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Ludwig Scharinger

österreichischer Bankmanager
Ludwig Scharinger (2012)

Ludwig Scharinger (* 19. Oktober 1942 in Arnreit, Oberösterreich; † 10. Jänner 2019[1]) war ein österreichischer Bankmanager. Von 1985 bis 2012 war er Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich.[2]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Ludwig Scharinger absolvierte die höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Francisco Josephinum in Wieselburg und studierte Betriebs- und Sozialwirtschaft an der Johannes Kepler Universität Linz.

1972 trat Scharinger in die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB-OÖ) ein, 1974 verlieh man ihm die Prokura, 1978 wurde er in die Geschäftsleitung berufen und ab 1985 war er Generaldirektor. Unter der Führung von Scharinger hat die RLB-OÖ einen starken Aufschwung genommen.

Ludwig Scharinger bekleidete an der Johannes Kepler Universität Linz die Funktion eines Universitätslektors für das Fachgebiet „Genossenschaftswesen und Volkswirtschaft“ und war Vorsitzender des Universitätsrats. Neben seinen zahlreichen Aufsichtsratsfunktionen war er Vizepräsident der Raiffeisen Zentralbank Österreich und Honorarkonsul der Tschechischen Republik.

Darüber hinaus engagierte er sich auch in der Wirtschaftsvertretung. 1985 wurde er zum Obmann-Stellvertreter der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Oberösterreich gewählt, seit 2000 stand er als Obmann an der Spitze der oberösterreichischen Branchenvertretung für Banken und Versicherungen. Auch auf Bundesebene stellte er sein Fachwissen in verschiedenen Ausschüssen und Gremien zur Verfügung. 1985 wurde Scharinger außerdem in den Aufsichtsrat der oberösterreichischen Kreditgarantiegesellschaft, 1996 auch in den Aufsichtsrat der oberösterreichischen Unternehmensbeteiligungsgesellschaft gewählt.

Unter Scharinger gelang es der RLB-OÖ, ihre Präsenz an der Johannes-Kepler-Universität weiter auszuweiten. Begonnen hatte alles mit der Errichtung eines (Raiffeisen-)Bankengebäudes, einem „Raiffeisen-Hörsaal“ und einem Scharinger-Förderpreis für wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten. Die durch seinen Einfluss in die Kepler-Universität investierten Geldbeträge brachten ihm dann auch den Sessel des Vorsitzenden im Universitätsrat ein. Kritiker sprachen daher auch davon, dass durch derartige Sponsor-Finanzierung die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung unmöglich wird.

Um die voestalpine AG 2003 vor einer drohenden feindlichen Übernahme zu schützen, schmiedete er mit Partnern ein Konsortium, welches heute den Hauptaktionär des Unternehmens bildet.

Im Dezember 2008 wurde sein Vorstandsmandat vom Aufsichtsrat unter Vorsitz von Jakob Auer verlängert, er hatte jedoch vor nur noch maximal drei Jahre lang Generaldirektor zu bleiben. Im März 2012 trat er mit 69 Jahren nach fast 27 Jahren als Generaldirektor der größten Bank im Bundesland Oberösterreichs ab.[3] Als sein Nachfolger wurde bereits im Oktober 2011 Heinrich Schaller bekanntgegeben,[4] der Scharinger Anfang April 2012 nachfolgte. Scharinger war noch einige Jahre als Konsulent bei der RLB Oberösterreich tätig. Mit 31. März 2014 hat er aus gesundheitlichen Gründen diese Konsulententätigkeit beendet.[5] Ludwig Scharinger fungierte zuletzt noch als Präsident der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, die sich die Vernetzung Österreichs und Russlands in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Bildung und Kultur zum Ziel gesetzt hat.

Ludwig Scharinger stand der ÖVP nahe. Von seinen Kritikern wurde er ob seines Auftretens mit dem Spitznamen „König Ludwig“ bedacht, auch als „eigentlicher Landeshauptmann von Oberösterreich“ oder „Luigi Monetti“ wurde er oft bezeichnet.

Als Schüler war er trat er der Mittelschülerverbindung K.Ö.Agr.StV. Bergland Wieselburg (MKV) bei. Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KAV Austro-Danubia Linz und KÖStV Severina Linz im ÖCV sowie seit 2008 der KAV Capitolina Rom im CV. Wie Landeshauptmann Josef Pühringer nahm er in der Vergangenheit an einer Tanzveranstaltung deutschnationaler Burschenschaften in Linz teil.[6]

Im Jahr 2013 erlitt Scharinger bei einer Jagd in Jekaterinburg einen Unfall, bei dem er sich einen Bruch eines Handgelenks und ein Schädel-Hirn-Trauma zuzog.[7]

Scharinger starb im Januar 2019 und hinterließ seine Frau Anneliese und vier Töchter.[1]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Dietmar Mascher: Ex-RLB Generaldirektor Ludwig Scharinger verstorben. In: nachrichten.at. 10. Januar 2019, abgerufen am 10. Januar 2019.
  2. Ex-RLB-Chef Scharinger verstorben. In: orf.at. 10. Januar 2019, abgerufen am 10. Januar 2019.
  3. Dietmar Mascher: Noch drei Jahre Scharinger. In: nachrichten.at. 23. Dezember 2008, abgerufen am 12. Januar 2019.
  4. Heinrich Schaller – neuer Chef der RLB OÖ. In: ooe.orf.at. 24. Oktober 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011.
  5. Dietmar Mascher: Ludwig Scharinger nicht mehr Konsulent bei Raiffeisen. In: nachrichten.at. 31. März 2014, abgerufen am 12. Januar 2019.
  6. Viel Musik, Tanz und Tradition – und dazu ein paar Schneebälle. In: nachrichten.at. 21. Januar 2013, abgerufen am 12. Januar 2019.
  7. Ludwig Scharinger fast völlig genesen „Eine Art Wiedergeburt“. In: kurier.at. 3. Februar 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017.
  8. Anfragebeantwortung: Anfrage betreffend Orden und Ehrenzeichen an ehemalige in- und ausländische Regierungsmitglieder und sonstige Persönlichkeiten. Österreichischer Bundespräsident, 23. April 2012, S. 1565, abgerufen am 12. Januar 2019 (pdf, 6,6 MB).
  9. Auszeichnung für den langjährigen Honorarkonsul der Tschechischen Republik Dr. Ludwig Scharinger. Botschaft der Tschechischen Republik in Wien, 5. Oktober 2016, abgerufen am 12. Januar 2019.