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Müden (Aller)

Ortsteil und Gemeinde im Landkreis Gifhorn, Niedersachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Müden (Aller)
Müden (Aller)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Müden (Aller) hervorgehoben

Koordinaten: 52° 32′ N, 10° 22′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Gifhorn
Samtgemeinde: Meinersen
Höhe: 47 m ü. NHN
Fläche: 67,28 km2
Einwohner: 5341 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 38539, 38518
Vorwahlen: 05375, 05371
Kfz-Kennzeichen: GF
Gemeindeschlüssel: 03 1 51 018
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 1
38536 Meinersen
Website: www.mueden-aller.de
Bürgermeister: Horst Schiesgeries (CDU)
Lage der Gemeinde Müden (Aller) im Landkreis Gifhorn
SchwülperVordorfDidderseAdenbüttelHillerseMeineWasbüttelRötgesbüttelLeiferdeIsenbüttelRibbesbüttelCalberlahWagenhoffMeinersenOsloßBokensdorfUmmernWesendorfMüden (Aller)SassenburgGifhornSchönewördeWahrenholzWahrenholzGroß OesingenSteinhorstHankensbüttelSprakensehlObernholzDedelstorfWeyhausenTappenbeckJembkeBarwedelBergfeldTiddischeRühenParsaugemeindefreies Gebiet GiebelParsauTülauBromeEhra-LessienWittingenLandkreis GifhornNiedersachsenWolfsburgBraunschweigLandkreis HelmstedtLandkreis PeineRegion HannoverLandkreis CelleLandkreis UelzenSachsen-AnhaltSachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Müden (Aller) ist eine an der Aller gelegene Gemeinde im Westen des Landkreises Gifhorn an der Grenze zum Landkreis Celle.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Müden liegt am Südrand der Lüneburger Heide, etwa 20 km von Gifhorn, 50 km von Hannover, 30 km von Celle, 35 km von Braunschweig und 40 km von Wolfsburg entfernt an der Aller.

In Müden (Aller) mündet die aus dem Harz kommende Oker in die Aller. Beide Flüsse sind je nach Jahreszeit teilweise sehr wasserreich.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde Müden hat insgesamt 5358 Einwohner und gliedert sich in folgende Ortsteile (in Klammern die Einwohnerzahl):

(Stand: 1. Juni 2019)[2]

 
St. Petri Kirche
 
Mündung der Oker (rechts) in die Aller

GeschichteBearbeiten

Müden lag im Muthiwide (entstanden etwa 815), einem der 17 sächsischen Gründungsgaue des Bistums Hildesheim.[3] Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes führt auf das Jahr 1022 zurück. In der Schenkungsurkunde des Hildesheimer Bischofs Bernward vom 1. November 1022 für das Kloster St. Michael in Hildesheim wird unter anderem aufgeführt: „item Mutha in pago Muthiwide“ („ebenso Müden im Untergau Mündungswald“). Muthiwide, die latinisierte Form des altsächsischen Begriffes „Muthiwiddi“ (Muth = Mündung), bezieht sich auf den Namen eines Untergaus im Loingau. Gaue wurden in der Zeit Karls des Großen um 793 als regionale Verwaltungseinheiten eingerichtet.

Die St.-Petri-Kirche, eine der ältesten Kirchen im Umkreis, war im Mittelalter Archidiakonatskirche, dem Apostel Petrus geweiht. Sie gehörte zum „Bann“ Schmedenstedt bei Peine und dieser wiederum zur Diözese Hildesheim. Dort ist die Müdener Kirche mit Datum vom 8. Juli 1295 bereits urkundlich erwähnt. Pastor Heinrich Hoffmann, der dort von 1646 bis 1676 amtierte, schrieb 1668 in seinem Kirchenbuch (sinngemäß): „Und dass Müden ein großes Kirchspiel gewesen ist, erhellet sich aus den Zehnten, den die Hohner, Spechtshörner, Ummerschen, Wilscher, Kästorfer, Gilder, Ettenbüttler, Böckelser heute noch geben müssen, weil sie vorher in dieses Kirchspiel gehört haben.“[4]

