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Lou Ye (chinesisch 婁燁 / 娄烨, Pinyin Lóu Yè; * 1965 in Shanghai, Volksrepublik China) ist ein chinesischer Filmregisseur. Er wird zur sechsten Generation von Regisseuren des chinesischen Films gezählt, die eine direktere Sprache ihrer Darstellung wählen. Er wurde zweimal für die Goldene Palme nominiert und wurde 2006, aufgrund der ungenehmigten Aufführung seines Filmes Summer Palace頤和園 / 颐和园 bei den Filmfestspielen in Cannes, von der chinesischen Regierung mit einem fünfjährigen Arbeitsverbot belegt.[1][2][3][4][5]

2018 wurde er in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt.[6]

FilmeBearbeiten

Lou Ye erhielt seine Ausbildung an der Beijing Filmakademie und startete seine Regiekarriere mit dem Film „Weekend Lover“ – 周末情人 (1993), der jedoch erst im Jahre 1996 auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg seine Premiere hatte. Dort erhielt er den Spezialpreis in Memoriam Rainer Werner Fassbinder. Ein erster internationaler Erfolg war ihm jedoch erst mit „Suzhou River“ – 苏州河 (1997) beschieden, ein neo-Film Noir, der ihm eine Reihe von Preisen ein brachte: Den Tiger Award am Internationalen Film Festival Rotterdam (1999), den FIPRESCI Award an der Viennale (2000), den Grand Prix am Paris Film Festival (2000), einen Hauptpreis des Tokioter Ginza Film Festivals sowie den Critic's Award am Fantasporto (2002). Trotz dieser internationalen Anerkennung wurde die öffentliche Ausstrahlung des Films verboten, da das zentrale Thema, die Frage nach Identität, als zu kontrovers empfunden wurde. Viele internationale Kritiker zogen Parallelen zu Hitchcocks „Vertigo“, da beide Filme sich um die Obsession von Männern mit einer Frau drehen.[7][8]

Sein nächster Film, war „Purple Butterfly“ – 紫蝴蝶 (2003) mit der Hauptdarstellerin Zhang Ziyi, der während der japanischen Besetzung Shanghais spielt. Wieder verwendete Lou Ye Elemente des Film Noir, so weist der Film eine komplexe Erzählstruktur auf und Themen, die sich um Verrat und Rache drehen. Wieder ist der Film aufgrund heikler Themen verboten worden und ist bislang in der VR China nicht öffentlich erhältlich.

Sein Film „Summer Palace“ – 頤和園 / 颐和园 (2006) handelt von einem Pärchen im Kontext der Studentenproteste auf dem Tian’anmen-Platz von 1989 bis zum Jahre 2000. Wieder riefen sowohl Kontext als auch erotische Inhalte die Zensurbehörde auf den Plan, die den Film sofort verbot. Der Film erzählt aber auch von der „Lost Generation“, derjenigen Generation des Übergangs von Chinesen, die in den 60er-Jahren geboren worden war, zu jung für Deng Xiaopings Reformen, und zu alt für den Aufbruch Mitte der 90er-Jahre.

2008 dreht Lou Ye den Film „Bitch“ – 母狗 ab. Ein Jahr später erhielt er für Chun Feng Chen Zui De Ye Wan (Spring Fever) eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes.

Lou Yes SchaffenBearbeiten

Im Verlauf seiner Karriere kam Lou Ye immer wieder mit der chinesischen Zensurbehörde in Kontakt, da seine Filme oft heikle Themen berühren wie Sexualität, Gender, Obsession und politisch brisante Themen. „Weekend Lover“ wurde zuerst zwei Jahre lang zurückgehalten, „Suzhou River“ ist immer noch unter Verschluss, ebenso „Summer Palace“. „Suzhou River“ führte zu einem zweijährigen, „Summer Palace“ zu einem fünfjährigen Regieverbot. Obwohl Lou Ye und seine Mitarbeiter keine offizielle Erlaubnis der Zensurbehörde hatten, reichten sie den Film für das Cannes Film Festival 2006 als einzigen asiatischen Film ein.

FilmografieBearbeiten

Year Englischer Titel Chinesischer Title Pinyin Bemerkungen
1995 Weekend Lover 周末情人 Zhōumò qíngrén Werner Fassbinder Award for Best Direction beim 1996 Mannheim-Heidelberg Film Festival
2000 Suzhou River 苏州河 Sūzhōu hé Tiger Award beim 1999 Internationalen Film Festival Rotterdam
2003 Purple Butterfly 紫蝴蝶 Zǐ húdié Offizielle Auswahl: Cannes-Film-Festival 2003
2006 Summer Palace 頤和園 / 颐和园 Yíhéyuán Offizielle Auswahl: Cannes-Film-Festival 2006
2008 Bitch 母狗 Mǔgǒu
2009 Spring Fever 春风沉醉的夜晚 Chūnfēng chénzuì de yèwǎn Bestes Drehbuch im Wettbewerb des Cannes-Film-Festival 2009
2011 Love & Bruises Huā
2012 Mystery 浮城谜事 Fúchéng míshì Un Certain Regard: Cannes-Film-Festival 2012

Best Film Award der Asian Film Awards 2012

2014 Blind Massage 推拿 Tuīná Silberner Bär für herausragende künstlerische Leistung im Wettbewerb der Berlinale 2014

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Valens, Grégory: Purple Butterly. FilmFestivals.com. 2003. Archiviert vom Original am 31. August 2006.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.filmfestivals.com Abgerufen am 30. April 2007.
  2. Hu, Brian: Above Ground and Over His Head. Asia Pacific Arts. 3. Februar 2005. Archiviert vom Original am 18. Februar 2007.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.asiaarts.ucla.edu Abgerufen am 30. April 2007.
  3. The Daily Telegraph staff: Above Ground and Over His Head. The Daily Telegraph. 28. Februar 2006. Abgerufen am 30. April 2007.
  4. Rüdiger Suchsland, Telepolis: Wir sind eine "Lost Generation". Abgerufen am 11. Januar 2011.
  5. 娄烨违规参赛戛纳电影节 五年内不准拍片 (chinesisch)
  6. Academy invites 928 to Membersphip. In: oscars.org (abgerufen am 26. Juni 2018).
  7. A.O. Scott: Film Festival Review; A Chill Scene for Shadowy Characters. New York Times. 25. März 2000. Abgerufen am 23. Februar 2007.@1@2Vorlage:Toter Link/movies2.nytimes.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Think Global, Act Local. The Village Voice. 20. März 2000. Abgerufen am 23. Februar 2007.
  Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Das ist die übliche Reihenfolge im Chinesischen. Lou ist hier somit der Familienname, Ye ist der Vorname.