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Luppe (Metallurgie)

Zwischenprodukte der Eisenverhüttung
Noch glühende Luppe wird aus dem Holzkohlenfeuer entnommen im Rahmen eines archäologischen Projektes. Bei den Schwarzen Objekten handelt es sich teils auch um Schlacke

Als Luppe werden in der Eisenverhüttung Zwischenprodukte verstanden, seien es noch zu bearbeitende, oder in Bearbeitung befindliche. Der Begriff fußt auf der historischen Herstellung von Eisen mittels Rennöfen.

Zentrum der Abb.: Die Luppe (Eisenschwamm) wird manuell verdichtet und das Eisen grob von der Schlacke getrennt. Dahinter: Das Eisen wird erneut im Schmiedefeuer (Esse) zum Ausschmieden (zur Reinigung) erhitzt. Der Prozess wird im Vordergrund durch einen wassergetriebenen Schwanzhammer gezeigt; im Hintergrund: der Rennofen. Quelle: Agricola: De re metallica libri XII. (1556)

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Herleitung des BegriffsBearbeiten

Bei der historischen Roheisenherstellung seit Beginn der Eisenzeit waren Luppen (auch „Renneisen“ oder heute „Eisenschwamm“ genannt) die im Rennofen hergestellten schwammartigen Eisenbrocken. Diese entstanden durch direkte Reduktion aus dem Erz ohne Aufschmelzen des Eisens – waren also kein Roheisen im heutigen Sinne.

Das so mindestens seit 3500 Jahren erzeugte Eisen (als frühester Beleg gilt das Volk der Hethiter) war bei niedriger Temperatur und geschickter Ofenführung – im Gegensatz zu flüssigem Roheisen aus dem Hochofen − relativ kohlenstoffarm, dagegen sehr schlackenhaltig und dadurch porös. Aus den rotglühenden, zähweichen (teigigen) Eisenstücken wurde die noch flüssige Schlacke manuell durch Schmiede mittels Vorschlaghämmer auf dem Amboss ausgeschmiedet – also sinnbildlich „herausgehämmert“ bzw. „herausgepresst“ und durch diesen Vorgang das Eisen gesintert.

Es folgten in der Regel weitere Umformverfahren mit weiterem häufigen Ausschmieden, Umfalten des Werkstoffs bei wiederholtem Feuerschweißen. Die Schmiedevorgänge entkohlten das Eisen weiter, das Gefüge wurde weitgehend homogen. Damit war ein sehr gut schmiedbares, fast reines Eisen produziert, das als sogenanntes Schmiedeeisen dem heutigen Weicheisen bzw. Reineisen[1] entsprach.

Mittels nachträglichen Aufkohlen im Schmiedefeuer konnte das − bereits in Form geschmiedete Werkstück – gehärtet werden, um daraus Waffen, Werkzeuge etc. zu fertigen.

Neuzeitliche Verwendungsformen des BegriffsBearbeiten

Auf der gleichen Arbeitstechnik beruht bis heute das Schmieden von Damaszener Stahl oder das kaum mehr betriebene Puddelverfahren im Puddelofen. Beim Puddelverfahren müssen ebenfalls die durch das Puddeln gefrischten Eisenbrocken vor der weiteren Verarbeitung zu Halbzeug, wie Winkeleisen oder Flachstahlstangen ausgeschmiedet und feuergeschweißt werden. Bei beiden Verfahren werden die Zwischenprodukte vor/bei der Umformung Luppe genannt, beim Puddelverfahren historisch auch Dachel oder Deul[2].

Aus der Historie heraus wird als Luppe auch der Hohlkörper bezeichnet, der bei der Herstellung von Stahlrohren durch Schrägwalzen oder im Pilgerschrittverfahren aus einem glühenden Stahlzylinder (Block, Knüppel) − durch einen Lochdorn unterstützt − zwischen zwei gleichsinnig umlaufenden Walzen entsteht.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reineisen. Website von Angele (Maschinenbauer- u. Schmiedeausrüster). Abgerufen am 30. Mai 2016.
  2. Luppe (1), in Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909 Abgerufen am 30. Mai 2016.