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Mašťov (deutsch Maschau) ist eine Stadt im Okres Chomutov in Tschechien.

Mašťov
Wappen von Mašťov
Mašťov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Chomutov
Fläche: 2305,1092[1] ha
Geographische Lage: 50° 16′ N, 13° 17′ OKoordinaten: 50° 15′ 55″ N, 13° 16′ 35″ O
Höhe: 375 m n.m.
Einwohner: 570 (1. Jan. 2019)[2]
Postleitzahl: 431 55 – 431 56
Kfz-Kennzeichen: U
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Laštovka (Stand: 2014)
Adresse: Náměstí 80
431 56 Mašťov
Gemeindenummer: 563218
Website: www.mastov.cz
Lage von Mašťov im Bezirk Chomutov
Karte

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Die Stadt liegt in Westböhmen in einem seichten Tal am Fuße des Berges Marktbusch, südlich von Kadaň (Kaaden an der Eger).

GeschichteBearbeiten

 
Marktplatz
 
Schloss Maschau

Die erste Erwähnung geht zurück in das 12. Jahrhundert. 1191 berief Johann Milgost[3] oder Milhost, Herr auf Maschau, einige Zisterzienser-Mönche aus dem Kloster Waldsassen nach Maschau und stiftete ihnen Ländereien zur Gründung eines Klosters. Die Gruppe der Mönche, geführt von Ruthardt, kam 1192 an. Dem erbauten Kloster wurden am 20. Juni 1192 15 böhmische Dörfer, 2 Höfe und Einnahmen aus dem Markt geschenkt. Nach dauernden Streitigkeiten mit den Nachbarn und Eigentumsauseinandersetzungen mit dem Geschlecht Milhost verließen die Mönche im Jahr 1196 Maschau.[3] Sie folgten dem Ruf des böhmischen Fürsten Slauko der Große und zogen ins Ossegg um. Verärgert nahm Johann Milgost die Schenkung zurück.[3]

Bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts herrschten die Herren von Maschau, die nördlich von der Stadt eine Burg erbauten. Das Dorf entwickelte sich 1391, als die Herren von Dauba kamen. Sie waren am Hof des Kaisers Wenzel IV. eingeführt. 1408 wurde die Herrschaft den Herren von Hertenberg verkauft. Das Dorf war damals eines der reichsten des Saazer Kreises. 1421 schlug sich Habart von Hertenberg auf die Seite der Hussiten. Das Dorf wurde nach Niederschlagung der Bewegung Ziel der Kreuzzüge. Zwar versuchten die Herren Frieden zu schließen, aber nach der Aufgabe kam es zu einem Massaker. Mehr als 84 Burgbewohner wurden totgeschlagen oder verbrannt. 1427 wurde das Dorf ein weiteres Mal durch die Kreuzzüge in den Krieg hineingezogen.

Nach den Herren von Hertenberg übernahmen Gegner der Hussiten die Macht. 80 Jahre gehörte Maschau dem Geschlecht der Kolowrat. 1530 wurde das Dorf an die Herren von Lobkowicz verkauft. In dieser Zeit erhielt der Ort die Rechte einer Stadt. Es wurde überwiegend tschechisch gesprochen. In den Jahren nach 1569 erhielt die Stadt ein Rathaus und die Burg wurde zu einem Schloss umgebaut, später kam eine lateinische Schule hinzu. Es folgten als Besitzer Prokop Dvořečký von Olbramowitz und die von Steinbach, die nach der Schlacht am Weißen Berg in Ungnade fielen, vertrieben wurden und arm starben.

Im Dreißigjährigen Krieg waren fast alle Armeen im Dorf stationiert. Nach den Schlesiern, die die Cholera einschleppten, folgten Sachsen und Schweden. Jede Armee hinterließ verbrannte Erde und die Bevölkerung verließ die Gegend. 1662 kaufte Hans Franz von der Goltz das Dorf und herrschte mit harter Hand. 1682 kam es zum Aufstand. Er wurde niedergeschlagen und die Führer wurden gehängt und gevierteilt. Die Goltz herrschten noch 130 Jahre. Das Renaissanceschloss wurde zu einem Barockschloss umgebaut. 1713 brach wieder die Cholera aus und 1719 fiel der größte Teil des Ortes den Flammen zum Opfer. Übrig blieben 15 Gebäude. Hinzu kamen Strafzölle an durchziehende Armeen des Kaisers und der Preußen. Dem letzten Goltz, der sich erschoss, ohne Nachkommen zu hinterlassen, folgte 1792 Vojtěch Mladota von Solopisk.

Auch von den Napoleonzügen blieb der Ort nicht verschont. 1813 ließen sich hier 30.000 österreichische Soldaten nieder. Nach dem Kauf des Ortes durch Gabriele von Dietrichstein, die das Schloss zu ihrem Sitz machte, zog ab 1827 auch in Maschau, das bisher landwirtschaftlich geprägt war, die Industrie ein. Bergwerke wurden eröffnet und ein Berggericht hatte hier seinen Sitz. 1845 kaufte Eugen Karl Czernin von und zu Chudenitz die Herrschaft. Im Jahr 1900 hatte Maschau 1.170 Einwohner. Davon waren 1.158 deutsch- und 11 tschechischsprachig. Die Stadt hatte zudem eine seit dem Mittelalter bestehende jüdische Gemeinde, welche um 1900 noch aus 97 Mitgliedern bestand.

Nach dem Münchner Abkommen erfolgte 1938 die Angliederung der Stadt Maschau an das Deutsche Reich als Teil des Landkreises Podersam, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Bis 1945 besaßen die Czernin von und zu Chudenitz die Güter. Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verlor der Ort auch seine Stadtrechte, welche Mašťov erst am 23. Oktober 2007 zurück erlangte.

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1785 0 k. A. 120 Häuser[4]
1830 0831 in 158 Häusern[5]
1843 1359 in 123 Häusern, darunter einige jüdische Familien[6]
1869 1397
1880 1408
1690 1353
1900 1170 davon 1.158 Deutsche und elf Tschechen
1910 1084
1921 1057 davon 1019 deutsche Einwohner[7]
1930 1018 [8]
1939 0906 [8]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011
Einwohner 462 449 557 551 683 672 590

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt Mašťov besteht aus den Ortsteilen Dobřenec (Dobrenz), Konice (Kunitz) und Mašťov (Maschau)[9], die zugleich auch Katastralbezirke bilden[10].

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Schloss Mašťov
  • Kirche Mariä Himmelfahrt
  • Kirche St. Barbara
  • Pfarrhaus
  • Statue des hl. Adalbert
  • Statue des hl. Florian
  • Grabkapelle von Vojtěch Mladota von Solopisk

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Jakob Eberle (1718–1783) Bildhauer, auch wegen seiner italienischen Ausbildung „Il Romano“ genannt.
  • Hans Hauska (* 18. Mai 1901 Maschau–† 7. Mai 1965 Berlin), Musiker und Komponist

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mašťov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.uir.cz/obec/563218/Mastov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  3. a b c Die Bergvesten und Ritterschlösser der österreichischen Monarchie. Band 9, Wien 1840, S. 91.
  4. Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 7: Saatzer Kreis, Prag und Wien 1787, S. 121–123, Ziffer 1).
  5. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 199, Ziffer 16.
  6. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 14: Saazer Kreis, Prag 1846, S. 236, Ziffer 1).
  7. Genealogie-Netz Sudetenland
  8. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Podersam (tschech. Podborany). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/563218/Obec-Mastov
  10. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/563218/Obec-Mastov