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Lustgarten (Potsdam)

Park in Deutschland
Neptunbassin im Lustgarten
Die Teile des Lustgartens um 1700
Historischer Lustgarten um 1900 zwischen Havel, Stadtschloss und Garnisonkirche

Der Lustgarten ist die älteste Gartenanlage in Potsdam.

GeschichteBearbeiten

Der Garten wurde 1589 erstmals urkundlich erwähnt. Der älteste Plan zeigt auf einer dreieckigen Fläche an der Havel einen Renaissancegarten, der zu dem 1598/99 erbauten Schloss der Kurfürstin Katharina gehörte, aus dem später der Lustgartenflügel des Stadtschlosses hervorging. Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurde der Lustgarten ab 1660 nach Süden und Westen erweitert und durch Aufschüttungen am Fluss in eine rechteckige Form gebracht. Es wird vermutet, dass hierbei der Statthalter Johann Moritz von Nassau-Siegen mitwirkte, der den Kurfürsten in Bau- und Gartenfragen beriet. Als Vorbild dienten die damals modernsten Gartenanlagen Frankreichs, galt es doch, mit dem in denselben Jahren begonnenen Ausbau des Gartens von Versailles Schritt zu halten. Nach Norden und Westen begrenzte eine Mauer den Garten gegen die Stadt, nach Süden und Westen war er offen zu Havel. Der Garten bestand aus drei Teilen. Am Schloss lag ein Broderieparterre, westlich davon ein Nutzgarten und im Südwesten ein Boskett mit einem großen Bassin in der Mitte. Auf der anderen Seite der Havel wurde ein sechsstrahliger Wegestern im Tiergarten angelegt. Hier war der zehnstrahlige Achsenstern Vorbild, den Johann Moritz 1665 bei Kleve geschaffen hatte. Eine der Achsen war auf das Stadtschloss gerichtet. Eine weitere Sichtachse ging von der Westfassade des Schlosses auf den heutigen Ehrenpfortenberg. Sie wurde wahrscheinlich 1668 mit Eichen bepflanzt. Es ist die heutige Breite Straße. Abschließend ließ der Kurfürst 1685 das Pomeranzenhaus erbauen.[1]

Unter Friedrich I. erfolgte um 1695 eine erneute Umgestaltung und Erweiterung. Das Broderieparterre wurde in die Havel hinaus verlängert, und im Anschluss entstand ein Hafenbecken für Lustschiffe, das heutige Neptunbassin. Zwischen 1698 und 1701 wurde eine für Wagen befahrbare doppelläufige Rampe erbaut, die die bisher fehlende Verbindung vom Marmorsaal in das Parterre herstellte, die später wegen ihres Rasenbelags so genannte Grüne Treppe. In dieser Zeit entstand eine Reihe ehrgeiziger Entwürfe verschiedener, im Wettbewerb miteinander stehender Künstler für den Lustgarten und die Kaskadenanlage gegenüber am Brauhausberg. Diese Projekte blieben infolge des Todes des Königs 1713 unvollendet.[2]

Der Lustgarten war Teil eines Ensembles aus Stadtschloss, Altem Markt und Havelufer. Seine Hauptachse bildete die Verlängerung der Hauptachse des Schlosses bis zur Havel und zum Brauhausberg. Im Norden bildete der langgestreckte Marstall eine Abgrenzung zur Stadt, während nach Westen hin eine Mauer die Soldaten am Desertieren hindern sollte. Hier befand sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts die natürliche Stadtgrenze, denn dahinter begann das brache Sumpfland, wo sich Fischer in der Siedlung Kietz niedergelassen hatten (südlich der heutigen Breiten Straße, stadtauswärts, im Bereich der südlichen Dortustraße und der Kiezstraße).

Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ 1714 die Parterres als Exerzierplatz einebnen, und das Pomeranzenhaus zum Marstall für Pferde umbauen. Die übrigen Gartenteile blieben erhalten und er legte einen Küchen- und Lustgarten im Marlygarten an. Sein Sohn Friedrich II. gestaltete 1746 bis 1751 die verbliebenen südlichen Gartenteile mit großem finanziellen Aufwand (insgesamt 90.458 Reichstaler ohne die Kolonnaden) weiter aus. Das Havelufer wurde mit massiven Mauern und Balustraden versehen, auf denen Putten und Vasen standen. Das Hafenbecken erhielt ebenfalls eine steinerne Einfassung, ringsum vergoldete Vasen und in der Mitte eine vergoldete Neptungruppe. Außerdem wurde 1744 eine heute nicht mehr vorhandene neue Orangerie erbaut, da das Pomeranzenhaus jetzt als Marstall diente. Das Boskett wurde durch Treillagen sowie zahlreiche Plastiken aus Marmor und vergoldetem Blei geschmückt, außerdem standen die Pomeranzenbäume in dem größten Boskettsaal. Das ehemalige Parterre wurde weiterhin zum Exerzieren und Paradieren der Garnison genutzt. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gab dem Exerzierplatz 1745/46 durch Errichtung zweier Kolonnaden auf beiden Seiten des Schlosses einen transparenten räumlichen Abschluss zur Stadt und zur Havel. Wegen der darin aufgestellten Skulpturengruppen hießen sie die Ringer- und die Fechterkolonnade.[3]

