Luttermöller-Achsantrieb

seitenverschiebliche Achslagerung für verbesserten Kurvenlauf

Als Luttermöller-Achsantrieb bezeichnet man eine Konstruktion zur Verbesserung der Kurvenläufigkeit von Dampflokomotiven.

Lokomotiven mit mehreren durch Kuppelstangen miteinander verbundenen Achsen bzw. Radsätzen können enge Kurven weniger gut durchfahren. Um dem abzuhelfen, konstruierte der Direktor der Orenstein & Koppel-Werke bei Berlin, Dr. Luttermöller, den nach ihm benannten Achsantrieb. Hierbei werden die äußeren von mehreren hintereinander angeordneten Treibrad-Sätzen nicht an Kurbelzapfen mit Kuppelstangen außen am Rad, sondern durch mittig auf den Achsen der Radsätze angeordnete Zahnräder verbunden. Die Achsen sind am Rahmen um ein gewisses Maß quer zur Mitte der Schiene verschiebbar gelagert, ebenso können sich die Zahnräder gegeneinander verschieben. Damit wird ein reibungsärmerer Kurvenlauf erreicht.

IJA E103

Für die Hamburger Hafenbahn mit ihren engen Kurven wurde die fünffach gekuppelte Baureihe 87 mit zwei Luttermöller-Endachsen gebaut. Die 16 Lokomotiven dieser Bauart wurden jedoch bereits 1954 wieder ausgemustert, weil die Fahrzeuge bei höheren Geschwindigkeiten zum Heißlaufen neigten und daher nur im Rangierdienst eingesetzt werden konnten. Von der privaten Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft (SHE) wurde 1928 bei Orenstein & Koppel eine fünfachsige Meterspur-Dampflokomotive mit dem System Luttermöller für die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne beschafft (Betriebsnummer 61). Sie bewährte sich auf der kurvenreichen Strecke so gut, dass 1930 auch zwei Malletlokomotiven von Henschel aus dem Jahr 1925 auf das Luttermöller-System umgerüstet worden sind (Betriebsnummern 56 und 57). Henschel musste dazu die Lizenz zum Verwenden des Luttermöller-Antriebs von Orenstein & Koppel erwerben.

Bei der speziell für die umgespurte Müglitztalbahn mit ihren engen Radien vorgesehenen DR-Baureihe 84 erhielten die zwei 1935 von Orenstein & Koppel gelieferten Probelokomotiven ebenfalls den Luttermöller-Antrieb. Der Antrieb bewährte sich jedoch nicht, die Serienlieferung von BMAG ab 1938 erhielt das in den beiden anderen, von BMAG gelieferten Probelokomotiven verwendete Schwartzkopff-Eckhardt-Lenkgestell.[1]

Weitere Anwendung fand der Luttermöller-Achsantrieb bei Schmalspurbahnen auf Java.

Siehe auchBearbeiten

Klien-Lindner-Hohlachse

WeblinksBearbeiten

Englische Beschreibung mit guten Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reiner Preuß: Die Müglitztalbahn. Berlin 1985, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, S. 104–107