Manhunter – Roter Drache

Film von Michael Mann (1986)

Manhunter – Roter Drache, auch bekannt als Blutmond, ist ein US-amerikanischer Thriller des Regisseurs Michael Mann aus dem Jahr 1986, der auf dem Roman Roter Drache (Originaltitel: Red Dragon) von Thomas Harris basiert und dessen Remake Roter Drache als Vorgeschichte bzw. Prequel des Films Das Schweigen der Lämmer gilt.

Film
Deutscher Titel Manhunter – Roter Drache
(alternativ: Blutmond)
Originaltitel Manhunter
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1986
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Michael Mann
Drehbuch Michael Mann
Produktion Dino De Laurentiis,
Richard A. Roth
Musik Michel Rubini
Kamera Dante Spinotti
Schnitt Dov Hoenig
Besetzung
Synchronisation
Chronologie
Hannibal Rising – Wie alles begann →

HandlungBearbeiten

Der ehemalige FBI-Profiler Will Graham lebt mit seiner Familie in Florida. Er versucht, Abstand zu seiner Arbeit beim FBI zu finden, die ihn fast das Leben gekostet hatte. Sein ehemaliger Chef Jack Crawford sucht ihn auf, weil Will als Freund seine letzte Hoffnung ist, einen wahnsinnigen Serienkiller zu finden. Dieser Mörder hat in Vollmondnächten zwei ganze Familien ermordet und deren Leichen grauenhaft verstümmelt. Crawford geht davon aus, dass in den folgenden Vollmondnächten wieder mit Morden zu rechnen ist.

Der Täter, den die Presse Zahnfee getauft hat, zerschlägt Spiegel und benutzt Scherben, um sie seinen Opfern in die Augen einzusetzen, damit er sich in ihnen sehen kann. Als Graham die Fotos der grauenhaft ermordeten Familien sieht, entschließt er sich, noch ein letztes Mal für das FBI als Berater tätig zu werden.

Graham sagt Crawford seine Hilfe zu und hat die Idee, den Kannibalen Hannibal Lecktor, der ihn einst töten wollte, um Rat zu bitten, damit er ein Profil des kranken Geistes des neuen Serienkillers erstellen kann. Lecktor sitzt in einer psychiatrischen Klinik in Einzelhaft und spielt Graham vor, ihm helfen zu wollen. Lecktor nutzt diese Gelegenheit, um sich an Graham zu rächen, und sendet durch einen geschickten Trick eine Nachricht an die Zahnfee mit der Aufforderung, Grahams Familie auszulöschen. Der Zuschauer erfährt die Identität des Mörders. Er heißt Francis Dollarhyde und ist durch eine Hasenscharte gekennzeichnet, die ihm jegliches Selbstbewusstsein raubt. Dollarhyde arbeitet für eine Filmentwicklungsfirma in St. Louis, Missouri, wodurch er Zugriff auf viele private Schmalfilme von Familien hat und sich so seine Opfer aussuchen kann.

Grahams Versuch, den Täter aus seiner Deckung zu locken, schlägt katastrophal fehl: Ein Reporter, der einen herablassenden Artikel über die Zahnfee geschrieben hat, wird von Dollarhyde entführt und bestialisch ermordet. Dollarhyde ist in seine blinde Kollegin Reba McClane verliebt, und zu seiner großen Überraschung erwidert sie seine Liebe. Durch die Erfahrung der Liebe ist der Tötungsdrang bei Dollarhyde abgeschwächt, doch der Wahnsinn lässt sich nicht lange unterdrücken. Als er Reba mit einem Arbeitskollegen sieht, denkt er, sie betrüge ihn, und ermordet diesen spontan. Graham findet anhand der Filme, die die Mordopfer von sich gedreht haben, heraus, dass der Täter detailliert über die Häuser der Opfer Bescheid wusste. Er schlussfolgert richtig, dass der Täter ebenfalls diese Filme gesehen hat und dass er in irgendeiner Weise mit der Filmentwicklungsfirma zu tun haben muss.

Graham und sein Chef fliegen nach St. Louis und kommen durch Datenabgleiche auf Dollarhyde. Der hält Reba bei sich gefangen und will ihre Ermordung vorbereiten. In letzter Sekunde können Graham und die anderen Polizisten in das Haus eindringen. Es kommt zu einem Feuergefecht, und Dollarhyde erschießt zwei Polizeibeamte. Danach gelingt es Graham, Dollarhyde zu erschießen. Gegen Ende des Films kehrt Graham zu seiner Familie nach Florida zurück.

HintergründeBearbeiten

Diese erste Verfilmung von Thomas Harris’ Roman ist heute nicht mehr so bekannt wie das spätere Werk Roter Drache von 2002. Der Grund dafür ist sicher die Darstellung des Serienmörders Hannibal Lecter in der Neuverfilmung durch Anthony Hopkins, der seit dem Erfolg von Das Schweigen der Lämmer (1991) und dessen Fortsetzung Hannibal (2001) als Idealbesetzung für diese Rolle gilt.

