Lutherkirche (Karlsruhe)

Kirchengebäude in Karlsruhe

Die evangelische Lutherkirche in Karlsruhe wurde von 1905 bis 1907 in der Oststadt erbaut. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernannte sie zum Denkmal des Monats Dezember 2018.

Lutherkirche, Karlsruhe

GeschichteBearbeiten

In der östlichen Stadterweiterung war der markante Standort am Durlacher Tor durch die katholische Bernharduskirche belegt. Für eine evangelische Kirche wurde ein Standort an der Durlacher Allee gegenüber dem Gottesauer Platz gewählt. Der Block aus Kirche und Pfarrhaus wurde mit der umschließenden Wohnbebauung an der Melanchthonstraße als Ensemble geplant, um die Einbettung der Kirche in die Gemeinde zu betonen.

Der Entwurf stammt von Robert Curjel und Karl Moser. Während die wenige Jahre vorher von denselben Architekten erbaute Christuskirche noch neugotische Großformen mit Jugendstildetails kombinierte, ist die Lutherkirche im monumentalen Äußeren, bei dem sich untergeordnet auch neuromanische Elemente finden, vor allem aber im Inneren vollständig vom Jugendstil geprägt. An der Front befindet sich eine Plastik von Oskar Kiefer, die Martin Luther darstellt. Der gewaltige, 53 Meter hohe Turm ist wie das Kirchengebäude aus gelbem Pfälzer Sandstein errichtet. Der Turm von Basels Badischem Bahnhof, den Curjel und Moser um 1918 errichteten, fand hier sein Vorbild.[1]

Die auf die zentral positionierten Elemente Altar, Kanzel und Orgel hin orientierte Anlage des Innenraums folgt den Kirchenbauidealen des Wiesbadener Programms, nach dem die bauliche Anlage es den Gläubigen ermöglichen soll, sich auf die Verkündigung des Wortes und die begleitende Musik zu konzentrieren. Wie danach erfordert, stellten die Architekten Kanzel, Altar und Orgel in der Mittelachse des Kirchenraums in einer gewaltigen Säule übereinander. Die Sitzbänke ordneten sie über Eck an, wodurch die Besucher nahe am Geschehen und mit freier Sicht auf den Prediger sitzen können. Über der Kanzel ist in einem Relief von Hermann Binz die Bergpredigt abgebildet. Mosaiken stammen von Heinrich Altherr. Die Fenster von Max Laeuger und die Orgel von Heinrich Voit sind nicht erhalten.

Die Grundsteinlegung erfolgte 1905 in Anwesenheit Großherzog Friedrichs I., der als Landesbischof der evangelischen Kirche in Baden vorstand. Eine „Fürstenauffahrt“ an der Seite des Baus führt zur Loggia für die großherzogliche Familie. Das großherzogliche Paar stiftete aus Anlass seines fünfzigjährigen Ehejubiläums die „Ehejubiläumsglocke“.

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg beim Bombenangriff am 24./25. April 1944 wurde der Kirchenbau ab 1946 wiederhergestellt, 1961 neue Fenster von Klaus Arnold eingebaut, 1984 der Innenraum originalgetreu restauriert.[2]

OrgelBearbeiten

Da die Orgel der Firma H. Voit & Söhne (Durlach) aus dem Jahr 1907 im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, erbaute die Orgelbaufirma Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) in den 1950er Jahren ein neues Instrument für die Lutherkirche. Aufgrund zunehmenden Verschleißes wurde in den 1990er-Jahren der Neubau einer Orgel – unter Wiederverwendung einiger Register der Walcker-Orgel – beschlossen. Das heutige Instrument mit 41 Registern wurde von der Firma Mönch Orgelbau (Überlingen) erbaut und 2001 fertiggestellt. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Koppeln und Registertrakturen elektrisch.[3]

I Hauptwerk C–a3

1. Prinzipal 16′
2. Prinzipal 8′
3. Gamba 8′
4. Flöte 8′
5. Bordun 8′
6. Oktave 4′
7. Rohrflöte 4′
8. Quinte 223
9. Superoktave 2′
10. Terz 135
11. Mixtur IV 113
12. Trompete 8′
II Schwellwerk C–a3
13. Bordun 16′
14. Flötenprinzipal 8′
15. Viola 8′
16. Vox coelestis 8′
17. Hohlflöte 8′
18. Traversflöte 4′
19. Fugara 4′
20. Quintflöte 223
21. Oktavino 2′
22. Terzflöte 135
23. Mixtur IV 223
24. Tuba 8′
25. Klarine 4′
26. Oboe 8′
Tremulant
III Schwell-Echowerk C–a3
27. Geigenprinzipal 8′
28. Salicional 8′
29. Lieblich Gedeckt 8′
30. Violine 4′
31. Flauto dolce 4′
32. Harmonia aetherea 223
33. Englisch Horn 8′
Pedal C–f1
34. Untersatz 32′
35. Kontrabass 16′
36. Subbass 16′
37. Oktavbass 8′
38. Violoncello 8′
39. Oktave 4′
40. Posaune 16′
41. Trompete 8′

LiteraturBearbeiten

  • Elisabeth Bergmann (Hrsg.): Die Karlsruher Lutherkirche und der moderne Sakralbau: Künstler, Theorie, Ausstattung. Wasmuth Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3803006929.
  • Dany Jacqueline Gotzmann und Jürgen Krüger: Die Lutherkirche in Karlsruhe. arte factum, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3938560075.
  • Irene Burger, Dany Jacqueline Gotzmann, Jürgen Krüger, Ulrike Krumm: Rundum Luther. Festschrift zum 100. Geburtstag der Lutherkirche Karlsruhe. arte factum, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3938560013.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Karlsruher Lutherkirche. In: Denkmalstimme 3, 2019, S. 3
  2. Querschnitt durch die Geschichte online
  3. Werkverzeichnis von Mönch Orgelbau online

WeblinksBearbeiten

Commons: Lutherkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 0′ 29,3″ N, 8° 25′ 24,8″ O