Zamor

französischer Revolutionär
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Zamor (bengalisch জামর Jāmar, getauft Louis-Benoit; * 1762 in Chittagong; † 7. Februar 1820 in Paris) war ein französischer Revolutionär, möglicherweise mit Siddi-Herkunft, aus Bengalen, der als elfjähriger Junge von Sklavenhändlern aus Chittagong, Bengal Subah, Mogulreich (heutiges Bangladesch) entführt wurde. Später wurde er von Marie-Jeanne Bécu, der Madame du Barry, versklavt und wurde ihr Diener, bis er sie dem Wohlfahrtsausschuss auslieferte. Er nahm an der Französischen Revolution teil und wurde von den Girondisten gefangen genommen.

Porträt von Louis-Benoit Zamor (1785) von Marie Victoire Lemoine

Frühes Leben und ErziehungBearbeiten

Zamor wurde 1762 in der Stadt Chittagong in Bengalen (heute Bangladesch) geboren.[1] Im Jahr 1773, als er elf Jahre alt war, wurde er von britischen Sklavenhändlern gefangen genommen, die ihn über Madagaskar nach Frankreich verschleppten und an Ludwig XV. von Frankreich verkauften.[2] Der König gab den kleinen Jungen seiner Geliebten, Marie-Jeanne Bécu,[1] und er wurde Louis-Benoit getauft.[3] Bécu entwickelte eine Vorliebe für den Jungen und erzog ihn.[4] Zamor entwickelte einen Sinn für Literatur und ließ sich von den Werken Rousseaus inspirieren. Bis zu ihrem Tod hatte die Gräfin den falschen Eindruck, dass Zamor Afrikaner sei, aber ihre Vermutung könnte teilweise richtig sein, da er möglicherweise ein Siddi war.[1]

Aufzeichnungen aus dieser Zeit deuten darauf hin, dass Zamor als Kind extrem schelmisch gewesen sein könnte.[5] So notierte Bécu in ihren Memoiren:

„Das zweite Objekt meiner Betrachtung war Zamor, ein kleiner afrikanischer Junge, voller Intelligenz und Unfug; einfach und unabhängig in seiner Natur, aber wild wie sein Land. Zamor hielt sich für gleichwertig mit allen, die er traf, und ließ sich kaum dazu herab, den König selbst als seinen Vorgesetzten anzuerkennen.“

Marie-Jeanne Bécu[6]

Rolle in der Französischen RevolutionBearbeiten

Als die Französische Revolution ausbrach, stand Zamor auf der Seite der Revolutionäre und schloss sich den Jakobinern an.[1] Er begann, Gräfin du Barry zu verabscheuen und bedauerte ihren verschwenderischen Lebensstil. Er protestierte auch gegen ihre wiederholten Besuche in England mit der Absicht, ihren verlorenen Schmuck zurückzuholen und warnte sie davor, Aristokraten zu schützen. Als Informant des Wohlfahrtsausschusses ließ Zamor die Polizei 1792 die Gräfin verhaften,[1] nachdem sie von einem ihrer vielen Besuche in England zurückgekehrt war. Die Gräfin sicherte sich jedoch ihre Freilassung aus dem Gefängnis und fand heraus, dass die Verhaftung durch ihn geschah. Sie entließ Zamor umgehend aus ihrem Dienst. In seiner Wut wurde Zamor zu einem offenen und lautstarken Unterstützer der Revolution. Er erhob weitere Anklagen gegen die Gräfin, die schließlich während der Terrorherrschaft zu ihrer Verhaftung, Gerichtsverhandlung und Hinrichtung durch die Guillotine führten.[1] Bei der Verhandlung gab Zamor Chittagong als Geburtsort an.[2]

Späteres Leben und TodBearbeiten

Kurz nach der Hinrichtung der Gräfin wurde Zamor selbst von den Girondisten unter dem Verdacht verhaftet, ein Jakobiner und ein Komplize der Gräfin zu sein. Er wurde vor Gericht gestellt und inhaftiert, konnte aber seine Freilassung durchsetzen. Er floh dann aus Frankreich und tauchte erst 1815 nach dem Fall Napoleons wieder auf. Zamor kaufte ein Haus in der Rue Maître-Albert in der Nähe des Pariser Quartiers Latin und verbrachte einige Jahre als Schullehrer.[2]

Zamor starb am 7. Februar 1820[5] in Armut und wurde in Paris in einem Armengrab beerdigt, ohne dass jemand am Begräbnis teilnahm.[2]

In der PopulärkulturBearbeiten

1978 erschien ein zweiseitiger Comic La Rue perdue (Die verlorene Straße) mit Gil Jourdan, einem von Maurice Tillieux geschaffenen Detektiv. Er spielt 1953 und lässt Jourdan herausfinden, warum eine gefälschte Guillotine-Klinge vor der Tür eines schwarzafrikanischen Freundes hängt. Die verantwortliche Person entpuppt sich als ein Mann, der von Madame du Barry besessen ist und seine Wut über ihren Tod an Jourdans Freund auslässt, der wie Zamor aussieht. Die Aktion spielt in der Rue Maître Albert, wo Zamor vor seinem Tod lebte.

In Marie Antoinette, einem Film aus dem Jahr 2006, wurde Madame du Barry (dargestellt von Asia Argento) in Begleitung eines unbenannten dunkelhäutigen Dienerjungen gezeigt, der höchstwahrscheinlich Zamor ist.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Zamor (1762-1820). In: Une autre histoire. 29. Juli 2013, abgerufen am 25. Mai 2019 (französisch).
  2. a b c d Child from Chittagong. Abgerufen am 25. Mai 2019 (englisch).
  3. The Hindu : For liberty and fraternity. Abgerufen am 25. Mai 2019 (englisch).
  4. Weber, Caroline, 1969-: Queen of fashion : what Marie Antoinette wore to the Revolution. 1st ed Auflage. H. Holt, New York 2006, ISBN 0-8050-7949-1 (google.ch [abgerufen am 25. Mai 2019]).
  5. a b G. Lenotre: Romances of the French Revolution. Wildside Press LLC, 2008, ISBN 978-1-4344-7500-8 (google.ch [abgerufen am 25. Mai 2019]).
  6. Memoirs of the Comtesse Du Barry, by Baron Etienne Leon Lamothe-langon. In: Project Gutenberg. Abgerufen am 1. Juli 2019 (englisch).