Die aufwändigen Anlagen Friedrichs II. konnten auf Dauer nicht erhalten werden. Um 1800 erfolgten erste Vereinfachungen und landschaftliche Umgestaltungen durch Johann August Eyserbeck, und am Neptunbecken wurden Säulenpappeln gepflanzt. 1819 erfolgten weitere landschaftliche Umgestaltungen im Boskett nach Plänen des damaligen Gärtnergesellen Peter Joseph Lenné. Die Hauptalleen blieben aber erhalten.[4]

Der Bau der Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn 1846 drohte den Lustgarten zu beeinträchtigen. Friedrich Wilhelm IV. gab jedoch schließlich seinen Widerstand auf, und die Bahn wurde auf einem niedrigen Damm am Südrand des Gartens entlanggeführt, da eine Streckenführung über den Tornow nicht finanzierbar war. 1885 stellte Kaiser Wilhelm I. ein Bronzestandbild Friedrich Wilhelms I. von Karl Hilgers gegenüber dem Marstall an der Nordseite des Lustgartens auf. Vermutlich 1886 wurden die Säulenpappeln am Neptunbecken durch Säuleneichen ersetzt. Nach dem Bau einer neuen Eisenbahnbrücke über die Havel 1903 wurde der Bahndamm erhöht. Seitdem riegelt der Bahndamm den Lustgarten räumlich von dem Fluss ab. Der Verbindungskanal zwischen Havel und Neptunbecken bestand bis zu dessen Zuschüttung, jedoch gab es Probleme mit dem Wasseraustausch.[5] In dieser Form bestand der Lustgarten bis 1945 nahezu unverändert.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Bau eines Sportstadions im Boskett, wodurch dieses großflächig zerstört wurde. Das unbeschädigte Denkmal Friedrich Wilhelms I. wurde demontiert und 1950 auf Anordnung der Brandenburgischen Landesregierung als Buntmetallschrott zusammen mit anderen Potsdamer Bronzestandbildern eingeschmolzen.[6]

Im Jahre 1960 kam es auf Initiative der SED im Zusammenhang mit der Planung eines Karl Liebknecht-Forums innerhalb des „neuen sozialistischen Stadtzentrums“ zu weiteren einschneidenden Veränderungen. Das klassizistische schmiedeeiserne Gitter, das den Lustgarten nach Westen abschloss, wurde entfernt und später eingeschmolzen, das noch erhaltene Neptunbassin mitsamt der wenig beschädigten Neptungruppe zugeschüttet und das 1945 ausgebrannte Stadtschloss gesprengt.[7] In den Jahren 1966 bis 1969 erfolgte der Bau des Interhotels (heute Hotel Mercure) im ehemaligen Broderieparterre. Ein nur wenig beschädigter Teil der Ringerkolonnaden mit Giebelrelief, Kapitellen und Putten des Schlosses waren zwischen 1970 und 2016 im Lustgarten am direkt angrenzenden, neuerrichteten Hafen aufgestellt. 1976 bis 1983 entstand im Bereich des Neptunbeckens die Gartenanlage „Liebknecht-Forum“ mit der Plastik Herz und Flamme der Revolution von Theo Balden.

Anlässlich der Bundesgartenschau 2001 wurde das ehemalige Sportstadion beseitigt und der Lustgarten in Anlehnung an die historische Formgebung neu gestaltet. Dabei wurden die Ringerkolonnade und das Neptunbassin restauriert, wobei nur ein kleiner Teil der ursprünglich dafür verwendeten Figuren wieder aufgefunden werden konnte. Es entstanden ein Stadtplatz und Gartenanlagen für Sportveranstaltungen und Erholung. Weiter präsentiert sich am Havelufer eine vollständig erneuerte Schiffsanlegestelle mit Hafengebäude und Kaianlage, Gastronomie- und Servicebereichen, die einen Startpunkt für zahlreiche Ausflugsfahrten ins Havelland und nach Berlin bieten.

Ein Großteil des Lustgartens wurde speziell für Volksfeste, Jahrmärkte und Messen befestigt und erhielt deshalb helle Betonplatten als Untergrund. Seitdem hat sich der Lustgarten als zentraler Veranstaltungsort zwischen dem Havelufer, dem Filmmuseum Potsdam und der Nikolaikirche in der Stadt Potsdam etabliert.

Die Weisse Flotte beabsichtigt, einen Winkelbau für ein Restaurant im Lustgarten zu errichten. Dies hat in der Potsdamer Bevölkerung für deutlichen Unmut gesorgt und die Bürgerinitiative „Rettet den Lustgarten“ ins Leben gerufen, die sich für die Erhaltung des Lustgartens einsetzt.[8]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Clemens Alexander Wimmer: Der Potsdamer Lustgarten. Berlin 2004, S. 9–18.
  2. Wimmer 2004, S. 19–29
  3. Wimmer 2004, S. 30–49.
  4. Wimmer 2004, S. 50–61.
  5. Wimmer 2004, S. 62–70.
  6. Frank Bauer, Hartmut Knitter, Heinz Ruppert: Vernichtet.Vergessen.Verdrängt. Militärbauten und militärische Denkmäler in Potsdam. E. S. Mittler & Sohn, Berlin, Bonn, Herford 1993, S. 137, Dokumente des behördlichen Schriftverkehrs zur Denkmalvernichtung 1945–1950 S. 186–196.
  7. Hans Berg: Die verlorene Potsdamer Mitte. Eigenverlag, Berlin 1999, S. 3/4 und 12.
  8. Rettet den Lustgarten Webseite der Bürgerinitiative


Koordinaten: 52° 23′ 34″ N, 13° 3′ 35″ O