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Ludwig Ullmann (* 15. April 1872 in Göllheim; † 22. Juli 1943 in Niederndorf) war ein deutscher Architekt.

LebenBearbeiten

Ludwig Ullmann wirkte in München, Kaiserslautern, Nürnberg und Speyer. Sein Zwillingsbruder Heinrich Ullmann (* 15. April 1872; † 12. Juni 1953) war ebenfalls Architekt. Ludwig Ullmann war der Schwiegersohn des pfälzischen Oberforstrates Karl Albrecht von Ritter. Wichtige Bauwerke von Ullmann sind der 1908–1909 erbaute Luitpoldturm im Pfälzerwald, das 1909–1910 erbaute Melanchthon-Gymnasium Nürnberg, das 1915 erbaute Scholastika Haus in München und das 1912–1914 erbaute Königlich Botanische Institut in München.[1]

Ullmann wurde 1902 als Bauamts-Assessor an das Königliche Landbauamt Nürnberg berufen.[2] Sofort wurden ihm als leitender Architekt bedeutende Projekte des Bayerischen Staates übertragen. 1909 wurde Ullmann nach München versetzt. Als königlicher Bauamtmann der Obersten Baubehörde war er dort verantwortlich für die Errichtung der Gewächshäuser des neuen Botanischen Gartens in München-Nymphenburg, die 1910–1912 erbaut wurden. Mit einer Gesamtfläche von rund 4.500 m², für die Ullmann eine transparente und filigrane Eisen-Holz-Glas-Architektur verwirklichte, zählen diese Gewächshäuser zu den letzten großen Pflanzen-Schauhäusern, wie sie seit Beginn des 19. Jahrhunderts in ganz Europa entstanden.[3]

 
Botanisches Institut, Nordseite, Tür beim Irisgarten, von 1914, Photo ca. 2009

Ullmann war nicht nur für das Königlich Botanische Institut, sondern zusammen mit dem Garteningenieur Peter Holfelder (1878–1936; vorher Lehrer an der Gartenbauschule in Weihenstephan) auch für das Konzept der Gartenanlage verantwortlich. Diese fügt sich in den baulichen Zusammenhang von Schloss und Park Nymphenburg ein und zwar im Anschluss an die Orangerie. Der Garten wurde angelegt sowohl nach wissenschaftlichen, als auch nach künstlerischen Gesichtspunkten und ist Geschütztes Kulturgut.

Für die Einrichtung der Gewächshäuser sorgte der Hofgärtner Leonhard Dillis (geb. 31. Dezember 1871, gest. ?). Die Durchführung der Bepflanzung lag in den Händen des Gartenkustos Walter Kupper (1874–1953). Wie auf dem Plan von 1914 zu sehen, besteht der Garten aus einem zentralen streng formal angelegten Teil, einem Alpinum mit vorgelagertem Teich und einem großen Arboretum. Die Anlage ist neuklassizistisch und stilistisch als Reaktion auf den Jugendstil zu verstehen. Sie orientiert sich an der Architektur des Frühklassizismus des späten 18. Jh. Dieser Phase ist auch das von Ullmann zusammen mit Ludwig von Stempel errichtete Hauptgebäude des Botanischen Instituts zuzuordnen, wobei auch neubarocke Züge unverkennbar sind, so etwa vier große Vasen auf dem Mittelteil des Daches vorne und unten, die bei einer Dachrenovierung nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurden. Charakteristisch für Ullmanns und Holfelders Stil für den Münchner Garten sind auch die harten geometrischen Formen der Flächen und ihrer Bordüren, die Verwendung von geradlinigen Pergolen, und das Absenken des Parterres des sogenannten Schmuckhofes, in dem vom Frühjahr bis Herbst Zwiebelpflanzen, Annuelle und Stauden gezeigt werden. Ein kleiner Gartenpavillon im Zentrum des Gartens, zunächst als Erfrischungsraum während der Sommermonate angelegt, diente seit etwa 1915 als Besucher-Café, ab 1936 als vollwertige Restauration.

Der Bauschmuck auf der Gartenseite des Instituts ist nicht aus Natur-, sondern aus Kunststein gefertigt, was mit Unterschieden in der Qualität der Zementmasse und deshalb unterschiedlicher Verwitterungsresistenz verbunden ist.

Die Portalfigur an der Nordseite zum Irisgarten ist daher dem sauren Regen gegenüber weniger standhaft. Auch die nicht mehr vorhandenen Dach-Vasen auf dem Institutsdach waren wahrscheinlich aus Kunststein.

LiteraturBearbeiten

  • S. Langenberger: Hochbauten des bayerischen Staates aus den letzten Jahrzehnten. Hrsg.: Königl. Oberste Baubehörde. Band 2: Neuer Botanischer Garten in München. Erbaut 1910–1913. Georg W. Callwey, München 1915, OCLC 834125546.
  • S. Langenberger: Der neue botanische Garten in München-Nymphenburg. In: Der Baumeister, Monatshefte für Architektur und Baupraxis 14(10): 74-79. Georg D. W. Callwey, München Oktober 1916.
  • Susanne Renner: Der Münchner Botanische Garten 1909–2009: Der Erhalt seiner Kunstwerke, Gebäude und Gartenarchitektur / The Munich Botanical Garden, 1909–2009: The preservation of its art, architecture, and landscaping. In: Englera. Nr. 30, 2013, S. 131–136, JSTOR:24365188.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Königl. Oberste Baubehörde (Hrsg.): Hochbauten des Bayerischen Staates aus den letzten Jahrzehnten: Neuer Botanischer Garten in München. Callwey, München 1915.
  2. Königliche Landbauamt Nürnberg
  3. Andreas Muschialik: Die Architektur der Gewächshäuser. In: Botanischer Garten München. München Verlag, 2014, S. 38–47.