Louise-Élisabeth de Croÿ de Tourzel

französische Adlige, Herzogin de Tourzel

Louise-Élisabeth de Croÿ de Tourzel (Louise Élisabeth Félicité Françoise Armande Anne Marie Jeanne Joséphine de Croÿ d’Havré, * 11. Juni 1749 in Paris; † 15. Mai 1832 ebenda)[1], Markgräfin und spätere Herzogin de Tourzel, war Ehrendame der Königin Marie-Antoinette sowie die letzte Gouvernante der königlichen Kinder Frankreichs unter dem Ancien Régime. Ihre Memoiren geben Aufschluss über das Leben der königlichen Familie während der Revolution. Madame de Tourzel war eine überzeugte Royalistin und den französischen Bourbonen treu ergeben.[2]

Louise-Élisabeth de Croÿ de Tourzel (1771)

LebenBearbeiten

JugendBearbeiten

Louise-Élisabeth wurde als Tochter des Herzogs Louis Ferdinand Joseph d’Havré und der Prinzessin Marie-Louise Cunégonde von Montmorency-Luxembourg geboren. Sie entstammte somit der berühmten Croÿ-Familie. Ihr Bruder Joseph Anne Maximilien de Croÿ d’Havré gehörte dem flandrischen Regiment an und wurde später Marschall.

Heirat und Leben am französischen HofBearbeiten

Louise-Élisabeth heiratete am 8. April 1764, im Alter von 15 Jahren, Louis François du Bouchet de Sourches (1744–1786), Marquis de Tourzel. Während ihrer glücklichen Ehe schenkte die Marquise ihrem Gatten sechs Kinder, ihr bekanntestes Kind war die Tochter Pauline. Ihr Gatte starb durch eine tragischen Jagdunfall im Jahr 1786. Madame de Tourzel hat sich nicht wieder verheiratet.[3]

Während der RevolutionBearbeiten

Ein großer Teil der Höflinge emigrierten schon unmittelbar nach dem Sturm auf die Bastille ins Ausland. Unter den Emigranten war auch ein großer Teil der engen Vertrauten der Königin, wie die Duchesse de Polignac, die in die neutrale Schweiz floh.[4] Da Madame Polignac zuletzt das Amt der Gouvernanten der königlichen Kinder Frankreichs innehatte und dieses nun vakant wurde, trug Marie Antoinette der Marquise de Tourzel diese Ehre an. Somit drang Madame de Tourzel in den inneren Kreis um die königliche Familie vor und begleitete diese in die Tuilerienpalast nach Paris und auch später auf der Flucht nach Varennes. Nach der missglückten Flucht wurde die Königsfamilie und ihre Entourage unter strenger Bewachung zurück nach Paris gebracht.

Die Stimmung des Volkes war durch den Fluchtversuch der königlichen Familie, der primär der Königin angelastet wurde, ohnehin aufgebracht. Das Manifest des Herzogs von Braunschweig bildete einige Zeit später den Anlass, dass sich der Volkszorn entlud.[5] Aufgehetzt durch die unterschiedlichen Revolutionäre und Clubs stürmte der Pariser Mob am 10. August 1792 die Tuilerien. Die königliche Familie rettete sich in die Reithalle und wurde von dort in den Temple überführt. Schon einige Zeit später wurden Madame de Tourzel, ihre Tochter sowie die Prinzessin von Lamballe in das Gefängnis von la Force gebracht.[6] Die Marquise und ihre Tochter wurden von Unbekannten aus dem Gefängnis befreit und entgingen somit dem Tod. Die Prinzessin von Lamballe wurde dagegen angeklagt, vom Mob geschändet und durch die Straßen von Paris geschleift.

Nach der RevolutionBearbeiten

 
Louise-Élisabeth de Croÿ de Tourzel

Nach dem Ende Napoleons und der Wiedereinführung der Monarchie unter den Bourbonen, wurde sie von Ludwig XVIII. zur Herzogin erhoben.[7] Die Duchesse de Tourzel lebte seitdem wieder in Frankreich und schrieb an ihren Memoiren. Diese liefern Einblicke in die letzten Tag des Ancien Regime und der königlichen Familie.

WeblinksBearbeiten

Commons: Louise Élisabeth de Croÿ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Souvenirs de la marquise de Créquy, 1710 à 1802. Par comte de Courchamps, Maurice Cousin, S. 115.
  2. Arthur Imbert de Saint-Amand, Léon Imbert de Saint-Amand, Elizabeth Gilbert Martin: The Youth of the Duchess of Angoulême. University of Michigan: C. Scribner’s sons, 1915, S. 118.
  3. Louise Élisabeth Tourzel, François Joseph de Pérusse Des Cars: Memoirs of the Duchess de Tourzel: Governess to the Children of France During the Years 1789, 1790, 1791, 1792, 1793 and 1795. Remington & Co., 1986
  4. Justin Huntly McCarthy: The French Revolution. Harvard University: Harper, 1897.
  5. Albert Soboul: Die Große Französische Revolution. Ein Abriß ihrer Geschichte (1889–1799). 5. Auflage, athenäum, 1988, ISBN 3-610-08518-5, S. 220.
  6. Evelyne Lever, Catherine Temerson: Marie Antoinette: The Last Queen of France. Macmillan, 2001, ISBN 0-312-28333-4, S. 282–283.
  7. Nesta Helen Webster: Louis XVI and Marie Antoinette During the Revolution. University of Michigan: G. P. Putnam’s sons, 1937.