Brian Cox spielt Hannibal Lecktor (dessen Namensänderung gegenüber dem ursprünglichen Hannibal Lecter bis heute unerklärt geblieben ist, ebenso wie die falsche Schreibweise Dollarhyde gegenüber Dolarhyde in Harris’ Buch) weniger dominant und wird in Manns Verfilmung auch nicht so herausgestellt wie in der Version von 2002. Außer Cox waren noch Brian Dennehy, John Lithgow, Mandy Patinkin und sogar Regisseur William Friedkin im Gespräch für die Rolle des Lecktor.[2]

Das Haus der Grahams im Film ist in Wirklichkeit das des Künstlers Robert Rauschenberg.

Hannibal Lecktor sitzt seine Strafe im High Museum of Art in Atlanta ab.[2]

Im Finale ist eine (gekürzte) Version des psychedelischen In-A-Gadda-Da-Vida von Iron Butterfly zu hören.

Ursprünglich war David Lynch als Regisseur vorgesehen.

Die Dreharbeiten mit einem Budget von 15 Millionen US-Dollar begannen am 9. September 1985 unter anderem in Atlanta (Georgia), Florida, Chicago (Illinois), Santa Cruz (Kalifornien), St. Louis (Missouri), Washington, D.C. und Wilmington (North Carolina) in den USA.

Das Bild des Roten DrachenBearbeiten

 
Der große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet, Aquarell von William Blake

William Blake (1757–1827) malte eine ganze Reihe von Bildern, auf denen er den Roten Drachen (seine Vorstellung des Satans) darstellte; zwei davon tragen den Titel Der Große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet. Das erste Bild, das Harris auch im Roman beschreibt, stellt den Drachen über der Frau stehend dar und wird von Francis Dollarhyde bei der Ermordung seiner Opfer nachgeahmt.

Im Film zu sehen ist fälschlicherweise das zweite Bild, Der Große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet: Der Teufel ist herabgestiegen, das den Drachen über der Frau kreisend zeigt.

SynchronisationBearbeiten

Der Film wurde bei der Deutschen Synchron in Berlin vertont. Für Dialogbuch und -regie war Michael Richter verantwortlich.[3]

Rolle Schauspieler Synchronsprecher
Will Graham William Petersen Stephan Schwartz
Dr. Hannibal Lecktor Brian Cox Manfred Lehmann
Reba McClane Joan Allen Gisela Fritsch
Molly Graham Kim Greist Karin Buchholz
Francis Dollarhyde Tom Noonan Hans-Werner Bussinger
Jack Crawford Dennis Farina Kurt Goldstein
Lieutenant Fisk Frankie Faison Ben Hecker
Zeller Chris Elliott Udo Schenk
Mrs. Sherman Patricia Charbonneau
Freddy Lounds Stephen Lang Ulrich Gressieker

RezeptionBearbeiten

„Psychologischer Thriller, der eine suggestive und spannende Kriminalgeschichte erzählt; seinen Reiz bezieht er vornehmlich aus der Konfrontation eines auf höchstem technischem Niveau recherchierenden Polizeiapparates mit einer mit beklemmender Intensität eingefangenen Traumwelt, in der das alltägliche Idyll trügerisch wird. Handwerklich perfekt, schwelgt der Film freilich allzu sehr in glattem, ‚postmodernem‘ Design.“

Blutmond gebar CSI und John Doe und Profiler und Millennium und die ganzen Fernsehsendungen und alle Filme, die sich Harris’ Thematik und Manns hypnotischen Ton ausborgten. Danach wurden Thriller dann […] zutreffendermaßen fetischistisch zur Forensik […] Blutmond wies den Weg in eine Ära der Einfühlung in den Teufel“

David Edelstein: Slate[5]

„Körnig, kalt, pervers. Ein Fröstel-Thriller.“

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Manhunter – Roter Drache. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, September 2013 (PDF; Prüf­nummer: 57 410 V).
  2. a b Trivia zum Film Manhuntzer – Roter Drache in der Internet Movie Database, abgerufen am 10. Februar 2009.
  3. Manhunter – Roter Drache. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 4. April 2018.
  4. Manhunter – Roter Drache. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017. 
  5. David Edelstein: Red Drag. Red Dragon is no Manhunter. In: Slate. 4. Oktober 2002, archiviert vom Original am 6. August 2005; abgerufen am 10. Februar 2009 (englisch): „Manhunter sired CSI and John Doe and Profiler and Millennium and all the other TV shows and movies that borrowed both Harris’ theme and Mann’s hypnotic tone. After this, thrillers would […] become positively fetishistic about forensics […] Manhunter ushered in the age of empathy for the devil“
  6. Roter Drache. In: TV Spielfilm. Abgerufen am 31. Januar 2022.