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Mühlkanal

kanalisiertes Gewässer zum Betrieb von Wassermühlen
Burgmühle der Trendelburg: Parallel zum natürlichen Flussverlauf der Diemel wurde rechts ein Mühlengraben abgezweigt

Ein Mühlkanal (Mühlengraben, Mühlgraben, Mühlgang, auch Mühlenbach bzw. Mühlbach, regional auch Mühlenfließ, [in der Eifel] Mühlenteich) ist ein Kanal, der für den Betrieb von Wassermühlen angelegt wurde.

Der Kanal zweigt meist oberhalb der Mühle vom natürlichen Lauf eines Fließgewässers ab und führt einen Teil des Wassers als Aufschlagwasser der Mühle zu. Der zuführende Teil des Mühlengrabens wird Obergraben genannt. Ein allfällig vorhandenes natürliches Flussbett bleibt erhalten und dient als Umflut. Unterhalb der Mühle vereinigt sich der Kanal in der Regel wieder mit dem speisenden Gewässer. Dieser Teil des Mühlengrabens wird Untergraben genannt. Seltener wird auch der gesamte Fluss im Bereich einer Mühle so stark begradigt und reguliert, dass er Mühlengraben genannt wird.

Die Ausleitung aus einem Hauptgewässer, der Abschlag, ist häufig reguliert durch ein Stauwehr. Dann spricht man auch von Wehrgraben.

Beim Mühlkanal oder Mühlgraben handelt es sich immer um ein künstlich angelegtes oder zumindest künstlich geführtes, kanalisiertes Gewässer; ein „Mühlbach“ kann auch ein gänzlich natürliches Gewässer sein (allenfalls mit einer Stauanlage versehen). Viele Mühlbäche sind völlig normale Bäche, sie heißen so, weil mindestens eine Mühle daran liegt.

Zweck und BauweiseBearbeiten

Die Voraussetzung für den Betrieb einer Wassermühle ist ein stetiger Wasserstrom und eine bestimmte Wassermenge.[1] Im natürlichen Gewässerbetten sind Wasservolumen, Gefälle und Strömungsgeschwindigkeit oftmals nicht ausreichend, so dass beim Mühlenbau in vergangenen Jahrhunderten Wasser in einem Graben oder einer Rinne zum Mühlrad hingeleitet werden musste.[1] In besonderem Maße galt dies bei oberschlächtigen Mühlen.[1] Der Mühlkanal war hier notwendig, um das Wasser von oben auf das Mühlrad fallen zu lassen.[1] Nur selten liegen Wassermühlen daher direkt an einem natürlichen Wasserlauf.[2]

Die Länge eines Mühlkanals kann von wenigen Metern bis zu Längen um einen Kilometer reichen. Im Durchschnitt handelt es sich um Längen von wenigen hundert Metern.[2] Entscheidend für die Länge war die Ausprägung des Wasserrades und das Gefälle des Gewässers.[1] Durch Wehre und Schleusen an den Anfängen und Enden der Mühlkanäle konnte das Wasser meist aus- und auch umgeleitet werden, so dass eine genaue Regulierung der Triebwassermenge möglich war.[1] Die Möglichkeit, den Kanal trockenzulegen, war insbesondere bei einem geringen Abfluss bzw. einer niedrigen Fließgeschwindigkeit notwendig, da derartige Kanäle zu verstärkter Verschlammung neigen und daher regelmäßig gesäubert werden mussten.[2]

Die Gräben selbst können sehr unterschiedlich ausfallen. Von gleichmäßigen Querprofilen mit einer durchgehenden Ufer- und Sohlenverbauung aus Beton oder Naturstein bis zur lockeren Uferbefestigung aus verdichtetem Erdreich sind alle Bauweisen denkbar und umgesetzt worden.[2]

Lebensraum MühlkanalBearbeiten

Sehr stark verbaute Kanäle sind im Normalfall relativ artenarm.[2] Es können zwar viele Individuen einer Art dort leben, die Biodiversität ist hingegen dort meist gering. Der Grund dafür ist das Fehlen von ausgeprägten Sohlen- und Randstrukturen, die für viele Kleinlebewesen und Fische als Lebensraum und zur Nahrungssuche immens wichtig sind.[2] Den aufgelassenen oder nur schwach verbauten Mühlkanälen kommt hingegen eine wachsende ökologische Bedeutung zu, da sie mit ihren oftmals anderen Eigenschaften gegenüber dem Ursprungsgewässer für viele Tiere und Pflanzen einen neuen Lebensraum schaffen.[2]

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jutta Böhm: Mühlen-Radwanderung. Routen: Kleinziegenfelder Tal und Bärental, Umweltstation Weismain des Landkreises Lichtenfels, Weismain/Lichtenfels (Landkreis Lichtenfels), 2000, 52 S. (zahlr. Ill., Kt.)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mühlkanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Böhm (2000), S. 4–5.
  2. a b c d e f g Böhm (2000), S. 23.