Nach einer Tabelle aus dem Jahre 1754 hatte Müden damals 40 Hauswirte (aber zu einer wirkungsvollen Brandbekämpfung nur 15 Leitern, 4 Haken und 6 Eimer).[5]

Bereits im Jahre 1826 standen „herrschaftliche Feuerspritzen“ im Amt Eicklingen in Groß Eicklingen und Wienhausen und Gemeindespritzen in Müden (Aller) und Bröckel.[6]

Um 1860 wurde die Müden-Flettmarer Bewässerungsgenossenschaft gegründet. Sie erhielt ihr Wasser aus dem Meinerser Mühlenkanal. Versorgt wurden nur Wiesen südlich der Aller.[7]

Die Freiwillige Feuerwehr wurde erstmals 1882 gegründet, aber bald wieder aufgelöst. Eine Neugründung erfolgte 1934.[8] Am 11. August 1888 ereignete sich in Müden eine Brandkatastrophe, die mehrere Gebäude in Asche legte.[9]

Am 1. Juli 1910 versammelten sich in der Gaststätte Gustav Prieß (Zum Dorfkrug) in Müden 48 junge Männer und gründeten den Männerturnverein Müden. Wilhelm Backhaus wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Ein Jahr später, am 27. August 1911, gründeten auf einer Versammlung in der Gaststätte von Wilhelm Schrader in Dieckhorst 20 junge Männer den Männerturnverein Dieckhorst und wählten Christoph Eggers zum 1. Vorsitzenden.[10]

In Müden lag die heute nicht mehr vorhandene Mundburg an der Aller. Nach der im 19. Jahrhundert geltenden Geschichtsauffassung sei sie im Auftrage des Bischofs Bernward im Kampfe gegen die Wenden 1013 angelegt worden.[11]

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Dieckhorst, Ettenbüttel, Flettmar und Hahnenhorn (Landkreis Celle) eingegliedert.[12]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der aktuelle Rat der Gemeinde Müden (Aller) setzt sich aus 1 Ratsfrau und 16 Ratsherren folgender Parteien und erlangten Sitzen zusammen:[13]

SPD CDU FDP Sitze
2016 7 10 17
2011 6 10 1 17
2006 5 11 1 17

BürgermeisterBearbeiten

Der Bürgermeister von Müden (Aller) ist Horst Schiesgeries (CDU). Seine Stellvertreter sind Timm Bußmann (CDU) und Werner von Grünhagen (SPD).[13]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Kommunalwappens von Müden stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der sämtliche Wappen in der Region Hannover entworfen hat.[14] Das Wappen wurde am 1. April 1957 vom Gemeinderat beschlossen und die Genehmigung wurde am 10. Januar 1958 durch den Niedersächsischen Minister des Innern erteilt.[15]

Blasonierung: „Im geteilten Schilde, oben in Blau ein wachsender, golden bewehrter, silberner Löwe, unten in Gold rot gerautet.“[15]
Wappenbegründung: Der dargestellte Löwe ist einmal ausnahmsweise nicht der welfische, obwohl Müden zu diesen Landen gehörte. Er lehnt sich vielmehr an ein altes Siegel des Adelsgeschlechtes von Müden an, das ebenfalls ein Rautenmuster enthielt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Die St.-Petri-Kirche mit ihren Wandmalereien und dem gotischen Chor entstanden in der Zeit von 1400–1480. 1654 folgte der Fachwerk-Anbau, 1767 der Kirchturm. Die Bildtafeln im Innern sowie die Grabsteine stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
  • Das Haus der Kirche ist ein Fachwerkbau von 1867 und war ehemals eine Schule. Heute wird es als Jugendtreff und Jugendveranststaltungsraum genutzt.
  • Kurz vor dem Zusammenfluss der Oker in die Aller liegt die Wehranlage mit einer Fischtreppe.
  • Nahe dem Gut Diekhorst lag die 1013 entstandene und heute nicht mehr vorhandene Mundburg.
  • Das Bürgerhaus der Gemeinde ist ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1861.
  • Das Historische Backhaus ist ein 1736 als Kuhstall errichtetes Fachwerkgebäude, das durch Einbau eines historischen Backofens zu einer kulturellen Begegnungsstätte umgestaltet wurde.
  • Nahe der Stelle des Zusammenflusses von Oker und Aller weist der historische Ortskern gepflegte Fachwerkbauten auf.

