Münzschatz von Filsum

96 römische Silbermünzen, die in den Jahren 2021 und 2022 in Filsum in Niedersachsen gefunden wurden

Der Münzschatz von Filsum umfasst 96 römische Silbermünzen, die im Jahr 2021 auf einem Acker bei Filsum in Niedersachsen gefunden wurden. Die älteste Münze weist ein Porträt von Kaiser Nero aus der Zeit um 69 n. Chr. auf. Die Schlussmünze zeigt Kaiser Septimius Severus, dessen Regierungszeit 211 endete.

ForschungsgeschichteBearbeiten

Bereits um 1850 wurde bei Filsum ein größerer Münzschatz mit römischen Denaren gefunden. Überlieferungen zufolge soll ihn ein Hirtenjunge entdeckt haben.[1] Die Münzen kamen an Münzkabinette in Göttingen, Hannover, Münster und Wolfenbüttel und gingen zum Teil in Privatbesitz über. Vermutlich handelte es sich um etwa 100 Silbermünzen aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Die Münzen lassen sich heute nicht mehr dem Fundort zuweisen.

Bei einer Revision des Magazins der Stadtarchäologie Stade wurden römische Münzen aus dem 4. Jahrhundert wiedergefunden, die aus Ostfriesland stammten. Eine daraufhin vorgenommene Befragung von Münzsammlern ergab Hinweise auf ein Fundareal bei Filsum. Im Auftrag des archäologischen Forschungsinstituts der Ostfriesischen Landschaft suchten ehrenamtlich tätige Sondengänger eine sieben Hektar große Verdachtsfläche monatelang ab und wurden im Frühjahr 2021 fündig. Durch weitere Begehungen konnten sie den Fundbereich auf etwa 2000 m² eingrenzen. Bei Sondagen mit Hilfe eines Baggers wurden in dem Bereich 96 Münzen und Münzfragmente geborgen. Sie befanden sich in keinem archäologischen Zusammenhang mehr, da der Boden in der Vergangenheit intensiv landwirtschaftlich bearbeitet wurde, unter anderem durch Tiefpflügen.

Die Münzen haben sich nicht besonders gut erhalten, waren aber meist numismatisch bestimmbar. Nach der Bergung wurden sie restauriert und konserviert.[2] Experten schätzen ihren Sammlerwert auf einige tausend Euro. Der Münzfund wurde im November 2022 öffentlich gemacht. Er soll in einer Ausstellung zu sehen sein.[1]

BedeutungBearbeiten

Laut dem Leiter des archäologischen Forschungsinstituts der Ostfriesischen Landschaft Jan F. Kegler sind römische Funde in Norddeutschland extrem selten.[3] Der Münzfund illustriere einen Geld- oder Materialtransfer vom römischen Reich ins rechtsrheinische Germanien (Germania magna) und belege Kontakte zwischen Germanen und Römern. Darüber, wie die Münzen nach Filsum gekommen sind, gibt es verschiedene Theorien. Laut den Forschern könnten die Münzen durch Händler oder den Tausch von Waren nach Ostfriesland gelangt sein oder es handelt sich um den mitgebrachten Sold von Söldnern von der römischen Grenze.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Jan F. Kegler: Römische Kaiserzeit. Filsum (2021) FStNr.2711/5:80, Gde. Filsum, Ldkr. Leer. Römische Silbermünzen in: Emder Jahrbuch 2022, S. 317–318 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Römischer Münzschatz in Ostfriesland entdeckt in Süddeutsche Zeitung vom 22. November 2022
  2. Aurich: Archäologen zeigen antiken Münzschatz aus Filsum bei ndr.de vom 22. November 2022
  3. Seltener Schatz in Ostfriesland entdeckt - Münze mit Nero-Bildnis bei Deutschlandfunk vom 22. November 2022
  4. Lennart Stock: Römischer Münzschatz in Ostfriesland entdeckt in Hamburger Abendblatt vom 22. November 2022