiel, bffs.de abgerufen am 8. Dezember 2015
  16. "Warum sind ältere Frauen nicht auf den Bildschirmen zu sehen?" In: sueddeutsche.de. 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 19. Juli 2019]).
  17. DWDL de GmbH: Rose d'Or lässt Kroymann, Gervais und "Chernobyl" strahlen. Abgerufen am 2. Dezember 2019.
  18. Maren Kroymann mit Zuckmayer-Medaille geehrt. In: Deutschlandfunk Kultur. 18. Januar 2020, abgerufen am 19. Januar 2020.
  19. a b c Susan Vahabzadeh: Gebt uns eine Stimme. Abgerufen am 19. Juni 2020.
  20. Preisträger - Grimme-Preis. Abgerufen am 19. Juni 2020.