MuseenBearbeiten

  • Das Heimatmuseum dokumentiert die ansässigen Handwerke sowie die Bedeutung der Landwirtschaft im Ort.

FotogalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Klingenspor sen.: Dorfchronik Müden (Aller). Müden 1992 (2. Aufl. 2003)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. Einwohnerzahlen Monatsvergleich Mai/Juni 2019. (PDF; 14 kB) In: Internetseite der Samtgemeinde Meinersen. 1. Juni 2019, abgerufen am 21. Juni 2019.
  3. Franz Anton Blum: Geschichte des Fürstenthums Hildesheim. Wolfenbüttel 1805, S. 72 f., Vgl. auch: Einige Dörfer sind zum Teil bereits 1000 Jahre alt. In: Dietrich Schmidtsdorff u. a.: Der Amtshof – lebt! Geschichte und Geschichten, Sanierung 2004/2005. Eigenverlag des Heimatvereins „Altes Amt Eicklingen“, Heft 1/2005, Groß Eicklingen 2005, S. 3 ff.
  4. Matthias Blazek: Dorfchronik Nienhof. Langlingen 2005, S. 33.
  5. Tabella der in denen sämtlichen Dorffschafften hiesiger Amts=Voigtey vorhandenen und noch anzuschaffenden Feuer Geräthe. Nds. Landesarchiv – HptStA Hannover – Hann. 74 Celle Nr. 1273.
  6. Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, S. 275, ISBN 978-3-00-019837-3.
  7. Blazek: Nienhof. S. 209.
  8. Klingenspor: Müden. S. 313 f.
  9. Ebenda, S. 317.
  10. Matthias Blazek: Wathlingen – Geschichte eines niedersächsischen Dorfes. Bd. 3, Wathlingen 2009, S. 36, ISBN 978-3-00-027770-2.
  11. Der Speicher, Celle 1930, S. 73 f.; Klingenspor: Müden, S. 30. Unter dem Sohn Bernhards I., Bernhard II., und unter dessen Sohn Bernhard III. drangen die Slawen in beständigen Kämpfen so weit im sächsischen Lande über Gifhorn hinaus vor, dass der Bischof Bernward von Hildesheim die Festung Mundburg (Mundborg) gegen sie errichten musste und genötigt war, nordöstlich davon die Burg von Wylwinholt (Wahrenholz, Amt Isenhagen) an der Ise zu errichten. (Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. 1901, S. 66 ff.) Mit der genauen Lage der Mundburg befasst sich Dietrich Schmidtsdorff in seinem Aufsatz „Auf der Mundburg wurde Lösegeld für die Wikinger geprägt“ (in: Geldgeschichtliche Nachrichten, September 2005, S. 167 ff.). Schmidtsdorff vermutet die Lage an der Stelle des Klosters Wienhausen oder eines nahegelegenen Jagdschlosses der Welfen.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 227.
  13. a b Gemeinderat Müden (Aller). In: Internetseite Bürgerinformationssystem ALLRIS®net. Abgerufen am 21. Juni 2019.
  14. Landkreis Hannover (Hrsg.): Wappenbuch Landkreis Hannover. Selbstverlag, Hannover 1985.
  15. a b Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch. Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Hrsg.: Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Eckensberger & Co Verlag, Braunschweig 1977, DNB 780686667, S. 37.